Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die besonders Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Viele Frauen, die unter Migräne leiden, erleben während einer Schwangerschaft Veränderungen ihrer Beschwerden. Während sich bei einigen die Migräne bessert oder sogar ganz verschwindet, kann sie bei anderen unverändert bleiben oder sich verschlimmern. Es gibt auch Bedenken hinsichtlich eines möglichen Zusammenhangs zwischen Migräne und Schwangerschaftskomplikationen, einschließlich Fehlgeburten. Dieser Artikel beleuchtet die Anzeichen von Migräne, die möglichen Auswirkungen auf die Schwangerschaft und gibt Hinweise zu Umgang und Behandlung.
Migräne und Schwangerschaft: Ein Überblick
Migräne ist durch wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet, die von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. Die Diagnose wird in der Regel gestellt, wenn mindestens fünf Attacken aufgetreten sind. Migräneattacken können zwischen vier Stunden und drei Tagen andauern.
Verbesserung der Migräne während der Schwangerschaft
Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft eine Besserung ihrer Migräne. Schätzungen zufolge berichten 50 bis 80 Prozent der schwangeren Frauen von einer Verbesserung ihrer Migräne, bei manchen verschwindet sie sogar vollständig. Dieser Effekt tritt besonders in den letzten beiden Schwangerschaftsdritteln auf.
Positive Auswirkungen der Schwangerschaft auf die Migräne können vor allem Frauen erwarten, deren Schmerzattacken hormonell bedingt sind. Auch Frauen mit Migräne ohne Aura bemerken oft Verbesserungen. Mögliche Gründe dafür sind:
- Ein konstant hoher Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron.
- Eine veränderte Konzentration der Botenstoffe Serotonin und Endorphin.
- Eine gesündere Lebensweise.
Schwangere Frauen achten oft mehr auf eine regelmäßige und ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr, Verzicht auf Alkohol und Nikotin, regelmäßige Bewegung und die Einnahme von Medikamenten nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
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Verschlechterung der Migräne während der Schwangerschaft
Trotz der positiven Berichte gibt es auch Frauen, bei denen die Migräne während der Schwangerschaft unverändert bleibt oder sich verschlimmert. Dies kann besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel auftreten.
Mögliche Ursachen für Kopfschmerzen während der Schwangerschaft
Kopfschmerzen in der Schwangerschaft können verschiedene Ursachen haben. Neben Migräne können auch Spannungskopfschmerzen, hormonelle Veränderungen, Stress, Verspannungen, niedriger Blutzucker oder Flüssigkeitsmangel eine Rolle spielen. Besonders in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft stellt sich der Körper auf den neuen Zustand ein, was zu hormonellen Schwankungen und Beschwerden wie Übelkeit, Kreislaufproblemen und Kopfschmerzen führen kann.
Migräne und Schwangerschaftskomplikationen
Einige Studien deuten darauf hin, dass Schwangerschaftskomplikationen und Komplikationen bei der Geburt bei Müttern mit Migräne häufiger auftreten können. Dazu gehören ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie), Früh- und Fehlgeburten, ein niedrigeres Geburtsgewicht sowie häufigere Klinikaufenthalte nach der Geburt.
Eine Registeranalyse bestätigte, dass Schwangere mit Migräne vermehrt Bluthochdruck und andere Schwangerschaftskomplikationen entwickeln. Die Forscher fanden heraus, dass der Nachwuchs von migränekranken Frauen häufiger ein niedriges Geburtsgewicht hatte und häufiger vor der 37. oder 32. Schwangerschaftswoche geboren wurde.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Risiken oft mit weiteren Faktoren einhergehen, wie Bluthochdruck, Depressionen, Asthma oder Nikotinkonsum. Die Forscher vermuten vor allem den erhöhten Blutdruck in der Schwangerschaft als Ursache des erhöhten Risikos.
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Eine Studie der Harvard Medical School untersuchte den Zusammenhang zwischen Migräne und Schwangerschaftskomplikationen. Die Ergebnisse zeigten, dass ein zu niedriges Geburtsgewicht und Gestationsdiabetes nicht mit Migräne assoziiert waren. Das relative Präeklampsie-Risiko war jedoch etwas höher bei Teilnehmerinnen mit Migräne mit Aura (+51 %) als bei Migräne ohne Aura (+30 %).
Behandlung von Migräne während der Schwangerschaft
Die Behandlung von Migräne während der Schwangerschaft erfordert besondere Vorsicht, da viele Migränemedikamente in der Schwangerschaft kontraindiziert sind, da ein Risiko für Fehlbildungen besteht. Insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel sollte eine medikamentöse Behandlung von Migräne möglichst vermieden werden.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Wenn die Schmerzen erträglich sind, kann bei Migräne in der Schwangerschaft möglicherweise ganz auf Medikamente verzichtet werden. Wichtig ist es, sich viel Ruhe und Schlaf zu gönnen, am besten in einem abgedunkelten Raum. Ein gekühltes Tuch an Schläfen oder Stirn und eine Wärmeflasche auf dem Bauch können ebenfalls als angenehm empfunden werden.
Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen sind:
- Regelmäßiger moderater Sport wie Walken, Schwimmen oder Yoga
- Entspannungsübungen wie Meditationen oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson
- Vermeidung von Migräne-Triggern
- Viel trinken, mindestens zwei Liter täglich
- Geregelter Tagesablauf mit Ruhepausen sowie ausreichend Nachtschlaf
- Massagen zur Behandlung und Vorbeugung von Verspannungen
- Pfefferminzöl auf Stirn oder Schläfen auftragen
Medikamentöse Behandlung
Wenn die Schmerzen oder Übelkeit sehr stark sind, ist es auch in der Schwangerschaft nicht sinnvoll, die Beschwerden auszuhalten und ganz auf Medikamente zu verzichten. Es ist jedoch wichtig, vor der Einnahme von Medikamenten immer einen Arzt zu konsultieren, um sicherzustellen, dass sie für Mutter und Kind sicher sind.
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Paracetamol gilt als das Mittel der Wahl bei Migräne in der Schwangerschaft. In begrenzten Dosierungen gilt der Wirkstoff als unbedenklich. In Ausnahmefällen kann der Arzt bei Migräne in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln auch Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure verordnen. Im letzten Trimester dürfen diese Wirkstoffe allerdings nicht weiter eingenommen werden.
Wenn diese Schmerzmittel keinerlei Wirkung zeigen, können Ärzte auch Triptane verordnen. Sumatriptan ist ein Triptan, das in der Schwangerschaft eingesetzt werden kann, wenn der Nutzen für die Mutter das Risiko für das Kind überwiegt.
Bei Übelkeit und Erbrechen kann Metoclopramid während der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden.
Homöopathie
Viele Frauen mit Migräne nutzen in der Schwangerschaft Homöopathie, um die Beschwerden aushalten zu können. Die Wirkung homöopathischer Mittel ist wissenschaftlich allerdings umstritten. Aber auch Homöopathie sollte in der Schwangerschaft nicht im Alleingang verwendet werden.
Migräne nach der Geburt
Nach der Entbindung gibt es erneut Hormonumstellungen im Körper der Frau, wodurch eine Migräne, die eventuell während der Schwangerschaft seltener vorkam, wieder zunehmen kann. Das Wochenbett beschreibt die Zeit nach der Entbindung, in der sich der weibliche Körper von der Geburt erholt und sich zurückbildet. Damit gehen auch Hormonveränderungen einher, die sich auf das Auftreten von Migräne auswirken können.
Bei der Behandlung der Migräne nach der Schwangerschaft müssen besonders stillende Mütter aufpassen, welche Medikamente sie einnehmen können, ohne ihrem Säugling zu schaden. Schmerzmittel sowie Triptane gelangen möglicherweise in die Muttermilch. Sprich die medikamentöse Behandlung immer zunächst mit deinem Arzt ab.
Kinderwunsch trotz Migräne
Frauen, die an Migräne leiden und einen Kinderwunsch haben, sind oft verunsichert. Sie fragen sich, ob sie sich trotz Migräne eine Schwangerschaft zutrauen und wie es sein wird, wenn das Baby auf der Welt ist. Grundsätzlich kann das niemand vorhersagen, aber bei den meisten Frauen bessert sich die Migräne in der Schwangerschaft aufgrund der Hormonumstellung.
Um eine gesunde Entwicklung des Kindes zu ermöglichen, ist es allerdings nötig, auf einige Dinge zu achten. Vor allem in den ersten Tagen nach der Befruchtung und Einnistung ist der Embryo anfällig für schädliche Einflüsse. Daher solltest du bereits während der Kinderwunschzeit möglichst auf Medikamente verzichten und vorbeugende Maßnahmen ergreifen.
Zusammenfassung
Migräne und Kopfschmerzen können während der Schwangerschaft eine Herausforderung darstellen. Es ist wichtig, die Ursachen und möglichen Auswirkungen zu verstehen und geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln. Während sich bei vielen Frauen die Migräne während der Schwangerschaft bessert, kann sie bei anderen unverändert bleiben oder sich verschlimmern. Es gibt Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Migräne und Schwangerschaftskomplikationen, aber weitere Forschung ist erforderlich, um die genauen Mechanismen zu verstehen.
Schwangere Frauen mit Migräne sollten eng mit ihrem Arzt zusammenarbeiten, um eine individuelle Behandlungsstrategie zu entwickeln, die sowohl die Gesundheit der Mutter als auch die des Kindes berücksichtigt. Nicht-medikamentöse Maßnahmen sollten immer als Erstbehandlung versucht werden, und Medikamente sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.
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