Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein können. In manchen Fällen kündigt sich eine Migräneattacke durch eine sogenannte Aura an, die neurologische Symptome wie Sehstörungen umfasst. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, einschliesslich Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und neuen Therapieansätzen.
Was ist Migräne?
Bei einer Migräne-Attacke treten typischerweise starke, pulsierende Kopfschmerzen meist auf nur einer Seite des Kopfes auf. Sie verschlimmern sich bei körperlicher Bewegung. Häufig treten Begleitsymptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen auf. In manchen Fällen geht der Migräne eine sogenannte Aura voraus, die etwa Sehstörungen und weitere Symptome umfassen kann.
Migräne ist eine häufige Erkrankung: Im Laufe eines Jahres sind etwa zehn bis 15 von 100 Menschen von Migräne betroffen. Die Attacken treten besonders oft zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auf. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Dieser Unterschied zwischen beiden Geschlechtern ist mit circa 30 Jahren am größten.
Bereits Kinder können an Migräne leiden, typisch ist aber ein erstes Auftreten nach der Pubertät. Jungen und Mädchen sind in etwa gleich häufig betroffen. In der Regel haben Betroffene nur an manchen Tagen Kopfschmerz-Attacken, sind an den meisten Tagen im Monat aber schmerzfrei.
Ursachen und Auslöser der Migräne
Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Die sogenannten Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind sehr individuell. Zu den häufigsten Triggern gehören:
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- Stress: Besonders bei unregelmäßigem Tagesablauf, emotionalem Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit treten Migräneanfälle auf.
- Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
- Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
- Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel gelten als Auslöser, wie zum Beispiel Rotwein. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
- Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.
Phasen einer Migräne
Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen. Diese dauern unterschiedlich lange und müssen nicht zwingend alle auftreten.
- Prodromalphase: In vielen Fällen kündigen Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit eine Migräne an. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten.
- Aura: Anschließend kann eine Migräne-Aura auftreten. Diese kann verschiedene Anzeichen haben:
- Sehstörungen: Bei einer visuellen Aura kommt es zum Beispiel zu einem Flimmersehen oder zum Sehen von Zickzack-Linien, zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) oder die Betroffenen sehen Objekte verzerrt, unscharf, vergrößert oder verkleinert (Metamorphopsie).
- Empfindungsstörungen: Ein häufiges Aura-Symptom ist ein Kribbeln, das sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf ausbreitet.
- Weitere Einschränkungen: Zum Beispiel kann das Sprachvermögen gestört sein (Aphasie). Sehr selten kommt es zu Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen (Paresen). Die Migräne-Aura geht manchmal auch mit Gleichgewichtsstörungen einher.
- Kopfschmerzphase: Die heftigste Phase geht mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einher, die bis zu drei Tage anhalten können. Die Schmerzen werden als pulsierend oder stechend beschrieben und treten meist im Bereich von Stirn, Schläfen und den Augen auf. Kinder und Jugendliche haben typischerweise kürzere Migräneanfälle. Sie nehmen die Kopfschmerzen meist beiderseitig im Bereich von Stirn und Schläfen wahr.
Diagnose von Migräne
Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden ihrer Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Auch ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.
Behandlung von Migräne
Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Vorbeugung von Attacken als auch die Akuttherapie zur Linderung der Symptome während einer Attacke.
Vorbeugung von Migräne
Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll - etwa regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen. Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.
Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wir Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Welche Mittel wann helfen.
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Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Die ist gut wirksam, kommt aber nicht für jeden infrage. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante.
Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.
Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.
Akut-Therapie von Migräne-Attacken
Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt. Migränespezifische Medikamente wie Triptane oder Ditane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.
Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Außerdem ist die Remote Electrical Neuromodulation eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie - etwa dann, wenn etwas gegen Medikamente spricht.
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Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Für sie sind aber nicht alle Medikamente zugelassen. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein. Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.
Triptane: Wirksamkeit und Anwendung
Triptane sind eine Gruppe von Substanzen, die im Gefäßsystem und im Gehirn an bestimmten Stellen angreifen. Ihre Wirkung besteht darin, dass sie über verschiedene Mechanismen Migräne-Kopfschmerzen bekämpfen. Sie sind Standardmedikamente und eine wichtige Säule im Behandlungskonzept von mittelschwerer und schwerer Migräne, sowie bei Cluster-Kopfschmerzen.
Wie wirken Triptane?
Triptane setzen sich auf bestimmte Moleküle - sogenannte 5-HT1-Rezeptoren - auf der Oberfläche von menschlichen Zellen, insbesondere von Zellen, die im Gehirn vorkommen. Dort lösen sie eine Kaskade an Reaktionen aus, die vor allem zwei Folgen hat:
- Erstens hemmen sie Entzündungsvorgänge im Bereich von bestimmten Arterien (Dura-Arterien), die das Gehirn versorgen.
- Zweitens sorgen sie dafür, dass sich die Gefäße im Gehirn etwas zusammenziehen.
Forscher gehen davon aus, dass unter anderem diese Vorgänge - Entzündungen in der Gefäßumgebung und geweitete Gefäße - zu Migräne führen.
Welche Triptane gibt es?
Es gibt sieben verschiedene Triptane, die alle ähnlich wirken, sich aber in Details unterscheiden. So tritt beispielsweise bei manchen Triptanen die Wirkung schnell ein, hält aber nicht so lange an. Bei anderen Triptanen tritt die Wirkung etwas später ein, hält aber lange an. Die allermeisten Triptane können als Tabletten eingenommen werden, es gibt aber auch einzelne, die als Spritze oder als Nasenspray verabreicht werden können. Die Behandlung sollte individuell erfolgen.
Nebenwirkungen von Triptanen
Weil Triptane dafür sorgen, dass sich die Gefäße - insbesondere im Gehirn - etwas zusammenziehen, kommt es nach der Einnahme der Medikamente häufig zu einem vorübergehenden Blutdruckanstieg. Wegen dieser Nebenwirkung dürfen Triptane bei manchen vorliegenden Leiden - insbesondere bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems - nicht eingenommen werden.
Auch andere, Nebenwirkungen wie Kribbelgefühle, Kältegefühle in den Extremitäten, Schwindel und Müdigkeit können vorkommen. Bei Triptanen kommt es etwas häufiger zu diesen Nebenwirkungen als bei anderen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder ASS.
Wer sollte keine Triptane nehmen?
Wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden oder Erkrankungen vorliegen, dürfen Triptane nicht eingenommen werden. Man spricht dann von Kontraindikationen. Zu diesen Kontraindikationen gehören unter anderem:
- Ein Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vergangenheit
- Eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Eine schwere Leberfunktionsstörung
- Mittelschwerer bis schwerer Bluthochdruck
Die allermeisten dieser Kontraindikation zielen darauf ab, dass bei den Betroffenen das Herz-Kreislauf-System angeschlagen ist und durch die Verengung der Gefäße durch Triptane nicht weiter belastet werden sollte.
Rezeptfreie Triptane
Zurzeit sind in Deutschland drei verschiedene Triptane ohne Rezeptpflicht zugelassen. Sie können von Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, bei denen zuvor eine Migräne diagnostiziert wurde, ohne Rezept gekauft werden. Das ist von Vorteil, wenn man bereits eine diagnostizierte Migräne hat und einem die verschriebenen Triptane ausgegangen sind. Allerdings sollte man bei unklaren Kopfschmerzen nicht einfach in die Apotheke gehen und Triptane kaufen, bevor eine Migräne von einem Arzt oder einer Ärztin diagnostiziert wurde.
Migräne-Spritze: Eine neue Therapieoption
Viele Menschen mit schwerer Migräne erhielten erst spät moderne Migränemittel, beklagt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Insbesondere die Migräne-Spritze, sogenannte monoklonale Antikörper, zur Vorbeugung (Migräneprophylaxe) der episodischen und chronischen Migräne ist effektiv und gut verträglich, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) erklärt.
Wie wirkt die Migräne-Spritze?
Die monoklonale Antikörper-Therapie, die bei ihrer Zulassung in der Öffentlichkeit als sogenannte Migräne-Spritze bekannt wurde, soll als vorbeugendes Medikament die Häufigkeit der Migräneattacken reduzieren.
Die Wirkstoffe setzen an einem Botenstoff an, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle zu spielen scheint: dem sogenannten Calcitonin-Gene-Related-Peptide, kurz CGRP. Das CGRP spielt bei Entzündungsvorgängen im Körper eine Rolle. Bei Migräne ist es wesentlich an der Entstehung und Erhaltung der Attacke beteiligt und wird vermehrt ausgeschüttet. Bei Menschen, die regelmäßig Migräneanfälle haben, ist der CGRP-Spiegel dauerhaft erhöht.
Genau hier setzt die Antikörper-Therapie an. Sie hemmt wie bei den Wirkstoffen Galcanezumab und Fremanezumab das Molekül CGRP selbst oder richtet sich wie im Fall der Wirkstoffs Erenumab und Eptinezumab gegen den Rezeptor, also die Andockstelle des Moleküls.
Für wen ist die Migräne-Spritze geeignet?
Zugelassen ist die Behandlung für erwachsene Migräne-Patientinnen und -Patienten ab vier Mirgänetagen beziehungsweise Schmerztagen im Monat. Üblicherweise wird erst auf andere Weise versucht, den Migräneanfällen vorzubeugen. Wirken die üblichen Mittel nicht, oder werden nicht vertragen, kommt eventuell in die Migräne-Spritze in Betracht. Betroffene klären das am besten zunächst in ihrer hausärztlichen Praxis, gegebenenfalls werden sie zu einer Neurologin oder einem Neurologen überwiesen.
Nebenwirkungen der Migräne-Spritze
Betroffene berichteten über Rötungen an der Einstichstelle oder Verstopfung als typische Nebenwirkungen, so die Erfahrung der Neurologin. Daten legen zudem eine erhöhte Infektanfälligkeit nahe.
Nach bisheriger Studienlage ist die Therapie jedoch wirksam. Nebenwirkungen der bisherigen migränevorbeugenden Mittel wie etwa Gewichtszunahme, Stimmungsveränderungen, Müdigkeit, Antriebsreduktion oder Benommenheit sind laut Schmerzklinik Kiel nicht zu erwarten. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, müssen weitere Studien zeigen.
Anwendung und Dosierung der Migräne-Spritze
Die Dosierung von Migräne-Spritzen hängt vom jeweiligen Medikament ab und wird von der Ärztin oder dem Arzt festgelegt. Auch wie häufig die Spritze gegen Migräne verwendet wird, ist abhängig vom Wirkstoff. Eine typische Häufigkeit ist beispielsweise einmal pro Monat über mehrere Monate hinweg.
Injiziert wird die Spritze unter die Haut. Die drei Medikamente Galcanezumab, Fremanezumab und Erenumab kann man sich mithilfe spezieller und leicht anzuwendender Fertigpens und Fertigspritzen selbst verabreichen. Darin ist das Präparat schon für je eine einzelne Dosis vorportioniert. Eptinezumab wird üblicherweise alle zwölf Wochen intravenös verabreicht.
Kostenübernahme
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten von rund 400 Euro pro Spritze nur, wenn herkömmliche Therapien nicht geholfen haben. Zugelassen ist die Antikörpertherapie für Erwachsene mit Migräne ab vier Schmerztagen im Monat.
Für wen ist die Migräne-Spritze nicht geeignet?
Für manche Menschen kommt die Anti-CGRP-Therapie nicht infrage. Bei Frauen mit Kinderwunsch ist sie nicht geeignet, weil man keine Daten hat, wie sich die Spritze in der Schwangerschaft auswirkt. Auch in der Stillzeit ist sie tabu.
Bei bestimmten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen schweren Begleiterkrankungen ist besondere Vorsicht geboten; die Entscheidung für die Behandlung sollte daher immer individuell durch einen erfahrenen Neurologen oder eine Neurologin erfolgen.
Alternativen zur Migräne-Spritze
Die monoklonalen Antikörper gelten als Meilenstein in der Migräne-Behandlung. Vor ihrer Zulassung gab es zur Vorbeugung der schmerzhaften Attacken nur Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt worden waren und sich im Nebeneffekt auch positiv auf Migräne auswirkten. Diese Standard-Therapien sind nach wie vor wichtig. Eine wirksame und kostengünstige Möglichkeit der Anfallsprophylaxe ist Ausdauersport. Auch Kraftsport, Entspannungsübungen, ein gesunder Takt bei Schlaf und Mahlzeiten sowie Methoden der Stressbewältigung könnten helfen, Migräneattacken zu vermeiden.
Vestibuläre Migräne: Schwindel als Hauptsymptom
Die vestibuläre Migräne kann eine Ursache für wiederkehrenden Schwindel sein. Betroffene erleben plötzliche Dreh- oder Schwankschwindel-Attacken, die oft von Kopfschmerzen, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. In Deutschland sind schätzungsweise fast ein Prozent der Bevölkerung betroffen.
Symptome der vestibulären Migräne
Anders als bei der normalen Migräne, ist bei der vestibulären Form nicht Kopfschmerz, sondern Schwindel das Hauptsymptom. Nur die Begleitsymptome ähneln sich. Dazu können zum Beispiel Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit, ein starkes Ruhebedürfnis und sogenannte Auren wie etwa ein Flimmern vor den Augen gehören.
Die Furcht vor dem nächsten Anfall ist oft groß. Viele trauen sich aus Angst vor dem Kontrollverlust kaum mehr vor die Tür, was die Erkrankung noch schlimmer macht.
Wie lange eine Attacke dauert, ist individuell unterschiedlich. Die Anfälle können nach wenigen Sekunden vorbei sein, aber auch stundenlang anhalten. In extremen Fällen ist Erkrankten mehrere Tage lang schwindelig.
Ursachen der vestibulären Migräne
Warum vestibuläre Migräne entsteht, ist nicht ganz geklärt, oft liegt die Erkrankung aber in der Familie. Es handelt sich um eine Softwarestörung im Gehirn, das Reize nicht mehr richtig verarbeiten kann. Es kommt zu einer Art Entzündungsreaktion, an der vor allem jene Hirnareale beteiligt sind, die für das Gleichgewicht verantwortlich sind. Äußere Faktoren wie Licht, Lärm, Schlafmangel, bestimmte Gerüche oder hormonelle Schwankungen können Attacken auslösen.
Diagnose der vestibulären Migräne
Auf der Suche nach einer Erklärung für ihre Symptome durchlaufen viele Betroffene eine Ärzte-Odyssee, teilweise wird ihnen fälschlicherweise verkündet, die Beschwerden seien psychischer Natur. Häufig vergehen Jahre, bis die Diagnose vestibuläre Migräne gestellt wird. Es ist ratsam, eine neurologische Praxis aufzusuchen, wenn in einer HNO-Praxis keine Erklärung für den Schwindel gefunden wird.
Vermutet die Ärztin nach dem ersten Gespräch eine vestibuläre Migräne, veranlasst sie meist eine Videonystagmografie (VNG), um über die Augenbewegungen die Funktion des Gleichgewichtsorgans zu messen.
Behandlung der vestibulären Migräne
Bei einer akuten Attacke kann man bestimmte Mittel gegen Übelkeit einnehmen, etwa den Wirkstoff Dimenhydrinat, der auch in Reisetabletten enthalten ist. Typische Migränemedikamente wie Schmerzmittel oder Triptane seien bei der vestibulären Form mit Kopfschmerz ebenfalls sinnvoll.
Heilbar ist vestibuläre Migräne bisher nicht. In schweren Fällen können Medikamente helfen, Anfällen und damit auch dem Schwindel vorzubeugen: Eingesetzt werden können Betablocker wie Metoprolol, Antidepressiva wie Amitriptylin, Antiepileptika wie Topiramat und Kalziumkanalblocker wie Flunarizin, das offiziell zur Behandlung von Schwindel zugelassen ist.
Seit einigen Jahren sind bei hohem Leidensdruck auch CGRP-Antikörper zur Prophylaxe zugelassen, die sich Patienten einmal im Monat oder einmal im Quartal selbst unter die Haut spritzen können.
Vorbeugende Maßnahmen
Genug zu schlafen und Stress zu vermeiden kann etwa helfen, Attacken vorzubeugen. Regelmäßig zu essen und zu trinken, damit das Gehirn stets mit Energie versorgt ist. Moderater Ausdauersport von 30 Minuten zwei- bis dreimal pro Woche wirkt sehr positiv. Gleichgewichtstraining gibt Patientinnen und Patienten Sicherheit.
Migräne mit Aura: Wenn die Morgenröte den Schmerz ankündigt
So wie die Morgenröte langsam den Tag beginnen lässt, so kündigt die Aura eine Migräne-Attacke an. Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sind 15 bis 25 Prozent der Patientinnen und Patienten betroffen.
Symptome einer Aura
Typisch sind Sehstörungen, oft sind es sogenannte einseitige Gesichtsfeldausfälle. Im linken oder rechten Teil können zunehmende Flimmer-Erscheinungen auftreten. Betroffene sehen oft Zickzacklinien, die sich immer mehr ausbreiten oder farbige Randzacken ausbilden.