Migräne bei Schülern: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die nicht nur Erwachsene betrifft. Auch bei Kindern und Jugendlichen tritt sie häufig auf und kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Etwa vier bis fünf Prozent aller Kinder leiden unter Migräne, wobei Mädchen und Jungen bis zur Pubertät gleich häufig betroffen sind. Danach tritt Migräne bei Mädchen häufiger auf als bei Jungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Migräne bei Schülern, um Eltern und Betroffenen ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke und wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und von einer Vielzahl weiterer Symptome begleitet sein kann. Bei Kindern unterscheidet sich die Migräne in mehreren Aspekten von der Migräne bei Erwachsenen.

Ursachen von Migräne bei Kindern

Die genauen Ursachen von Migräne bei Kindern sind noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet jedoch, dass Migräne erblich bedingt ist, da sie in vielen Familien gehäuft auftritt. Besonders häufig entwickeln Kinder Migräne, deren Mutter und/oder Vater ebenfalls an Migräne erkrankt sind. Das Nervensystem von Migränepatienten zeigt keine strukturellen Auffälligkeiten des Gehirns; der anatomische Aufbau bleibt unauffällig. Jedoch ist das Nervensystem durch eine erhöhte Empfindlichkeit in der Reizverarbeitung charakterisiert, die vermutlich genetisch bedingt ist. Sensorische Reize, insbesondere plötzliche, intensive oder komplexe Stimuli, können eine übermäßige Aktivierung der Nervenzellen hervorrufen. Diese Überaktivierung führt zu einem gesteigerten Energieverbrauch in den Nervenzellen, wodurch die Energiereserven erschöpft werden. Während dieser Fehlregulation werden entzündliche Mediatoren im Bereich der Arterien der Hirnhäute freigesetzt. Diese Mediatoren erhöhen die Empfindlichkeit der Hirnhäute gegenüber äußeren Reizen.

Auch scheinen gewisse Trigger-Faktoren (Auslöser) Migräne-Attacken bei Kindern zu begünstigen. Das kindliche Gehirn reagiert auf viel mehr Reize und Ereignisse mit einem Migräne-Anfall als das Gehirn von Erwachsenen. Ein zentraler Auslöser ist die Unregelmäßigkeit im Alltag, die zu einer Überforderung der Nervenzellen führt. Faktoren wie Stress, ein ungeordneter Lebensstil, übermäßige Anforderungen, plötzlich auftretende Reize oder eine übermäßige Reizvielfalt können Migräne begünstigen.

Häufige Migräne-Trigger bei Kindern

  • Niedriger Blutzucker und Flüssigkeitsmangel: Strengen sich Kinder körperlich zu stark an, reagieren sie häufig mit Kopfschmerzen darauf. Das liegt unter anderem daran, dass sie nicht genügend getrunken oder gegessen haben. Vor allem Kinder reagieren besonders sensibel auf einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel. Häufig machen sich Migräne-Attacken bemerkbar, wenn ein Kind beispielsweise morgens nicht gefrühstückt hat.
  • Unregelmäßiger Schlaf: Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf führt unter Umständen zu einem Migräne-Anfall. Sehr häufig gerät der Schlafrhythmus am Wochenende durcheinander, wenn die Kinder zu spät ins Bett gehen und dafür länger schlafen. Das kann Migräne-Attacken begünstigen. Umgekehrt erschwert eine Attacke auch das Einschlafen. Ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus sollte eingehalten werden.
  • Stress: Psychische Belastungen und Stress können ebenfalls Migräne bei Kindern auslösen. Dazu zählt zum Beispiel auch die Reizüberflutung durch elektronische Geräte wie Computer, Smartphone oder Fernseher. Ein hoher Medienkonsum vor dem Schlafengehen wirkt sich besonders negativ aus. Mangelnde körperliche Bewegung, familiäre Konflikte und hohe Leistungsansprüche in der Schule sowie Mobbing sind ebenso häufig Auslöser für Migräne-Attacken. Auch eine Erkältung oder die Vorfreude auf ein Geburtstagsfest rufen unter Umständen Stress hervor und verursachen Migräne bei Kindern.
  • Wetter: Vor allem Kinder reagieren auf bestimmte Wetterlagen sensibel. Oft lösen ein plötzlicher Temperaturwechsel (meist ein Temperaturanstieg) und eine hohe Luftfeuchtigkeit Migräne bei Kindern aus. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang zwischen dem Wetter und Migräne bislang nicht wissenschaftlich belegt.
  • Lärm und Licht: Insbesondere Lärm und Lichtveränderungen können einen Migräne-Anfall bei Kindern verursachen. Vor allem Lärm löst starken Stress aus. Das gilt nicht nur für laute Geräusche in der Nähe von Baustellen oder durch den Straßenverkehr, sondern auch für zu laut eingestellte Musik (insbesondere bei Kopfhörern). Kinder reagieren auch sehr sensibel auf veränderte Lichtverhältnisse, wenn zum Beispiel der Schreibtisch frontal vor einem Fenster platziert ist. Arbeitsmediziner empfehlen, einen Schreibtisch stattdessen im rechten Winkel zum Fenster aufzustellen. Auch flackernde Blitzlichter in Clubs können bei manchen Jugendlichen eine Migräne auslösen.
  • Chemische Reizstoffe: Kinder reagieren häufig sehr sensibel auf chemische Reizstoffe. Typische kopfschmerzauslösende Substanzen sind beispielsweise: Abgase von Autos, Farb- und Klebstoffe (z. B. beim Basteln), Parfums und Deodorants, Wohngifte (z. B. Holzschutzmittel oder Lösungsstoffe in Möbeln oder Fußböden), Zigarettenrauch.
  • Nahrungsmittel: Auch bestimmte Nahrungsmittel stehen im Verdacht, Migräne auszulösen. So ist eine Unverträglichkeit bestimmter Stoffe ein möglicher Grund, etwa die Eiweißstoffe Tyramin und Histamin. Wissenschaftliche Belege dazu fehlen jedoch noch. Folgende Lebensmittel werden als mögliche Auslöser von Migräne bei Kindern diskutiert: Kuhmilch, Eier, Käse, Schokolade, kakaohaltige Produkte, Koffein, glutenhaltige Getreidesorten (z. B. Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste), Tomaten, Zitrusfrüchte (z. B. Zitronen, Orangen), fettige Speisen wie Wurst, Schinken, Salami, Schweinefleisch. Nach derzeitigem Wissensstand ist es nicht notwendig, bei Migräne generell auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten. Eine spezielle „Migränediät“ ist ernährungsmedizinischen Erkenntnissen zufolge nicht sinnvoll.

Symptome von Migräne bei Kindern

Plötzliche Kopfschmerz-Attacken, die wiederholt auftreten oder längere Zeit anhalten, sind das häufigste Symptom bei Kindern mit Migräne. Manchmal äußert sich der Kopfschmerz auch als starker Druck am Kopf. Je jünger das Kind ist, desto eher sind die Kopfschmerzen beidseitig (bilateral). Selten betrifft der Migränekopfschmerz nur eine Seite wie bei Erwachsenen. Am häufigsten tritt der Schmerz an der Stirn, den Schläfen und im Augenbereich auf. Schmerzen im hinteren Bereich des Kopfes sind für eine Migräne bei Kindern eher untypisch.

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Im Gegensatz zu Erwachsenen kommt es bei Kindern auch oft zu Migräne ohne Kopfschmerzen oder die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen. Dafür kommen Übelkeit und Erbrechen bei Kindern deutlich stärker und häufiger vor bei Migräne.

Manche Kinder mit Migräne zeigen zusätzlich oder ausschließlich andere Symptome:

  • Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit (besonders bei Kleinkindern sind diese Migräne-Symptome eher aus dem Verhalten der Kinder ableitbar - die betroffenen Kinder können die Beschwerden selten selbst formulieren)
  • Erhöhte Temperatur (ab 37,5 Grad Celsius) oder Fieber (ab 38 Grad Celsius)
  • Bauchschmerzen (sogenannte „Bauchmigräne“ oder abdominelle Migräne)
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen
  • Vermehrter Harndrang
  • Durst
  • Herzrasen

Besonders von der ophthalmoplegischen Migräne sind häufig Kinder betroffen. Das ist eine Erkrankung, die mit Migränekopfschmerzen und Lähmungen eines einzelnen Nervs oder mehrerer Nerven einhergeht. Die betroffenen Nerven sind die Hirnnerven III, IV und VI. Sie sind für die Augenbewegungen zuständig. Bei einer Lähmung dieser Nerven nehmen die Kinder Doppelbilder wahr. Inzwischen wird diese Erkrankung von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft zur Gruppe der Neuropathien und Gesichtsschmerzen gezählt. Sie trägt heute den Namen „rezidivierende schmerzhafte ophthalmoplegische Neuropathie“.

Migräne-Attacken mit Aura

Manche Kinder haben auch neurologische Beschwerden - die sogenannte „Aura“. Typische Anzeichen sind zum Beispiel optische Halluzinationen wie bunte Farben und seltsame Formen, die das Kind wahrnimmt. Auch Sehstörungen, Lichtblitze oder flimmernde Muster treten auf. Mediziner sprechen dabei auch vom „Alice-im-Wunderland-Syndrom“.

Weitere typische Aura-Symptome sind Missempfindungen, zum Beispiel ein Taubheits- oder Lähmungsgefühl oder auch Kribbeln in Armen und Beinen. Manche Kinder haben außerdem Probleme zu sprechen. Während eines Migräneanfalls können Betroffene ihre Aktivitäten in der Regel nicht fortsetzen. Kleine Kinder unterbrechen oft ihr Spiel, während Jugendliche sich häufig zurückziehen. In solchen Situationen ist es am besten, wenn die Betroffenen sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückziehen und sich ausruhen, bis die Attacke vorüber ist.

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Wie lange hält eine Migräne-Attacke bei Kindern an?

In den meisten Fällen ist ein Migräne-Anfall bei Kindern nach zwei bis sechs Stunden vorüber. Die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen. Gelegentlich kann eine Migräne bei Kindern jedoch auch bis zu 48 Stunden andauern. Auch die Symptome einer Aura sind bei Kindern nur vorübergehend und kündigen die Kopfschmerzen der Migräne in der Regel an. Die Aura-Wahrnehmungen lassen meist schnell nach und halten etwa eine halbe bis eine Stunde lang an. Bleibende neurologische Schäden sind nicht zu befürchten.

Wie erkennt man Migräne bei Kindern?

Gerade kleine Kinder können ihre Empfindungen und Körpersignale noch nicht genau deuten und sich nicht richtig ausdrücken. Achten Sie deshalb darauf, ob sich Ihr Kind anders verhält als sonst. Viele Kinder hören beispielsweise auf zu spielen, sind blass oder rot im Gesicht oder möchten sich gerne hinlegen und schlafen. Andere Kinder werden unruhig und reizbar. Manche klagen über Bauchweh oder kneifen die Augen bei hellem Licht zusammen. Schulkinder haben zudem oft plötzlich Probleme, sich zu konzentrieren und ihre Hausaufgaben zu machen. Auch bei Kopfschmerzen, die das Kind nachts wecken, sollten Sie an Migräne denken.

Migräne bei Kindern äußert sich häufig anders als bei Erwachsenen. Achten Sie daher genau auf das Verhalten Ihres Kindes und lassen Sie auftretende Beschwerden gegebenenfalls ärztlich abklären.

Diagnose von Migräne bei Kindern

Da sich kleine Kinder meist noch nicht entsprechend ausdrücken können, gestaltet sich die Diagnostik bei einer kindlichen Migräne oft schwierig. In vielen Fällen wird eine Migräne erst relativ spät festgestellt. Wenn Sie Migräne bei Ihrem Kind vermuten, lassen Sie Ihr Kind möglichst rasch ärztlich untersuchen. Der Kinder- oder Hausarzt ist Ihr erster Ansprechpartner. Bei Bedarf oder für weitere Untersuchungen überweist er Ihr Kind gegebenenfalls weiter an einen Neurologen oder Kinderneurologen. Treten plötzliche Kopfschmerzen bei Ihrem Kind häufiger auf, dauern sie länger an oder verstärken sie sich, gehen Sie möglichst rasch zum Arzt.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Die Diagnose beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Anamnesegespräch, in dem die Krankengeschichte des Kindes und der Familie erfasst wird. Dabei werden Fragen zu Art, Häufigkeit, Dauer und Begleitsymptomen der Kopfschmerzen gestellt. Auch mögliche Auslöser und Faktoren, die die Beschwerden lindern oder verstärken, werden erfragt.

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Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der insbesondere auf neurologische Auffälligkeiten (Sehprobleme, Gleichgewichtsstörungen) geachtet wird.

Bildgebende Verfahren

In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.

Behandlung von Migräne bei Kindern

Die Therapie von Migräne bei Kindern unterscheidet sich von der Behandlung bei Erwachsenen. Ärzte empfehlen, eine Migräne bei Kindern zunächst nur mit unterstützenden Maßnahmen ohne Medikamente zu behandeln. Diese Maßnahmen sind bei Kindern erfahrungsgemäß viel wirkungsvoller als bei Erwachsenen. Lassen sich die Beschwerden so nicht ausreichend lindern oder hat das Kind starke Schmerzen, verordnen Ärzte bei Bedarf auch Medikamente. Allerdings bekommen Kinder andere Arzneimittel als Erwachsene.

Eltern spielen eine zentrale Rolle dabei, Migräneauslöser zu erkennen und ihrem Kind zu helfen, besser damit umzugehen. Besonders wichtig ist es, das Kind ernst zu nehmen und ihm Geborgenheit zu vermitteln. Migräne kann für Kinder sehr belastend sein - besonders, wenn sie von Auren oder intensiven Schmerzen begleitet wird.

  • Einfühlsames Zuhören: Es ist wichtig, die Beschwerden des Kindes ernst zu nehmen und Verständnis für das Leiden zu zeigen, auch wenn es schwerfällt, die Schmerzen nachzuvollziehen.
  • Vertrauen stärken: Es ist hilfreich, dem Kind altersgerecht zu erklären, was während einer Migräneattacke passiert. Mit einem einfühlsamen und unterstützenden Umgang können Eltern dazu beitragen, dass sich das Kind während eines Migräneanfalls sowohl körperlich als auch emotional besser aufgehoben fühlt.

Behandlung ohne Medikamente

  • Entspannungsverfahren: Kindern mit Migräne helfen meist bereits einfache Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson. Dabei lernen sie, bestimmte Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen. Auch autogenes Training ist gut geeignet. Die Kinder sagen sich wiederholt Gedankenformeln vor (z.B. „Mein Arm wird ganz schwer“) und entspannen sich dadurch. Bei beiden Methoden ist es allerdings wichtig, dass die Kinder die Übungen regelmäßig - am besten täglich - durchführen.
  • Physikalische Therapie: Die physikalische Therapie beinhaltet Wärmeanwendungen oder Massagen von Hals, Nacken, Kopf und Gesicht sowie Akupunktur. Diese Maßnahmen können starke Kopfschmerzen bei Kindern lindern.
  • Biofeedback: Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist insbesondere das sogenannte Biofeedback bei Kindern und Jugendlichen sehr wirkungsvoll. Über Elektroden auf der Haut lassen sich verschiedene Körperfunktionen messen, beispielsweise Anspannung oder Entspannung der Kopfmuskulatur oder auch die Weit- und Engstellung der Arterien im Gehirn. Diese Messungen werden durch Ton- und Lichtsignale sichtbar gemacht. Die Betroffenen lernen so, diese Funktionen absichtlich und gezielt zu beeinflussen. Dadurch können sie einen akuten Migräne-Anfall abschwächen und den Attacken vorbeugen (Prophylaxe). Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind nicht-medikamentöse Verfahren bei Kindern meist ähnlich wirksam wie Medikamente.

Hausmittel bei einem akuten Migräne-Anfall

Bei einem akuten Migräne-Anfall ist es wichtig, dass die Kinder Ruhe bekommen. Selbst kleinste Tätigkeiten wie Umherlaufen oder Fernsehen verstärken oft die Migräne bei Kindern. Bringen Sie Ihr Kind in einen wohltemperierten und abgedunkelten Raum. Schirmen Sie es vor störenden Reizen und Geräuschquellen wie Radio oder Fernsehen ab. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Wasser trinkt. Auch einige Stunden Schlaf, ein kühles Tuch auf der Stirn oder eine Nackenmassage mit Pfefferminzöl sorgen in den meisten Fällen dafür, dass sich Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern schnell wieder bessern. Pfefferminzöl darf bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden! Gerade kleine Kinder mit Migräne schlafen auch beim Spielen ein. Lassen Sie Ihr Kind in diesem Fall am besten einfach weiterschlafen. Der Schlaf tut Ihrem Kind gut, und es wacht möglicherweise ohne Kopfschmerzen wieder auf.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin aufsuchen.

Medikamente bei einem Migräne-Anfall

Die medikamentöse Behandlung von Migräne bei Kindern ist nicht das erste Mittel der Wahl. Die ärztliche Empfehlung lautet, zuerst nicht-medikamentöse Methoden auszuprobieren. Medikamente dienen bei Kindern mit Migräne eher als Reservemaßnahme, wenn die anderen Methoden nicht erfolgreich sind. Werden die Schmerzmittel frühzeitig eingenommen, lassen sich die Migräne-Attacken manchmal noch stoppen. Da Migräne-Anfälle bei Kindern meist kürzer sind als bei Erwachsenen, wirken die Medikamente oft erst dann, wenn die Attacke schon vorbei ist. Allerdings gibt es auch Kinder, die sehr starke Schmerzen haben und dringend Medikamente benötigen. Ob und in welcher Dosis Ihr Kind Schmerzmittel einnehmen sollte, erklärt Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin.

Migräne-Medikamente bei Kindern unter 12 Jahren: Bei einem akuten Migräne-Anfall empfehlen Ärzte Schmerzmittel wie Ibuprofen (10 mg/kg KG) oder Paracetamol (15 mg/kg KG, 2. Wahl) für Kinder. Azetylsalizylsäure (ASS) ist für Kinder unter zwölf Jahren nicht geeignet, weil der Wirkstoff bei ihnen in Einzelfällen gefährliche Gesundheitskomplikationen auslösen kann.

Migräne-Medikamente bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren: Kinder ab zwölf Jahren dürfen nach einer ärztlichen Untersuchung die folgenden Medikamente einnehmen:

  • Schmerzmittel wie Aspirin (Acetylsalicylsäure) sind als Tabletten, Pulver oder Zäpfchen erhältlich.
  • Das verschreibungspflichtige Antiemetikum Domperidon gibt es als Tabletten oder Zäpfchen. Das Medikament bekämpft nicht nur die Übelkeit, sondern verstärkt auch die Wirkung von Schmerzmitteln. Besteht Übelkeit oder Erbrechen kann Domperidon ab dem 12. Lebensjahr eingesetzt werden.
  • Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane wirken gefäßverengend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Dazu gehören beispielsweise die Mittel Sumatriptan (10 mg) und Zolmitriptan (5 mg) in Form von Nasensprays. Zur Behandlung der Migräne bei Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr sind Sumatriptan 10 mg und Zolmitriptan 5 mg als Nasenspray zugelassen. Es liegen auch mittlerweile umfangreiche Daten vor, um bei nichtausreichendem Ansprechen auf die Akuttherapie mit Schmerzmitteln den Einsatz von Triptanen in Form von Sumatriptan 10 mg oder 20 mg als Nasenspray, Zolmitriptan 2,5 oder 5 mg in Tablettenform, Rizatriptan 5 oder 10 mg in Tablettenform und Almotriptan 12,5 mg in Tablettenform bei entsprechender Aufklärung auch vor dem 12. Lebensjahr zu rechtfertigen. Sollten sich akute Migräneattacken bei Kindern und Jugendlichen nicht ausreichend wirksam behandeln lassen, kann auch die Therapie mit subkutan injiziertem Sumatriptan nach entsprechender Aufklärung nach den aktuellen Leitlinien erwogen werden.

Viele Medikamente gegen Migräne (z. B. Metoclopramid oder Steroide), die Erwachsenen helfen, richten bei Kindern unter Umständen schwere Schäden an. Geben Sie Ihrem Kind niemals Medikamente, die Sie selbst einnehmen!

Im Gespräch mit den Eltern ist es wichtig, einfühlsam und verständnisvoll auf die verschiedenen Therapiemöglichkeiten für Migräneattacken einzugehen. Die Eltern sollten über die Bedeutung einer frühzeitigen Einnahme von Akutmedikamenten informiert werden, um den Kindern schnelle Linderung zu verschaffen. Gleichzeitig sollte auf das Risiko von Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch hingewiesen werden, der durch eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln oder Triptanen entstehen kann. Zudem sollte im Gespräch auf Lebensstilfaktoren eingegangen werden, die Migräne verstärken können.

Vorbeugende Maßnahmen

Neben der Akutbehandlung von Migräne-Attacken gibt es auch verschiedene vorbeugende Maßnahmen, die helfen können, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren.

  • Migräne-Tagebuch führen: Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, individuelle Auslöser zu identifizieren und den Verlauf der Migräne zu dokumentieren.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten kann helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Migräne-Attacken vorzubeugen.
  • Ausreichend trinken: Ausreichendes Trinken ist wichtig, um den Körper hydriert zu halten und Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Regelmäßig bewegen: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Stress abzubauen und die allgemeine Gesundheit zu verbessern. Moderate körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen an der frischen Luft fördern die allgemeine Gesundheit und wirken entspannend.
  • Stress vermeiden: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräne-Attacken. Es ist wichtig, Stress zu vermeiden und Entspannungstechniken zu erlernen.
  • Den Alltag anpassen: Ein geregelter Tagesablauf mit konstanten Schlafenszeiten und Mahlzeiten kann helfen, Migräne-Attacken vorzubeugen.
  • Medienkonsum einschränken: Ein hoher Medienkonsum kann zu Reizüberflutung und Stress führen. Es ist wichtig, den Medienkonsum einzuschränken, insbesondere vor dem Schlafengehen. Die Zeit, die Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher oder Computer verbringen, sollte ihrem Alter angemessen sein.
  • Wechselnde Lichtverhältnisse meiden: Der Schreibtisch des Kindes sollte idealerweise an einer Wand platziert sein, um gleichmäßige Lichtverhältnisse sicherzustellen und Blendungen durch wechselndes Licht zu vermeiden.

Weitere vorbeugende Methoden

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson: Bei dieser Methode werden verschiedene Muskelgruppen bewusst angespannt und anschließend gelockert. Das Verfahren kann z.B. mit Hilfe der Migräne-App (kostenlos in den Appstores für IOS und Android) geübt werden.
  • Biofeedback: Die Biofeedback-Therapie soll helfen, bestimmte Vorgänge im eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen. Während einer Sitzung werden Sensoren auf die Haut geklebt, die zum Beispiel die Hirnaktivität oder die Hauttemperatur messen. Die Messung wird auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Durch bewusste Konzentration ist es mit einiger Übung meist möglich, zum Beispiel die Hauttemperatur willentlich zu verändern. Die Messwerte zeigen, ob dies gelingt. Wer lernt, eigene Körperfunktionen zu steuern, soll auf diese Weise auch beginnende Kopfschmerzen besser kontrollieren können. Die Methode muss allerdings trainiert werden, und die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht.
  • Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Dahinter steht die Theorie, dass bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen zur Entstehung von Migräneanfällen beitragen. Dies können etwa ungünstige Schlafgewohnheiten oder Probleme beim Umgang mit Stress sein. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen oder der Angst davor ablenken können. Sie erfahren außerdem, wie ihre Gedanken und Gefühle die Migräne beeinflussen können. Dies kann ihnen helfen, die Symptome als weniger quälend zu erleben und besser damit zurechtzukommen. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden oft auch andere Techniken wie eine Entspannungsmethode oder ein Biofeedback vermittelt.

Medikamente zur Migränevorbeugung

Fachleute halten eine vorbeugende Migränebehandlung mit Medikamenten für sinnvoll, wenn

  • mehr als dreimal im Monat Migräneanfälle auftreten,
  • die Anfälle besonders schmerzhaft oder lang anhaltend sind,
  • Medikamente zur akuten Migränebehandlung nicht ausreichend wirken oder zum Beispiel wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen.

Die Entscheidung für eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten hängt aber auch von persönlichen Faktoren ab: Etwa davon, wie stark sich ein Kind von der Migräne beeinträchtigt fühlt oder ob es sich vorstellen kann, jeden Tag Medikamente einzunehmen.

Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne diese Medikamente einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten "Off-Label-Use". Gemeint ist damit der Einsatz einer Arznei bei einer Patientengruppe oder Erkrankung, für die sie keine Zulassung hat.

Die Wirksamkeit von Flunarizin und Propranolol zur Vorbeugung von Migräne bei Heranwachsenden ist bislang nicht sicher belegt. Auch diese Medikamente haben verschiedene Nebenwirkungen: Propranolol kann Müdigkeit, Schwindel und Schlafstörungen auslösen und ist für Kinder mit Asthma nicht geeignet. Flunarizin kann zu Müdigkeit, Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden und Stimmungsveränderungen führen.

Wer sich für eine medikamentöse Vorbeugung entscheidet, muss etwas Geduld haben: Meist lässt sich erst nach 2 bis 3 Monaten sagen, ob die Medikamente die Beschwerden verringern.

Zur Migränevorbeugung werden auch pflanzliche und Nahrungsergänzungsmittel wie Coenzym Q10, Mutterkraut, Vitamin B2 oder Pestwurz angeboten. Ob diese Mittel tatsächlich vor Migräne schützen, ist mangels aussagekräftiger Forschung jedoch unklar.

Eine vorbeugende medikamentöse Behandlung kann helfen. Eine langfristige Wirksamkeit der Medikamente bei Kindern und Jugendlichen ist jedoch nicht nachgewiesen. Wenn ein Kind oder Jugendlicher vorbeugend Medikamente nimmt, ist es wichtig, die Anwendung alle paar Monate zu überprüfen.

Verlauf und Prognose

Migräne bei Kindern ist nicht heilbar, lässt sich jedoch meist gut behandeln. Bei der Hälfte der Kinder verschwindet die Migräne in der Pubertät, bei den anderen bleibt sie bestehen.

Die Rolle der Eltern

Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Identifikation und Minimierung von Auslösern. Glücklicherweise leiden viele Frauen in der Schwangerschaft wesentlich seltener oder gar nicht an Migräne. Dieser schöne Umstand ist vermutlich auf die veränderte Hormonlage zurückzuführen.

  • Förderung eines geregelten Tagesablaufs: Konstante Schlafenszeiten und eine strukturierte Tagesplanung reduzieren Schwankungen, die Migräne begünstigen könnten.
  • Begrenzung der Medienzeit: Die Zeit, die Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher oder Computer verbringen, sollte ihrem Alter angemessen sein.
  • Regelmäßige Pausen: Im Alltag - insbesondere während der Schulzeit - sind planmäßige Ruhephasen entscheidend.

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