Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft eine Besserung ihrer Migräne, doch nach der Geburt, in der Stillzeit, kann die Migräne zurückkehren. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne in der Stillzeit, gibt Informationen zur Behandlung und zeigt alternative Maßnahmen auf, um die Beschwerden zu lindern.
Hormonelle Schwankungen im Wochenbett als Migräneauslöser
Die Geburt eines Kindes ist ein einschneidendes Erlebnis, das den Körper der Frau stark beansprucht. Im Wochenbett benötigt der Körper Zeit, um zu heilen, sich zurückzubilden und die emotionalen und körperlichen Strapazen zu verarbeiten. In dieser Zeit können Hormone und Gefühle Achterbahn fahren. Diese hormonellen Schwankungen können Spannungskopfschmerzen und Migräneattacken auslösen. Einige Frauen, die während der Schwangerschaft von ihrer Migräne verschont blieben, erleben im Wochenbett ein Wiederauftreten der Attacken. Mediziner vermuten, dass das vermehrt ausgeschüttete Hormon Prolaktin, ein Botenstoff, der die Milchbildung in den Brüsten anregt, eine mögliche Ursache sein könnte.
Kopfschmerzen, Migräne und Stillzeit: Eine individuelle Erfahrung
Bei vielen Frauen, die Migräne haben, verringert sich die Schwere und Häufigkeit der Kopfschmerz- oder Migräneattacken während der Stillzeit. Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, betont den positiven Effekt des Stillens auf Migräne: "Bei vielen Migräne-Patient:innen hat Stillen einen positiven Effekt auf die Erkrankung und kann daher auch vor diesem Hintergrund nur empfohlen werden." Allerdings ist dies nicht bei allen Frauen der Fall. Bei einigen Betroffenen lösen die mit dem Stillen einhergehenden hormonellen Schwankungen zusätzliche Attacken aus. Es scheint also - wie so oft bei Migräne und Kopfschmerzen - sehr unterschiedlich und von Person zu Person anders zu sein.
Medikamentöse Behandlung von Migräne in der Stillzeit
Ebenso wie in der Schwangerschaft sollte man auch in der Stillzeit möglichst auf medikamentöse Methoden zur Migränebehandlung verzichten und auf sanftere Alternativen zurückgreifen. Wenn ein Schmerzmittel erforderlich ist, sind Ibuprofen oder Paracetamol das Mittel der Wahl. In Ausnahmefällen - und nur unter ärztlicher Überwachung und Anleitung - kann Sumatriptan eingenommen werden. Jegliche Medikamenteneinnahme sollte aber immer mit dem Arzt besprochen werden.
Paracetamol und Ibuprofen als Mittel der Wahl
Paracetamol und Ibuprofen gelten als Mittel der Wahl in der Stillzeit, da bisher keine Beobachtungen zu Nebenwirkungen bei gestillten Kindern gemacht werden konnten. Die ausreichend hohe Dosierung ist entscheidend: Paracetamol soll mit mindestens 500 mg, besser 1000 mg bis zu maximal viermal am Tag gegeben werden, von Ibuprofen sollte bis zu viermal pro Tag 600 mg verabreicht werden.
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Triptane in der Stillzeit
Triptane sind nach wie vor die Arzneimittel mit der besten Wirksamkeit bei mittelschweren und schweren Migräneattacken. Am meisten Daten zur Anwendung in der Stillzeit liegen zu Sumatriptan vor, weswegen Embryotox Sumatriptan als bevorzugtes Triptan in der Stillzeit empfiehlt. Eine Einzeldosis eines anderen Triptans, wie Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan oder Zolimtriptan, sei jedoch „akzeptabel“. Auch die Leitlinienautoren sehen Triptane „vereinbar“ mit dem Stillen und empfehlen Sumatriptan und Eletriptan. Ein Abpumpen sei nicht erforderlich. Da es für andere Triptane keine eindeutigen Nachweise zur Unbedenklichkeit gebe, können Stillende hier „als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme“ vor Anwendung des Triptans Muttermilch abpumpen und diese dem Baby in der Zeit nach Anwendung zufüttern. Nach der Anwendung eines dieser Triptane sollte die Muttermilch für 24 Stunden abgepumpt und sodann verworfen werden.
Was tun bei Migräne-bedingter Übelkeit und Erbrechen?
80 Prozent der Migränepatienten leiden nicht nur an Kopfschmerzen, sondern sind auch von Übelkeit und Erbrechen geplagt. Embryotox sagt, dass Metoclopramid (MCP) „indikationsgerecht über kurze Zeit eingesetzt werden“ dürfe. MCP wirkt auf die Prolaktinspiegel, erhöht diese und kann dadurch jedoch die Milchbildung fördern. Zudem geht MCP in die Muttermilch über und kann auch beim gestillten Baby zu messbaren Plasmaspiegeln führen (1 bis 8 Prozent des mütterlichen Spiegels). Es seien in Einzelfällen Blähungen und milde abdominelle Symptome beschrieben.
Alternative Maßnahmen bei Migräne in der Stillzeit
Regelmäßige Bewegung, eine ausgeglichene Lebensführung, regelmäßige Mahlzeiten und Entspannungsübungen können vorbeugend wirken und die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken verbessern.
Regelmäßigkeit im Alltag
Eine ausgeglichene Lebensführung ist bei Migräne immer von Vorteil. Regelmäßige Schlafzeiten oder eine gute Schlafqualität sind in der Stillzeit eher Glückssache, aber zum Beispiel kann man auf regelmäßige Einschlafzeiten und Mahlzeiten achten. Solche potentiellen Auslöser behält man am besten mit einem Kopfschmerztagebuch im Blick - analog, digital oder per App.
Ernährung: Vermeidung von starken Blutzuckerschwankungen
Neuere Studien haben Zusammenhänge zwischen unserem Zuckerstoffwechsel und Migräne festgestellt. Besonders stark schwankende Blutzuckerreaktionen nach dem Essen können auf mehreren Ebenen Migräneanfälle fördern. Eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, ist daher eine effektive Migräneprophylaxe. Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea Migräneprophylaxe möchte dich bei dieser Form der natürlichen Migränevorbeugung unterstützen. Während der Testphase kannst du mittels der App und eines Blutzuckersensors herausfinden, wie dein Blutzucker auf deine Lieblings-Mahlzeiten und auf gewisse Lebensmittel reagiert. Im Anschluß erhältst du individuell auf dich angepasste Ernährungsempfehlungen und kannst die Lebensmittel bevorzugen, die eine optimale, niedrig-stabile Blutzuckerantwort bei dir hervorrufen. Du kannst dir die App auf Rezept sinCephalea von behandelnden Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen oder bequem von zuhause per Videosprechstunde von unseren telemedizinischen Partner TeleClinic verschreiben lassen. Die Kosten für die App werden von den Krankenkassen übernommen. Da dein Blutzucker während der Schwangerschaft, der Stillzeit und danach jedoch ganz unterschiedlich reagieren kann, empfehlen wir dir die Testphase ruhig in jeder Phase einmal durchzuführen. Du kannst dir die App auf Rezept alle drei Monate erneut verschreiben lassen.
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Entspannungsübungen
Durch gezieltes Entspannungstraining, wie z.B. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenem Training oder Atem-Meditation, kann sich die Muskulatur entspannen, Stresshormone abgebaut und körpereigene Schmerzabwehrsysteme regeneriert werden.
Ausdauersport
Ausdauersport ist ebenfalls eine gute Methode, um Migräne- und Kopfschmerz-Attacken vorzubeugen. Mit Schwimmen, Radfahren, Walking oder leichtem Joggen kann man ja bereits in den ersten Monaten nach der Geburt wieder beginnen. Erfolge können sich jedoch bei solchen alternativen Behandlungsmethoden nur dann einstellen, wenn die Übungen regelmäßig über einen längeren Zeitraum ausgeführt werden.
Akupunktur
Akupunktur zeigt bei einigen ebenfalls eine gute Wirksamkeit in der Schwangerschaft und Stillzeit, und kann ohne weitere Bedenken angewandt werden. Dabei werden bestimmte Punkte am Körper gedrückt (Akupressur) oder mit feinen Nadeln stimuliert (Akupunktur), wodurch die Schmerzintensität sowie auch die Häufigkeit von Kopfschmerzanfällen gelindert werden sollen.
Magnesium
Hochdosiertes Magnesium kann ebenso in der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden. Das Nahrungsergänzungsmittel entspannt die Muskeln, wirkt entzündungshemmend, stabilisiert den Blutdruck und beruhigt das Nervensystem. Außerdem können kühlende Kompressen, sanfte Gesichtsmassagen und beruhigende ätherische Öle (wie Pfefferminz- oder Lavendelöl) zur Linderung beitragen.
Ätherische Öle
Pfefferminzöl ist bekannt für seine positive Wirkung bei Kopfschmerzen. Der schmerzlindernde Effekt konnte bereits in mehreren Studien nachgewiesen werden und gilt sogar als vergleichbar mit der Einnahme von Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Das Pfefferminzöl hat einen kühlenden Effekt, da es die Kälterezeptoren der Haut anregt. Tragen Sie die Pfefferminzlösung vorsichtig auf die Haut im Bereich der Schläfen, der Stirn und im Nacken auf. Alternativ können Sie einige Tropfen ätherisches Pfefferminzöl mit einem neutralen Trägeröl wie zum Beispiel Olivenöl vermischen und auf die Hautstellen auftragen. Bitte beachten Sie, dass der direkte Kontakt mit Ihrem Baby vermieden werden sollte, da es sonst zu Reizungen seiner Haut oder Atemwege kommen kann. Waschen Sie sich also nach dem Auftragen gründlich die Hände.
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VORSICHT: Ätherische Öle können Babys schaden! Ätherische Öle wie Eukalyptus-, Menthol-, Thymian-, Kampfer-, Fichten- oder Terpentinöl (die übrigens auch häufig in Erkältungstropfen oder -salben enthalten sind) können schwere gesundheitliche Schäden bei Babys und Kleinkindern hervorrufen. Bereits wenige Tropfen unverdünnter ätherischer Öle in Mund oder Nase des Kleinkindes können die Atemwege reizen und sogar lebensbedrohliche Verkrampfungen des Kehlkopfes und Atemstillstand verursachen.
Kopfschmerzen und Stillzeit: Die Bedeutung der Ursachenforschung
Vor allem, wenn Sie öfter von Kopfschmerzen und Migräne in der Stillzeit betroffen sind, sollten Sie unbedingt der Ursache auf den Grund gehen.
Migräne und Stillen: Eine Herausforderung
Oft fragen sich Mütter, wie es ist, Migräne zu haben und sich um ein so kleines Baby kümmern zu müssen. Die Kombination aus Schmerzen, Erschöpfung und den Bedürfnissen eines Neugeborenen kann eine große Herausforderung darstellen.
Die Vorteile vom Abstillen
So gerne man auch stillt und diese innigen und intimen Momente mit dem Baby liebt, so sehr freut man sich auch darauf, seinen Schmerzen nicht mehr so hilflos ausgesetzt zu sein. Denn sowohl in der Schwangerschaft, als auch in der Stillzeit verzichtete man seinem Kind zu Liebe komplett auf Schmerzmittel und Medikamente jeglicher Art.
Migräneprophylaxe mit der sinCephalea App
Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea Migräneprophylaxe möchte dich bei dieser Form der natürlichen Migränevorbeugung unterstützen. Während der Testphase kannst du mittels der App und eines Blutzuckersensors herausfinden, wie dein Blutzucker auf deine Lieblings-Mahlzeiten und auf gewisse Lebensmittel reagiert. Im Anschluß erhältst du individuell auf dich angepasste Ernährungsempfehlungen und kannst die Lebensmittel bevorzugen, die eine optimale, niedrig-stabile Blutzuckerantwort bei dir hervorrufen. Du kannst dir die App auf Rezept sinCephalea von behandelnden Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen oder bequem von zuhause per Videosprechstunde von unseren telemedizinischen Partner TeleClinic verschreiben lassen. Die Kosten für die App werden von den Krankenkassen übernommen. Da dein Blutzucker während der Schwangerschaft, der Stillzeit und danach jedoch ganz unterschiedlich reagieren kann, empfehlen wir dir die Testphase ruhig in jeder Phase einmal durchzuführen. Du kannst dir die App auf Rezept alle drei Monate erneut verschreiben lassen.
Wichtige Hinweise zur Schmerztherapie in der Stillzeit
- Verantwortungsvoll und mit Bedacht mit Arzneimitteln umgehen: Dabei gilt: so wenig wie möglich, so viel wie notwendig. Medikamente stets in Absprache mit dem behandelnden Arzt einnehmen. Langzeitmedikationen oder laufende Therapien niemals eigenmächtig reduzieren oder absetzen. Ebenso wenig aber im Falle einer akuten Erkrankung aus Angst auf eine Behandlung verzichten.
- Medikamente ausschließlich aus der Apotheke beziehen: Niemals aus unsicheren Quellen, wie etwa dem Ausland oder dem Internet beziehen. Vorsicht mit sogenannten „Naturheilmitteln“. Sie enthalten nicht selten Giftstoffe oder zumindest für das Ungeborene schädliche Substanzen.
- Arzneimittelpass für Schwangere und Stillende: Für Frauen, die wegen besonderer Erkrankungen regelmäßig von verschiedenen Fachärzten unterschiedliche Arzneimittel verschrieben bekommen, empfiehlt sich der "Arzneimittelpass für Schwangere und Stillende". Er enthält neben einem umfangreichen Ratgeber-Teil ausreichend Platz zum Eintragen sämtlicher Medikamenteneinnahmen. Dieser lässt sich beim Deutschen Grünen Kreuz bestellen.
- Einnahme von Analgetika grundsätzlich direkt nach dem Stillen oder abends: Konzentration der Medikamente in der Muttermilch ist nach ein bis zwei Halbwertzeiten nur noch gering.