Migräne und Erhöhtes CRP: Ursachen und Zusammenhänge

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die von einer Reihe weiterer Symptome begleitet werden können. In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend den Zusammenhang zwischen Migräne und Entzündungsprozessen im Körper untersucht. Ein wichtiger Entzündungsmarker in diesem Zusammenhang ist das C-reaktive Protein (CRP). Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für erhöhte CRP-Werte bei Migräne und die komplexen Wechselwirkungen zwischen Entzündung, Schmerz und anderen Faktoren.

Einführung

Chronische Schmerzen, darunter Migräne, sind ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem. Die zugrunde liegenden Schmerzsyndrome sind vielfältig, und es hat sich gezeigt, dass psychosoziale Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Das biopsychosoziale Schmerzmodell berücksichtigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren bei chronischen Schmerzen. In diesem Zusammenhang rückt auch die Rolle von Entzündungsprozessen, messbar anhand von Entzündungsmarkern wie CRP, in den Fokus.

Der Zusammenhang zwischen Migräne und CRP

Mehrere Studien haben gezeigt, dass bei Migränepatienten erhöhte Spiegel des hochsensitiven CRP (hs-CRP) festgestellt wurden. Dies gilt insbesondere für Personen mit häufigen Migräneattacken. Hs-CRP ist eine Methode zur Messung geringer Konzentrationen des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP). Eine Studie, die auf Daten der norwegischen HUNT-Gesundheitsstudie basiert, untersuchte diesen Zusammenhang genauer.

Studienergebnisse der HUNT-Studie

An der HUNT-Studie nahmen über 50.000 Personen teil. Dabei wurden hs-CRP-Werte und Angaben zu Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass der Zusammenhang zwischen erhöhten hs-CRP-Werten und Kopfschmerzen am stärksten bei Personen mit sehr häufigen Attacken (≥ 15 Tagen/Monat) war. Dies galt für alle Arten von Kopfschmerzen, insbesondere aber für Migräne und Mischkopfschmerzen (Migräne und Spannungskopfschmerz). Bei Personen mit selteneren Attacken (< 7 Tage/Monat) wurde kein eindeutiger Zusammenhang gefunden.

CRP als Risikofaktor bei Krebspatienten mit Migräne

Ein Fallbericht von Münchner Kollegen beschreibt eine 57-jährige Krebspatientin, die in jungen Jahren unter Migräne litt. Bei ihr wurde ein erhöhter CRP-Wert von 3,7 mg/dl festgestellt. Die Neurologen vermuten, dass Hirntumoren durch parakrin sezernierte Signalstoffe Kopfschmerzattacken triggern, besonders bei Patienten mit einer Prädisposition zu Kopfschmerzen. Mögliche Kandidaten für diese Stoffe sind NO, CGRP im Zusammenhang mit Migräne, sowie TNF-alpha und IL-6 für entzündliche Erkrankungen.

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Mögliche Ursachen für erhöhte CRP-Werte bei Migräne

Die genauen Ursachen für erhöhte CRP-Werte bei Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Hypothesen und Erklärungsansätze:

Entzündungsprozesse im Gehirn

Migräne wird zunehmend als eine Erkrankung verstanden, bei der Entzündungsprozesse im Gehirn eine wichtige Rolle spielen. Während einer Migräneattacke können verschiedene Entzündungsmediatoren freigesetzt werden, die zu einer Aktivierung des Immunsystems und einer Erhöhung der CRP-Werte führen können.

Aktivierung des Trigeminusnervs

Der Trigeminusnerv spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Migräne. Eine Aktivierung dieses Nervs kann zur Freisetzung von Neuropeptiden wie CGRP führen, die nicht nur die Blutgefäße erweitern, sondern auch Entzündungsprozesse fördern können.

Zusammenhang mit Begleiterkrankungen

Erhöhte CRP-Werte können auch auf Begleiterkrankungen zurückzuführen sein, die bei Migränepatienten häufiger auftreten. Dazu gehören beispielsweise Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. Diese Erkrankungen sind oft mit chronischen Entzündungsprozessen verbunden, die sich in erhöhten CRP-Werten widerspiegeln.

Die Rolle von CGRP bei Migräne

CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ist eine Substanz, die eine entscheidende Bedeutung bei der Entstehung von Migräne hat. Es wird in Nervenfasern des N. trigeminus gebildet und freigesetzt, wenn dieser in der Migräneattacke aktiviert wird. Das freigesetzte CGRP bindet an CGRP-Rezeptoren in der Wand von Blutgefäßen der Hirnhaut, was zur Blutgefäßerweiterung und Sensibilisierung von Schmerzrezeptoren führt.

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CGRP-Spiegel während Migräneattacken

Studien haben gezeigt, dass die CGRP-Spiegel im venösen Blut von Patienten während Migräneattacken erhöht sind. Nach Beendigung der Migräne durch Sumatriptangabe normalisieren sich die CGRP-Spiegel wieder. Dies wurde auch durch Infusion von CGRP bei Patienten bestätigt, die dadurch Migräneattacken auslösen konnten.

Neue Therapieansätze: CGRP-Antikörper

Die Erkenntnisse über die Rolle von CGRP haben zur Entwicklung neuer Therapieansätze geführt. Aktuell werden klinische Studien durchgeführt, in denen monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden. Diese Antikörper zerstören entweder das in Migräneattacken freigesetzte CGRP oder blockieren den CGRP-Rezeptor. Die ersten Studienergebnisse sind vielversprechend und zeigen, dass diese Substanzen bei guter Verträglichkeit deutlich wirksamer sind als Placebo.

Mikronährstoffe und Migräne

Eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ist von zentraler Bedeutung für die Hirnfunktion. Bei Migränepatienten wurden häufig verminderte Serotoninspiegel nachgewiesen, was die Bedeutung einer ausreichenden Tryptophanaufnahme unterstreicht. Auch Magnesium, Eisen, Zink, Selen, Vitamin B1, B2, B6, B12, Folsäure, Vitamin D, Coenzym Q10 und Omega-3-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle bei der Prävention und Behandlung von Migräne.

Magnesium

Magnesium ist ein Mineralstoff mit zentraler Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des Nervensystems und ein wichtiger Antagonist der glutamatergen NMDA-Rezeptoren. Bei Migränepatienten besteht häufig ein Magnesiummangel.

Eisen

Eisen ist ein wichtiges Spurenelement im Stoffwechsel des Gehirns, das eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel der Nervenzellen, der Neurotransmission und der Bildung der Myelinscheiden spielt. Ein Eisenmangel ist ein sehr häufig vorkommender Mikronährstoffmangel, der sich nicht zwangsläufig in Form einer Eisenmangelanämie zeigen muss.

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Vitamine

Vitamin B1, insbesondere in Form von intravenösen Injektionen, kann bei der Behandlung der Migräne vorteilhaft sein. Eine Hochdosistherapie mit Vitamin B2 hat einen günstigen Effekt bei der Prävention und Behandlung der Migräne, da es eine wichtige Bedeutung im Energiestoffwechsel hat und die Mitochondrienfunktion verbessern kann. Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für die Funktion des Gehirns. Studien haben gezeigt, dass die 25(OH)-Vitamin-D-Konzentrationen bei Patienten mit Migräne niedriger sind als bei gesunden Personen.

Coenzym Q10

Coenzym Q10 ist Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette und kann die Mitochondrienfunktion verbessern. Eine Supplementierung von Coenzym Q10 kann bei Migränepatienten die Konzentration der Entzündungsmarker TNF-alpha und CGRP reduzieren.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Bestandteile der Nervenzellmembranen und führen zu verminderten Konzentrationen von CRP sowie verschiedener proinflammatorischer Biomoleküle.

Multimodale Schmerztherapie bei Migräne

Die Behandlung von Migräne erfordert oft einen multimodalen Ansatz, der verschiedene Therapieformen kombiniert. Dazu gehören:

Medikamentöse Therapie

Akuttherapie: Triptane sind Medikamente, die spezifisch zur Behandlung von Migräneattacken eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Freisetzung von CGRP hemmen und die Blutgefäße verengen. NSAR, Metamizol und ASS können ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.Prophylaktische Therapie: Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika können zur Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt werden. Auch die neuen CGRP-Antikörper sind eine vielversprechende Option zur Migräneprophylaxe.

Nicht-medikamentöse Therapie

Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung, autogenes Training und Biofeedback können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.Kognitive Verhaltenstherapie: Diese Therapieform kann Patienten helfen, ihre Schmerzwahrnehmung zu verändern und besser mit Migräne umzugehen.Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu lösen und die Körperhaltung zu verbessern.

Kopfschmerzmittelpause

Bei Patienten mit Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH) ist eine Kopfschmerzmittelpause erforderlich. Dabei wird die Einnahme von Akutschmerzmitteln reduziert oder ganz eingestellt. Dies kann zu Entzugssymptomen und einem Rebound-Kopfschmerz führen, der jedoch mit geeigneten Maßnahmen behandelt werden kann.

Differenzialdiagnostik von Kopfschmerzen

Es ist wichtig, andere Ursachen für Kopfschmerzen auszuschließen. Red Flags, die auf eine sekundäre Kopfschmerzursache hindeuten, sind:

  • Systemische Symptome wie Fieber oder Erbrechen
  • Neurologische Symptome wie fokale Defizite oder Vigilanzminderung
  • Plötzlicher Beginn des Kopfschmerzes
  • Erstmaliges Auftreten von Kopfschmerzen >50 Jahre
  • Veränderung des Kopfschmerzmusters
  • Schwangerschaft oder unmittelbar postpartal

Bei Vorliegen von Red Flags sind weitere diagnostische Maßnahmen wie CCT, CT-Angiografie oder Lumbalpunktion erforderlich.

Zusammenfassung

Erhöhte CRP-Werte bei Migräne können auf Entzündungsprozesse im Gehirn, die Aktivierung des Trigeminusnervs oder Begleiterkrankungen zurückzuführen sein. Die Rolle von CGRP bei der Entstehung von Migräne ist gut belegt, und neue Therapieansätze, die auf CGRP abzielen, sind vielversprechend. Eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen und ein multimodaler Therapieansatz sind wichtige Bestandteile der Migränebehandlung. Es ist wichtig, andere Ursachen für Kopfschmerzen auszuschließen und bei Bedarf weitere diagnostische Maßnahmen einzuleiten.

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