Die kalte Jahreszeit bringt nicht nur sinkende Temperaturen mit sich, sondern oft auch eine Zunahme von Kopfschmerzen und Migräne. Ein häufig unterschätzter Faktor ist dabei die trockene Heizungsluft. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Heizungsluft und Migräne, erklärt die Ursachen und Symptome und gibt Tipps zur Vorbeugung und Behandlung.
Die Gefahr trockener Heizungsluft
Sich bei eisigen Temperaturen an der aufgedrehten Heizung wärmen zu können, ist eine Wonne. Doch die Wärme birgt ein großes Risiko für Ihre Gesundheit. Trockene, warme Heizungsluft ist ein willkommener Lebensraum für Viren. Zudem begünstigt die aufgewärmte Raumluft das Austrocknen der Schleimhäute in Mund, Nase und Augen sowie der Haut. Die Reinigungsfunktion bei ausgetrockneten Flimmerhärchen in den Schleimhäuten nimmt ab. Die Viren können sich hier nun schnell einnisten und im Körper verbreiten. Trockene Haut lässt Sie nicht nur fad und müde aussehen, sie ist auch anfälliger für Pilzinfektionen.
Häufige Symptome durch zu trockene Raumluft sind Hustenreiz, trockene Nasenschleimhäute, trockene Lippen und gereizte Augen. Bei sehr geringer Luftfeuchtigkeit fängt zudem die Haut zu spannen, die Augen tränen und sind stark lichtempfindlich. Auch Kopfschmerzen sind eine weit verbreitete Folge. Besonders Allergiker, Säuglinge und ältere Menschen bekommen diese Symptome am ehesten zu spüren.
Wie Heizungsluft Kopfschmerzen und Migräne begünstigt
Trockene Heizungsluft kann auf verschiedene Weisen Kopfschmerzen und Migräne triggern:
- Austrocknung der Schleimhäute: Trockene Luft entzieht den Schleimhäuten in Nase und Rachen Feuchtigkeit. Dies beeinträchtigt ihre natürliche Schutzfunktion gegen Krankheitserreger und Reizstoffe, was zu Entzündungen und Kopfschmerzen führen kann.
- Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen: Die trockenen Schleimhäute sind anfälliger für Viren und Bakterien, die Erkältungen und Grippe auslösen können. Diese Infektionen gehen oft mit Kopfschmerzen einher. Sind dann auch noch bereits infizierte Mitmenschen im Raum, so steigt die Ansteckungsgefahr drastisch. Die in der Atemluft des Erkälteten enthaltenen Viren können im trockenen Raumklima mehrere Stunden überleben und behalten dabei ihre Infektionsfähigkeit. Die Ansteckungsgefahr ist daher besonders bei geringer Luftfeuchtigkeit sehr hoch.
- Reizung der Augen: Trockene Luft kann auch die Augen austrocknen und reizen, was zu Spannungskopfschmerzen führen kann. Bei sehr geringer Luftfeuchtigkeit fängt zudem die Haut zu spannen, die Augen tränen und sind stark lichtempfindlich.
- Verstärkung von Umweltfaktoren: Wetterumschwünge - und die mit dem Winter einhergehenden weniger werdenden Sonnenstunden - können auch zu einem Ungleichgewicht von chemischen Stoffen im Gehirn wie Serotonin führen, was bei manchen Menschen zu Migräneanfällen beitragen kann.
- Computer Vision Syndrom (CVS): In der kalten Jahreszeit kann die trockene Heizungsluft den digitalen Sehstress verstärken.
Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne
Ob Spannungskopfschmerz, Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen - die Ursachen und Formen von Kopfschmerzen sind vielfältig. Kopfschmerzen oder auch Kopfweh sind, wie der Name bereits zum Ausdruck bringt, Schmerzempfindungen im Kopfbereich. Die Schmerzen entstehen durch Reizungen der Blutgefäße, der Hirnhäute, der Hirnnerven oder im Gehirn. In der Praxis äußern sich Kopfschmerzen durch einen stechenden, pochenden oder pulsierenden Schmerz im Kopf. Ungefähr jeder vierte Erwachsene leidet in seinem Leben irgendwann einmal unter einer der knapp 200 verschiedenen Kopfschmerzarten. Die Intensität von Kopfschmerzen hängt von der Ursache bzw. dem Auslöser der Kopfschmerzen ab. Grundsätzlich sind Kopfschmerzen zwar unangenehm und können die Lebensqualität erheblich beeinflussen.
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Spezifische Kopfschmerzarten
- Spannungskopfschmerzen: Spannungskopfschmerzen äußern sich durch einen dumpfen, drückenden Schmerz, der sich wie ein enges Band um den Kopf anfühlt. Die Schmerzen sind meist beidseitig und können von Nacken- und Schulterverspannungen begleitet werden.
- Migräne: Eine Migräne ist eine spezielle Art von Kopfschmerz, die sich durch bestimmte charakteristische Merkmale auszeichnet. Die Kopfschmerzen bei einer Migräne sind oft einseitig und pulsierend und nehmen unter körperlicher Belastung zu. Sie können jedoch auch auf die andere Kopfseite wechseln oder sich auf den gesamten Kopf ausdehnen. Migräneanfälle dauern in der Regel länger als andere Kopfschmerzen: Sie können bis zu 72 Stunden oder länger andauern. Viele Menschen leiden währenddessen unter Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit. Ein Teil der Migräneanfälle wird von visuellen oder neurologischen Symptomen begleitet, die als „Aura“ bezeichnet werden.
- Cluster-Kopfschmerzen: Cluster-Kopfschmerzen gehören zwar zu den primären Kopfschmerzen, treten aber relativ selten auf. Dafür zeigt sich ihr Schmerzbild sehr intensiv. Die zumeist stechenden Kopfschmerzen beginnen in der Augenregion mit Ausstrahlungen hin zu den Schläfen und der Stirn.
- Hustenkopfschmerzen: Hustenkopfschmerzen sind eine eher ungewöhnliche Form von Kopfschmerzen. Sie treten immer dann auf, wenn ein Betroffener hustet. Etwa 40 % dieser Kopfschmerzen bei Husten sind Begleitsymptom einer ernsthaften Erkrankung.
- Belastungskopfschmerzen: Kopfschmerzen nach dem Sport, sogenannte Belastungskopfschmerzen, sind ein relativ seltenes, jedoch ungefährliches Symptom. Es steht normalerweise mit keiner anderen Grunderkrankung in einem engeren Zusammenhang. Diese Art der Kopfschmerzen treten zumeist bei jüngeren Personen nach körperlicher Anstrengung durch Sport auf, insbesondere bei Ausdauersportarten oder in großer Höhe.
Weitere Auslöser von Kopfschmerzen
- Wetterfühligkeit: Es kann durchaus vorkommen, dass wetterfühlige Menschen auf einen raschen Wetterwechsel mit Kopfschmerzen reagieren. Veränderter Luftdruck: Wenn Tiefdruck- auf Hochdruckgebiet trifft (oder umgekehrt), dann entstehen Schwingungen, sogenannte Schwerewellen, in der Luft. Wetterfühlige Menschen reagieren auf diese Wellen bisweilen mit Bluthochdruck und/oder mit Kreislaufproblemen. Schnell wechselnde Luftmassen: Ein schneller Wechsel von kalten zu warmen Wetterlagen oder umgekehrt auch von Warm- zu Kaltluft kann bei empfindlichen Menschen zu Kopfschmerzen führen. Dies betrifft auch Temperaturschwankungen beim raschen Wechsel von kalter Außentemperatur zu warmer Raumtemperatur oder Heizungsluft bzw. Schwüles Wetter: Diese Wetterlage gilt gemeinhin auch als Kopfschmerzwetter. Bei schwülem Wetter findet nur wenig Luftaustausch statt und die hohe Luftfeuchtigkeit behindert die Wärmeregulierung des Körpers. Elektromagnetische Impulse (Sferics): Dieses Phänomen tritt häufig vor Gewittern infolge von Reibung der Luftmassen auf.
- Neue Brille: Es kann vorkommen, dass eine neue Brille in der ersten Zeit des Tragens Kopfschmerzen auslöst. Eine Folge davon können Kopfschmerzen sein. Vor allem bei einer neuen Gleitsichtbrille treten diese Beschwerden häufig auf. Allerdings kann eine neue Brille auch Kopfschmerzen lindern, wenn sie z. B.
- Fasten: Zu Beginn des Fastens, aber auch während der Fastenzeit kann es zu Kopfschmerzen kommen. Das liegt vor allem daran, dass Schlackenstoffe aus dem Körper ausgespült werden und dabei kurzfristig in hoher Konzentration in den Körperkreislauf gelangen. Aber Achtung: Auch ein Zuviel an Wasser im Körper kann zu Kopfschmerzen führen. Ein Mangel an Ballaststoffen kann beim Fasten dazu führen, dass der Darm schlechter entleert wird. Da allerdings alle Giftstoffe (Schlackenstoffe) über den Darm aus dem Körper ausgeschieden werden, ist eine regelmäßige Darmentleerung wichtig. Passiert dies jedoch nur unregelmäßig und verbleiben daher die Giftstoffe zu lange im Körper, dann können Kopfschmerzen auftreten. Sollten Sie während einer Fastenkur unter einer reduzierten Darmentleerung leiden, dann kontaktieren Sie bitte einen Arzt. Sollte die Darmentleerung während der Fastenzeit eher durchfallartig erfolgen, kann Salzmangel die Folge sein. Salzmangel wiederum gilt als ein Auslöser für Kopfschmerzen. Ein Zuviel an Stress steht nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit einer Fastenkur. Allerdings sind manche Menschen zu Beginn oder auch bereits vor dem Fasten etwas aufgeregt, weil sie nicht genau wissen, was auf sie zukommt. Regelmäßige Bewegung ist auch während einer Fastenkur notwendig. Ein gewisses Gefühl der Schwäche oder des Hungers sollte Sie nicht davon abhalten, sich ausreichend und an freier Luft zu bewegen.
- Hormonelle Veränderungen: Viele Frauen leiden während der Menstruation häufig auch unter Migräneattacken. Zumeist treten diese hormonell bedingten Kopfschmerzen während der ersten Tage der Periode auf.
- Weitere Symptome: Übelkeit: Starke Kopfschmerzen, wie sie beispielsweise bei einer Migräne auftreten, können auch mit Übelkeit einhergehen. Nackenschmerzen: Auch Nackenschmerzen zählen zu den Ursachen von Kopfschmerzen. Schwindel: Schwindel zählt zu den sogenannten unspezifischen neurologischen Symptomen. Tritt dieser in Verbindung mit Kopfschmerzen auf, dann sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. Dahinter können sich auch schwerwiegende Erkrankungen verbergen.
- Erkältung: Kopfschmerzen gehören zu den Symptomen einer Erkältung und klingen in der Regel zusammen mit den anderen Erkältungssymptomen nach einigen Tagen wieder ab.
- Reizüberflutung: Viele Migräne-Patienten sind während einer Attacke nicht nur von Kopfschmerzen, sondern häufig auch von Lichtempfindlichkeit geplagt. Daher zählen Reizüberflutungen aufgrund von Licht, aber auch durch Gerüche oder Lärm, als Auslöser einer Migräne. Bei etwa fünf Prozent der Patienten führt eine Reizüberflutung, zum Beispiel durch Lärm, Licht oder Gerüche wie Parfum, zu einer Migräne-Attacke. Um die Faktoren einer Migräne durch Reizüberflutung herauszufinden, empfiehlt sich das Führen eines Migränetagebuchs. So erhälst du einen Eindruck, ob Licht, Lärm oder Gerüche eine Attacke ausgelöst haben.
Vorbeugung und Behandlung
Mit einfachen Tricks können Sie die Ansteckungsgefahr verringern.
Luftfeuchtigkeit regulieren
Im Innenraum sollte die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Dies erreichen Sie über Pflanzen und kleinen Wasserschalen auf der Heizung. Elektrische Luftbefeuchter gelten jedoch als Virenschleuder und sollte daher vermieden werden. Bildet sich an den Fenstern Kondenswasser, so ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch. Regelmäßiges Lüften ist ebenfalls wichtig - auch bei eisigen Temperaturen!
- Luftbefeuchter: Um die trockene Luft zu bekämpfen, empfiehlt die American Migraine Foundation die Menge an Wasser zu erhöhen, die du trinkst. Du solltest auch versuchen, einen Luftbefeuchter in deinen Wohnräumen aufzustellen, um die heizungsbedingte Trockenheit auszugleichen.
- Pflanzen: Pflanzen können ebenfalls dazu beitragen, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen und das Raumklima zu verbessern.
- Regelmäßiges Lüften: Regelmäßiges Lüften hilft, die verbrauchte Luft auszutauschen und die Luftfeuchtigkeit zu regulieren.
Flüssigkeitszufuhr
Um den Feuchtigkeitsverlust der Schleimhäute und der Haut entgegenzuwirken, ist es ratsam, viel zu trinken. Wasser, Tees und Schorlen halten die Schleimhäute feucht, die hierdurch besser gegen die Viren in der Luft gewappnet sind.
Maßnahmen gegen das Computer Vision Syndrom
Folgende Maßnahmen helfen, einem CVS vorzubeugen:
- Regelmäßige PC-Pausen.
- In die Ferne schauen.
- Bewusstes Blinzeln oder Schließen der Augen für einige Sekunden.
- „Wohltuend für die Augen ist es auch, weniger zu heizen und regelmäßig zu lüften, um die Luft feuchter zu halten“, so der DOG-Experte.
- „Die Lösung ist, sich eine extra Computerbrille anfertigen zu lassen, etwa als monofokale Brille für ungefähr 80 Zentimeter Sehentfernung“, sagt der DOG-Experte.
Medikamentöse Behandlung
- Rezeptfreie Schmerzmittel: In milden Fällen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen, Paracetamol oder Kombinationspräparate zur Linderung der Schmerzen eingenommen werden.
- Triptane: Wenn eine Migräne bereits diagnostiziert wurde, können auch sogenannte Triptane zum Einsatz kommen.
- Antikörpertherapien: Neu zur Verfügung stehen seit 2018 Antikörpertherapien: Diese helfen bei schwerer oder chronischer Migräne sehr gut.
Weitere Tipps zur Vorbeugung
- Kopfschmerztagebuch: Hierzu bewährt hat sich in vielen Fällen ein Kopfschmerztagebuch: Über mehrere Monate wird der Migräneverlauf dokumentiert, gern auch in Verbindung mit Faktoren wie der Ernährung, Bewegung und Schlaf. Notiere Datum und Uhrzeit des Beginns der Kopfschmerzen, die Dauer der einzelnen Kopfschmerzphasen, die spezifischen Symptome (einschließlich der Stelle, an der du den Schmerz spürst und wie stark er ist) und alle Informationen, die Hinweise auf die Ursache der Kopfschmerzen geben könnten. Einige wichtige Faktoren, auf die du jedes Mal achten solltest, wenn du Kopfschmerzen hast: Wie viel Schlaf hast du in der Nacht zuvor bekommen? Wie ist das Wetter? Wie viel Nahrung und Wasser hast du an diesem Tag zu dir genommen?
- Gesunder Lebensstil: Generell gilt: Ein gesunder Lebensstil ist auch für Migränepatienten und -patientinnen sinnvoll. Dazu gehören regelmäßiger Schlaf, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten und Stressmanagement-Techniken wie Entspannungsübungen. Ebenso ist körperliche Aktivität wie Ausdauersport empfehlenswert.
- Stressmanagement: Natalia Murinova, MD, Leiterin des Kopfschmerzzentrums der University of Washington Medicine, erklärt: “Wenn du weißt, dass dein Gehirn für Migräne anfällig ist, bedeutet jeder erhöhte Stress einen erhöhten Energiebedarf”, sagt sie. Du solltest dein Energieniveau also stabil halten, und das bedeutet, dass du dich um deinen Geist und deinen Körper kümmern musst - und hier kommt die Selbstfürsorge ins Spiel.
- Achte auf eine gleichmäßige Routine: Dr. Murinova rät vor allem dazu, deinen Tagesablauf während des Winters so konstant wie möglich zu halten. Wenn du in den wärmeren Monaten gerne im Freien trainierst, solltest du dir vornehmen, auch bei schlechterem Wetter weiter zu trainieren. Wenn du dich regelmäßig mit Freunden triffst, mache weiterhin Pläne. Denke daran: Der Schlüssel liegt darin, die Anzahl der Veränderungen zu reduzieren, die du von Tag zu Tag und von Jahreszeit zu Jahreszeit erlebst.
- Akupressur: Akupressur zählt zu den alternativen Heilmethoden bei Kopfschmerzen. Sie kann als Ergänzungstherapie zur Schulmedizin eingesetzt werden. Grundlage für die Auffassung, dass Akupressur bei Schmerzen aller Art und damit auch bei Kopfschmerzen helfen soll, ist die Annahme, dass durch den menschlichen Körper sechs Energiebahnen (Meridiane) verlaufen. Ist der Energiefluss gestört, treten Beschwerden auf, z. B. Kopfschmerzen.
- Du musst Migräne-Schmerzen nicht einfach aushalten: Die Migräne hat viele Gesichter.
Wann zum Arzt?
Wichtig ist in jedem Fall, sich bei regelmäßigen Kopfschmerzen professionelle Hilfe zu holen. Es gibt mittlerweile gut etablierte Therapieformen. Egal, ob es sich um regelmäßige oder plötzlich auftretende Kopfschmerzen handelt: Sobald die Schmerzen Ihren Alltag stark beeinträchtigen, sollten Sie zur weiteren Behandlung einen Arzt aufsuchen. Bei plötzlich auftretenden starken Kopfschmerzen sollten Sie zudem keine Zeit verlieren. Kommen neurologische Symptome hinzu, sollten Sie den Notarzt rufen.
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