Migräne ist ein weit verbreitetes Leiden, von dem in Deutschland etwa zehn Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Frauen sind dabei dreimal so häufig betroffen wie Männer. Hormonelle Verhütungsmethoden, wie die Hormonspirale Kyleena, können einen Einfluss auf die Kopfschmerzattacken haben. Es ist wichtig, die Zusammenhänge zwischen Migräne und hormoneller Verhütung zu verstehen, um die beste Verhütungsmethode auszuwählen.
Was ist Migräne?
Migräne wird als wiederholt anfallsartiger, pulsierender Kopfschmerz beschrieben, der meist einseitig auftritt und Stunden bis Tage andauern kann. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmscheu sowie Sehstörungen und andere neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühle.
Eine Migräne umfasst zwar eine Kopfschmerzphase (Migränekopfschmerz), wird aber in der Regel von Übelkeit, Brechreiz und einer extremen Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen begleitet. Bei Auren können Störungen des Geruchs- oder Sehsinns oder Empfindungsstörungen, beispielsweise an den Händen, auftreten, aber auch andere neurologische Einschränkungen bis hin zu Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen. Alle Symptome der Aura verschwinden aber in der Regel mit Einsetzen der Migräne.
Die genauen Ursachen der Migräne sind unklar - vor allem sind sie von Person zu Person verschieden. Man geht davon aus, dass vor allem die Triggerfaktoren beobachtet werden müssen, also die Auslöser von Migräneattacken. Hierzu zählen Stress, Schlafmangel, unregelmäßige Mahlzeiten, bestimmte Wetterlagen und andere mehr.
Migräne bei Frauen und hormonelle Einflüsse
Migräne ist eher ein Frauenleiden: Sie sind zu 12-18 % betroffen, während der Wert für Männer bei nur 6-8 % liegt. Ursache hierfür ist der schwankende Hormonspiegel bei Frauen. So sind sie natürlich auch für die menstruelle Migräne anfällig - diese Sonderform der Migräne tritt besonders in den Tagen um die Menstruation auf, und hier auch gehäuft. Die Kopfschmerzen beginnen bei vielen Frauen kurz vor der Periode und enden, wenn die Blutungen abklingen. Experten vermuten, dass der Abfall der Hormonspiegel im Blut vor der Menstruation die Attacken auslöst.
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Der Zusammenhang mit dem Zyklus ist vielen Frauen überhaupt nicht bewusst, er ist aber sehr wichtig. Denn bei dieser Form der Migräne helfen die üblichen Mittel wie Magnesium oder Betablocker nicht. Viele Frauen beschäftigt außerdem die Frage, wie sie am besten und ohne Risiken verhüten.
Kyleena: Eine hormonelle Verhütungsmethode
Kyleena ist eine Hormonspirale, auch Intrauterinsystem (IUS) genannt, die das Gelbkörperhormon Levonorgestrel enthält. Nach Einlage einer Hormonspirale in die Gebärmutter werden gleichmäßig geringe Mengen des Hormons freigesetzt. Als Folge baut sich die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr hoch auf und der Gebärmutterhalsschleim wird für Spermien, die zusätzlich in ihrer Funktion und Beweglichkeit gehemmt werden, undurchlässiger. Kyleena ist so klein wie Jaydess, kann aber über 5 Jahre seine verhütende Wirkung entfalten wie Mirena.
Das Präparat wird zur Schwangerschaftsverhütung (Kontrazeption) über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren angewendet. Es ist ein T-förmiges intrauterines Wirkstofffreisetzungssystem (IUS), das nach der Einlage in die Gebärmutter langsam eine kleine Menge des Hormons Levonorgestrel abgibt. Es wirkt, indem es das monatliche Wachstum der Gebärmutterschleimhaut vermindert und den Gebärmutterhalsschleim dickflüssiger macht. Diese Wirkungen verhindern, dass Spermium und Eizelle miteinander in Kontakt kommen, und dass die Eizelle durch das Spermium befruchtet wird.
Kyleena und Migräne: Was ist zu beachten?
Eine Migräne mit Aura hat auch Auswirkungen auf die Verhütung, da je nach Verhütungsart und weiteren Risikofaktoren das Schlaganfallrisiko steigen kann. Die Verhütung ohne Hormone hingegen stellt keinen weiteren Risikofaktor dar. So empfiehlt beispielsweise die WHO Frauen mit Migräne, ab dem 35. Lebensjahr nicht mehr die Antibabypille einzunehmen. Bei einer Migräne mit Aura rät die WHO Frauen jeden Alters von der Pilleneinnahme ab.
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DKMG) führt auf, dass das absolute Schlaganfallrisiko für junge Frauen bei einer Migräne mit Aura leicht erhöht sei, abhängig von der Aktivität der Migräne. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft empfiehlt Aura-Migränikerinnen, die Kombination von Rauchen und Antibabypille zu vermeiden, da sich das Schlaganfallrisiko dadurch um das Zehnfache erhöhe.
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Migräne mit Aura und hormonelle Verhütung
Liegt eine Migräne mit neurologischen Einschränkungen, wie gestörten Sinneswahrnehmungen (Sehstörungen, Störungen des Geruchssinns oder Empfindungsstörungen) vor, sind klassische Kombinationspillen absolut kontraindiziert. Das bedeutet: Sie sollten auf keinen Fall eingenommen werden, da diese Frauen ein deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfälle haben. Alternativ sind rein gestagene Pillen möglich, die laut Weltgesundheitsorganisation WHO zumindest erlaubt sind. Besser sind aber auch in diesem Fall wieder Alternativen wie Barriere-Methoden (z. B. Kondome oder Diaphragma) oder Spiralen.
Einige Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel wie Kyleena anwenden, berichten über Depression oder depressive Verstimmung. Depressionen können schwerwiegend sein und gelegentlich zu Selbsttötungsgedanken führen.
Zyklusunabhängige Migräne
Treten die Kopfschmerzattacken ohne Zusammenhang zum Zyklus auf, sollte von einer hormonellen Verhütung eher abgesehen werden. Besser sind in diesem Fall Alternativen wie Spiralen, natürliche Verhütungsmethoden (wie z. B. die Temperaturmessung) oder mechanische Verhütungsmittel wie Kondome oder ein Diaphragma. Sollte bei einer zyklusunabhängigen Migräne dennoch eine hormonelle Verhütung erwünscht sein, ist eine niedrig dosierte gestagene Pille zu bevorzugen.
Menstruationsabhängige Migräne
Bei einer menstruationsabhängigen Migräne ohne Aura sind dagegen klassische Kombinationspillen mit Östrogenen und Gestagenen möglich. Die Kombinationspillen sollten möglichst niedrig dosiert sein und im sogenannten Langzyklus eingenommen werden - d.h. bis zu sechs Monate ohne Pillenpause. Der Abfall der Hormone in der Pillenpause fällt damit aus und somit auch die Migräneattacken. Alternativen sind auch rein gestagene Pillen, die durchgängig ohne Pillenpause eingenommen werden.
Was tun bei erstmaligem Auftreten von Kopfschmerzattacken?
Treten die Kopfschmerzattacken erstmals bei Anwendung einer Pille ggf. auch mit neurologischen Symptomen auf, sollte das Präparat auf jeden Fall abgesetzt werden und eine neurologische sowie eventuell auch eine augenärztliche Abklärung erfolgen.
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Anwendung von Kyleena
Einlage des IUS
Das Präparat kann entweder eingelegt werden:
- innerhalb von 7 Tagen nach Beginn der Menstruationsblutung (Ihrer monatlichen Regel),
- unmittelbar nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch im ersten Drittel der Schwangerschaft, sofern keine Genitalinfektion vorliegt,
- nach einer Geburt, jedoch nur nachdem die Gebärmutter sich auf die normale Größe zurückgebildet hat, und nicht früher als 6 Wochen nach der Entbindung.
Die Untersuchung vor der Einlage durch Ihren Arzt/Ihre Ärztin kann folgendes beinhalten:
- einen Abstrich des Gebärmutterhalses (Papanicolaou-Abstrich),
- eine Brustuntersuchung,
- je nach Bedarf andere Tests, z. B. auf Infektionen einschließlich sexuell übertragbarer Krankheiten.
Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird außerdem eine gynäkologische Untersuchung durchführen, um die Lage und Größe Ihrer Gebärmutter zu bestimmen.
Nach der gynäkologischen Untersuchung geschieht folgendes:
Ein als Spekulum bezeichnetes Instrument wird in Ihre Scheide eingeführt und der Gebärmutterhals kann mit einer antiseptischen Lösung gesäubert werden. Anschließend wird das intrauterine Wirkstofffreisetzungssystems mit einem dünnen, biegsamen Plastikröhrchen (Einlegeröhrchen) in die Gebärmutter eingeführt. Vor der Einlage kann der Gebärmutterhals lokal betäubt werden.
Manche Frauen fühlen sich bei der Einlage oder danach oder bei der Entfernung schwindlig oder werden ohnmächtig. Während oder kurz nach der Einlage können bei Ihnen Schmerzen und Blutungen auftreten. Nach der Einlage sollten Sie eine Patientenerinnerungskarte für die Nachuntersuchungen durch Ihren Arzt/Ärztin erhalten. Bringen Sie diese Erinnerungskarte zu jedem Arzttermin mit.
Nachuntersuchung
Sie sollten Ihr intrauterines Wirkstofffreisetzungssystem (IUS) 4 - 6 Wochen nach der Einlage und anschließend regelmäßig, mindestens einmal pro Jahr, kontrollieren lassen. Ihr Arzt wird entscheiden, wie oft und in welcher Art die Nachuntersuchungen für Sie notwendig sind. Bringen Sie die Patientinnenerinnerungskarte, die Sie erhalten haben, bitte bei jedem Arzttermin mit.
Entfernung des IUS
Das IUS sollte spätestens am Ende des fünften Jahres der Anwendung entfernt werden. Es kann jederzeit einfach von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin entfernt werden, danach ist eine Schwangerschaft möglich. Manche Frauen fühlen sich schwindlig oder werden ohnmächtig während oder nachdem es entfernt wird. Sie können bei der Entfernung Schmerzen und Blutungen haben.
Wenn eine Schwangerschaft nicht gewünscht ist, sollte das IUS nicht nach dem siebten Tag des Menstruationszyklus (monatliche Regelblutungen) entfernt werden, es sei denn, Sie benutzen für mindestens sieben Tage vor der Entfernung des IUS andere Verhütungsmittel (z. B. Kondome). Falls Sie unregelmäßige oder keine Regel (Menses) haben, sollten Sie für mindestens 7 Tage vor der Entfernung eine Barrieremethode zur Verhütung anwenden.
Ein neues intrauterines Wirkstofffreisetzungssystem kann auch sofort nach der Entfernung eingesetzt werden. In diesem Fall ist kein zusätzlicher Schutz erforderlich.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin, bevor Sie das Präparat anwenden, wenn Sie:
- Diabetes haben.
- an Epilepsie leiden.
- früher eine ektopische oder extrauterine (außerhalb der Gebärmutter) Schwangerschaft hatten.
Sprechen Sie auch mit Ihrem Arzt, wenn vor der Anwendung eine der folgenden Erkrankungen vorliegt oder während der Anwendung zum ersten Mal auftritt:
- Migräne mit Sehstörungen oder anderen Symptomen, die auf eine vorübergehende Unterbrechung der Blutzufuhr des Gehirns (transitorische zerebrale Ischämie) hindeuten können
- außergewöhnlich starke Kopfschmerzen
- Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut, Augenweiß und/oder Nägeln)
- deutliche Blutdrucksteigerung
- schwere arterielle Gefäßerkrankung wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.
Sehr häufige Nebenwirkungen: kann mehr als 1 von 10 Anwenderinnen betreffen
- Kopfschmerzen
- Bauchschmerzen/Schmerzen im kleinen Becken
- Akne/fettige Haut
- Veränderungen bei der Menstruationsblutung einschließlich stärkere und schwächere Menstruationsblutungen, Schmierblutung, seltene Regelblutungen und Ausbleiben der Blutungen
- Eierstockzyste
- Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane und Scheide (Vulvovaginitis)
Häufige Nebenwirkungen: kann bis zu 1 von 10 Anwenderinnen betreffen
- Depressive Stimmungen/Depression
- Libidoabnahme
- Migräne
- Übelkeit
- Haarausfall
- Infektionen (Entzündung) des oberen Genitaltrakts
- schmerzhafte Periodenblutung
- Brustschmerzen/-beschwerden
- Ausstoßung des IUS (vollständig und teilweise)
- Genitaler Ausfluss
- Gewichtszunahme
Gelegentliche Nebenwirkungen: kann bis zu 1 von 100 Anwenderinnen betreffen
- Übermäßige Körperbehaarung
- Durchstoßung (Perforation) der Gebärmutter
Wann sollte Kyleena nicht angewendet werden?
Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden, wenn Sie:
- schwanger sind.
- zur Zeit eine entzündliche Erkrankung des kleinen Beckens (PID; Infektion der weiblichen Fortpflanzungsorgane) haben oder diese Erkrankung früher mehrfach gehabt haben.
- Krankheiten haben, die mit einer erhöhten Anfälligkeit für Entzündungen des kleinen Beckens (Infektion des kleinen Beckens) einhergehen.
- eine Entzündung im unteren Genitaltrakt haben (eine Infektion der Scheide oder des Gebärmutterhalses [Zervix]).
- eine Gebärmutterentzündung nach der Geburt eines Kindes, einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Fehlgeburt in den letzten 3 Monaten hatten.
- zur Zeit krankhafte Veränderungen von Zellen im Bereich des Gebärmutterhalses haben (Zervix).
- eine bösartige Erkrankung (Krebs) im Gebärmutterhals oder in der Gebärmutter haben oder eine solche bösartige Erkrankung bei Ihnen vermutet wird.
- Tumore haben, deren Wachstum empfindlich auf Geschlechtshormone (Gestagene) reagiert, z. B. Brustkrebs.
- eine ungeklärte Blutung aus der Scheide haben.
- eine Fehlbildung des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter einschließlich gutartiger Muskelgeschwülste (Myome) haben, die zu einer Verformung der Gebärmutterhöhle führen.
- eine akute Lebererkrankung oder einen Lebertumor haben.
- allergisch gegen Levonorgestrel oder einen der sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind.
MyIUS App
Um Patientinnen effektiv bei der Anwendung von Intrauterinsystemen (IUS) zu unterstützen, hat Jenapharm mit MyIUS einen medizinisch intensiv geprüften Begleiter in Form einer App entwickelt. Die App wurde speziell für Levonorgestrel-haltige IUS entwickelt und begleitet Frauen vor und nach der Einlage digital mit umfassenden Informationen und unterstützt bei der Terminerinnerung zu Lagekontrollen und anderen Vorsorgeuntersuchungen. Sie:
- unterstützt Anwenderinnen dabei sich mit ihrem IUS vertraut zu machen,
- erinnert regelmäßig an Termine beim Frauenarzt zur Lagekontrolle und anderen Vorsorgeuntersuchungen,
- ermöglicht Patientinnen ihr Zyklusgeschehen taggenau aufzuzeichnen und
- kann auf dieser Basis eine individuelle Vorhersage über das zukünftige Blutungsprofil der entsprechenden Patientin erstellen.
Grundlage für die Vorhersage des individuellen Blutungsprofils durch die MyIUS-App ist ein patentiertes, innovatives Vorhersagemodell basierend auf künstlicher Intelligenz, in das die Anwenderinnen ihr tägliches Zyklusgeschehen (z. B. auftretende Blutungen oder Schmierblutungen) dokumentieren können. Auf Basis der eingetragenen Daten erhalten Nutzerinnen dann nach 90 Tagen die Vorhersage über ihr voraussichtliches Blutungsmuster (Blutungsintensität und -regelmäßigkeit) für die kommenden 6 Monate.
Kosten
Das Einlegen einer Hormonspirale ist eine Leistung, die in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Sie müssen sowohl für die Materialkosten der Spirale als auch für das Einsetzen aufkommen. Ultraschallkontrollen der Lage der Spirale sind mit Ausnahme der ersten Kontrolle wenige Wochen nach der Einlage kostenpflichtig.