Migräne durch Maske: Ursachen, Behandlung und Linderung

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die weit mehr ist als bloßer Kopfschmerz. Sie zählt laut WHO zu den zehn am stärksten behindernden Krankheiten weltweit. In Deutschland sind etwa 10 bis 12 Millionen Menschen betroffen - viele davon ohne korrekte Diagnose. Die Entstehung von Migräne ist multifaktoriell und das Beschwerdebild vielseitig. In jüngerer Zeit hat sich die Frage aufgetan, ob das Tragen von Corona-Schutzmasken Migräne beeinflussen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne, den Einfluss von Masken und stellt Behandlungs- und Linderungsansätze vor.

Was ist Migräne?

Migräne ist gekennzeichnet durch anfallsartige, oft einseitige Kopfschmerzen, die mit einer Vielzahl weiterer Symptome einhergehen. Das Besondere an Migräne: Sie entsteht nicht durch äußere Verletzungen oder dauerhafte Schäden, sondern durch eine funktionelle Störung der Reizverarbeitung im Gehirn. Dabei kommt es zu einer Übererregbarkeit bestimmter Hirnregionen, insbesondere im Hirnstamm und in der Großhirnrinde. Auch Entzündungsprozesse entlang der Hirngefäße und eine gestörte Regulation von Botenstoffen wie Serotonin spielen eine zentrale Rolle.

Symptome und Verlauf

Das Beschwerdebild bei Migräne ist vielseitig. Die Kopfschmerzen treten meist halbseitig auf, pulsieren oder pochen intensiv und werden bei Bewegung oder körperlicher Aktivität verstärkt. Hinzu kommen oft vegetative Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu (Photophobie) und Lärmempfindlichkeit (Phonophobie). Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten treten sogenannte Migräne-Auren auf. Diese neurologischen Vorboten äußern sich in Form von Flimmern vor den Augen, Sehstörungen, Sprachfindungsstörungen oder Gefühlsstörungen wie Kribbeln in Gesicht oder Armen. Eine Aura dauert meist 20 bis 60 Minuten und geht dem eigentlichen Kopfschmerz voraus.

Besonders tückisch: Der Verlauf ist von Person zu Person verschieden. Manche leiden nur wenige Male pro Jahr unter Migräne, andere erleben wöchentliche Attacken.

Ursachen und Auslöser

Die Entstehung von Migräne ist multifaktoriell. Die Veranlagung zur Migräne wird häufig vererbt - über 70 Prozent der Migränepatienten haben enge Verwandte mit ähnlichen Beschwerden. Zu den häufigsten Auslösern zählen hormonelle Schwankungen, Schlafmangel, Stress, bestimmte Nahrungsmittel sowie Reizüberflutung. Besonders der Wechsel zwischen Anspannung und plötzlicher Entspannung - etwa am Wochenende oder im Urlaub - kann eine Migräne auslösen, da das vegetative Nervensystem nicht schnell genug umschalten kann.

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Moderne Forschung zeigt, dass bei Migräne eine Dysbalance in der Verarbeitung sensorischer Reize vorliegt. Betroffene reagieren empfindlicher auf Licht, Geräusche oder Gerüche - lange bevor der Kopfschmerz einsetzt.

Hormonelle Schwankungen, Ernährung (Alkohol, Koffeinentzug, unregelmäßige Mahlzeiten, Schokolade, Käse), Stress (Anspannung → Entspannungs-Migräne) können Migräne auslösen.

Der Einfluss von Corona-Schutzmasken auf Kopfschmerzen und Migräne

Das Tragen von Corona-Schutzmasken zur Verhinderung von Ansteckungen ist hinreichend belegt. Jedoch wird seit Beginn der Pandemie diskutiert, ob das Tragen einer Maske auch gesundheitliche Nachteile mit sich bringen kann. Auch wenn die Maskenpflicht in vielen Lebensbereichen aufgehoben wurde, ist es bis heute nicht allen Menschen möglich, ihren Alltag maskenfrei zu bestreiten. Einige Berufsgruppen können ihre Arbeit nur sicher ausführen, wenn sie dauerhaft eine Corona-Schutzmaske tragen - und das zum Teil über viele Stunden täglich und bei starker körperlicher Beanspruchung.

Studienlage zum Thema Masken und Kopfschmerzen

Um herauszufinden, welche Auswirkungen das Masketragen auf die Entstehung bzw. Verschlimmerung von Kopfschmerzerkrankungen hat, haben sich in jüngerer Zeit viele Studien den Settings von Kliniken und Pflegeeinrichtungen gewidmet. In einschlägigen Berufsgruppen (medizinisches Personal inkl. Pflege) war schon vor der globalen COVID-19-Pandemie in vielen Situationen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes unumgänglich. Durch das erhöhte Risiko, das seit dem Aufkommen des Virus sowohl für das medizinische Personal als auch für die Patient*innen bzw. Gepflegten besteht, haben sich die täglichen ‚Tragezeiten‘ um ein Vielfaches erhöht.

Als eine allgemeine Begleiterscheinung des Tragens von Schutzmasken ist zunächst die Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu nennen. Das gilt auch für völlig gesunde Menschen, die etwa im Pflegedienst von Krankenhäusern oder Alteneinrichtungen tätig sind. Welches Ausmaß die Beeinträchtigungen erreichen können und wie sie zustande kommen, wurde nun in einer Studie am Universitätsklinikum Leipzig untersucht. Die Teilnehmenden trugen entweder keine Maske, eine leichte OP-Maske oder die mit „FFP2“-Zertifizierung versehene Ausführung. Es zeigte sich, dass die sogenannte kardiopulmonale Leistungsfähigkeit (d.h. das Herz-Kreislauf-System und die Atmung betreffend) durch das Tragen einer Maske signifikant reduziert wird, und zwar unabhängig vom Maskentyp. Beeinträchtigt wurde vor allem das Atmen. Das Atemvolumen war reduziert, ebenso die Geschwindigkeit beim Ein- und Ausatmen. Weitere Erhebungen kamen zu dem Ergebnis, dass den Maskenträgerinnen nur eine verminderte Kraftentfaltung möglich war. Zudem gaben die Teilnehmerinnen an, sich in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt zu fühlen.

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Die beeinträchtigte Versorgung mit Sauerstoff dürfte auch der Hauptgrund für ein weiteres Phänomen sein, das bei vielen Menschen auftritt, die beruflich zum häufigen oder gar ständigen Tragen einer Maske verpflichtet sind: Kopfschmerzen. Als einer der Großverbraucher von Sauerstoff reagiert unser Gehirn auf eine eingeschränkte Versorgung sehr empfindlich. Dies erklärt, weshalb viele Pflegemitarbeiter*innen aufgrund des erschwerten Atmens vermehrt unter Kopfschmerzen leiden. Durch das Tragen einer Maske wird der Gasaustausch gestört: Zu viel Kohlendioxid, das eigentlich ausgeatmet werden soll, verbleibt im Körper oder reichert sich unter der Maske an. Der nun folgende Atemzug liefert das, was es eigentlich zu vermeiden gilt: ‚schlechte‘ Luft, d.h. Luft, die zu wenig Sauerstoff enthält. So kann sich der Sauerstoffgehalt im Blut gegenüber der freien Atemtätigkeit um 20% vermindern.

Neben der Leipziger Untersuchung gibt es eine Reihe weiterer Studien mit vergleichbaren Resultaten. Die Übersichtsarbeit einer österreichischen Arbeitsgruppe z.B. fasst einige wichtige Befunde zusammen. Dabei zeigen sich Übereinstimmungen, was die Folgen des Maskengebrauchs für die Beschäftigten in der Pflege betrifft. Eine italienische Studie ergab, dass bei jedem vierten Beschäftigten ohne vorherige Kopfschmerzbeschwerden während der Maskenpflicht im Lockdown Kopfschmerzen neu auftraten. Insgesamt zeigte sich bei allen Pflegenden ein signifikanter Anstieg der Anzahl an Kopfschmerztagen. Auch eine portugiesische Studie konnten zeigen, dass sich bei fast allen Klinikmitarbeiterinnen, die zuvor bereits unter Kopfschmerzen und Migräne litten, die Beschwerden durch die Schutzmasken erheblich verstärkten. Weitere Erhebungen aus Singapur, der Türkei und Österreich bestätigen diese Befunde. Die singapurische Erhebung fand bei mehr als 80% der befragten Pflegemitarbeiterinnen neu aufgetretenen oder verschlimmerten Kopfschmerz, der mit dem Tragen von Covid-Schutzausrüstung assoziiert war. Interessant ist hier die Beobachtung der Unmittelbarkeit der Einschränkungen: Die Beschwerden traten innerhalb von 60 Minuten nach Anlegen der Ausrüstung auf und waren bei fast 90% der Betroffenen bereits 30 Minuten nach Ablegen verschwunden.

Spezifisch auf die Migräne konzentriert sich die türkische Studie. Sie beschreibt eine Verschlechterung bezüglich Attackenhäufigkeit, Dauer und Schmerzintensität bei nahezu 60% der Betroffenen durch die Maskenpflicht. Im gleichen Umfang stieg der Konsum von Schmerzmitteln. Aus den Daten wird deutlich, dass der Zusammenhang zwischen dem Tragen von Corona-Schutzmasken und Kopfschmerzen real ist.

Ergebnisse einer Fragebogenstudie

Aus Fragebogenformularen wurden folgende Daten gewonnen: Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Komorbiditäten, Medikamente, Rauchen und Alkoholgewohnheiten, Beck Depression Inventory (BDI), Beck Anxiety Inventory (BAI) und die 12-Item-Allodynie-Symptom-Checkliste (ASC-12). Die Patienten wurden zudem nach ihrer aktuellen Migränehäufigkeit (pro Monat), der Anzahl der Migränetage (pro Monat), der Migräneanfalldauer (Stunden) und der Schwere der Kopfschmerzen (basierend auf dem visuellen Analogscore (VAS) zwischen 0 und 10) vor der Pandemie sowie am Ende des ersten Pandemiejahres gefragt.

Außerdem wurden die Beschäftigung (arbeitslos, Home-Office oder nicht, Teilzeit oder Vollzeit, Gesundheitspersonal oder nicht) sowie die verwendeten Maskentypen (chirurgische Maske oder N95 Atemschutzmasken mit okzipitalen oder präaurikulären elastischen Kopfbändern) und deren tägliche Nutzungszeiten sowie die Verwendung und Nutzungshäufigkeit von Desinfektionsmittel erfasst.

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Unter Berücksichtigung aller Migränepatienten stiegen die Häufigkeit der Migräne, die Anzahl der Tage mit Migräne, die Dauer der Attacken und die Schwere der Kopfschmerzen in der Pandemiezeit im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie signifikant an.

Vor der Pandemie (n=310)Während der Pandemie (n=310)
Häufigkeit (pro Monat)3.92±3.395.11±4.20
Migränetage (pro Monat)5.37±4.427,52±5,75
Dauer der Migräne(Stunden)31.50±20.8035.36±22.65
≤1294 (30.6%)79 (25.7%)
13-24116 (37.8%)105 (34.2%)
25-4851 (16.6%)57 (18.6%)
48-7236 (11.7%)46 (15.0%)
>7210 (3.3%)20 (6.5%)
Schwere der Kopfschmerzen7.44±1.748.01±1.78

Menschen mit einer Zunahme der Migränehäufigkeit, der Migränetage pro Monat, der Dauer der Migräneattacke oder der Schwere der Kopfschmerzen wurde als die sich verschlechternde Migränegruppe (177 Patienten, 57,1 Prozent) definiert, während keine oder nur minimale Veränderung eines dieser Parameter als stabile Migränegruppe definiert wurde (96 Patienten, 31 Prozent). Wenn keiner der Parameter zunahm, aber eine Abnahme bei mindestens einem Parameter beobachtet wurde, wurden die Probanden der sich verbessernden Migränegruppe (37 Patienten, 11,6 Prozent) zugeteilt. Während des Pandemiezeitraums berichteten 176 (56,8 Prozent) Patienten über einen Anstieg des Konsums von Schmerzmitteln und 96 (31 Prozent) Patienten mit Migräne-spezifischen Medikamenten.

Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf Alter, Geschlecht, Bildungsstatus, Berufstyp, Gesundheitspersonal, Alkoholkonsum und Rauchgewohnheiten. Die Gruppen waren in Bezug auf neurologische, psychologische und andere Komorbiditäten vergleichbar. Die Häufigkeit der Diagnose von COVID-19 war zwischen den Gruppen ähnlich.

Maßnahmen zur Vorbeugung und Linderung

Kopfschmerzbetroffene, die durch das Tragen der Masken individuell eine Verschlimmerung ihrer Beschwerden erleben, sehen sich durch wissenschaftliche Erhebungen gestützt. Maßnahmen zur Vorbeugung der Mehrbelastung, die durch das Maskentragen hervorgerufen werden, sind besonders wichtig.

Die Autor*innen der Leipziger Studie meinen, dass man aus den Resultaten Folgerungen für das Arbeitsleben ableiten kann. Menschen, die bei anstrengenden Tätigkeiten eine Maske tragen, sollten unbedingt öfter Pausen einlegen als es bislang vielerorts gängige Praxis ist. Diese Auszeiten ohne Maske, möglichst an der frischen Luft und mit gezieltem, tiefem Durchatmen, können dem Blut wieder Sauerstoff zuführen. Überall dort, wo wir nicht auf das Tragen von Masken verzichten können oder wollen, sollten Ausgleichskonzepte wie regelmäßige ‚Atempausen‘ diese Maßnahme begleiten, um die Risiken abzumildern.

Behandlung von Migräne

In der klassischen Medizin unterscheidet man zwischen Akut- und Prophylaxebehandlung.

Akutbehandlung

Bei akuten Migräneattacken kommen in erster Linie Schmerzmittel und spezifische Migränemittel zum Einsatz. Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen helfen bei leichten bis mittelstarken Attacken. Triptane sind speziell für Migräne entwickelte Akut-Medikamente, die bei starken Migräneattacken eingenommen werden können. Sie wirken, indem sie Gefäße verengen und die Freisetzung von ungünstigen Botenstoffen hemmen. Im Idealfall behandeln sie neben den Schmerzen auch Begleitsymptome wie Geräusch-, Geruchs- und Lichtempfindlichkeit sowie Übelkeit und Erbrechen. Bei Unwirksamkeit oder Kontraindikation gegen Triptane werden in den Leitlinien Lasmiditan (Serotoninrezeptor-Agonist) und Rimegepant (CGRP-Rezeptorantagonist) empfohlen, die zur Akutbehandlung von Migräne entwickelt wurden.

Prophylaxe

Für Patient:innen mit sehr häufigen oder besonders belastenden Attacken stehen verschiedene Medikamente zur Vorbeugung zur Verfügung. Dazu zählen Betablocker, Antiepileptika oder trizyklische Antidepressiva. Seit einigen Jahren gibt es außerdem monoklonale Antikörper gegen das CGRP-Molekül (Calcitonin Gene Related Peptide), das eine zentrale Rolle bei Migräneanfällen spielt.

Integrative Medizin

Viele Patientinnen und Patienten suchen nach einer ergänzenden oder alternativen Herangehensweise, da Medikamente zwar die Symptome lindern, aber nicht an der Ursache der Migräne angreifen. Die Integrative Medizin bietet zahlreiche Möglichkeiten, Migräne auf sanfte, tiefgreifende Weise zu beeinflussen.

  • Osteopathie: Die Osteopathie betrachtet Migräne nicht als isoliertes Geschehen im Kopf, sondern als Ausdruck gestörter Balance im gesamten Körpersystem. Ziel der osteopathischen Behandlung ist es, durch manuelle Techniken Spannungen abzubauen, die Durchblutung zu verbessern und das Nervensystem zu entlasten. In der Praxis haben sich besonders craniosakrale Techniken, die Mobilisation der oberen Halswirbel sowie viszerale Impulse im Bereich von Leber und Magen bewährt.
  • Stoffwechsel: Ein unterschätzter Faktor bei Migräne ist die Rolle des Stoffwechsels. Studien zeigen, dass Migränepatienten häufig niedrige Magnesiumwerte, oxidativen Stress oder Mitochondrienstörungen aufweisen. Magnesium kann als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Zudem empfiehlt es sich, individuell unverträgliche Lebensmittel zu meiden - etwa histaminreiche Produkte, Tyramin (in reifem Käse) oder künstliche Zusatzstoffe wie Aspartam.
  • Vegetatives Nervensystem: Ein überaktives vegetatives Nervensystem gilt als zentrale Schwachstelle bei Migräne. Umso wichtiger ist es, die „innere Bremse“ wieder aktivieren zu lernen. Atemübungen und achtsamkeitsbasierte Methoden wie MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction) oder regelmäßige Meditation können langfristig wirksam sein.
  • Hormone: Besonders Frauen leiden häufig unter zyklusabhängiger Migräne. Die hormonellen Schwankungen vor der Menstruation - insbesondere der Abfall des Östrogenspiegels - gelten als typischer Trigger. Hier können hormonfreie Verhütung oder pflanzliche Unterstützung helfen.

Weitere Therapieansätze

  • Schlafmaske: Migränepatienten empfinden völlige Dunkelheit als sehr wohltuend. Eine Schlafmaske dunkelt das Sehfeld ab und gaukelt dem Körper nächtliche Dunkelheit vor, was die Ausschüttung von Melatonin animiert. Die Maske sollte aus weichem Material bestehen, das sich sanft der Gesichtsform anpasst. Idealerweise ist sie aus Bio-Baumwolle gefertigt.
  • Kälte- und Wärmetherapie: Migräne-Masken gibt es mittlerweile in vielen Farben und Formen von diversen Anbietern. Was sie aber alle gemein haben, ist eine Gel-Füllung, die nach der Lagerung im Gefrierfach eine kühlende Wirkung hat, was unter die sog. Kältetherapie fällt. In der Mikrowelle oder im Wasserbad erhitzt, kann die Maske aber auch zur Wärmeanwendung genutzt werden (Wärmetherapie). Durch die Abdeckung der Augen blockiert diese Form der Masken außerdem Licht und somit visuelle Reize, was bei Lichtempfindlichkeit während einer Attacke zusätzliche Erleichterung schaffen kann.
    • Kälteintervention: Ein möglicher Mechanismus, über welchen Kälte die Migränesymptome lindern könnte, ist die Vasokonstriktion - die Verengung der Gefäße. Denn während einer Migräneattacke sind die Blutgefäße im Gehirn meist geweitet.
    • Wärmeintervention: Manche berichten im Gegenteil davon, dass ihnen Wärme während einer Migräneattacke Abhilfe verschafft. Der Wirkmechanismus wird dabei eher auf die Entspannung durch die Wärme, gerade bei Spannungskopfschmerzen, zurückgeführt.

Cluster-Kopfschmerzen

Clusterkopfschmerzen kommen deutlich seltener vor als etwa Spannungskopfschmerzen oder Migräne. Doch die schubweise auftretenden Schmerzen sind zum Teil so heftig, dass sie bei einigen Patient:innen zu starken Beeinträchtigungen in der Lebensqualität führen. Es gibt jedoch vielversprechende Behandlungsmethoden: Von der akuten Therapie bis hin zu einer Prophylaxe.

Symptome und Ursachen

Die Patient:innen leiden an einem sehr starken strikt einseitigen Schmerz, welcher in der Region um das Auge und die Schläfe lokalisiert sein kann. Der Schmerz hat eine hohe Intensität und fühlt sich scharf und stechend an. Manche Frauen berichten, dass die Cluster schmerzhafter seien als die Geburt eines Kindes. Typisch für diese Schmerzepisoden ist die psychomotorische Komponente. Die Patient:innen sind rastlos und getrieben, teilweise auch agitiert (unruhig) in der Attacke. Zusätzlich treten während der Attacken auch Symptome des vegetativen Nervensystems wie ein hängendes Augenlid, Verengung der Pupille, Augentränen, Augenrötung und Nasenlaufen auf. Auch diese Symptome treten strikt einseitig und auf der gleichen Seite wie der Kopfschmerz auf.

Attacken eines Clusterkopfschmerzes können 15 Minuten bis drei Stunden dauern. Insbesondere im Frühling und Herbst treten Attacken vermehrt auf, an einem Tag kann das bis zu acht Mal vorkommen, etwas vermehrt in der Nacht. Clusterkopfschmerz kommt meistens episodisch vor. Das bedeutet, dass circa 80 bis 90% der Patient:innen wiederkehrende Attacken über einen Zeitraum von sieben Tagen bis zu zwölf Monaten erleiden, insbesondere wenn keine Behandlung eingeleitet wird. Anschließend endet ein Cluster und somit auch die Kopfschmerzen, es kann im Verlauf zu erneuten Clustern kommen. Es scheint einen Zusammenhang mit Nikotinkonsum zu bestehen, so dass Nikotinkarenz absolut empfohlen wird.

Behandlung

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, schnell weniger Schmerzen zu haben und somit die Attacke zu durchbrechen. Hier gibt es einige Medikamente, welche einen Effekt haben können. Die wichtigsten in dieser Kategorie sind Inhalation von reinem hochdosiertem Sauerstoff (12l/min über eine Maske) und Triptane (unter die Haut gespritztes Sumatriptan, oder intranasales Sumatriptan oder Zomitriptan). Die Prophylaxe zielt auf eine Reduktion der Schmerzattacken ab. Da es sich um eine seltene Kopfschmerzerkrankung handelt, gibt es keine spezifischen prophylaktischen Maßnahmen außer einer allgemeinen gesunden Lebensführung.

Wenn jemand den Verdacht hat, unter Clusterkopfschmerzen zu leiden - sollte das unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Eine genaue Diagnose der Kopfschmerzen ist wichtig, um andere Ursachen auszuschließen und eine spezifische Therapie zu erhalten, die die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern und depressive Symptome verhindern kann. Prinzipiell sollte bei länger bestehenden Kopfschmerzen eine Neurologin oder ein Neurologe kontaktiert werden. Dort können die etablierten Therapien verordnet und der Erfolg dieser überwacht werden. Sollte es dort nicht zu einem ausreichenden Therapieerfolg kommen, sollte eine Vorstellung bei Kopfschmerzexpert:innen erfolgen.

Seltene primäre Kopfschmerzformen

Starke Anstrengungen wie körperliches Training sind mit heftigen, plötzlich einschießenden Kopfschmerzen verbunden - hinter diesen Phänomenen kann eine seltene primäre Kopfschmerzform stecken. Unter primären Kopfschmerzerkrankungen werden Kopfschmerzen verstanden, die selbst eine Erkrankung darstellen und nicht Symptom einer anderen Erkrankung sind.

  • Primärer Hustenkopfschmerz: Husten löst eine Kopfschmerzattacke aus. Die akuten Attacken müssen in der Regel nicht behandelt werden. Zur Prophylaxe kann eine Therapie mit dem nicht steroidalen Antirheumatikum (NSAR) Indometacin versucht werden.
  • Primärer Anstrengungskopfschmerz: Der Patient reagiert auf körperliche Anstrengung etwa beim Sport mit Kopfschmerzen. Betroffene sollten nicht in großer Hitze trainieren und die körperliche Aktivität langsam steigern. Zudem könne eine Kurzzeitprophylaxe von 25 bis 50 mg Indometacin - eine Stunde vor dem Training - hilfreich sein.
  • Primärer Sexualkopfschmerz: Sex ist ein Auslöser von Kopfschmerzattacken. Bei länger andauernden Attacken kann ein Behandlung mit Indometacin oder Triptanen versucht werden. Bei wiederkehrenden Attacken sei eine Prophylaxe mit Propanolol Mittel der Wahl. Alternativ kommen Metoprolol und Atenolol, Topiramat oder der CGRP-Antikörper Erenumab infrage.
  • Kältebedingter Kopfschmerz: Kältereize auf den Kopf etwa beim Skifahren, die Inhalation kalter Luft oder den Verzehr von kalten Speisen oder Getränken löst Kopfschmerzen aus. Diese Kopfschmerzform ist gutartig, deshalb ist eine differentialdiagnostische Abklärung nicht notwendig.
  • Schlafgebundener Kopfschmerz: Patienten wachen in der Nacht immer zur gleichen Zeit aufgrund von Kopfschmerzen auf. In der Akutbehandlung kann eine starke Tasse Kaffee helfen oder prophylaktisch vor dem Schlafengehen. Alternativ könnten auch Coffeintabletten, Melatonin, Indometacin oder Lithium versucht werden.
  • Neu aufgetretener, täglicher, anhaltender Kopfschmerz: Er zeichnet sich dadurch aus, dass er plötzlich innerhalb eines Tages einsetzt und konstant fortbesteht, ohne abzuklingen. Bei migräneartigen Schmerzen werden zunächst Wirkstoffe zur Migräneprophylaxe eingesetzt, bei der spannungskopfschmerzartigen Form trizyklische Antidepressiva.

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