Die Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) mit Medikinet, einem Medikament, das den Wirkstoff Methylphenidat enthält, kann bei Kindern und Erwachsenen eine Verbesserung der Konzentration und Impulskontrolle bewirken. Allerdings berichten einige Patienten über Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, die die Lebensqualität beeinträchtigen können. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Medikinet und Kopfschmerzen, mögliche Ursachen und Strategien zur Linderung.
Einführung in ADHS und Medikinet
ADHS ist eine neurologisch-psychiatrische Störung, die sich durch Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität äußert. Die Behandlung von ADHS erfolgt oft multimodal, wobei Medikamente wie Methylphenidat eine wichtige Rolle spielen können. Methylphenidat ist ein Stimulans des zentralen Nervensystems, das die Aktivität der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn beeinflusst. Diese Botenstoffe sind wichtig für Aufmerksamkeit, Motivation, Wachheit und emotionale Stabilität.
Medikinet ist ein Medikament, das Methylphenidat enthält und in verschiedenen Formen erhältlich ist:
- Unretardierte Tabletten: Wirken schnell (nach ca. 30-60 Minuten), aber nur ca. 3-4 Stunden.
- Retardkapseln (z. B. Medikinet adult®): Setzen den Wirkstoff verzögert frei, sodass die Wirkung über ca. 8 Stunden anhält.
Die Einnahme erfolgt meist morgens, manchmal zusätzlich auch mittags, je nach Wirktyp. Wichtig ist, dass die Einnahme immer mit oder nach dem Frühstück erfolgt, da sie sonst zu Magenbeschwerden führen kann.
Kopfschmerzen als mögliche Nebenwirkung von Medikinet
Obwohl Methylphenidat im Allgemeinen gut verträglich ist, kann es gerade am Anfang der Behandlung zu unerwünschten Begleiterscheinungen kommen, darunter Kopfschmerzen.
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Erfahrungsberichte
Einige Eltern berichten, dass ihre Kinder nach der Einnahme von Medikinet über Kopfschmerzen klagen. Ein Vater schildert, dass sein Sohn, der seit mehreren Wochen Medikinet einnimmt, unter Kopfschmerzen leidet, die durch Ibuprofen nur wenig gelindert werden konnten. Ein anderer Vater berichtet, dass sein Sohn, der von unretardiertem Medikinet auf Retard-Kapseln umgestellt wurde, innerhalb einer Woche zweimal starke Kopfschmerzen hatte, die er zuvor nie erlebt hatte.
Zeitlicher Zusammenhang
Die Kopfschmerzen treten bei manchen Kindern während der Wirkdauer von Medikinet auf, bei anderen jedoch erst am Nachmittag, also zum Ende der Wirkdauer. Es ist wichtig zu beachten, dass der zeitliche Zusammenhang zwischen der Einnahme von Medikinet und dem Auftreten von Kopfschmerzen variieren kann.
Mögliche Ursachen für Kopfschmerzen bei Medikinet-Einnahme
Es gibt verschiedene Theorien, warum Methylphenidat Kopfschmerzen verursachen kann:
Glukosestoffwechsel: Stimulanzien regen den Glukosestoffwechsel im Gehirn an, wodurch es zu Kopfschmerzen kommen kann, welche sich schwer lindern lassen. Der Glukoseverbrauch steigt unter der Stimulanzienwirkung deutlich an, wodurch der Blutzuckerspiegel abfällt.
Dosierung: Eine zu hohe Dosis von Methylphenidat kann zu Kopfschmerzen führen. In diesem Fall sollte die Dosis reduziert oder langsamer titriert werden. Übrigens tritt diese Erscheinung nur zu Anfang der Behandlung auf, später stellt sich der Körper auf die Dosis ein.
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Nahrungsaufnahme: Eine unzureichende Nahrungszufuhr vor der Tabletteneinnahme kann Kopfschmerzen begünstigen. Es wird empfohlen, vor der Einnahme von Stimulanzien auf eine ausreichende Nahrungszufuhr zu achten. Viele Kinder und Jugendliche mit Stimulanzieneinnahme vor Schulbeginn berichten: „Bemerke ich etwa nach der 4. Schulstunde ein Nachlassen der Konzentration, dann esse ich sofort. Überhaupt kann bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel das Methylphenidat nicht gut wirken, denn das Stirnhirn braucht Glukose, um arbeiten zu können. Hyperaktive Kinder verbrauchen schon wegen ihres großen Bewegungsdranges viel Glukose.“
Reizüberflutung: Viele betroffene Kinder nehmen z.B. Schmerzen, Lautstärke, Geruch und Geschmack stärker wahr als andere und sind dann zum Beispiel nach einem Vormittag auf dem vollen Schulhof und im lauten Klassenzimmer völlig gestresst und erschöpft. Einige weinen ohne Grund, andere können kaum das Wasser auf der Haut beim Duschen ertragen.
Strategien zur Linderung von Kopfschmerzen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Kopfschmerzen im Zusammenhang mit Medikinet zu lindern:
Ausreichende Nahrungsaufnahme: Vor jeder Einnahme von Stimulanzien sollte auf eine ausreichende Nahrungszufuhr geachtet werden. Kommt es dennoch zu Kopfschmerzen, dann sollten alsbald als möglich oder besser noch sofort schnell verdauliche Kohlenhydrate, wie Traubenzucker, Bananen, glukosehaltige Fruchtsäfte, Süßigkeiten u.a. eingenommen werden.
Dosisanpassung: In Absprache mit dem Arzt kann die Dosis von Medikinet angepasst oder das Präparat gewechselt werden.
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Regelmäßige Einnahme: Eine regelmäßige und verlässliche Einnahme ist entscheidend für eine stabile Wirkung. Verknüpfe die Einnahme mit festen Alltagsroutinen - z. B. immer nach dem Zähneputzen oder Frühstück.
Alternative Therapien: Manchmal hilft es vielleicht auch, sich in der Pause in eine ruhigere Ecke auf dem Schulhof zurückzuziehen oder nach der Schule durch einen Spaziergang oder Fahrradfahren an der frischen Luft zur Ruhe zu kommen.
Japanisches Heilpflanzenöl: Einige Eltern berichten von positiven Erfahrungen mit japanischem Heilpflanzenöl, das leicht auf die Stirn massiert wird.
Zusätzliche Nebenwirkungen von Methylphenidat
Neben Kopfschmerzen kann die Einnahme von Methylphenidat zu einer Vielzahl weiterer Nebenwirkungen führen. Häufig kann es unter anderem zu Appetitverlust, Schlaflosigkeit, Nervosität, Konzentrationsschwäche, Geräuschempfindlichkeit, Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens, Übelkeit und Erbrechen, Mundtrockenheit sowie Schwitzen kommen.
Neuere Erkenntnisse weisen zudem auf mögliche Auswirkungen auf den Augeninnendruck hin. Im Zusammenhang mit der Behandlung mit Methylphenidat wurde über erhöhten Augeninnendruck (IOD) und Glaukom (einschließlich Offenwinkelglaukom und Engwinkelglaukom) berichtet. Patienten sollen angewiesen werden, ihren Arzt zu kontaktieren, wenn Symptome auftreten, die auf einen erhöhten IOD und ein Glaukom hindeuten. Ein Augenarzt sollte konsultiert und ein Absetzen von Methylphenidat in Betracht gezogen werden, wenn der IOD ansteigt. Eine ophthalmologische Überwachung von Patienten mit erhöhtem IOD in der Vorgeschichte wird empfohlen. Auch ein trockenes Auge tritt als „gelegentliche“ Nebenwirkung auf. Selten kann es zu einer Zwangsstörung (einschließlich Trichotillomanie und Dermatillomanie) kommen.
ADHS: Mehr als nur Zappelphilipp
Kinder und Jugendliche mit AD(H)S werden oft als „Zappelphilipp“ oder als „Hans-Guck-in-die-Luft“ bezeichnet, weil viele entweder nicht stillsitzen können oder zu verträumt sind. Dabei ist das oft nur eine Ausprägung der Krankheit. Viele Betroffene haben gleichzeitig noch andere Probleme, z.B. eine Hyper- oder Hyposensibilität oder Schmerzen wie Migräne oder Gelenkschmerzen. Die gemeinsame Ursache für AD(H)S liegt oft in einer Reizüberflutung, die zu sensorischen Problemen führt.
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