Kopfschmerzen, die mit Symptomen wie einer verstopften Nase, tränenden Augen und Druck im Gesicht einhergehen, werden oft als Sinus-Kopfschmerzen diagnostiziert. Jedoch kann die Ursache komplexer sein und in vielen Fällen mit Migräne zusammenhängen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Migräne und Nasennebenhöhlenproblemen, um Betroffenen ein besseres Verständnis für ihre Beschwerden zu ermöglichen.
Fehldiagnose: Wenn Migräne als Sinusitis erkannt wird
Es kommt häufig vor, dass Kopfschmerzen mit Schnupfensymptomen fälschlicherweise als Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) diagnostiziert werden. Eine Studie hat gezeigt, dass ein Großteil der Patienten, die wegen vermeintlicher chronischer Sinusitis behandelt wurden, tatsächlich an Migräne litten. In der Studie wurden 2991 Patienten mit selbst-berichtetem oder vom Arzt diagnostiziertem Sinus-Kopfschmerz, die keine Migräne-Diagnose und keine akute Infektion der Nebenhöhlen aufwiesen, untersucht. Das Ergebnis: Die Mehrzahl der meist weiblichen Patienten erfüllte die IHS-Kriterien einer Migräne mit oder ohne Aura (80%) bzw. einer migräneartigen Störung (8%). Diese Patienten berichteten überwiegend von wirkungslosen Behandlungen mit unspezifischen Analgetika und Antihistaminika.
Symptome und Diagnose
Die am häufigsten genannten Symptome, die sich auf die Nebenhöhlen bezogen, waren Sinusdruck (84%), Sinusschmerzen (82%) und verstopfte Nase (63%). Es ist wichtig zu beachten, dass auch typische Migränezeichen wie Übelkeit vorhanden waren.
Unterscheidung zwischen Sinus-Kopfschmerz und Migräne
Sinus-Kopfschmerzen sind eine Begleiterscheinung einer Rhinosinusitis. Das wichtigste Diagnosekriterium ist ihr Auftreten, das sie gleichzeitig von einer Migräne unterscheidet. Anders als bei einer Migräne läuft den Betroffenen von Sinus-Kopfschmerzen eitriges Sekret aus der Nase. Außerdem wird eine Migräne von Übelkeit oder Erbrechen begleitet und durch Lärm oder Licht verstärkt.
Die Symptome der Migräne
Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Die Anfälle können mit anderen schwerwiegenden Symptomen einhergehen, darunter Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit. Bei etwa mehr als einem Drittel der Menschen mit Auren treten Hörstörungen wie Tinnitus (Ohrgeräusche), Musik oder Geräusche auf. Bei etwa 10 % der Betroffenen kommt es zu sprachlichen Veränderungen. Die Auren dauern in der Regel zwischen fünf Minuten und einer Stunde. Sie können innerhalb einer Stunde nach den Kopfschmerzen oder zusammen mit ihnen auftreten. Stimmungsschwankungen können ein Anzeichen für Migräne sein. Sie beginnen in der Prodromalphase - der ersten Phase eines Migräneanfalls, die mehrere Stunden oder Tage vor der Aura- oder Kopfschmerzphase einsetzen kann. Sie können sich deprimiert, reizbar oder hyperaktiv fühlen. Sie können auch andere Stimmungsschwankungen erleben. Migräne wird häufig auch mit einer höheren Rate an Stimmungsstörungen wie Depressionen, Angstzuständen und posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD) in Verbindung gebracht. So haben Menschen mit Migräne beispielsweise ein 2,5-mal höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken. Müdes Aufwachen oder Einschlafprobleme sind bei Menschen mit Migräne keine Seltenheit. Wenn die Migräne zuschlägt, ist es schwierig, einen erholsamen Schlaf zu finden. Diese Unfähigkeit zu schlafen kann der Beginn eines Teufelskreises sein.
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Was sind Sinusprobleme?
Sinusprobleme beziehen sich auf Entzündungen oder Infektionen der Nasennebenhöhlen, die zu Symptomen wie verstopfter Nase, Druckgefühl im Gesicht und Kopfschmerzen führen können. Diese Symptome können oft mit Migräne verwechselt werden, da sie ähnliche Beschwerden verursachen können.
Der Zusammenhang zwischen Migräne und Sinusproblemen
Der Zusammenhang zwischen Migräne und Sinusproblemen ist komplex und vielschichtig.
Überlappende Symptome
Sowohl Migräne als auch Sinusprobleme können Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen und Druckgefühle im Kopf verursachen. Dies kann zu Verwirrung führen und dazu führen, dass Menschen mit Migräne fälschlicherweise glauben, sie hätten Sinusprobleme und umgekehrt.
Sinusprobleme als Auslöser für Migräne
Sinusprobleme können tatsächlich ein Auslöser für Migräneanfälle sein. Die entzündeten oder infizierten Nasennebenhöhlen können das Nervensystem reizen und Migräneanfälle auslösen oder verstärken.
Komorbidität
Die Erfahrung hat gezeigt, dass Menschen, die unter Migräne leiden, häufiger auch an Sinusproblemen leiden. Diese beiden Erkrankungen können gemeinsame zugrunde liegende Ursachen haben, wie z. B. Entzündungen im Körper oder allergische Reaktionen.
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Ursachen von Nasennebenhöhlenentzündungen
Die Rhinosinusitis ist weit verbreitet. Pro Jahr wird die Diagnose „akute Sinusitis” über 6 Millionen mal gestellt, die Diagnose „chronische Sinusitis” rund 3 Millionen mal. Es handelt sich um eine Erkrankung mit hoher und ansteigender Häufigkeit. Eine Rhinosinusitis kann durch virale Infekte, Allergien, bakterielle Infekte, einer reduzierten Immunabwehr, oder bei strukturellen Veränderungen der Nasenhöhle verursacht werden. Lokale Entzündungen und Veränderungen der Druckverhältnisse in der Nase und den Nasennebenhöhlen können Kopfschmerzen bedingen. Gesichert ist die Entstehung von Kopfschmerzen bei einer akuten Rhinosinusitis. Bei einer chronischen Sinusitis ist dagegen die Entstehung von Kopf- oder Gesichtsschmerzen nicht eindeutig, es sei denn, es handelt sich überlagernd um einen akuten Ausbruch einer akuten Sinusitis. Eine Sinusitis kann jeden betreffen.
Arten von Sinusitis
Zu den Nasennebenhöhlen werden auch die beiden Stirnhöhlen, die Kieferhöhlen, die Keilbeinhöhlen und die Siebbeinzellen gezählt. Die Nasennebenhöhlen können komplett entzündet sein oder aber nur einzelne Höhlen. Abhängig davon, welcher Teil sich entzündet hat, wird der Begriff „Sinusitis“ weiter konkretisiert:
- Sinusitis maxillaris (Entzündung der Kieferhöhlen)
- Sinusitis frontalis (Entzündung der Stirnhöhlen)
- Sinusitis ethmoidalis (Entzündung der Siebbeinzellen)
- Sinusitis sphenoidalis (Entzündung der Keilbeinhöhlen)
Eine Stirnhöhlenentzündung äußert sich beispielsweise durch pulsierende oder bohrende Kopfschmerzen, die direkt hinter der betroffenen Stirnseite lokalisiert sind.
Diagnose von Sinusitis
In erster Linie werden die Symptome einer akuten Rhinosinusitis geprüft. Bei der Untersuchung können sich Hinweise auf eine schmerzempfindliche Stirn- und Kieferhöhlenregion ergeben. Eine endoskopische Untersuchung analysiert eine Verengung der Nasenpassage. Belege für eine bakterielle, oder für eine Pilzinfektion, können durch Schleimhautabstriche erhoben werden. Im Einzelfall können auch bildgebende Untersuchungen wie ein Computertomogramm oder ein Magnetresonanztomogramm erfolgen. In aller Regel benötigt die Diagnose keine apparativen Zusatzuntersuchungen. In gesunden Nasennebenhöhlen wird Sekret und Schleim abdrainiert und die Atemluft kann durch die Nasenpassage frei zirkulieren. Wenn die Nasennebenhöhlen jedoch akut entzündet sind, werden diese Bereiche verengt und blockiert, Folge ist, dass Sekret und Schleim nicht abtrainiert werden können. Wenn dies der Fall ist, können Bakterien, Viren und Pilze sich im Nasenschleim ausbreiten und schnell vermehren.
Was tun bei Verdacht auf Migräne oder Sinusprobleme?
Differenzialdiagnose
Wenn du regelmäßig unter Kopfschmerzen leidest und unsicher bist, ob sie von Sinusproblemen oder Migräne verursacht werden, solltest du einen Arzt aufsuchen. Eine gründliche Untersuchung kann helfen, die Ursache deiner Beschwerden zu identifizieren und eine angemessene Behandlung zu empfehlen.
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Behandlung von Sinusproblemen
Wenn deine Sinusprobleme Migräneanfälle auslösen oder verstärken, ist es wichtig, sie angemessen zu behandeln. Dies kann die Verwendung von abschwellenden Nasensprays, Antihistaminika oder Antibiotika umfassen, je nach Ursache deiner Sinusprobleme.
Migränebehandlung
Wenn du regelmäßig unter Migräneanfällen leidest, solltest du eine angemessene Migränebehandlung in Betracht ziehen. Dies kann die Verwendung von Medikamenten zur Akutbehandlung von Migräneanfällen oder zur Prävention von Migräne umfassen, je nach Bedarf.
Behandlung und Vorbeugung von Sinusitis
Bei akuter bakterieller Rhinosinusitis können vom Arzt Antibiotika verordnet werden. Die akuten Kopfschmerzen können zusätzlich durch Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. Die Behandlung sollte zur Therapie der Verursachung und zur Vermeidung einer chronischen Sinusitis auf eine Verflüssigung des Schleims (Sekretolyse) und auf die Mobilisierung des Schleims durch Reduktion der Schleimviskosität (Mukolyse) basieren. Zusätzlich sollte durch eine Aktivierung der Flimmerhaarbewegung ein verbesserter Abtransport des Schleims ermöglicht werden. Die Ursache von Sinusitis-Kopfschmerzen kann daher durch eine Sekrotolyse und Mukolyse, sowie durch eine verbesserte sekreto-motorische Funktion beseitigt werden.
Vorbeugende Maßnahmen
- Häufig Hände waschen: Händewaschen nach häufigem Kontakt mit vielen anderen Menschen kann helfen, akute Infekte der Nasennebenhöhlen zu reduzieren.
- Reizungen der Nasennebenhöhlenschleim vermeiden: Wichtigste Regel: Nicht rauchen! Man sollte sich ebenfalls nicht in Umgebungen aufhalten, in denen geraucht wird. Man sollte für frische Luft sorgen und häufig lüften.
- Auf ausreichende Luftbefeuchtung achten: Der Zusatz von Feuchtigkeit zur Raumluft durch Luftbefeuchtungsmaßnahmen kann in der Vorbeugung einer Sinusitis wirksam sein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Unbedingt zum Arzt gehen sollten Sie, wenn die Kopfschmerzen ganz plötzlich auftreten, sehr stark oder mit hohem Fieber, einem steifen Nacken und Schmerzen beim Vorbeugen des Kopfes verbunden sind. Das können in seltenen Fällen Zeichen einer Meningitis (Hirnhautentzündung) sein. Auch bei folgenden Symptomen ist ein Arztbesuch ratsam:
- Bei neu aufgetretenen Kopfschmerzen im Lebensalter über dem 50.
- Kopfschmerzen, die von Begleitstörungen wie Gedächtnisreduktion, Konzentrationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Veränderungen der Sprache, Sehstörungen, Schwäche, etc.
Kopfschmerzen beim Bücken
Viele Menschen, die schon einmal beim Vorbeugen Kopfschmerzen bekommen haben, waren überrascht über den plötzlichen Schmerz. Wo kommt der denn auf einmal her? Und ist es etwas Schlimmes? Die gute Nachricht: Es ist nur ganz selten etwas Besorgniserregendes. Dauersitzen am Computer und Bewegungsmangel führen zu Fehlbelastungen. Dadurch verspannen sich zum Beispiel die Nackenmuskeln. Wenn Sie sich dann nach vorne beugen, kann das Kopfschmerzen auslösen. Oft fühlt es sich an, als ob der Kopf in einen Schraubstock eingezwängt ist. Diese einseitige Körperhaltung im Sitzen sorgt dafür, dass sich Nackenmuskeln verspannen. Eine Erkältung oder ein grippaler Infekt sind oft mit einer Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) verbunden. Hustenkopfschmerzen können beim Bücken und Husten auftreten, aber auch beim Niesen oder beim Pressen auf der Toilette. Der Schmerz ist stechend und Sie spüren ihn am Hinterkopf oder an den Seiten des Kopfes bzw. den Schläfen. Meist hält er nur kurz an. Die Ursachen für den Hustenkopfschmerz sind nicht ganz geklärt. Weitere mögliche Ursachen: Für einige Migräne-Patienten ist das Bücken ein Auslöser für eine Attacke. Wenn die Nasennebenhöhlen entzündet sind, spüren Sie beim Bücken nach vorne, starke Kopfschmerzen hinter der Stirn oder unter dem Nasenrücken. Grund ist, dass das Sekret nicht abfließen kann. Sind die Kieferhöhlen entzündet, spüren Sie die Schmerzen in den Wangenknochen und dem Oberkiefer. Bei entzündeten Stirnhöhlen sitzt der Kopfschmerz vor allem im Bereich der Stirn, der Augen und der Schläfen, er kann in Wangen und Oberkiefer ausstrahlen. Er ist stark und stechend und verschlimmert sich beim Husten oder beim Bücken. Kopfschmerzen an den Schläfen hängen oft mit einer Überbelastung der Augen, etwa durch lange Arbeit am Computer, zusammen. Wenn Sie beim oder nach dem Bücken Kopfschmerzen haben, könnten es auch Symptome einer Migräne sein. Kopfdruck wird häufig durch Verspannungen im Bereich von Nacken und Schultern ausgelöst. Die Muskeln sind verhärtet, was meist mit Stress oder Haltungsfehlern zusammenhängt. Wenn die Beschwerden ohne Schnupfen bzw. ohne Erkältung auftreten, könnte Flüssigkeitsmangel die Ursache sein - auch er kann Kopfschmerzen verursachen. Sie verschlimmern sich, wenn Sie sich bücken, gehen oder den Kopf bewegen. Als Migräne-Patient sollten Sie Flüssigkeitsmangel bzw. Falls Sie Kopfschmerzen spüren, die hauptsächlich morgens auftreten und überwiegend den Hinterkopf betreffen, sollten Sie beim Arzt einmal Ihren Blutdruck überprüfen lassen. Eine seltene Form von Kopfschmerzen sind orthostatische oder auch Positionskopfschmerzen - von ihnen sind nur etwa fünf von 100.000 Patienten betroffen. Die Beschwerden werden bei Bewegung, beim Niesen oder beim Bücken schlimmer. Ebenfalls selten sind Trigenimusneuralgie (chronische Schmerzerkrankung im Gesicht) und Gehirntumore.
Linderung bei Kopfschmerzen beim Bücken
Wenn Ihnen das unangenehm ist, versuchen Sie es mit Inhalieren. Kamillentee, ätherische Öle wie Pfefferminz und Lavendel oder Salzlösungen können die Beschwerden lindern. Auch sie unterstützen das Abschwellen der Schleimhaut und damit das Abfließen des Sekrets. Wenn die Beschwerden mit einer akuten Sinusitis in Verbindung stehen, können abschwellende Nasensprays Linderung bringen. Schnelle Hilfe bei Kopfschmerzen bringen Schmerzmittel, die Sie rezeptfrei in der Apotheke bekommen. Sehr wirkungsvoll ist z.B. die Kombination mit Koffein. Wenn Sie häufiger unter einem dumpfen Druckgefühl in Verbindung mit Erschöpfung und Infekten leiden, könnten das Symptome einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung sein. Manchmal hängt sie mit einer Allergie zusammen, etwa gegen Hausstaubmilben oder Schimmelpilze. Von einer chronischen Ausprägung der Nasennebenhöhlenentzündung spricht man, wenn Patienten häufiger als viermal pro Jahr bzw. länger als drei Monate hintereinander Beschwerden haben. Bei der chronischen Form sollten Sie Ihren Arzt ansprechen. Er stellt bei einer Untersuchung fest, ob es Veränderungen an den Nebenhöhlen gibt, die eventuell korrigiert werden müssen. Dazu gehören zum Beispiel Nasenpolypen oder eine schiefe Nasenscheidewand. Wenn die Sinusitis durch eine Infektion verursacht wurde, kann der Arzt auch ein Antibiotikum verschreiben.
Sollte eine Allergie die Ursache sein, achten Sie darauf, den oder die Auslöser möglichst zu vermeiden. Außerdem können Sie gegen die Beschwerden spezielle antiallergische Arzneimittel nehmen. Sprechen Sie auch hier Ihren Arzt an - er kann Ihnen auch eine sogenannte Hyposensibilisierung verordnen. Dabei bekommen Sie über einen längeren Zeitraum den Allergieauslöser verabreicht, erst in niedriger, später in höherer Dosis.