Migräne und Trigeminusneuralgie: Ursachen, Trigger und Behandlungsmöglichkeiten

Kopfschmerzen und Gesichtsschmerzen sind weit verbreitete Beschwerden, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Zu den häufigsten und intensivsten Formen gehören Migräne und Trigeminusneuralgie. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Trigger und Symptome dieser Erkrankungen und gibt einen Überblick über moderne Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Trigeminusneuralgie: Ursachen und Trigger

Die Trigeminusneuralgie ist durch blitzartig einschießende, heftige Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet. Es werden zwei Hauptformen unterschieden: die klassische und die symptomatische Trigeminusneuralgie.

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Die Ursachen für die Entstehung einer Trigeminusneuralgie sind vielfältig. Bei der klassischen Trigeminusneuralgie wird angenommen, dass die Symptome durch elektrische Ladungsübersprünge zwischen einem Blutgefäß, das eng am Nervus trigeminus (dem fünften Hirnnerv) anliegt, und dem Nerv selbst entstehen. Dieser Kontakt kann zu einer Reizung und Schädigung des Nervs führen.

Die symptomatische Trigeminusneuralgie hingegen wird meist durch eine Grunderkrankung ausgelöst. Mögliche Ursachen sind:

  • Multiple Sklerose (MS): Entzündliche Veränderungen im Gehirn können den Nervus trigeminus schädigen.
  • Tumore: Tumore im Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels können auf den Nerv drücken und ihn reizen.
  • Gefäßanomalien: Aneurysmen oder andere Gefäßmissbildungen können den Nerv komprimieren.
  • Entzündungen: Entzündliche Prozesse im Gesichtsbereich können den Nervus trigeminus beeinträchtigen.

Triggerreize bei Trigeminusneuralgie

Unabhängig von der eigentlichen Ursache der Erkrankung gibt es sogenannte Triggerreize, die Schmerzattacken auslösen können. Diese Trigger sind sehr individuell und können von Patient zu Patient variieren. Zu den häufigsten Triggern gehören:

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  • Berühren des Gesichts: Schon leichte Berührungen, wie z.B. beim Waschen oder Abtrocknen des Gesichts, können Schmerzen auslösen.
  • Lächeln oder Lachen: Mimische Bewegungen können den Nerv reizen.
  • Kauen oder Essen: Insbesondere kalte oder heiße Speisen können Schmerzen verursachen.
  • Trinken: Auch hier können Temperaturreize eine Rolle spielen.
  • Zähneputzen: Die Vibrationen der Zahnbürste können den Nerv stimulieren.
  • Sprechen: Die Bewegung der Gesichtsmuskulatur beim Sprechen kann Schmerzen auslösen.
  • Auftragen von Make-up oder Rasieren: Ähnlich wie beim Waschen des Gesichts können Berührungen und Druck Schmerzen verursachen.
  • Zugluft: Kalte Zugluft kann den Nerv reizen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die stechenden Schmerzen auch spontan, ohne erkennbaren Anlass, auftreten können. Die Schmerzen strahlen meist in eines der drei Versorgungsgebiete des Nervus trigeminus aus:

  • Unterkieferast: Häufigster betroffener Bereich.
  • Oberkieferast: Seltener betroffen.
  • Augenast: Sehr selten betroffen (häufiger bei der symptomatischen Form).

Da Betroffene versuchen, Triggerreize zu vermeiden, kann die Trigeminusneuralgie einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität haben.

Symptome und Anzeichen der Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie äußert sich durch folgende Symptome:

  • Schwere, blitzartige Schmerzen, die sich wie ein Elektroschock anfühlen.
  • Spontane, starke Schmerzen, die durch Berührung des Gesichts oder Kauen und Sprechen ausgelöst werden.
  • Serien hintereinander einschießender, starker Schmerzen, die wenige Sekunden bis Minuten anhalten.
  • Episoden schwerer Schmerzattacken über Wochen oder Monate, die sich mit Perioden abwechseln, in denen Betroffene keine Schmerzen haben.
  • Ein andauerndes, brennendes Gefühl kann bereits vor dem eigentlichen Auftreten des Gesichtsschmerzes vorhanden sein.
  • Schmerzen in der Region, die vom Trigeminusnerv versorgt werden (Augen, Wange, Lippen, Kiefer, Zähne, Zahnfleisch).

Im Gegensatz zur klassischen Trigeminusneuralgie, bei der zwischen den Schmerzattacken in der Regel Beschwerdefreiheit besteht, sind die Schmerzen bei der symptomatischen Form meist dauerhaft. Zudem können Gefühlstörungen oder motorische Ausfälle im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus auftreten. Der Augenast ist bei der symptomatischen Form häufiger betroffen als bei der klassischen Form.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bei Verdacht auf eine Trigeminusneuralgie sollte man umgehend eine hausärztliche Praxis aufsuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und eine geeignete Therapie einzuleiten.

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Migräne: Ursachen und Trigger

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen sind oft pulsierend oder pochend und werden von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet.

Ursachen der Migräne

Die Migräne ist eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und der Blutgefäße. Es wird angenommen, dass eine erbliche Veranlagung eine wichtige Rolle spielt. Während einer Migräneattacke kommt es zu einer vorübergehenden Fehlfunktion schmerzregulierender Systeme im Gehirn.

Früher wurde angenommen, dass eine Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn die Hauptursache für Migräne ist. Demnach verengen sich die Blutgefäße kurz vor einer Migräneattacke, was zu einer schlechteren Durchblutung der betroffenen Hirnregion führt. In einer überschießenden Gegenreaktion erweitern sich die Blutgefäße anschließend, was die migränetypischen Schmerzen verursacht.

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass das Geschehen auf eine Störung des Gleichgewichtszustandes von Schmerzzentren im Hirnstamm zurückzuführen ist. Mithilfe bildgebender Verfahren konnte nachgewiesen werden, dass im Gehirn ein Bereich, das sogenannte Migräne-Zentrum im Hirnstamm (periaquäduktales Grau), aktiviert und verstärkt durchblutet wird. Dieses „Migräne-Zentrum“ reagiert überempfindlich auf Reize.

Zwischen den Blutgefäßen des Gehirns und den Nervenzellen des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus) besteht eine wichtige Verflechtung. Feinste Verästelungen des Trigeminusnervs befinden sich in den Wänden aller Blutgefäße im Gehirn. Die Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm führt dazu, dass die (C-)Fasern des Trigeminusnervs Schmerzsignale an das Gehirn senden. Dies hat auch eine vermehrte Ausschüttung von Botenstoffen (vasoaktive Neuropeptide) zur Folge, die eine Dehnung der Blutgefäße bewirken und die Gefäßwände für Blutflüssigkeit durchgängig machen. Es kommt zu einer Aufschwemmung und einer Art Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute (neurogene Entzündung), die wiederum Schmerzimpulse verursacht.

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Von allen Botenstoffen spielt das Serotonin bei der Entstehung der Migräne eine besondere Rolle. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus, was das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus erklären kann.

Triggerfaktoren der Migräne

Bestimmte innere und äußere Faktoren, sogenannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte oder Alkohol (insbesondere Rotwein) können Migräneattacken auslösen.
  • Stress: Sowohl körperliche als auch seelische Belastungen können Migräne triggern. Oft tritt die Migräne in der Entspannungsphase nach Stress auf.
  • Schlaf: Ein wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus, zu viel oder zu wenig Schlaf, kann Migräne begünstigen.
  • Hormone: Hormonveränderungen, z.B. während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder durch die Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. Anti-Baby-Pille), können Migräne auslösen.
  • Umweltfaktoren: Äußere Reize wie (Flacker-)Licht, Lärm, Gerüche, Wetter- und Höhenveränderungen können Migräne triggern.
  • Weitere Faktoren: Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf, Unterzuckerung/Hungerzustand, verqualmte Räume, starke Emotionen, bestimmte Medikamente können ebenfalls Migräne auslösen.

Jeder Migränepatient kann durch Selbstbeobachtung und das Führen eines Kopfschmerztagebuchs seine individuellen Auslöser ermitteln.

Migräne durch Reizüberflutung

Reizüberflutung durch Licht, Lärm oder Gerüche gilt als ein häufiger Auslöser von Migräneattacken. Bei etwa fünf Prozent der Patienten führt eine Reizüberflutung zu einer Migräneattacke. Dies liegt daran, dass das Gehirn von Migränepatienten besonders aktiv ist und die Umgebung intensiv wahrnimmt. Durch Reizüberflutungen kann es zu einem Energiedefizit in den Nervenzellen kommen, was wiederum eine Überaktivität der Nerven hervorruft. Diese extreme Reaktion regt dann den Trigeminusnerv an, Schmerzsignale an das Hirn zu senden.

Lichtempfindlichkeit bei Migräne: Viele Migränepatienten klagen über eine allgemeine Lichtempfindlichkeit. Maßnahmen wie das Abdunkeln von Räumen oder die Positionierung des Schreibtisches fern von direkter Sonneneinstrahlung können helfen, eine Attacke zu vermeiden. Bei der sogenannten Augenmigräne leiden Patienten unter Sehstörungen wie Lichtblitze oder Flimmern.

Migräne durch Gerüche: Migränepatienten sind oft geruchsempfindlich, und bestimmte Gerüche wie Parfum, Zigarettenrauch, Duftbäume fürs Auto oder Deodorants können eine Attacke auslösen. Insbesondere Kinder mit Migräne gelten als geruchsempfindlich. Das Führen eines Migränetagebuchs kann helfen, die genauen Düfte zu bestimmen, die eine Attacke auslösen.

Migräne durch Lärm: Laute Musik, Töne von elektronischen Geräten oder Baulärm können bei Migränepatienten eine Attacke auslösen. Um einer Migräne vorzubeugen, sollte man möglichst eine laute Umgebung vermeiden.

Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke kann in verschiedene Phasen unterteilt werden:

  1. Prodromalphase (Vorboten): Etwa 30 % der Patienten spüren vor einem Migräneanfall unterschiedliche Anzeichen wie Müdigkeit, Reizbarkeit, Heißhunger oder Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Phase kann einige Stunden oder bis zu zwei Tage vor der eigentlichen Attacke beginnen.
  2. Auraphase: Diese Phase erleben 10-15 % der Betroffenen. Sie klagen über Sehstörungen wie helle Flecke, Lichtblitze oder kurzzeitigen Sehverlust. Weitere Symptome sind Kribbeln oder Sprachprobleme.
  3. Kopfschmerzphase: Der Schmerz ist pochend, stechend oder pulsierend. Die Betroffenen sind licht- und geräuschempfindlich, und es treten oft Übelkeit und Erbrechen auf.
  4. Auflösungsphase: Die Symptome werden weniger intensiv, die Kopfschmerzen sind eher gleichbleibend als pulsierend.
  5. Erholungsphase (Postdrom): Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten können weiterhin bestehen.

Die Dauer einer Migräneattacke kann variieren. Meist halten die Beschwerden mehrere Tage an, wobei die eigentliche Kopfschmerzphase zwischen vier und 72 Stunden dauert. Inklusive Vor- und Nachphasen kann die Migräne-Dauer bis zu einer Woche betragen.

Bei chronischer Migräne treten die Beschwerden an 15 oder mehr Tagen pro Monat über mehr als drei Monate auf.

Spezialformen der Migräne

Es gibt verschiedene Spezialformen der Migräne, die sich durch spezifische Symptome und Auslöser auszeichnen:

  • Menstruelle Migräne: Tritt im Zusammenhang mit der Menstruation auf.
  • Wochenend-Migräne: Wird häufig durch Stress ausgelöst, der am Wochenende abfällt.
  • Vestibuläre Migräne: Geht mit Schwindelattacken einher.
  • Status migraenosus: Eine seltene Komplikation, bei der die Migräneattacke länger als 72 Stunden andauert.

Behandlungsmöglichkeiten von Trigeminusneuralgie und Migräne

Die Behandlung von Kopf- und Gesichtsschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Medikamentöse Behandlung

  • Trigeminusneuralgie: Carbamazepin ist das Mittel der Wahl zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Es stabilisiert die Nervenmembran und kann die Häufigkeit und Intensität der Schmerzattacken verringern. Alternativ können Gabapentin oder Pregabalin eingesetzt werden.
  • Migräne: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können Analgetika wie Ibuprofen oder ASS eingesetzt werden. Bei mittelschweren bis schweren Attacken werden oft Triptane eingesetzt, die spezifisch auf die Attacken wirken und Symptome wie Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit reduzieren können.
  • Migräneprophylaxe: Zur Vorbeugung von Migräneattacken können Medikamente wie Betablocker, Calciumantagonisten oder Antikonvulsiva eingesetzt werden.

Chirurgische und interventionelle Verfahren

  • Mikrovaskuläre Dekompression (MVD): Bei der Trigeminusneuralgie kann eine MVD durchgeführt werden, wenn ein Gefäß-Nerven-Kontakt als Ursache identifiziert wurde. Dabei werden Blutgefäße, die auf den Trigeminusnerv drücken, vorsichtig verlagert.
  • Perkutane Verfahren: Thermokoagulation nach Sweet oder Glyzerinrhizolyse sind minimalinvasive Behandlungsmethoden, die bei Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können.
  • Stereotaktische Radiochirurgie: Eine nicht-invasive Behandlungsoption, bei der der betroffene Bereich des Nervs mit hochpräziser Strahlung behandelt wird.

Supportive Therapien

Neben der medikamentösen und interventionellen Behandlung spielen supportive Therapien eine wichtige Rolle:

  • Physiotherapie: Kann bei Verspannungen und muskulären Problemen helfen.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung nach Jakobson, Atemübungen oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Psychologische Schmerztherapie: Kann helfen, den Umgang mit chronischen Schmerzen zu erlernen und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Alternative Behandlungsmethoden: Chinesische Medizin (TCM) kann bei Neuralgien gute Erfolge erzielen.

Selbsthilfemaßnahmen

  • Kopfschmerztagebuch: Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, individuelle Triggerfaktoren zu identifizieren und zu vermeiden.
  • Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Bewegung können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Vermeidung von Triggern: Das Vermeiden von bekannten Triggerfaktoren kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von bestimmten Nahrungsmitteln, die als Trigger bekannt sind, können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Bewegung: Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Joggen können Kopfschmerzen vorbeugen.
  • Verspannungen lösen: Spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen oder Massagen können helfen, Verspannungen im Nackenbereich zu lösen und Kopfschmerzen vorzubeugen.
  • Bildschirmzeit reduzieren und ausreichend schlafen: Kleine Veränderungen im Alltag können für den Kopf eine wahre Wohltat sein.

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