Die Wahl des richtigen Verhütungsmittels ist eine wichtige Entscheidung, die viele Faktoren berücksichtigt, darunter auch gesundheitliche Aspekte wie Migräne. Die Antibabypille Belara ist ein in Deutschland häufig verwendetes hormonelles Kontrazeptivum. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Migräne und der Einnahme von Belara, gibt Informationen zu den Inhaltsstoffen, Anwendungshinweisen und möglichen Risiken und Alternativen.
Was ist Belara und wie wirkt sie?
Belara ist eine Kombinationspille, das heißt, sie enthält zwei synthetische Hormone: Chlormadinonacetat (ein Gestagen) und Ethinylestradiol (ein Östrogen). Diese Hormone wirken auf verschiedene Weisen, um eine Schwangerschaft zu verhindern:
- Chlormadinon: Hemmt das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut, erschwert den Transport von Spermien und unterdrückt den Eisprung.
- Ethinylestradiol: Fördert den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und unterstützt den Spermientransport. Es hemmt auch die Eireifung im Eierstock.
Belara schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie AIDS (HIV-Infektion). Hierfür sind Kondome erforderlich.
Anwendung von Belara
Eine Blisterpackung Belara enthält 21 Tabletten. Die Einnahme erfolgt an 21 aufeinanderfolgenden Tagen, jeweils eine Tablette zur gleichen Tageszeit. Anschließend folgt eine Einnahmepause von 7 Tagen, in der es normalerweise zu einer Abbruchblutung kommt, die einer Menstruationsblutung ähnelt. Nach den 7 Tagen Pause wird mit einer neuen Blisterpackung begonnen, unabhängig davon, ob die Blutung bereits beendet ist oder noch andauert.
- Die erste Tablette wird am ersten Tag der Monatsblutung eingenommen.
- Bei vorheriger Einnahme einer anderen Kombinationspille kann direkt am Tag nach der letzten wirkstoffhaltigen Tablette des alten Präparats mit Belara begonnen werden.
- Nach einer Geburt sollte mit der Einnahme frühestens 21 bis 28 Tage nach der Entbindung begonnen werden, sofern nicht gestillt wird.
Es ist wichtig, die Tabletten regelmäßig einzunehmen, um den Empfängnisschutz aufrechtzuerhalten. Bei Erbrechen oder Durchfall innerhalb von 4 Stunden nach der Einnahme sollte eine weitere Tablette aus einer neuen Blisterpackung eingenommen werden.
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Migräne und hormonelle Verhütungsmittel: Ein komplexes Thema
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit, auszeichnet. Einige Frauen erleben Migräneattacken im Zusammenhang mit ihrem Menstruationszyklus, was auf einen Zusammenhang mit hormonellen Schwankungen hindeutet.
Die Informationen des Nutzers deuten darauf hin, dass Migräne und die Einnahme der Belara Pille in Verbindung stehen könnten. Die Nutzerin berichtet von Migräneanfällen, die zeitlich mit der Einnahme der Pille zusammenfielen, und von dem Hinweis im Beipackzettel, dass die Pille nicht bei Migräne eingenommen werden sollte.
Migräne mit Aura
Besondere Vorsicht ist bei Migräne mit Aura geboten. Eine Aura sind neurologische Symptome, die dem Kopfschmerz vorausgehen können, wie z.B. Sehstörungen (z.B. Flimmern, Blitze), sensible Störungen (z.B. Kribbeln) oder Sprachstörungen. Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva wie Belara können das Risiko für Schlaganfälle bei Frauen mit Migräne mit Aura erhöhen. Daher sollte Belara bei dieser Form von Migräne nicht eingenommen werden.
Das individuelle Risiko
Das Risiko für Nebenwirkungen wie Migräne ist individuell verschieden und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
- Art und Häufigkeit der Migräne
- Weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht)
- Persönliche und familiäre Krankengeschichte
Mögliche Nebenwirkungen von Belara
Wie alle Arzneimittel kann auch Belara Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei jeder Frau auftreten müssen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
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- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen
- Gewichtszunahme
- Kopfschmerzen, Schwindel
- Müdigkeit, Depressionen, Nervosität, Reizbarkeit
- Hautprobleme (z.B. Akne, trockene Haut)
- Bluthochdruck
- Brustschmerzen, Brustvergrößerung
- Menstruationsstörungen
- Verminderte Libido
Schwerwiegendere Nebenwirkungen, die jedoch selten auftreten, sind:
- Thrombosen und Embolien (Blutgerinnselbildung)
- Leberfunktionsstörungen
- Erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen (z.B. Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs)
Wann sollte Belara nicht eingenommen werden? (Gegenanzeigen)
Belara darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Vorliegenden oder früheren thromboembolischen Erkrankungen (z.B. tiefe Venenthrombose, Lungenembolie)
- Bekannten Risikofaktoren für Thrombosen (z.B. bestimmte Blutgerinnungsstörungen)
- Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte
- Migräne mit Aura
- Schweren Lebererkrankungen
- Hormonabhängigen Krebserkrankungen
- Ungeklärten vaginalen Blutungen
- Gleichzeitiger Einnahme von bestimmten Medikamenten gegen Hepatitis C
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Vor Beginn der Einnahme von Belara sollte eine gründliche ärztliche Untersuchung erfolgen. Während der Einnahme sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen ratsam.
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Rauchen (erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Erhöhten Blutfettwerten
- Übergewicht
- Familiärer Vorbelastung für Thrombosen
- Bestimmten Vorerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Lupus erythematodes)
Blutgerinnselrisiko
Die Einnahme von kombinierten hormonalen Kontrazeptiva wie Belara ist mit einem erhöhten Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) verbunden. Diese können in Venen (tiefe Beinvenenthrombose, Lungenembolie) oder in Arterien (Herzinfarkt, Schlaganfall) auftreten. Das Risiko ist besonders hoch im ersten Jahr der Einnahme oder bei Wiederaufnahme nach einer Pause von mehreren Wochen.
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Symptome eines Blutgerinnsels:
- Schwellung und Schmerzen in einem Bein
- Plötzliche Atemnot oder Husten
- Starke Brustschmerzen
- Plötzliche Schwäche oder Taubheitsgefühl
- Sehstörungen
- Starke Kopfschmerzen
Bei Verdacht auf ein Blutgerinnsel sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bestimmte Medikamente können die Wirkung von Belara beeinträchtigen oder das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Dazu gehören:
- Bestimmte Antibiotika (z.B. Rifampicin)
- Antiepileptika
- HIV-Medikamente
- Pflanzliche Präparate mit Johanniskraut
- Medikamente gegen Hepatitis C
Es ist wichtig, den Arzt über alle eingenommenen Medikamente zu informieren.
Alternativen zu Belara bei Migräne
Wenn Belara aufgrund von Migräne nicht geeignet ist, gibt es verschiedene alternative Verhütungsmethoden:
- Minipille: Enthält nur ein Gestagen und ist östrogenfrei. Sie ist oft besser verträglich bei Migräne.
- Hormonspirale: Setzt kontinuierlich ein Gestagen frei und kann ebenfalls eine gute Alternative sein.
- Kupferspirale oder Kupferkette: Hormonfreie Verhütungsmittel, die keine hormonellen Nebenwirkungen verursachen.
- Barrieremethoden: Kondome oder Diaphragma bieten Schutz vor Schwangerschaft, sind aber weniger zuverlässig als hormonelle Methoden.
Die Wahl der geeigneten Verhütungsmethode sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen, der die individuellen Bedürfnisse und Risikofaktoren berücksichtigt.
Die Rolle des Arztes
Es ist entscheidend, dass Frauen, die unter Migräne leiden und eine hormonelle Verhütung in Erwägung ziehen, ein offenes Gespräch mit ihrem Arzt führen. Der Arzt kann die individuellen Risiken und Vorteile verschiedener Verhütungsmethoden abwägen und gemeinsam mit der Patientin die beste Option auswählen. Dabei sollten auch alternative Behandlungsmöglichkeiten für Migräne berücksichtigt werden.