Schlaf und Kopfschmerzen sind eng miteinander verbunden. Sie treten nicht nur häufig gemeinsam auf, sondern teilen auch neuronale Strukturen. Professor Dr. Svenja Happe von der Klinik für Neurologie Klinik Maria Frieden in Telgte erklärte auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin in Wiesbaden: »Zwischen Schlaf und Schmerzen, vor allem Kopfschmerzen, gibt es viele Zusammenhänge«. Etwa drei Viertel aller Patienten mit Kopfschmerzen leiden auch unter Schlafstörungen, und umgekehrt führt ein beeinträchtigter Schlaf häufig zu morgendlichen Kopfschmerzen.
Schlafstörungen und Kopfschmerzarten
Es besteht eine enge Beziehung zwischen Migräne und Schlaf. Kopfschmerzattacken treten häufig aus dem REM-Schlaf heraus auf. Änderungen im Schlafmuster, wie zum Beispiel Ausschlafen am Wochenende oder Tagesschlaf, können typische Auslöser sein. Nach Attacken sind die REM-Schlafphasen verkürzt und die Schlafqualität vermindert. Einige Schlafstörungen, wie Schlafwandeln, treten bei Migränepatienten häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Es gibt auch einen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Migräne und dem Restless-Legs-Syndrom (RLS), das ebenfalls die Schlafqualität beeinflusst.
Beim selteneren Cluster-Kopfschmerz ist die Beziehung zum Schlaf noch deutlicher. Bei 60 Prozent der Patienten treten die Attacken hauptsächlich während der Nacht auf, bei 8 Prozent sogar ausschließlich nachts. Diese Patienten zeigen ein fragmentiertes Schlafmuster und einen verminderten REM-Phasen-Anteil. Außerdem tritt bei ihnen häufig das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) auf. Etwa 60 Prozent der Patienten sind von diesen Atemaussetzern in der Nacht betroffen, die Attacken auslösen können. Zwei Drittel der Attacken treten nach einer Sauerstoff-Unterversorgung des Gehirns auf. Betroffene könnten von einer Beatmung mit einer CPAP-Maske (Continuous Positive Airway Pressure) profitieren, bei der die Spontanatmung des Patienten mit einem dauerhaften Überdruck kombiniert wird.
Nicht nur Kopfschmerzpatienten leiden häufig unter Schlafstörungen, sondern auch Personen mit Schlafstörungen entwickeln häufig Kopfschmerzen. Etwa 36 bis 58 Prozent der Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom leiden unter Kopfschmerzen.
Weckerkopfschmerz (Hypnic Headache)
Eine seltene primäre Kopfschmerzart, die ausschließlich aus dem Schlaf heraus auftritt, ist der Weckerkopfschmerz oder hypnic headache. Dr. Dagny Holle von der Klinik für Neurologie der Universitätsklinik Essen stellte diese Kopfschmerzform auf dem Kongress vor. Typischerweise tritt sie erst in höherem Lebensalter, ab dem 60. Lebensjahr auf. »Der typische Patient ist eine etwa 65 Jahre alte Frau, die immer wieder nachts mit moderaten Kopfschmerzen aufwacht«, sagte Holle. Primäre Kopfschmerzformen fangen in der Regel im Jugendalter an und treten nicht ausschließlich aus dem Schlaf heraus auf, was zwei klare Unterscheidungsmerkmale zum hypnic headache sind.
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Das Krankheitsbild wurde erst 1988 beschrieben, was vermutlich daran liegt, dass diese Kopfschmerzform selten ist. Daher dauert es im Durchschnitt auch fünf Jahre bis zur Diagnosestellung. Erschwerend kommt hinzu, dass jeder dritte Patient von einer Migräne in der Vorgeschichte berichtet. Charakteristisch ist jedoch, dass der Kopfschmerz ausschließlich nachts auftritt und meist zur selben Zeit den Patienten aufweckt, typischerweise zwischen zwei und vier Uhr nachts. Lokalität und Ausprägung des Kopfschmerzes können dabei variieren. »Die Patienten wollen nicht im Bett liegen bleiben«, berichtete Holle. »Sie stehen auf und gehen Beschäftigungen wie Lesen oder Duschen nach, bis der Schmerz aufhört.« Dies unterscheidet diese Kopfschmerzform von anderen primären Formen wie Migräne, bei der Patienten ein ausgesprochenes Ruhebedürfnis haben, und vom Cluster-Kopfschmerz, bei dem Betroffene aufgrund der starken Schmerzintensität zum Herumrennen neigen.
Die Pathophysiologie ist noch ungeklärt. Das Apnoe-Syndrom spielt anscheinend keine Rolle. Eine anfangs angenommene Assoziation mit dem REM-Schlaf konnte in Studien nicht nachgewiesen werden. Bisherige Therapieempfehlungen beziehen sich auf Einzelfallberichte, da aufgrund der kleinen Patientenzahl keine klinischen Studien existieren. »Patienten zeigen ein gutes Ansprechen auf Coffein und Kombinationspräparate aus Coffein und Analgetikum«, sagte Holle. Mittel der ersten Wahl zur Akuttherapie ist daher Kaffee. »Eine Tasse Kaffee vor dem Schlafengehen beugt außerdem einer Kopfschmerzattacke vor«, sagte die Medizinerin. Angst vor spätem Kaffeekonsum bräuchten Betroffene nicht zu haben, da ein Einschlafen in der Regel trotzdem möglich sei, so Holle. Als Mittel der zweiten Wahl kommen Lithium und Indometacin zur Prophylaxe infrage. Bei streng schlafgebundenem Kopfschmerz sollte der Weckerkopfschmerz immer in Erwägung gezogen werden. Bisher wird das wenig bekannte Krankheitsbild wohl häufig noch übersehen.
Schlafapnoe und Migräne: Studienergebnisse
Schlafapnoe und Schlafstörungen wurden früher mit dem Auftreten, Schweregrad und der Verschlechterung der Migräne in Verbindung gebracht. In der Chronic Migraine Epidemiology and Outcomes (CaMEO)-Studie wurden Assoziationen von Schlafparametern und Merkmalen der episodischen und chronischen Migräne untersucht. In dieser repräsentativen Längsschnittstudie in den USA wurden Migräne-Symptome, Krankheitsbelastung und Inanspruchnahme von Gesundheitsressourcen per webbasierter Umfragen erhoben. Unter anderem wurden anhand der Parameter der Medical Outcomes Study (MOS) Schlafstörungen und -qualität erfasst. Personen, die im Berliner Fragebogen positiv auf Schlafapnoe untersucht wurden, wurde ein „hohes Risiko“ für Schlafapnoe zugeschrieben.
Dem Berliner Fragebogen zufolge bestand für insgesamt 37,0 % ein „hohes Risiko“ für eine Schlafapnoe. Dies betraf die CM-Patienten (chronische Migräne) mit 51,8 % deutlich häufiger als die EM-Patienten (episodische Migräne) mit 35,6 % und Männer mit 44,4 % häufiger als Frauen mit 34,5 %. Nach den MOS-Parametern berichteten CM-Patienten häufiger über eine schlechte Schlafqualität als EM-Patienten. Dies betraf unter anderem Schlafstörungen (53,2 % vs. 37,9 %), Schnarchen (38,0 % vs. 31,0 %), Kurzatmigkeit (34,9 % vs. 15,3 %), Somnolenz (44,1 % vs. 32,2 %) und eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen erholsamen Schlaf (34,0 % vs. 39,2 %).
Die Bedeutung von gutem Schlaf
Die meisten Menschen wissen aus täglicher Erfahrung, dass der Schlaf sich unmittelbar auf unser Wohlbefinden auswirken kann. Er spielt auch beim Kopfschmerzgeschehen eine Rolle. Nicht nur die Dauer der Nachtruhe ist ausschlaggebend, sondern auch, wie gut oder schlecht wir schlafen. Häufiges nächtliches Aufwachen oder Schwierigkeiten, zur Ruhe zu finden, unregelmäßige Atmung oder lautes Schnarchen - all diese Faktoren spielen eine Rolle, wenn es darum geht, ob wir morgens erholt erwachen oder uns wie gerädert fühlen.
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Der Kopfschmerz vom Spannungstyp kommt in der Bevölkerung besonders häufig vor und wird oft als alltägliche Begleiterscheinung wahrgenommen. Trotzdem besteht immer die Gefahr, dass der Kopfschmerz irgendwann regelmäßig auftritt und chronisch wird. Nach Schätzungen von Fachleuten könnte das für etwa drei Prozent der Bevölkerung eine Gefahr darstellen. Dauerhafter Kopfschmerz stellt eine starke Behinderung im Arbeitsalltag und in der Freizeit der Betroffenen dar. Unter den besonders starken Auslösern für Kopfschmerz vom Spannungstyp werden in vielen Untersuchungen Schlafstörungen genannt. Wer über längere Zeit hinweg schlecht schläft, läuft Gefahr, dass sich aus den hin und wieder vorkommenden Beschwerden ein chronischer Kopfschmerz entwickelt, der nur schwer in den Griff zu bekommen ist und schließlich ein ernstes Gesundheitsproblem darstellt.
Der Oberbegriff „Schlafstörungen“ fasst eine Reihe unterschiedlicher Erscheinungen zusammen, wie Schnarchen, nächtliches Zähneknirschen oder das zeitweilige Aussetzen der Atmung während des Schlafens, in medizinischer Sprache als „Schlafapnoe“ bezeichnet. Gestörter Schlaf und Kopfschmerz beeinflussen sich in beide Richtungen.
Schlafapnoe und morgendlicher Kopfschmerz
Das Thema Schlaf und Kopfschmerz ist eng verknüpft mit den nächtlichen Atemaussetzern. Es handelt sich dabei um ein vorübergehendes Ausbleiben der Atemtätigkeit während des Schlafens, von dem zwei bis vier Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Bei vielen Patienten kommt es infolge dieser Atemstörung zu einem morgendlichen Aufwachkopfschmerz. Wissenschaftlich scheint der Zusammenhang inzwischen erwiesen zu sein. Forschende fanden auch heraus, dass die Stärke des Aufwachkopfschmerzes als besonders heftig empfunden wurde, je öfter sich bei den Patienten Atemaussetzer vorkamen und je länger diese dauerten. Darüber hinaus birgt die unregelmäßige Atmung weitere Gesundheitsgefahren. Das Herz-Kreislauf-System wird belastet, so dass die Entstehung von Herzerkrankungen begünstigt wird.
Ein Weg zur Bekämpfung des Aufwachkopfschmerzes ist der Gebrauch einer Atemmaske, durch die dem Patienten Atemluft unter leicht erhöhtem Druck verabreicht wird. Das verhindert bei den meisten Betroffenen die Atemstillstände und verbessert die Schlafqualität. Oft verschwinden dadurch auch die morgendlichen Kopfschmerzen. Allerdings empfinden viele Patienten das Tragen einer Atemmaske als unbequem, so dass diese Maßnahme meist nur das letzte Mittel für eine Linderung der Beschwerden darstellt.
Tipps für besseren Schlaf
Guter Schlaf ist wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden. Unser Organismus durchläuft im Schlaf viele Prozesse, die es ihm ermöglichen, erholt und gestärkt in den neuen Tag zu starten. Nach sieben bis acht Stunden erholsamer Nachtruhe und mit frischem Kopf lassen sich die täglichen Anstrengungen hervorragend bewältigen.
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Wer herausfinden möchte, welchen Einfluss Schlafrhythmus und -qualität auf das eigene Kopfschmerzgeschehen haben, kann sein Schlafverhalten dokumentieren, zum Beispiel mithilfe eines Schlaftagebuchs oder mit einer App, die neben dem Schlaf und anderen für den Kopfschmerz wichtigen Faktoren auch die einzelnen Kopfschmerzereignisse dokumentiert. So kann man herausfinden, welchen Zusammenhang es persönlich zwischen dem Schlaf und dem Auftreten von Kopfschmerzen gibt.
Migräne-Trigger und Schlaf
Ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann zu Migräne führen. Unser Körper wird täglich von einem inneren Taktgeber kontrolliert, der Nahrungsaufnahme und Verdauung, Erholung und Aktivität sowie Schlaf- und Wachzeiten anpasst. Normalerweise erholt sich das Gehirn während der Nacht. Jeder Mensch hat ein anderes Schlafbedürfnis.
Es ist wichtig, Ein- und Durchschlafstörungen sowie Schnarchen oder nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) behandeln zu lassen. Außerdem sollte man in der letzten Stunde vor dem Zubettgehen darauf verzichten, LED-Bildschirme (zum Beispiel Smartphone oder Tablet) zu nutzen.
Am Wochenende sollte man den gleichen Schlafrhythmus beibehalten wie an den Wochentagen, auch wenn es schwerfällt. Besser ist es, schon unter der Woche für ausreichend Zeit zur Entspannung zu sorgen und einen Schlafmangel erst gar nicht entstehen zu lassen.
Viele trinken unter der Woche täglich mehrere Tassen Kaffee, während sie an den freien Tagen wenig Koffein zu sich nehmen. Auch Alkohol ist ein bekannter Migränetrigger. Ein Migräne-Tagebuch ist eine gute Möglichkeit herauszufinden, welche Verhaltensweisen oder Einflüsse die persönlichen Migränetrigger sind. Neben ausreichendem und gutem Schlaf sind außerdem eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft und Entspannung wichtig.
Schlafstörungen bei Kopfschmerzpatienten
Schlafstörungen bei Kopfschmerzpatienten sind keine Seltenheit. Kopfschmerzmedikamente können den Schlaf stören, und Patienten mit Kopfschmerzen scheinen eine Neigung für bestimmte Schlafstörungen zu haben. Es gibt auch Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Narkolepsie und Migräne.
Ein besonderes Problem können auch Kopfschmerzen darstellen, die im Schlaf auftreten. Dies ist sowohl bei Migräne- als auch bei Clusterkopfschmerzen nicht selten der Fall. Die Attacken beginnen meist im REM-Schlaf und im vierten Schlafstadium. Häufig (bei 65-85 Prozent) treten die Attacken nach einer Sauerstoffentsättigung und bei erhöhtem CO2-Partialdruck auf. Häufig lassen sich im aktiven Cluster auch Apnoen beobachten. Eine naheliegende Therapie ist dann die Überdruckbeatmung. Es gibt inzwischen einige Hinweise, wonach die CPAP auch gegen Clusterkopfschmerz bei Schlafapnoe wirksam ist.
Eine Besonderheit sind Kopfschmerzen, die ausschließlich im Schlaf auftreten. Hier ist vor allem der primäre schlafgebundene Kopfschmerz zu nennen, der die Betroffenen aus dem Schlaf reißt. Die Diagnosekriterien sind erfüllt, wenn über drei Monate hinweg mindestens zehn nächtliche Attacken pro Monat auftreten und sich keine kranialen oder autonomen Ursachen finden lassen. Betroffen sind meist ältere Menschen, zu zwei Dritteln Frauen, bei rund 60 Prozent treten die Schmerzen bilateral auf. Die Attacken beginnen in der Regel ebenfalls im REM-Schlaf. Erstaunlicherweise scheint Koffein bei einigen Patienten gut prophylaktisch zu wirken: Mit einer Tasse Kaffee am Abend blieben viele die Nacht über schmerzfrei. Diese Kopfschmerzform wird vor allem morgens nach dem Wiedereinschlafen beobachtet. Häufig haben sich die Betroffenen dabei ein Kissen über den Kopf gezogen, liegen unter der Bettdecke oder haben einen Arm auf dem Gesicht. Gelegentlich suchen auch Patienten mit "exploding head syndrom" einen Neurologen auf: Die Patienten hören einen lauten Knall und haben das Gefühl, etwas in ihrem Kopf ist explodiert. Gelegentlich können Lichtblitze und Myoklonien das Ereignis begleiten. Hier komme es vor allem darauf an, die Patienten zu beruhigen.
Aktuelle Studien und Umfragen
Eine schlechte Schlafqualität kann das Entstehen von Kopfschmerzen oder gar Migräne begünstigen. Neuere Studien und eine Befragung im Auftrag von Thomapyrin®-Hersteller Sanofi untermauern den Zusammenhang zwischen Qualität des Schlafes und auftretenden Kopfschmerzen oder Migräneanfällen.
Im April 2024 thematisierte Sanofi, der Hersteller des koffeinhaltigen Schmerzmittels Thomapyrin®, in einem Pressegespräch mit dem Titel „Gute Nacht, Kopfschmerzen und Migräne!“ den wechselseitigen Zusammenhang zwischen Schlaf und Kopfschmerzen. Dabei wurden auch Zahlen einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschers Bilendi im Auftrag von Sanofi veröffentlicht.
In der repräsentativen Umfrage Ende Januar 2024 unter 3.051 Personen der deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren, die unter Kopfschmerzen und/oder Migräne leiden, gaben über die Hälfte an, eine schlechte Schlafqualität sei die Ursache ihrer Beschwerden. Hinter Stress, den 63 Prozent der Befragten als Ursache angaben, rangiert schlechter Schlaf damit auf Platz zwei.
Neuere Studien untermauern den wechselseitigen Zusammenhang zwischen (schlechtem) Schlaf und Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne. So belegten etwa japanische Forschende mit einer Studie, die sie im Fachmagazin „Frontiers in Neurology“ veröffentlichten, den „Zusammenhang zwischen migränebedingter Behinderung und der Belastung durch multiple Schlafprobleme“. Unter 215 Migränepatienten hatten sie bei 87 Prozent verschiedenste Schlafprobleme ausgemacht wie etwa das Restless-Legs-Syndrom, Schlaflosigkeit, übermäßige Tagesmüdigkeit, Schlafapnoe und REM-Schlafstörungen.
Eine chinesische Studie, die bereits 2022 in „Frontiers in Neurology“ erschienen ist, kam zu dem Schluss, dass „eine schlechte Schlafqualität signifikant mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Migräne und migränebedingten Belastungen verbunden“ ist. Die Forschenden hatten dabei 131 Migränepatienten und 70 Gesunde hinsichtlich ihrer Schlafqualität mit dem Instrument des Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) untersucht. Die Wissenschaftler fanden nicht nur eine signifikant höhere Prävalenz für schlechte Schlafqualität bei den Migränebetroffenen, sondern kamen auch zu dem umgekehrten Schluss, dass „das Migräne-Risiko bei schlechter Schlafqualität 3,981-mal so hoch sei wie bei Personen mit guter Schlafqualität“.
Auch in einer deutlich größer angelegten aktuellen Studie mit über 17.000 Teilnehmenden in Japan bestätigte sich dieser Trend. In der in „Neurology and Therapie“ erschienenen Studie gaben über 50 Prozent der Befragten an, zeitweise migränebedingte Schlafprobleme zu haben.
Komorbiditäten und mechanistische Zusammenhänge
Die Beziehung zwischen Kopfschmerz und Schlaf ist wechselseitig. Viele Betroffene können wegen Kopfschmerzen nicht schlafen, während in anderen Fällen Kopfschmerzen oder Migräneattacken durch schlechten Schlaf entstehen. Schlechter Schlaf und Kopfschmerz sind demnach bekannte Komorbiditäten. Das Phänomen erstreckt sich dabei explizit nicht nur auf Migräne. Auch für Spannungskopfschmerzen gibt es einschlägige Studien. So fanden US- und litauische Forschende in einer im „Journal of facial pain and headache“ veröffentlichten Studie einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Spannungskopfschmerz und Schlaflosigkeit.
Eine indische Vergleichsstudie zu Migräne und Spannungskopfschmerz-Folgen kam zu dem Schluss, dass es gar einen „Zusammenhang zwischen der Zunahme des Schweregrads der Behinderung und der schlechten Schlafqualität sowie der erhöhten Schmerzintensität der Kopfschmerzen“ gibt - unabhängig von der Art der Kopfschmerzen.
Norwegische Forschende konnten in einer Studie mit Krankenschwestern einen direkten Zusammenhang zwischen Nachtschichten und Kopfschmerzen zeigen. „Der Wechsel von der Nachtarbeit und die Verringerung der Anzahl der Nachtschichten … waren … mit weniger Kopfschmerzen verbunden“, fanden die Forschenden.
Bekannt sind dabei nur einige (mögliche) mechanistische Zusammenhänge. So beschreiben Experten etwa, dass bei einer Schlafapnoe, bei der bis zu 54 der Betroffenen unter Kopfschmerzen leiden, diese durch den nächtlichen Sauerstoffmangel entstehen können. Der Kohlendioxidgehalt des Bluts steigt durch die nächtlichen Atemaussetzer, was unter anderem einen Anstieg des intrakraniellen Drucks (Druck innerhalb der Schädelhöhle) bewirkt und Kopfschmerzen auslösen kann.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es einen komplexen und wechselseitigen Zusammenhang zwischen Migräne, anderen Kopfschmerzarten und Schlafstörungen, insbesondere Schlafapnoe, gibt. Schlafstörungen können Migräneattacken auslösen oder verstärken, während Migräne selbst den Schlaf beeinträchtigen kann. Die Behandlung von Schlafstörungen, einschließlich Schlafapnoe, kann daher ein wichtiger Bestandteil der Migränetherapie sein. Umgekehrt kann eine verbesserte Migränekontrolle auch zu einer besseren Schlafqualität führen. Zukünftige Forschung sollte sich auf die Aufklärung der zugrunde liegenden Mechanismen und die Entwicklung gezielter Therapien konzentrieren, die sowohl Schlaf als auch Kopfschmerzen adressieren.
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