Migräne, Serotoninmangel, Ursachen und Behandlung: Ein umfassender Überblick

Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Ein möglicher Faktor, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt, ist der Serotoninspiegel im Körper. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Migräne, Serotoninmangel, deren Ursachen und Behandlungsansätze.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch intensive, meist einseitige Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Kopfschmerzen sind jedoch nur ein Teil des Gesamtbildes. Migräne kann auch mit Übelkeit, Erbrechen und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen einhergehen. Die Erkrankung verläuft bei jedem Menschen anders und ist oft unberechenbar. Einige Betroffene erleben nur gelegentlich Attacken, während andere jeden Monat tagelang außer Gefecht gesetzt sind. Um als Migräne klassifiziert zu werden, müssen die Symptome mindestens fünfmal aufgetreten sein.

Experten unterscheiden zwischen ca. 300 verschiedenen Kopfschmerzarten, und Migräne ist eine davon. Migräne ist für viele weit mehr als nur ein lästiges Übel: Bis zu 8 Prozent aller Männer und 14 Prozent aller Frauen leiden unter wiederholten Migräneanfällen. Ungefähr jede vierte Frau klagt zumindest ein Mal während ihres Lebens über die starken Kopfschmerzen. Migräne ist mit einem meist einseitig auftretenden und pulsierenden Kopfschmerz verbunden, der anfallsartig auftritt und periodisch wiederkehrt. Oft treten bei Migränepatienten weitere Symptome wie Licht- und Lärmempfindlichkeit (Photo- bzw. Phonophobie) auf.

Wie entsteht Migräne?

Migräne kann vererbt werden und entsteht durch eine Funktionsstörung im Gehirn, insbesondere in der Hirnhaut und den Blutgefäßen. Während einer Migränephase arbeitet das Schmerzsystem nicht normal. Die Nervenzellen im Hirnstamm reagieren überempfindlich auf Reize. Diese Überaktivität der Nervenzellen löst eine Kettenreaktion aus, bei der Schmerzsignale an das Gehirn gesendet, Botenstoffe ausgeschüttet und die Blutgefäße erweitert werden. Dies führt zu Entzündungen in bestimmten Hirnbereichen, die den typischen pulsierenden Schmerz verursachen.

Früher wurde angenommen, dass sich die Blutgefäße im Gehirn zuerst verengen und dann erweitern, was die Migräne auslöst. Heute weiß man, dass die Überaktivität der Nervenzellen und die entzündlichen Prozesse eine größere Rolle spielen.

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Die Rolle von Serotonin

Botenstoffe des Gehirns, wie Serotonin, spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne. Serotoninspiegel können zum Beispiel durch den Menstruationszyklus beeinflusst werden, was erklärt, warum Frauen während bestimmter Zyklusphasen häufiger Migräne bekommen. Auch Genussmittel wie Rotwein können diese Botenstoffe beeinflussen.

Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der eine Schlüsselrolle bei der Regulierung von Stimmung, Appetit, Schlaf und sozialem Verhalten spielt. Es wird im Körper aus der Aminosäure Tryptophan hergestellt und findet sich hauptsächlich im Magen-Darm-Trakt, in den Blutplättchen und im zentralen Nervensystem.

Serotoninmangel und seine Auswirkungen

Ein Mangel an Serotonin kann zu einer Reihe von Symptomen führen, darunter:

  • Depressionen
  • Angstzustände
  • Schlaflosigkeit
  • Zwanghaftes Verhalten
  • Impulsive Gedanken
  • Kopfschmerzen und Migräne

Es gibt zwar keine Heilung für Serotoninmangel, aber es gibt Behandlungen, die helfen können, die Symptome zu verbessern. Oft werden Antidepressiva verschrieben, um den Serotoninspiegel zu erhöhen.

Serotonin-Syndrom

Das Serotonin-Syndrom ist keine Erkrankung im herkömmlichen Sinn. Vielmehr handelt es sich um eine Kombination verschiedener Krankheitserscheinungen (Symptome), die durch eine übermäßige Anhäufung des Botenstoffes Serotonin entstehen. Das Serotonin-Syndrom wird durch bestimmte Medikamente ausgelöst und muss schnell behandelt werden, da es unter Umständen tödlich endet.

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Das Serotonin-Syndrom entsteht durch ein Übermaß an dem Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) Serotonin im zentralen Nervensystem. Andere Bezeichnungen sind serotoninerges oder serotonerges Syndrom sowie zentrales Serotonin-Syndrom.

Die Ursache des Serotoninüberschusses liegt zumeist in Medikamenten gegen Depressionen (Antidepressiva), die das serotonerge System des Körpers beeinflussen. Das Serotonin-Syndrom entsteht also im weitesten Sinne durch Neben- beziehungsweise Wechselwirkungen verschiedener antidepressiver (aber auch anderer) Medikamente. Ärzte sprechen auch von einer unerwünschten Arzneimittelreaktion.

Was triggert Migräne?

Bestimmte Faktoren können Migräne auslösen. Stress, hormonelle Veränderungen, bestimmte Lebensmittel oder äußere Reize wie das Wetter können Trigger für eine Migräne sein. Es ist oft schwierig, die eigenen Trigger zu identifizieren, da viele gleichzeitig auftreten und nur in bestimmten Kombinationen eine Migräne auslösen. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Auslöser zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Mögliche Triggerfaktoren sind:

  • Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus: Zu viel oder zu wenig Schlaf.
  • Ernährung: Unregelmäßige Nahrungsaufnahme, Alkohol (insbesondere Rotwein), Kaffee, bestimmte Lebensmittelzusätze, Käse, Schokolade, Nüsse, Gewürze, zu wenig Wasser.
  • Stress: Körperliche oder seelische Belastungen.
  • Äußere Reize: (Flacker)Licht, Lärm, Gerüche, Wetter- und Höhenveränderungen.
  • Hormonelle Schwankungen: Während des Menstruationszyklus oder durch die Einnahme von Hormonpräparaten.
  • Psychische Belastung: Kreisende Gedanken, Sorgen oder Ängste.

Was hilft bei Migräne?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und die Anzahl der Migränetage zu reduzieren:

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  • Akutbehandlung: Medikamente wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac und Naproxen können bei akuten Migräne-Kopfschmerzen helfen. Bei schwereren Anfällen oder Migräne mit Aura können Triptane eingesetzt werden, die in den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin eingreifen und die geweiteten Blutgefäße im Kopf verengen.
  • Prophylaxe: Vorbeugende Medikamente sind sinnvoll, wenn Migräne häufig, lange oder sehr intensiv auftritt.
  • Nicht-medikamentöse Methoden: Entspannungsverfahren, Ausdauersport und ein regelmäßiger Schlaf- und Mahlzeitenrhythmus können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Botulinumtoxin A (Botox): Bei chronischer Migräne kann Botox eingesetzt werden, um die übermäßige Schmerzempfindlichkeit zu verhindern und das Nervensystem vor Migräneattacken zu schützen.
  • Chiropraktik: Eine sanfte Therapieform der Chiropraktik, die Sacro-Occipital-Technik, kann bei Beckenfehlstellungen eingesetzt werden, die sich negativ auf die Statik der Wirbelsäule auswirken können.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium, regelmäßiger Nahrungsaufnahme und Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln kann helfen, Migräneanfälle zu reduzieren.
  • Entspannung: Techniken wie autogenes Training, die Jacobsen-Methode oder ein warmes Bad können helfen, Stress abzubauen und Kopfschmerzen zu bewältigen.
  • Weitere Maßnahmen: Spaziergänge an der frischen Luft, Minzöl auf Schläfen und Nacken, Kühlung der Stirn, Schläfen und des Nackens.

Migräne und Depression

Der Zusammenhang von chronischen Schmerzerkrankungen wie Migräne und Depression wird von Forschern und Ärzten seit Jahren untersucht. Studien zeigen, dass Menschen mit Migräne häufiger an Depressionen leiden und umgekehrt. Ein gemeinsamer Faktor beider Erkrankungen ist ein gestörter Serotoninhaushalt.

Sowohl bei chronischen Schmerzen als auch bei Depressionen besteht ein Ungleichgewicht von Serotonin und Noradrenalin, welche normalerweise auf Ebene des Rückenmarkes die Schmerzweiterleitung ins Gehirn hemmen. Liegt jedoch ein Ungleichgewicht oder Mangel der beiden Botenstoffe vor, geht die natürliche Schmerzhemmung verloren und jeder Reiz wird ungefiltert an das Gehirn weitergeleitet. Dies sorgt z.B. dafür, dass depressive Menschen bereits kleinste Signale als Schmerzen wahrnehmen.

Die Behandlung von Migräne und Depression sollte multimodal erfolgen und sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze umfassen. Medikamente sollten immer nur Teil der ganzheitlichen Therapie sein, denn Medikation allein löst weder das eigentliche Problem, noch verändert es die Ursache.

Weitere Bestandteile einer ganzheitlichen Schmerztherapie können unter anderem Psycho- und Physiotherapie, sport- und bewegungstherapeutische Maßnahmen, wie Ausdauersport und Yoga, Entspannungstechniken und Atemübungen, aber auch Eigeninitiative hinsichtlich Ernährung und Schlafrhythmus sein.

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