Der Film „Nerve“, basierend auf dem gleichnamigen Jugendroman, wirft einen kritischen Blick auf die zunehmende Bedeutung von Online-Spielen, sozialer Anerkennung und die Gefahren der Anonymität im digitalen Zeitalter. Die Geschichte handelt von Vee, einer schüchternen Highschool-Schülerin, die sich in das illegale Online-Spiel „Nerve“ hineinziehen lässt, um aus dem Schatten ihrer Freundin Sydney herauszutreten und die Aufmerksamkeit ihres Schwarms Matthew zu erlangen.
Die Handlung: Vom „Watcher“ zum „Player“
Vee (Emma Roberts im Film) ist zunächst nur eine „Watcher“, eine Beobachterin, die die immer riskanter werdenden Challenges verfolgt, denen sich die „Player“ von „Nerve“ stellen. Doch um wie ihre Freundin Sydney einmal im Mittelpunkt zu stehen, meldet sich die eher schüchterne Vee kurzentschlossen selbst bei „Nerve“ an. Angetrieben vom Kick des Verbotenen bricht Vee mit ihrem ebenso attraktiven wie mysteriösen Game-Partner Ian (Dave Franco) schnell alle Tabus: keine Challenge ist ihnen zu riskant. Über Nacht werden Vee und Ian die Sensation des immer gefährlicher werdenden Spiels! Doch als Vee herausfindet, dass ihre gesamten Social-Media-Accounts gehackt wurden, und versucht, aus dem Spiel auszusteigen, muss sie feststellen, dass es dafür längst zu spät ist…
Der Reiz des Verbotenen und die Verlockung der Preise
Getrieben von dem Wunsch nach Anerkennung und der Verlockung von Preisen, wie zum Beispiel den Schuhen ihrer Träume, lässt sich Vee immer tiefer in das Spiel hineinziehen. Anfangs sind die Challenges noch harmlos, doch mit der Zeit werden sie immer riskanter und gefährlicher. Je schwieriger die Challenge, desto höher der Geldgewinn. Doch wer versagt oder austritt, verliert alles.
Die Eskalation des Spiels und die Frage der Kontrolle
Die „Watcher“ wissen aus den sozialen Netzen alles über die „Player“. Aus totaler Transparenz erwächst totale Kontrolle und totale Vereinnahmung. Die „Challenges“ werden zu Herausforderungen auf Leben und Tod - und zum zynischen Online-Spektakel: Für den Live-Stream ihrer Aktionen filmen die „Player“ sich selbst. Vee merkt schnell, dass „Aussteigen“ nicht so vorgesehen ist, wie es in den Regeln klingt. An Vees Seite steht Ian: charismatisch, wendig, scheinbar abgeklärt - und doch selbst Teil des Spiels auf eine Weise, die nicht sofort klar ist. Zwischen beiden entsteht Nähe, aber auch Misstrauen. Der Thriller-Sog entsteht aus einer Kernfrage: Wer kontrolliert hier eigentlich wen? Vee kämpft nicht nur gegen die Aufgaben, sondern gegen den Mechanismus dahinter: Zuschauer, Algorithmen, Gruppendynamik - und die eigene Angst, wieder „unsichtbar“ zu sein. Je weiter sie geht, desto stärker wird das Gefühl: Das Spiel will nicht unterhalten. Aufmerksamkeit ist nicht neutral. Gamification kann Moral aushebeln. Gruppendruck ist stärker als Individualwille. Anonymität enthemmt. Widerstand beginnt mit Sprache.
Die Charaktere: Zwischen Naivität und Manipulation
Vee ist eine Protagonistin, die aufgrund ihrer Naivität und Impulsivität nicht immer leicht nachzuvollziehen ist. Sie setzt für ein paar hippe Preise ihre Freundschaften aufs Spiel, nur um nicht mehr das graue Mäuschen zu sein. Aber gerade diese Naivität kann man sich wiederum auch gut in der heutigen Jugend vorstellen, in der materielle Dinge ja (leider) sehr wichtig geworden sind und auch Anerkennung viel zählt. Ian hingegen wirkt geheimnisvoll und undurchsichtig, und es ist lange unklar, welche Rolle er in dem Spiel wirklich spielt. Die Nebencharaktere, wie Vees beste Freundin Sydney und ihr Freund Tommy, bleiben eher blass und dienen hauptsächlich dazu, Vees Entwicklung zu unterstützen.
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Themen und Motive: Eine kritische Auseinandersetzung mit der digitalen Welt
„Nerve“ behandelt eine Reihe von relevanten Themen, die vor allem junge Menschen ansprechen:
- Soziale Anerkennung und Gruppenzwang: Der Wunsch, dazuzugehören und im Mittelpunkt zu stehen, treibt Vee dazu, an dem gefährlichen Spiel teilzunehmen. Sie will sich beweisen, dass sie mehr ist als nur das schüchterne Mädchen im Hintergrund.
- Die Gefahren der Anonymität im Internet: Die „Watcher“ von „Nerve“ können anonym bleiben und die „Player“ zu immer riskanteren Challenges anstacheln, ohne selbst Verantwortung übernehmen zu müssen.
- Datenschutz und Überwachung: Das Spiel „Nerve“ hackt die Social-Media-Accounts der Teilnehmer und nutzt ihre persönlichen Daten, um sie zu manipulieren und zu kontrollieren.
- Die Kommerzialisierung von Mutproben: „Nerve“ macht aus gefährlichen und riskanten Aktionen ein Spektakel, bei dem die „Player“ für ihre Leistungen belohnt werden und die „Watcher“ sich an ihrem Leid ergötzen.
- Die Frage der Verantwortung: Der Film stellt die Frage, wer für die Konsequenzen des Spiels verantwortlich ist: die „Player“, die sich den Challenges stellen, die „Watcher“, die sie dazu anstacheln, oder die Organisatoren von „Nerve“, die das Spiel überhaupt erst ermöglichen.
Unterschiede zwischen Buch und Film
Obwohl der Film auf dem Roman von Jeanne Ryan basiert, gibt es einige wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Versionen. Einige Rezensenten bemängeln, dass Buch und Film nicht viel miteinander gemein haben. So unterscheidet sich beispielsweise Vees Hintergrundgeschichte im Buch von der im Film. Auch die Challenges, denen sich Vee und Ian stellen müssen, sind im Film oft spektakulärer und actionreicher als im Buch. Einige Szenen, die im Trailer des Films gezeigt werden, kommen in der Buchvorlage gar nicht oder nicht so vor, wie dargestellt.
Die Besetzung
Die Besetzung -nur für den Film gesprochen, Buchvorlage nicht eingenommen - ist absolut treffend gewesen. Vee hat mir im Film wirklich gut gefallen! Und wusstet ihr, dass Emma Roberts die Nichte von Julia Roberts ist? Ja? Ian hat mich umgehauen, eigentlich hat mich Dave Franco nicht so angesprochen, doch wer in einem Film so viel lächelt gewinnt gleich an Sympathiepunkten. Sydney / Emily Meade und Tommy / Miles Heizer hatten in meinen Augen genau das richtige Maß für „Nebencharaktere“, wahnsinnig interessant und wichtig, aber nicht zu sehr einnehmend für die Geschichte. Und auch hier gilt: Wahnsinnig gut gespielt und sehr sympathische Charaktere.
Fazit: Ein spannender Thriller mit Schwächen
„Nerve“ ist ein temporeicher und spannender Jugendthriller, der wichtige Fragen über die Auswirkungen der digitalen Welt aufwirft. Die Geschichte ist packend und unterhaltsam, auch wenn die Charaktere manchmal etwas oberflächlich und klischeehaft wirken. Das Ende des Buches wird von einigen Lesern als zu abrupt und unbefriedigend empfunden. Trotzdem ist „Nerve“ sowohl als Buch als auch als Film sehenswert und regt zum Nachdenken über die eigene Rolle in der digitalen Gesellschaft an.
Schaut diesen Film. Mir hat er wahnsinnig gut gefallen und ich (ebenso wie Yvonne) war danach erst mal kurz sprachlos. Diesen Inhalt musste man erst einmal verdauen, obwohl die Thematik nicht wirklich gänzlich etwas Neues ist. Für mich ist es nicht wirklich ein Film, den man im Kino gucken MUSS, außer man ist natürlich schon ganz hibbelig vor Vorfreude und kann einfach nicht länger warten. Versteht mich nicht falsch, diesen Film im Kino zu sehen war wirklich toll, aber ich denke, dass es eben keiner dieser Filme ist, die etwas von ihrer Wirkung verlieren, wenn man ihn zu Hause auf der Couch guckt.
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