Migräne durch Hitze in der Wohnung: Ursachen, Symptome und Prävention

Viele Menschen freuen sich auf den Sommer und die Möglichkeit, Zeit im Freien zu verbringen. Doch mit steigenden Temperaturen können auch gesundheitliche Probleme auftreten, insbesondere bei empfindlichen Personen. Migräne, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme sind häufige Beschwerden, die durch Hitze ausgelöst oder verstärkt werden können. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Hitze und Migräne, erklärt die Symptome und gibt praktische Tipps zur Vorbeugung und Linderung.

Wie Hitze den Körper beeinflusst

Der menschliche Körper ist bestrebt, seine Temperatur konstant bei etwa 37 Grad Celsius zu halten. Bei Hitze muss der Körper Schwerstarbeit leisten, um diese Temperatur aufrechtzuerhalten. Die Blutgefäße erweitern sich, um mehr Wärme abzugeben. Dadurch sinkt der Blutdruck, und Organe sowie das Gehirn werden schlechter durchblutet. Dies kann zu Kreislaufproblemen, Schwindel und Kopfschmerzen führen.

Zudem schwitzt der Körper, um sich abzukühlen, was zu einem Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten führt. Dieser Flüssigkeitsmangel kann die genannten Symptome zusätzlich verstärken.

Migräne und Hitze: Ein Teufelskreis

Extreme Hitze, plötzliche Temperaturschwankungen, hohe Luftfeuchtigkeit oder starke Luftdruckänderungen können Migräneattacken begünstigen. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die Rolle des Wetters als Migräne-Trigger. Eine systematische Übersichtsarbeit, in der Studien bis Dezember 2024 ausgewertet wurden, zeigt, dass Wetterwechsel - insbesondere Temperatur- und Luftdruckänderungen - signifikant mit dem Auftreten von Migräneattacken verbunden sind. Erhöhte Konzentrationen von Luftschadstoffen wie PM10, PM2.5, Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Ozon zeigten ebenfalls signifikante Zusammenhänge mit klinisch relevanten Migräneanfällen.

Viele Betroffene berichten, dass sie bereits in der Kindheit erste wetterbedingte Migräneanfälle erlebt haben. Wissenschaftlich gilt als gesichert, dass nicht alle Patient:innen gleichermaßen sensibel auf Wetteränderungen reagieren, doch eine bestimmte Gruppe sehr empfindlich darauf anspricht. Hinzu kommt, dass das Migränegehirn in bestimmten Phasen besonders reizempfindlich ist: Licht, Geräusche, Gerüche - und eben auch Wetterreize - werden dann stärker wahrgenommen. Auch die Erwartungshaltung spielt eine Rolle: Wer sich vor einem angekündigten Wetterumschwung sorgt, löst möglicherweise allein dadurch eine Attacke aus.

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Symptome von hitzebedingten Beschwerden

Die Symptome von hitzebedingten Beschwerden können vielfältig sein und reichen von leichten Unannehmlichkeiten bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen. Es ist wichtig, die Anzeichen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Sonnenstich

Ein Sonnenstich entsteht durch intensive Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken. Das Gehirn und die Hirnhäute reagieren gereizt, wodurch eine Entzündungsreaktion ausgelöst wird. Typische Symptome sind:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schwindel
  • Steifer Nacken, Nackenschmerzen
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (bei schwerem Sonnenstich)
  • Hochroter, heißer Kopf
  • Kühle Haut

Hitzschlag

Ein Hitzschlag ist eine Notfallsituation, bei der der gesamte Körper überhitzt. Die Wärmeregulation funktioniert dann nicht mehr und die Körpertemperatur steigt nicht selten über 40 Grad Celsius an. Symptome eines Hitzschlags sind:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schwindel
  • Steifer Nacken, Nackenschmerzen
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Fieber über 40 Grad
  • Heiße und trockene Haut
  • Beschleunigter Puls
  • Beschleunigte Atmung (Hecheln)
  • Muskelkrämpfe
  • Durchfall
  • Niedriger Blutdruck
  • Verwirrtheit
  • Ggf. Halluzinationen

Kreislaufprobleme

Kreislaufprobleme sind ein häufiges Warnzeichen des Körpers, dass die Hitze ihm zu schaffen macht. Anzeichen hierfür sind:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Schwindel
  • Müdigkeit
  • Ohnmachtsanfälle

Wetterfühligkeit

Wetterfühligkeit äußert sich in körperlichen Beschwerden als Reaktion auf Wetterveränderungen. Typische Symptome sind:

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  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Müdigkeit
  • Schwindel und Benommenheit
  • Atembeschwerden
  • Gelenkschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme

Erste Hilfe bei Hitzebedingten Beschwerden

Bei Anzeichen eines Sonnenstichs oder Hitzschlags ist schnelles Handeln gefragt. Folgende Maßnahmen sollten ergriffen werden:

  1. Bringen Sie die betroffene Person umgehend an einen kühleren, schattigen Ort.
  2. Lagern Sie den Kopf erhöht. Ist die Person benommen, sollten auch die Beine hochgelagert werden.
  3. Lockern oder entfernen Sie, wenn nötig, eng sitzende Kleidung.
  4. Geben Sie der betroffenen Person etwas zu trinken, sofern sie bei Bewusstsein ist.
  5. Kühlen Sie den Körper so gut wie möglich. Dabei können z. B. feuchte Tücher (vor allem auf Kopf und Nacken) helfen. Legen Sie aber kein Eis direkt auf die Haut.
  6. Beobachten Sie die Atmung und das Bewusstsein.
  7. Sollte die betroffene Person bewusstlos werden, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage.
  8. Beginnen Sie umgehend mit der Wiederbelebung, falls die Atmung aussetzt.
  9. Rufen Sie im Zweifelsfall den Notruf (112).

Präventive Maßnahmen gegen hitzebedingte Migräne und Kopfschmerzen

Um hitzebedingte Migräne und Kopfschmerzen zu vermeiden, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden:

Vermeidung von extremer Hitze

  • Aufenthalt im Schatten: Vermeiden Sie es, sich in der prallen Sonne aufzuhalten, besonders zur Mittagszeit.
  • Kopfbedeckung: Tragen Sie eine Kopfbedeckung und schützen Sie möglichst auch Ihren Nacken.
  • Luftige Kleidung: Tragen Sie luftdurchlässige, möglichst helle Kleidung.
  • Körperliche Anstrengung reduzieren: Verzichten Sie auf Sport oder starke körperliche Anstrengung bei Hitze.
  • Kühle Umgebung schaffen: Halten Sie die Wohnung kühl, indem Sie die Räume abdunkeln und nur nachts und morgens lüften. Nutzen Sie Ventilatoren oder Klimaanlagen.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

  • Mindestens 2-3 Liter pro Tag: Nehmen Sie genug Flüssigkeit zu sich (pro Tag mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee). Bei Hitze kann der Bedarf auf 3,5 bis 4 Liter steigen.
  • Geeignete Getränke: Trinken Sie Wasser, Saftschorlen oder ungesüßte Tees. Vermeiden Sie zuckerhaltige, alkoholische und koffeinhaltige Getränke.
  • Kleine Portionen: Trinken Sie kleine Mengen über den Tag verteilt, um den Körper nicht zu überlasten.

Ernährung

  • Leichte Mahlzeiten: Essen Sie mehrere kleine, leichte Mahlzeiten über den Tag verteilt. Gut geeignet sind Obst, Gemüse, Salat, fettarme Suppen und Milchprodukte.
  • Elektrolyte: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Elektrolyten, die durch das Schwitzen verloren gehen. Natriumhaltiges Mineralwasser, Säfte und Suppen können hier helfen.

Temperaturwechsel-Training

  • Regelmäßige Bewegung im Freien: Tägliches Spazierengehen bei jedem Wetter hilft dabei, den Organismus wieder besser auf die natürlichen Temperaturwechsel einzustellen.
  • Sauna- und Kneippgänge: Durch regelmäßige Sauna- und Kneippgänge sowie Wechselduschen kann der Körper an Temperaturschwankungen gewöhnt werden.
  • Wechselduschen: Wechselduschen sind ein Weg, um die Wärme aus dem Körper heraus zu transportieren.

Weitere Tipps

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert den Biorhythmus und senkt das Risiko für Attacken.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Meditation oder progressive Muskelentspannung können hilfreich sein, um Stress abzubauen und den Körper widerstandsfähiger gegen äußere Reize zu machen.
  • Vermeidung von Duftstoffen: Verwenden Sie Parfums und Sonnencremes sparsam, da Duftstoffe bei Hitze intensiver wirken und Kopfschmerzen auslösen können.
  • Kühlelemente: Legen Sie eine feuchtkühle Kompresse auf Stirn oder Nacken, eine gekühlte Gelmaske auf die Augen oder verwenden Sie einen Wassersprüher für Gesicht, Arme und Dekolleté.
  • Pfefferminzöl: Als Haushaltstipp gegen Kopfweh lässt sich auch Pfefferminzöl nennen, dass auf Stirn, Nacken oder Schläfen mittels eines Tuchs getupft wird.
  • Akupressurmassage: Auch Akupressurmassage helfe gegen akute Kopfschmerzen. Eine Anleitung dazu findet sich unter www.stiftung-kopfschmerz.de.

Wann zum Arzt?

Sollten die Beschwerden trotz der genannten Maßnahmen anhalten oder sich sogar verschlimmern, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Dies gilt insbesondere bei folgenden Symptomen:

  • Hohes Fieber (über 40 Grad Celsius)
  • Bewusstseinsstörungen
  • Starke Nackensteifigkeit
  • Atembeschwerden
  • Anzeichen eines Hitzschlags

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