Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das fast jeder Mensch bereits erlebt hat. Doch nicht jeder Kopfschmerz ist gleich. Wenn Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität auftreten und gleichzeitig eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen oder Licht besteht, könnte es sich um Migräne handeln. Eine fachkundige Diagnose ist entscheidend, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen und die richtige Behandlung einzuleiten. Hier kommt der Neurologe ins Spiel.
Was ist Migräne?
Bei der Migräne handelt es sich um mittelstarke bis starke, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen, die sich auf einer oder beiden Kopfhälften lokalisieren lassen. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen auftreten.
Migräne mit Aura
Etwa 15 bis 20 Prozent der Migränepatienten erleben ihre Migräne mit einer Aura. Eine Migräne mit Aura kündigt sich zusätzlich durch Vorboten in Form von Wahrnehmungsstörungen an. Das Wort „Aura“ lässt sich bei dieser Migräneattacke auf die römische Göttin der Morgenröte, Aurora, zurückführen. Denn wie die Morgenröte den Tag ankündigt, so kündigen die Wahrnehmungsstörungen bei einer Migräne mit Aura die anschließende Kopfschmerzphase an.
Die Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. In den meisten Fällen handelt es sich um Sehstörungen, etwa Flimmern oder Lichtblitze. Nach der Aura treten bei den meisten Menschen die migränetypischen Kopfschmerzen ein.
Sonderformen der Migräne mit Aura
Es gibt verschiedene Formen der Migräne mit Aura, die sich in ihren Symptomen unterscheiden:
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- Retinale Migräne: Diese seltene Form geht mit Sehstörungen einher, die sich langsam entwickeln und bis zu 60 Minuten dauern können. Zusätzlich treten Kopfschmerzen auf. Das Wort „Retina“ bedeutet Netzhaut.
- Vestibuläre Migräne: Sie ist durch starken Schwindel gekennzeichnet, da das Gleichgewichtsorgan im Innenohr betroffen ist. Schwindel und Gleichgewichtsstörungen gehen oft mit Übelkeit und Erbrechen einher. Kopfschmerzen treten dabei eher selten auf. Jeder zweite bis dritte migränekranke Patient hat mindestens einmal Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen, die während oder nach einer Kopfschmerzattacke auftreten können, erlebt.
- Migräne mit Hirnstammaura: Bei dieser ebenfalls seltenen Form treten neben den typischen Migränesymptomen auch Hirnstammsymptome auf, wie z. B. Sprach- oder Koordinationsstörungen, Tinnitus, Hörminderung, Schwindel, Doppeltsehen oder Bewusstseinsstörungen.
- Hemiplegische Migräne: Neben den allgemeinen Symptomen (Seh-, Sprach- und Gefühlsstörungen) tritt auch eine Muskelschwäche auf. Diese Bewegungseinschränkungen können im Gegensatz zu den schnell abklingenden Migränesymptomen bis zu Tagen oder Wochen anhalten. Kopfschmerzen treten nicht immer auf. Zudem kann diese Form der Migräne vererbt werden (familiäre hemiplegische Migräne). Diese Art der Migräneaura geht mit motorischen Störungen einher, die innerhalb von 72 Stunden verschwinden. Hierzu gehört beispielsweise eine halbseitige Lähmung oder visuelle und sprachliche Störungen.
- Menstruelle Migräne: Sie ist eng mit dem Menstruationszyklus verbunden. Die Migräneattacken kommen normalerweise während oder kurz vor der Periode. Von einer menstruellen Migräne sind ungefähr sieben Prozent aller Frauen mit Migräne betroffen. Diese Migräneform tritt meistens zwei Tage vor bis zwei Tage nach der Regelblutung auf. In den meisten Fällen kündigt sich die menstruelle Migräne nicht mit einer Aura an, sie dauert aber oft länger an als andere Migräneattacken. Eine menstruelle Migräneattacke kannst du grundsätzlich wie eine „normale“ Migräne behandeln. Wenn die Attacke länger und intensiver ist, als du es gewohnt bist, und deine üblichen Medikamente nicht ausreichen, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber, ob Wirkstoffe mit einer länger anhaltenden Wirkung bei dir sinnvoll sein könnten.
- Bauchmigräne: Die Bauchmigräne (abdominale Migräne) tritt häufig bei Kindern und Jugendlichen auf. Man erkennt sie unter anderem an Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Blässe im Gesicht. Die Symptome können 2 bis 72 Stunden andauern und in eine klassische Migräne übergehen.
- Alice-im-Wunderland-Syndrom: Das Alice-im-Wunderland-Syndrom tritt vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen während einer Migräne auf, in den meisten Fällen zusätzlich zu einer bestehenden Aura. Bei diesem Syndrom handelt es sich um Wahrnehmungsstörungen des Gehirns, bei denen der eigene Körper ganz klein oder riesengroß im Raum wahrgenommen werden kann. Zusätzlich können Halluzinationen und ein Orientierungsverlust der betroffenen Person auftreten.
Phasen einer Migräne
Eine Migräne verläuft in bis zu fünf Phasen, die nicht alle Patientinnen und Patienten bei einer Attacke durchlaufen muss:
- Prodromalphase: Noch vor der Migräne mit Aura kündigt sich diese bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten durch weitere Vorboten an. Hierzu gehören beispielsweise Heißhunger oder ein Appetitverlust, Übelkeit, Nackenschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Dieses Prodrom dauert zwischen 4 Stunden und mehreren Tagen.
- Auraphase: 15 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten sind von einer Aura vor den eigentlichen migränetypischen Kopfschmerzen betroffen. Die Auraphase dauert, je nach Auratyp, zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an. Die meisten Betroffenen erleben während dieser Zeit visuelle, neurologische oder motorische Störungen, die nach der Auraphase wieder verschwinden, bspw. Störungen im Gesichtsfeld.
- Migränephase: In der Migränephase erleiden die Patientinnen und Patienten die für eine Migräne typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen, die mittelstark oder stark pochen und pulsieren. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit auftreten. Manche Menschen erleben nur eine Auraphase ohne Kopfschmerzen, andere nur leichte Kopfschmerzen. Doch in den meisten Fällen fallen diese derart stark aus, dass diese den Alltag der Betroffenen stark einschränkt oder diese ihrem Alltag gar nicht mehr nachgehen können.
- Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.
- Erholungsphase: Die letzte Phase ähnelt der Prodromalphase. Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig von ihrer Migräne mit Aura zu erholen.
Ursachen und Auslöser
Ob eine Migräne mit Aura auftritt, hängt insbesondere mit genetischen sowie neurologischen und biochemischen Faktoren zusammen. Zu den Auslösern einer Migräne mit Aura können etwa Schlafmangel, Hunger, Stress, Wetterveränderungen oder eine Überreizung der Sinne gehören.
- Genetische Faktoren: Das Risiko von einer Migräne mit oder ohne Aura betroffen zu werden, erhöht sich, wenn Verwandte ebenfalls unter regelmäßigen Migräneattacken leiden. Forschende konnten bereits Genvarianten ausmachen, die zu einem erhöhten Risiko führen. Da nicht alle Familienmitglieder dieselbe Migräneform erleben, gehen Forschende davon aus, dass sich hinter einer Migräne mehr als eine Kopfschmerzerkrankung verbergen könnte. Grundlage ist eine polygenetische Prädisposition.
- Biochemische und neurologische Faktoren: Die Forschung im Bereich der biochemischen und neurologischen Faktoren ist noch unvollständig, neue Erkenntnisse wurden zuletzt durch bildgebende Verfahren möglich. Eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Gehirnprozessen, einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer Dysregulation der Neurotransmitter könnten als Ursache für ein erhöhtes Risiko einer Migräne mit oder ohne Aura verantwortlich zeichnen. Die schmerzhafte Aktivierung trigeminaler Afferenzen hat eine Ausschüttung verschiedener Neuropeptide, wie z. B. PACAP (Pituitary adenylate cyclase-activating peptide), VIP (Vasoactive Intestinal Polypeptide), CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) zur Folge. Während der Migräneattacke wird CGRP vorwiegend aus unbemarkten trigeminalen C-Fasern freigesetzt und führt zu einer neurogenen Entzündung sowie einer Vasodilatation, wobei letztere nicht für die Schmerzhaftigkeit verantwortlich ist. Durch eine vermehrte Aktivierung der Nozizeptoren v. a.
- Hormonelle Faktoren: Auch Östrogen kann zu einer Migräneattacke führen. Mit diesem Hormon lässt sich auch die deutlich höhere Erkrankungsrate bei weiblichen Personen erklären. Die menstruelle Migräne ist mit der Regelblutung verbunden und tritt ausschließlich in dem Zeitraum 2 Tage vor Einsetzen der Blutung bis zu 2 Tage danach ein. Sie tritt bei mindestens 2 von 3 Menstruationszyklen auf.
- Umweltbedingte Faktoren: Sinnesüberreizungen, bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Hunger, Stress oder Schlafmangel, Kopfverletzungen und Nackenschmerzen können ebenfalls zu einer Migräne mit oder ohne Aura führen.
Um Migräneattacken effektiv zu vermeiden, ist es wichtig, seine individuellen Auslöser zu identifizieren und diese zu vermeiden. Hierzu können Nahrungsmittel wie Alkohol, Weglassen von regelmäßigem Koffeinkonsum oder bestimmte Medikamente gehören. Wichtig ist hier nicht nur die Menge, sondern auch der Zeitpunkt der Einnahme.
Die Diagnose beim Neurologen
Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte bei einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen. Erster Ansprechpartner ist immer der Hausarzt. Die Verbindung aus Aura und Kopfschmerzen, eine wesentliche Symptomatik der Migräne, ist neurologischer Art und von daher dem Fachgebiet der Neurologie zugeschrieben. Sollte es gehäuft zu Migräneattacken kommen, ist es unbedingt notwendig, sich von einem Neurologen beraten und behandeln zu lassen.
Bei der Diagnose einer Migräne ist der Arzt vorrangig auf die Angaben des Patienten angewiesen. Daher kommt dem Arztgespräch eine zentrale Bedeutung zu. Der Arzt wird sich nach folgenden Aspekten erkundigen:
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- Zeitlicher Ablauf: Wie häufig treten die Kopfschmerzen auf?
- Charakter und Lokalisation: Wo genau und wie stark treten die Schmerzattacken auf?
- Ursachen und Auslöser: Gibt es eine genetische Veranlagung, also zum Beispiel bekannte Migränefälle in der Familie?
- Verhalten des Patienten: Was verstärkt die Kopfschmerzen (z. B. Bewegung/körperliche Aktivität)?
- Medikamente: Können Schmerzmittel die Beschwerden lindern? In welcher Dosis?
Außerdem erkundigt sich der Arzt bei den Migränepatienten nach Begleit- und Vorerkrankungen sowie der beruflichen Tätigkeit, um mögliche Einflussfaktoren wie Stress zu erkennen.
Zur Befundstellung dienen dem Mediziner die Migräne-Diagnosekriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS). Hinweise, die auf eine Migräne schließen lassen, sind beispielsweise gegeben, wenn der Betroffene die Kopfschmerzen als einseitig und pulsierend oder als pochend beschreibt. Außerdem können Ärzte eine Migräne daran erkennen, dass sich die Beschwerden bei Bewegung verschlimmern und meist von Symptomen wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit begleitet werden.
Um den Verlauf der Migräne zu dokumentieren, kann das Führen eines Migränetagebuchs sehr sinnvoll sein. Darin notierst du neben der Schmerzdauer und -stärke sowie des Schmerzcharakters auch individuelle Einflussfaktoren wie zum Beispiel wenig Schlaf, Stress oder ungeregelte Tagesabläufe. Dies hilft dem Arzt, sich ein umfangreiches Bild über die Beschwerden zu machen und eine zuverlässige Diagnose zu stellen. Dem Neurologen hilft es ungemein, wenn sie einen Kopfschmerzkalender führen, in dem Sie eintragen, wie oft, in welcher Qualität und in welcher Situation die Beschwerden auftreten.
Neben dem Arzt-Patienten-Gespräch ist meist außerdem eine neurologische Untersuchung Bestandteil der Migräne-Diagnose. Ziel ist es unter anderem, andere schwere Erkrankungen auszuschließen. Gerade bei der Migräne mit Aura, die mit neurologischen Ausfällen einhergehen kann, ist eine solche Abgrenzung wichtig, da die Symptome zum Beispiel auch mögliche Hinweise auf einen Schlaganfall sind (migranöser Infarkt). Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen.
Apparative Diagnostik
In einigen Fällen, zum Beispiel wenn der Verdacht bezüglich einer anderen Erkrankung besteht, können zudem noch weitere Untersuchungsverfahren angewandt werden:
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- MRT (Magnetresonanztomographie; auch Kernspintomographie): Um detailliertere Einblicke in das Gehirn zu bekommen und die Diagnose Migräne zu festigen, verordnen Mediziner in manchen Fällen ein MRT. Damit können sie krankhafte Veränderungen oder Blutungen ausschließen. Ob ein Mensch Migräne-Patient ist oder nicht, kann der Mediziner mit einem MRT nicht direkt sehen. Zunächst gilt es, mittels der Diagnostik andere Störungen oder Erkrankungen auszuschließen. Eine Kernspintomographie macht mittels Schnittbildern Strukturen des Körpers erkennbar, indem sie Magnetwellen nutzt - die Person wird keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.
- EEG (Elektroenzephalographie): Die EEG ist ebenso nicht Teil der Basisuntersuchungen einer Migräne. Manchmal ist sie jedoch sinnvoll, zum Beispiel wenn der Arzt mehr über die elektrische Aktivität des Gehirns wissen möchte. Die Mediziner messen die Hirnströme, wodurch eine mögliche erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems nachgewiesen werden kann - das ist bei einer Migräne im EEG oft auffällig.
- CT (Computertomographie): Im Gegensatz zu den beiden anderen bildgebenden Verfahren, die bei Patienten mit Migräne eingesetzt werden können, kommt es durch ein CT zu einer Strahlenbelastung (Röntgenstrahlen). Deswegen ist dieses Verfahren seltener das Mittel der Wahl, um eine Migräne zu diagnostizieren. Ob eine Migräne vorliegt, ist mit dem CT direkt nicht nachweisbar. Wenn der Arzt Hirnblutungen, Gefäßfehlbildungen oder -verschlüsse sowie Erkrankungen des Schädels und der Nebenhöhlen ausschließen will oder es sich um Akutfälle handelt, ist ein CT oft sinnvoll.
Weitere Untersuchungen sind nur notwendig, wenn der Verdacht besteht, dass die Kopfschmerzen nicht von einer Migräne herrühren. Der Arzt wird den Patienten deshalb nach möglichen Grunderkrankungen befragen. Zur weiteren Abklärung von seltenen Kopfschmerzformen und bei Verdacht auf sekundäre Kopfschmerzen steht eine Reihe von verschiedenen Methoden zur Verfügung. Dazu gehören u. a. Blutuntersuchungen, die Untersuchung der Hirnströme (EEG), Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT), Ultraschalluntersuchungen und die Analyse der Nervenflüssigkeit (sogenannte Liquorpunktion).
Behandlungsmöglichkeiten
Eine Migräne mit Aura kann zwar nicht geheilt, aber mit einigen Maßnahmen gut behandelt werden. Ziel der Akuttherapie ist eine rasche Reduktion der Kopfschmerzen und der Begleitsymptome, um die Lebensqualität und Funktionalität zu erhalten und eine Chronifizierung zu vermeiden. Um den bestmöglichen Behandlungserfolg zu erreichen, ist es ratsam, die medikamentöse Migränetherapie in einen individualisierten Behandlungsplan zu integrieren.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren. Auch ein ausbalancierter Tagesablauf mit festen Essens- und Schlafzeiten, regelmäßigem aerobem Ausdauersport und die Vermeidung bzw. Reduktion von Übergewicht können helfen.
- Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
- Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern.
- Ausdauersportarten: Nicht nur Medikamente, sondern auch Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Joggen beugen Kopfschmerzen vor. Entspannungsverfahren, wie zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jakobson sind ebenfalls hilfreich.
- Akupunktur oder Chiropraktiker: Wenn du auf die Erfolge der Alternativmedizin vertraust, kannst du auch einen Migräne-Spezialisten auf diesem Gebiet aufsuchen, zum Beispiel einen Akupunkteur oder einen Chiropraktiker.
Medikamentöse Therapie
Verschiedene Medikamente können eine einsetzende Migräne unterdrücken (beispielsweise Triptane, Ditane und Geptane) oder das Verschlimmern bestehender Symptome aufhalten (unter anderem Dihydroergotamin und Antiemetika). Leiden die Betroffenen unter Übelkeit, Schwindel und starken Schmerzen, können diese ebenfalls medikamentös behandelt werden, etwa mit Schmerzmitteln oder Medikamenten gegen die Übelkeit und den Schwindel.
Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken oder unzureichendem Ansprechen auf die Basisanalgetika ist im nächsten Schritt eine spezifische Therapie mit 5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten (sog. Triptanen) indiziert. Von den verfügbaren Triptanen (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan) hat Sumatriptan 6 mg s. c. die höchste Wirksamkeit gezeigt. Bei lange andauernden Migräneattacken kann der Kopfschmerz nach zunächst gutem Ansprechen auf die Akutmedikation innerhalb von zwei bis 24 Stunden nach der Einnahme wieder auftreten (Wiederkehrkopfschmerz). Dieses Problem kann bei Triptanen mit kurzer Halbwertszeit häufiger auftreten als bei solchen mit langer Halbwertszeit (wie Frovatriptan und Naratriptan). In diesem Fall kann eine zweite Dosis des zuvor angewendeten Wirkstoffs eingenommen werden - allerdings frühestens zwei Stunden nach Erstapplikation. Als Alternative kann sowohl bei Wiederkehrkopfschmerzen, aber auch bei unzureichendem Ansprechen auf eine Monotherapie als auch bei besonders lang anhaltenden Migräneattacken eine Kombination aus einem Triptan mit einem NSAR (z. B. Naproxen oder Ibuprofen) versucht werden.
Um einer Migräne mit Aura vorzubeugen, können ebenfalls Medikamente verschrieben werden, darunter Antiepileptika, Betablocker und trizyklische Antidepressiva. Zur Prophylaxe werden Medikamente wie beta-Blocker oder Calciumantagonisten verschrieben, also Medikamente, die sonst bei der Behandlung des Bluthochdruckes zum Einsatz kommen. Oft ist die Einnahme über sechs bis zwölf Monate notwendig, bevor man wieder über ein Absetzen dieser Prophylaxe nachdenken kann. Individuell muss das richtige Medikament ausgetestet werden. In schwierigen Fällen kann eine Prophylaxe mit Antikonvulsiva in geringer Dosierung helfen.
Diese Medikamente und Schmerzmittel wie Triptane sollten bei einer Migräne mit oder ohne Aura jedoch nicht regelmäßig eingesetzt werden, da ein Zuviel an diesen Medikamenten langfristig zu einer chronischen Migräne mit täglichen Attacken führen kann. Grundsätzlich sollte bei der medikamentösen Behandlung darauf geachtet werden, dass keine Kopfschmerzen infolge eines Übergebrauchs von Schmerz- und Migränemitteln entstehen (MOH = Medication Overuse Headache) oder gerade bei chronischer Migräne übersehen werden.
Zu den Medikamenten mit guter Evidenz für eine Migräneprophylaxe zählen laut Leitlinie die oral anzuwendenden Beta-Blocker Propranolol und Metoprolol, das Antikonvulsivum Topiramat, das Antidepressivum Amitriptylin und der Kalziumkanalblocker Flunarizin sowie bei chronischer Migräne zusätzlich zu injizierendes OnabotulinumtoxinA. Nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) darf Valproinsäure zur Migränebehandlung im genehmigten Off-Label-Use verordnet werden, wenn andere zugelassene Präparate nicht wirksam waren.
Inzwischen gibt es aber auch sehr spezifische Präparate, die gezielt auf die Auslöser bei der Migräne wirken (Hemmung von CGRP). Die langen Halbwertszeiten ermöglichen eine einmal monatliche (Erenumab 140 mg, Fremanezumab 225 mg, Galcanezumab 120 mg) oder vierteljährliche Gabe (Fremanezumab 675 mg) subkutan. Im Fall von Eptinezumab erfolgt die Gabe vierteljährlich intravenös.
Wichtig zu beachten
Erstmalige Kopfschmerzen, sehr starke Kopfschmerzen und eine Veränderung oder Verstärkung bekannter Kopfschmerzen sollten unbedingt zeitnah von einem Neurologen weiter abgeklärt werden. Auch das Auftreten neurologischer Symptome (z. B. Bewusstlosigkeit, Seh- bzw. Sprachstörungen, Lähmungen) bedarf einer sofortigen ärztlichen Abklärung.
Sollten Sie Symptome einer Migräne mit Aura zeigen, ohne zuvor eine Migräneattacke erlebt zu haben, sollten Sie einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufsuchen. Dies insbesondere, falls Sie unter Taubheitsgefühlen, Sprach- oder Sehstörungen leiden, da diese auch auf einen medizinischen Notfall wie einen Schlaganfall hinweisen können.
Leben mit Migräne
Eine Migräne mit Aura kann eine starke Belastung für die Betroffenen im Alltag darstellen. Von leichten bis starken Schmerzen und Schwindel bis hin zu motorischen Beeinträchtigungen, Seh- und Sprachstörungen ist die Bandbreite an möglichen Symptomen bei einer Migräne mit Aura hoch. Viele Migränepatienten und -patientinnen leiden zusätzlich unter einer Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen, wodurch sich diese in ein dunkles Zimmer zurückziehen müssen. Den normalen Alltag zu bestreiten oder gar der Arbeit nachzugehen, bleibt für viele Betroffene während eines Migräneanfalls unmöglich.
Eine Migräne mit Aura zu kontrollieren, zu behandeln und ihr vorzubeugen, gehört dementsprechend zum Anliegen vieler Patientinnen und Patienten, beispielsweise durch das Identifizieren von Auslösern und deren Vermeidung sowie Strategien bei herannahenden Anfällen oder zur Linderung bestehender Attacken.
Jede Patientin und jeder Patient wird individuell im Laufe der Zeit lernen, mit der eigenen Kopfschmerzerkrankung zu leben. Wichtig sind das Wissen um die Erkrankung und die Übernahme von Eigenverantwortung. Dazu gehören die Kenntnis und das Vermeiden möglicher Auslöser für die Attacken und die Ausnutzung vorbeugender Maßnahmen.
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