Cluster-Kopfschmerzen sind eine seltene, aber äußerst schmerzhafte Form von Kopfschmerz, die durch heftige, einseitige Attacken gekennzeichnet ist. Diese Attacken treten typischerweise im Bereich des Auges oder der Schläfe auf und können von Begleitsymptomen wie einem hängenden Augenlid, Augentränen und einer laufenden Nase begleitet sein. Obwohl die genauen Ursachen von Cluster-Kopfschmerzen noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die den Betroffenen helfen können, ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Was sind Cluster-Kopfschmerzen?
Cluster-Kopfschmerzen zeichnen sich durch häufige Attacken mit heftigen, immer einseitigen Kopfschmerzen aus, meist im Bereich des Auges oder der Schläfe. Der Begriff "Cluster" (englisch für Gruppe oder Häufung) beschreibt die Art und Weise, wie diese Kopfschmerzen auftreten: in Clustern oder Episoden, gefolgt von beschwerdefreien Zeiten. Fachleute zählen Cluster-Kopfschmerzen zu den primären Kopfschmerzen, zu denen auch Spannungskopfschmerzen und Migräne gehören.
Symptome von Cluster-Kopfschmerzen
Während einer Cluster-Kopfschmerzattacke bauen sich in kurzer Zeit sehr starke bohrende, stechende oder brennende Schmerzen im Bereich eines Auges auf. Auch die Schläfe und die angrenzende Stirnpartie können sehr weh tun. Manche Menschen beschreiben den Schmerz, als ob ein Nagel durch das Auge sticht.
Häufige Begleitsymptome sind:
- Gerötetes und tränendes Auge
- Verstopfte oder laufende Nase
- Schwitzen an Stirn und Wangen
- Verkleinerte Pupille
- Geschwollenes oder hängendes Augenlid
- Überempfindlichkeit gegen Geräusche oder Licht
Viele Betroffene sind während einer Attacke unruhig und gehen umher, da die Schmerzen bei Bewegung etwas nachlassen. Nach 15 Minuten bis 3 Stunden verschwinden die Schmerzen meist so schnell wieder, wie sie gekommen sind.
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Ursachen und Auslöser von Cluster-Kopfschmerzen
Was dazu führt, dass ein Mensch an Cluster-Kopfschmerzen erkrankt, ist nicht bekannt. Fachleute vermuten unter anderem, dass die Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns, die auch für die Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich sind, „überaktiv“ sind. Da in manchen Familien Cluster-Kopfschmerzen gehäuft vorkommen, könnte auch Vererbung eine Rolle spielen.
Ähnlich wie bei der Migräne gibt es auch bei Cluster-Kopfschmerzen bestimmte Auslöser (Trigger) - also unterschiedliche Stoffe oder Situationen, die eine Schmerzattacke hervorrufen können. Diese Trigger lösen jedoch nur dann Attacken aus, wenn sich die Betroffenen in einer aktiven Phase der Erkrankung befinden, in denen es generell häufig zu Attacken kommt.
Häufige Trigger sind:
- Alkohol
- Aufenthalt in großen Höhen
- Nitroglyzerinhaltige Medikamente (zum Beispiel Mittel gegen Brustenge bei koronarer Herzkrankheit)
- Bestimmte Gerüche
- Nahrungsmittel wie bestimmte Käsesorten oder Wurstwaren
Diagnose von Cluster-Kopfschmerzen
Die Diagnose ergibt sich aus einem ausführlichen Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung. Dabei werden unter anderem im Rahmen einer neurologischen Untersuchung die Wahrnehmung von Berührung und die Muskelkraft geprüft. Zur Diagnose der Clusterkopfschmerzen werden die Kriterien der International Headache Society herangezogen.
Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen
Mittel, die grundsätzlich verhindern können, an Cluster-Kopfschmerzen zu erkranken, sind nicht bekannt. Eine Möglichkeit, Attacken vorzubeugen, ist jedoch herauszufinden, was sie auslöst und diese Auslöser dann zu vermeiden. Dazu ist es hilfreich, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, in das man unter anderem einträgt, was man vor einer Attacke gegessen, getrunken oder unternommen hat.
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Es gibt auch einige Medikamente, die häufigen Attacken vorbeugen können: Manchmal werden dazu Lithium oder Kortison eingesetzt - am häufigsten aber der Wirkstoff Verapamil. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können akute Cluster-Kopfschmerzen nicht lindern. Vielen Menschen hilft es aber, reinen Sauerstoff einzuatmen. Dazu benötigt man ein Sauerstoffgerät mit Atemmaske. Wichtig ist, dass eine ausreichende Sauerstoffkonzentration erreicht wird. Mittel der ersten Wahl nach den Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist das Inhalieren von Sauerstoff. Außerdem werden Clusterkopfschmerzen medikamentös behandelt. Mittel der Wahl sind gefäßverengende Wirkstoffe (sogenannte Triptane), die wahlweise als Spritze oder Nasenspray verabreicht werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Clusterkopfschmerztherapie ist die vorbeugende Behandlung. Mittel der Wahl sind sogenannte Kalziumantagonisten wie etwa Verapamil, die den Entzündungsprozess bremsen. Zusätzlich kommen Glukokortikoide in Betracht, wenn sich der Wirkeintritt der Kalziumantagonisten verzögert.
Augenmigräne: Eine verwandte Erkrankung
Eine Migräne muss nicht zwangsläufig mit Kopfschmerzen einhergehen. Bei der Augenmigräne stehen visuelle Störungen im Mittelpunkt. Dazu gehören beispielsweise Gesichtsfeldausfälle (Skotome), Flimmern vor den Augen oder Lichtblitze. Die Augenmigräne wird auch als ophthalmische Migräne bezeichnet und ist für Betroffene aufgrund der Symptome anfangs oft besorgniserregend. Im Normalfall entstehen jedoch keine Folgen oder Komplikationen.
Symptome der Augenmigräne
Wenn die Augen Anzeichen einer Migräne zeigen, macht sich dies durch Sehstörungen wie bspw. ein Flimmerskotom bemerkbar. Sie können entweder ein- oder beidseitig auftreten und dauern in der Regel einige Minuten bis eine Stunde.
Symptome einer Augenmigräne können sein:
- Ein Flackern oder Flimmern im Auge, manchmal auch bei geschlossenen Augen
- Gesichtsfeldausfälle (Skotom, der Wahrnehmungsbereich des Auges ist verkleinert)
- Lichtblitze im Auge mit Gesichtsfeldausfällen (auch als Flimmerskotom bezeichnet)
- Kurzzeitiger Sehverlust auf einem Auge
Flimmerskotome können in verschiedenen Varianten erscheinen. Beispielweise sind neben Lichtblitzen ebenso Zickzacklinien möglich, die sich in Form eines Halbkreises weiter ausbreiten. In der Regel benötigen diese visuellen Erscheinungen 10 bis 30 Minuten von der Entstehung bis hin zum Maximum und weisen eine Frequenz von 8 bis 12 Flimmerbewegungen pro Sekunde auf.
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Zusätzlich stellen sich oft Begleitsymptome ein.
Ursachen der Augenmigräne
Über die Ursachen der Augenmigräne gibt es bis heute keine genauen Daten. Die Augenmigräne wird dementsprechend auf eine Durchblutungsstörung im Bereich der Sehrinde zurückgeführt. Dort befindet sich sozusagen Ihr Verarbeitungszentrum für visuelle Reize. Bei der Verarbeitung der Reize schleichen sich durch die unzureichende Blut- und damit auch Sauerstoffzufuhr Fehler ein, die Sie dann als Sehstörungen wahrnehmen.
Ein anderer Erklärungsansatz stellt die Nerven in den Fokus. Mediziner vermuten, dass bei den Nerven, die mit dem Sehnerv verbunden sind, ein Ungleichgewicht von Hemmung und Erregung besteht. Die Nerven leiten daher die optischen Reize nicht korrekt weiter, was sich durch die für die Augenmigräne typischen Leiden äußert. Oftmals erhöhen Triggerfaktoren die Wahrscheinlichkeit einer solchen Nervenstörung.
Behandlung der Augenmigräne
Auch wenn es mitunter nicht leicht ist, seine individuellen Trigger zu identifizieren: Der Aufwand lohnt sich. Sind die Auslöser für eine Augenmigräne gefunden, lassen sie sich vermeiden, was erneuten Attacken vorbeugen kann. Jedoch geht das nicht immer.
Was also tun, wenn sich die Augenmigräne ankündigt?
- Zieh dich in ein ruhiges und abgedunkeltes Zimmer zurück.
- Leg ein kühles Tuch auf dein Gesicht.
- Versuch, dich zu entspannen. Dafür empfiehlt es sich, ein Entspannungsverfahren wie die Muskelentspannung nach Jacobson zu lernen.
In der Regel vergehen die Beschwerden wie Flimmerskotome oder Flackern im Auge von allein wieder, sodass die Behandlung einer Augenmigräne ohne Medikamente auskommt. Sollten die Beschwerden jedoch häufig und intensiv sein, halt Rücksprache mit deinem Arzt. In manchen Fällen kannst du auf ein Schmerzmittel zurückgreifen. Möglicherweise eignen sich Arzneimittel, die auch bei der Migräne-Therapie zum Einsatz kommen, bei Augenmigräne.
Leben mit Cluster-Kopfschmerzen und Augenmigräne
Cluster-Kopfschmerzen können so heftig sein, dass sie oft als unerträglich beschrieben werden. Während einer Attacke ist es meist nicht möglich, sich auf andere Dinge zu konzentrieren, Alltagstätigkeiten nachzugehen oder am Straßenverkehr teilzunehmen. Während eines Clusters ist das Berufs- und Familienleben in Mitleidenschaft gezogen, auch Freizeitaktivitäten sind erschwert. Belastend ist auch, dass die Attacken häufig in der Nacht auftreten und den Schlaf stören. Hinzu kommt, dass viele Betroffene lange Zeit nicht wissen, was mit ihnen los ist. Manche befürchten, lebensbedrohlich erkrankt zu sein. Einige Menschen verlieren durch die Cluster-Kopfschmerzen sogar ihren Lebenswillen.
Viele sind erleichtert, wenn sie erfahren, dass sie eine Kopfschmerzerkrankung haben und dass es wirksame Behandlungen gibt.
Augenflimmern, Lichtblitze oder Sehstörungen können äußerst beängstigend wirken. Auch wenn sich die Symptome nach einiger Zeit wieder gelegt haben, solltest du einen Arzt aufsuchen, in der Regel einen Augenarzt. Mithilfe verschiedener Untersuchungsmethoden kann er feststellen, ob die Beschwerden durch Veränderungen im Auge herbeigeführt wurden. Wird der Facharzt für Augenheilkunde nicht fündig, ist der nächste Ansprechpartner ein Neurologe.