Ketogene Ernährung bei Polyneuropathie: Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen

Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, äußert sich durch Kribbeln, Schmerzen und Taubheitsgefühle, meist in den Füßen, Unterschenkeln oder Händen. Die Ursachen sind vielfältig, reichen von Diabetes mellitus und Alkoholmissbrauch bis hin zu Vitaminmangel und Autoimmunerkrankungen. Die Therapie ist oft schwierig, da nicht alle Patienten auf die Standardbehandlungen ansprechen. In diesem Kontext rückt die Ernährung als potenzieller Therapieansatz in den Fokus, insbesondere die ketogene Ernährung.

Ernährung als therapeutischer Ansatz bei Polyneuropathie

Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Polyneuropathie. Studien deuten darauf hin, dass Insulinresistenz ein wichtiger Faktor bei der Schädigung von Nervenzellen ist. Eine kohlenhydratreiche Ernährung kann zu Insulinresistenz führen und die Nervenenden beeinträchtigen, was zu Reizleitungsstörungen, Kribbeln und Taubheitsgefühlen führt.

Ketogene Ernährung: Ein alternativer Energielieferant für Nervenzellen

Ein insulinresistenter Nerv benötigt Ketone als alternativen Energielieferanten. Die ketogene Ernährung, die reich an Fetten und arm an Kohlenhydraten ist, zielt darauf ab, den Körper in einen Zustand der Ketose zu versetzen, in dem er Ketone aus Fett als Hauptenergiequelle produziert. Ziel ist es, die Insulinresistenz zu durchbrechen und die Nervenzellen ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen.

Therapeutische Kombination: Ketogene Ernährung und Nährstoffversorgung

Die Behandlung von Polyneuropathie kann eine Kombination aus ketogener Ernährung und antientzündlichen Strategien umfassen, wie z. B. die Verwendung sekundärer Pflanzenstoffe und eine hohe Zufuhr von Mikronährstoffen wie Vitamin D, B-Vitaminen und Antioxidantien.

Ketogene Ernährung in der Praxis: Erfahrungen und Beobachtungen

Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit der ketogenen Ernährung bei Polyneuropathie, insbesondere in Bezug auf die Steigerung des Wohlbefindens und der Energie. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Erfahrungen individuell variieren können.

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Individuelle Anpassung und ärztliche Begleitung

Die Auswahl der Wirkstoffe und die Dosierung sollten individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Der Arzt muss dabei Nutzen und Risiken, wie Nebenwirkungen und Kontraindikationen, abwägen. Die Titration benötigt Zeit: Erst nach zwei bis vier Wochen einer ausreichenden Dosis kann beurteilt werden, ob eine Besserung eintritt.

Es ist wichtig, die ketogene Ernährung nicht als Allheilmittel zu betrachten. Bei manchen Betroffenen zeigt sie keine Wirkung auf die Polyneuropathie selbst, kann aber das allgemeine Wohlbefinden steigern. Eine ärztliche Begleitung ist unerlässlich, um die Ernährungsumstellung sicher und effektiv zu gestalten.

Mögliche Herausforderungen und Nebenwirkungen

Einige Personen, die eine ketogene Ernährung bei Polyneuropathie ausprobieren, berichten von anfänglichem Gewichtsverlust. Es ist wichtig, das Gewicht im Auge zu behalten und die Ernährung gegebenenfalls anzupassen, um einem ungewollten Gewichtsverlust entgegenzuwirken.

Die Umstellung auf eine ketogene Ernährung erfordert eine sorgfältige Planung und Überwachung, um sicherzustellen, dass der Körper ausreichend mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt wird. Insbesondere bei einer bestehenden Untergewichtigkeit ist Vorsicht geboten.

Weitere ernährungsrelevante Aspekte bei Polyneuropathie

Neben der ketogenen Ernährung gibt es weitere Aspekte der Ernährung, die bei Polyneuropathie eine Rolle spielen können.

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Ballaststoffreiche Ernährung bei diabetischer Polyneuropathie

Bei diabetischer Polyneuropathie ist eine ballaststoffreiche Ernährung von Bedeutung. Die Kohlenhydrate sollten einen niedrigen glykämischen Index haben, um einen starken Anstieg des Blutzuckerspiegels zu vermeiden. Ballaststoffe sind in Vollkornprodukten, Nüssen, Obst und Gemüse enthalten.

Gesunde Fette für die Nerven

Gesunde Fettsäuren sind wichtig für die Nerven. Alpha-Liponsäure, eine schwefelhaltige Fettsäure, die in jeder Körperzelle enthalten ist, liefert Energie und wirkt als Antioxidans. Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Fisch, Chia- und Leinsamen enthalten sind, haben entzündungshemmende Eigenschaften und können die Nervensignale verbessern.

B-Vitamine für die Nervenfunktion

Vitamine des B-Komplexes, vor allem Vitamin B1 und Vitamin B12, sind für die Nervenfunktion unerlässlich. B-Vitamine sind in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Spinat und anderem Gemüse enthalten. Vitamin B12 ist vor allem in Fisch, Fleisch, Eiern und Milch enthalten. Veganer sollten Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

Vermeidung von schädlichen Lebensmitteln

Zuckerhaltige Getränke, Weißmehlprodukte und Fertiggerichte können die Beschwerden bei Polyneuropathie verstärken und das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen. Bei alkoholtoxisch bedingter Polyneuropathie ist Alkohol tabu.

Zusätzliche Therapieansätze und wichtige Hinweise

Neben der Ernährung gibt es weitere Therapieansätze, die bei Polyneuropathie in Betracht gezogen werden können.

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Medikamentöse Therapie

Zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen werden häufig Medikamente wie Gabapentin, Pregabalin, trizyklische Antidepressiva oder Opioide eingesetzt. Die Auswahl des geeigneten Medikaments und die Dosierung sollten individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Bewegung und Sport

Regelmäßige Bewegung und Sport können helfen, den Blutzuckerspiegel zu senken, die Muskulatur zu stärken und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Nahrungsergänzungsmittel

Einige Nahrungsergänzungsmittel, wie Alpha-Liponsäure, Omega-3-Fettsäuren oder B-Vitamine, können unterstützend zur Behandlung von Polyneuropathie eingesetzt werden. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte jedoch immer mit dem Arzt abgesprochen werden.

Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln

Koffein, Alkohol, künstliche Süßstoffe und verarbeitete Lebensmittel können bei manchen Menschen neurologische Beschwerden auslösen oder verstärken. Das Vermeiden dieser Trigger-Lebensmittel kann helfen, die Symptome zu kontrollieren.

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