Migränebehandlung mit Homöopathie und Pestwurz: Studien und Erkenntnisse

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die von wiederkehrenden, oft sehr starken Kopfschmerzen begleitet wird. Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie zur Linderung der Symptome als auch die Prophylaxe zur Reduzierung der Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken. Neben konventionellen medikamentösen Behandlungen gibt es auch alternative und komplementäre Ansätze, darunter die Homöopathie und die Anwendung von Pflanzen wie der Pestwurz.

Die Rolle der Pestwurz in der Migräneprophylaxe

Die Pestwurz (Petasites hybridus), auch bekannt als Gemeine Pestwurz oder Butterbur, ist eine Arzneipflanze, die traditionell zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt wird. Die Pflanze wächst besonders an Bach- und Flussufern und blüht im Frühjahr, bevor sich die Blätter entfalten. Die bis zu 60 cm großen Blätter erinnerten die Griechen an einen breitkrempigen, flachen Reisehut namens pétasos. Im Mittelalter wurde die Pflanze verzweifelt gegen die Pest eingesetzt.

Historische Verwendung der Pestwurz

Bereits in der Antike und im Mittelalter wurde die Pestwurz als Heilpflanze genutzt. So fanden sich etwa unter den Grabbeigaben im 7000 Jahre alten Gräberfeld Hallstatt Rückstände von Pestwurz, was auf eine außerordentliche Wichtigkeit der Droge hinweist. Nach Empfehlung des griechischen Arztes Dioskurides verordnete auch Hildegard von Bingen im 11. Jahrhundert Pestwurz-Zubereitungen gegen Entzündungen und Geschwüre. In den folgenden Jahrhunderten erkannte man die schmerzstillenden Eigenschaften des Wurzelstocks.

Inhaltsstoffe und Wirkmechanismen

Die Hauptwirkstoffe der Pestwurz sind Sesquiterpenalkohole wie Petasin und Isopetasin. Diese Stoffe wirken spasmolytisch, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Sie beeinflussen bestimmte Enzyme und Signalwege im Körper, hemmen die Freisetzung von Entzündungsstoffen und desensibilisieren Ionenkanäle, die bei der Schmerzwahrnehmung eine Rolle spielen. Besonders interessant im Zusammenhang mit Migräne ist, dass Pestwurz auch die Freisetzung des Botenstoffs CGRP (Calcitonin-Gene-Related Peptide) hemmen soll, welches mit dem Entstehen von Migräneattacken assoziiert wird und Ziel der Migräne-Spritze ist.

Studien zur Wirksamkeit der Pestwurz bei Migräne

Die Wirksamkeit von Pestwurzextrakt in der Migräneprophylaxe wurde in mehreren Studien untersucht. Placebo-kontrollierte Studien zeigen, dass die höchste Dosis von 75 mg Pestwurzextrakt (zweimal täglich eingenommen) die stärkste Wirkung erzielte. Nach viermonatiger Einnahme konnten Migräneattacken fast um die Hälfte (48%) reduziert werden. Während die Dosierung von zweimal täglich 50 mg Pestwurzextrakt eine Reduktion von ca. ein Drittel (36%) bewirkte.

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Eine Studie von Lipton et al. (2004) zeigte, dass ein spezieller Pestwurz-Wurzelextrakt (Petadolex®) bei der vorbeugenden Behandlung von Migräne wirksam ist. Die Teilnehmer nahmen drei Monate lang dreimal täglich zwei Kapseln des Präparats ein und setzten es dann langsam ab. Es wurde beobachtet, dass die Wirkung über die Dauer der Einnahme hinaus anhielt.

Diener et al. führten eine Reanalyse von Wirksamkeitskriterien durch und bestätigten die positive Wirkung von Pestwurz bei der Migräneprophylaxe. Pothmann und Danesch zeigten in einer offenen Studie bei Kindern und Jugendlichen, dass Pestwurz ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden kann.

Anwendung und Dosierung

Pestwurzextrakt ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Kapseln, Tabletten, Tropfen und Flüssigextrakte. Am häufigsten wird Pestwurzextrakt in Kapsel- bzw. Tablettenform eingenommen. Der Vorteil dabei ist die einfache und genaue Dosierung. Es ist wichtig, ausschließlich speziell verarbeitete Extrakte mit entsprechender Dosierung zu verwenden, da rohe Pestwurz leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthält.

Sicherheitshinweise

Alle Pflanzenteile der Pestwurz enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die im Verdacht stehen, die Leber zu schädigen. Bei der Herstellung von Pestwurz-Extrakten werden diese Stoffe jedoch entfernt. Es ist ratsam, standardisierte Präparate zu verwenden, die auf einen bestimmten Gehalt an Petasinen eingestellt sind und einen möglichst geringen Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden aufweisen.

In den Leitlinien der Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) wird Pestwurz als „Nahrungsergänzungsmittel mit Wirksamkeit in der Migräneprophylaxe“ eingestuft. Die Leitlinienexpertinnen und -experten weisen allerdings darauf hin, dass es Hinweise gibt, dass es bei hochdosierte Formen (z.B. Pestwurzextrakt als Arzneimittel) in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Leberfunktionsstörungen kam.

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Rechtliche Situation in Deutschland

Pestwurzextrakt ist als hochdosiertes Arzneimittel in Deutschland und Österreich nicht mehr erhältlich, da 2009 ein Auszugsmittel geändert wurde, die eine Neuzulassung erfordert hätte. Du kannst es jedoch weiterhin in Drogerien o.ä. in geringer dosierten Formen, wie Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Präparaten, kaufen. Diese fallen nämlich in den Bereich der komplementären- und alternativen Medizin.

Homöopathie in der Migränebehandlung

Die Homöopathie ist ein alternatives Behandlungssystem, das auf dem Ähnlichkeitsprinzip basiert. Dabei werdenSubstanzen eingesetzt, die in hoher Dosierung bei gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen wie die, die bei Kranken behandelt werden sollen.

Studienlage zur Homöopathie bei Migräne

Die Studienlage zur Wirksamkeit der Homöopathie bei Migräne ist kontrovers. Einige Studien deuten auf eine positive Wirkung hin, während andere keine signifikanten Unterschiede zwischen Homöopathie und Placebo feststellen konnten. Aufgrund der methodischen Schwierigkeiten bei der Durchführung von Studien zur Homöopathie und der Heterogenität der Studienergebnisse ist es schwierig, eine eindeutige Aussage zur Wirksamkeit der Homöopathie bei Migräne zu treffen.

Individuelle Behandlung

In der naturheilkundlichen Praxis werden homöopathische Therapien auf die speziellen Symptome von einzelnen Patienten und unter Berücksichtigung ihrer Lebensführung, Essgewohnheiten und sozialen Situation individuell auf sie abgestimmt.

Weitere pflanzliche Mittel zur Migräneprophylaxe

Neben der Pestwurz gibt es auch andere pflanzliche Mittel, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können.

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Mutterkraut

Extrakte aus Mutterkraut (Tanacetum parthenium) werden ebenfalls vorbeugend eingenommen. Mutterkraut gehört wie die Kamille zur Familie der Korbblütler und ähnelt ihr optisch sehr. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten dem Mutterkraut eine schmerzlindernde und antientzündliche Wirkung bestätigen, das gilt vor allem für den Inhaltsstoff Parthenolid. Eine Analyse mehrerer Studien deutet zudem darauf hin, dass das Mutterkraut auch in der Migränevorbeugung eine gewisse Wirksamkeit besitzt. Jedoch ist der bislang nachgewiesene Effekt verglichen mit einem wirkungslosen Scheinarzneimittel (Placebo) als gering einzustufen.

Ingwer

In Europa vor allem als scharfes Küchengewürz und als Basis für aromatische Teezubereitungen bekannt, ist der Ingwer in Asien eine seit Jahrtausenden bekannte Heilpflanze. Ob Ingwer allerdings gegen Migräne wirkt, also konkret in der Vorbeugung von Migräne-Attacken und/oder in der Behandlung akuter Migräne-Attacken einem wirkungslosen Scheinmedikament (Placebo) überlegen ist, kann die medizinische Forschung bislang nicht gesichert beantworten. Es gibt eine brasilianische Studie, in der 107 Migränebetroffene in zwei Gruppen aufgeteilt wurden: Eine Gruppe erhielt dreimal täglich ein Ingwer-Extrakt in Kapselform, die andere Gruppe das wirkungslose Scheinpräparat.

Curcuma

Für eine mögliche Wirkung von Curcuma gegen Migräne und hier vor allem in der Migränevorbeugung untersuchen Forschende den Inhaltsstoff Curcumin. Eine Analyse experimenteller und klinischer Studien zu bestimmten Curcumin-Formen kam zu dem Zwischenfazit, dass Curcumin ein „vielversprechender Kandidat in der Vorbeugung und Kontrolle der Migräne“ sei - unter anderem wegen seiner antientzündlichen und schmerzlindernden Eigenschaften.

Ernährung und Lebensstil bei Migräne

Neben der medikamentösen und pflanzlichen Behandlung spielen auch die Ernährung und der Lebensstil eine wichtige Rolle bei der Migräneprophylaxe.

Ernährungsumstellung

Eine Ernährungsumstellung zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen hat sich bewährt, insbesondere bei Patienten, die noch nicht so lange an den wiederkehrenden Kopfschmerz-Attacken leiden. Die Umstellung auf eine Histamin- arme Kost sei für jeden Migräne-Patienten einen Versuch wert. Viele der häufig verzehrten Lebensmittel stehen auf der Verdachtsliste. Einige Beispiele sind u. a. Phenylethylamine in Schokolade, Tyramine in Käse, Histamine und Sulfite in Wein und Bier und Nitrate in verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren. Bei Patienten, die an einem Reizdarmsyndrom oder Zöliakie leiden, wurde als mögliche Ursache für ihre chronischen Kopfschmerzen und Migräne eine Glutenunverträglichkeit dokumentiert. Das künstliche Süßungsmittel Aspartam, das häufig in Diätlimonade und zuckerfreien Bonbons und Kaugummis enthalten ist, wurde ebenfalls mit Migräne in Zusammenhang gebracht.

Entspannungsübungen

Da Stress Migräne triggern kann, helfen auch Entspannungsübungen, zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder autogenes Training. »Damit können Patienten die Schwere eines Anfalls deutlich reduzieren«, berichtete Stange.

Andere Nahrungsergänzungsmittel

Riboflavin (Vitamin B2) ist ein essentielles Vitamin der B-Gruppe und ebenfalls eine gute Wahl für die Migräne-Prophylaxe. In einer Studie mit Kindern und Jugendlichen verringerte sich bei einer Supplementierung mit Riboflavin sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität von Migräneattacken. Auch Calcium-L-methylfolat, die aktive Form von Folsäure (Vitamin B9), kann helfen, die Häufigkeit von Migräne-Episoden zu reduzieren.

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