Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die etwa 16 % aller Frauen im Alter von etwa 40 Jahren in Europa betrifft und durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Beschwerden setzen oft in den frühen Morgenstunden ein bzw. äußern sich bereits beim Aufwachen. Migräneattacken dauern definitionsgemäß mindestens 4 Stunden, können aber auch bis zu drei Tage lang anhalten. Es ist wichtig, die Ursachen von Migräne zu verstehen, um geeignete Behandlungs- und Präventionsstrategien entwickeln zu können.
Was ist Migräne?
Die Migräne ist eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut (Dura) und der jeweiligen Blutgefäße, für die eine erbliche Veranlagung besteht. Während einer Migräneattacke kommt es zu einer vorrübergehenden Fehlfunktion schmerzregulierender Systeme.
Früher gingen Wissenschaftler von einer Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn aus. Demnach verengen sich kurz vor einer Migräneattacke die Blutgefäße, weswegen die betroffene Hirnregion schlechter durchblutet wird. In einer überschießenden Gegenreaktion erweitern sich anschließend die Blutgefäße. Diese Gefäßdehnung verursacht dann die migränetypischen Schmerzen.
Nach aktuellen Untersuchungen ist das Geschehen vermutlich auf eine Störung des Gleichgewichtszustandes von Schmerzzentren im Hirnstamm zurückzuführen. Mit Hilfe spezieller bildgebender Verfahren (Positronenemissions-Tomografie) konnte nachgewiesen werden, dass im Gehirn ein Bereich - das so genannte Migräne-Zentrum im Hirnstamm (periaquäduktales Grau) - aktiviert und verstärkt durchblutet wird. Dieses „Migräne-Zentrum“ reagiert über-empfindlich auf Reize.
Zwischen den Blutgefäßen des Gehirns und den Nervenzellen des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus) besteht eine wichtige Verflechtung. Feinste Verästelungen des Trigeminus-nervs befinden sich in den Wänden aller Blutgefäße im Gehirn. Die Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm führt dazu, dass die (C-)Fasern des Trigeminusnervs Schmerz-signale an das Gehirn senden (über den trigemino-thalamischen Trakt). Dies hat auch eine vermehrte Ausschüttung so genannter Botenstoffe (vasoaktive Neuropeptide) zur Folge, die eine Dehnung der Blutgefäße bewirken und die Gefäßwände für Blutflüssigkeit durchgängig machen (Extravasation) und bestimmte Blutbestandteile (z.B. entzündliche Eiweißstoffe) freisetzen. Es kommt zu einer Aufschwemmung und einer Art Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute. Diese so genannte neurogene Entzündung verursacht wiederum Schmerzimpulse, welche ausstrahlen und den Migränekopfschmerz bewirken.
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Die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) sind chemische Substanzen, die u.a. Nervensignale weiterleiten, die Ausdehnung oder Verengung der Blutgefäße steuern und Schmerzsignale auslösen. Von allen Botenstoffen spielt das Serotonin bei der Entstehung der Migräne eine besondere Rolle. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt u.a. das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus.
Symptome, Phasen und Erkrankungsbild
Migräne kann in verschiedenen Formen auftreten und wird meist durch einen bestimmten Trigger ausgelöst. Über 200 Arten der Volkskrankheit gibt es und keine ist zu unterschätzen.
30-40 % aller Migräne-Kranken durchlaufen zunächst eine sogenannte Prodromalphase mit Müdigkeit, Schlafproblemen und verändertem Essverhalten. Migräne-Kopfschmerzen werden durch körperliche Aktivität nicht gelindert, sondern eher verstärkt.
Die Differenzierung zwischen einer Migräne ohne Aura und beispielsweise einem Kopfschmerz vom Spannungstyp kann schwierig sein. Daher werden mindestens 5 Attacken gefordert, bevor die Diagnose gestellt wird. Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit oder Geräuschempfindlichkeit begleitet.
Einige Menschen erleben eine Migräne mit Aura, meist visuelle Störungen (Sehstörungen), aber auch sensible Wahrnehmungsstörungen, motorische Störungen, aber auch möglicherweise Wortfindungsstörungen (aphasische Aura) schon vor dem Anfall auf, dauern überwiegend weniger als eine Stunde an. Sehstörungen könen z. B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien sein oder auch ein Sehverlust. Sensible Störungen können sich in Kribbelmissempfindungen oder auch Taubheitsgefühl äußern.
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Menstruelle Migräne
Bei etwa 60 % der Frauen mit Migräne handelt es sich um menstruationsbeeinflusste Anfälle, welche sich meistens erstmals im 2. Lebensjahrzehnt einstellen und um das 40. Lebensjahr ihr Maximum erreichen. Migräneanfälle mit Aura ereignen sich fast immer nur außerhalb der Menstruation; menstruelle Attacken mit Aura sind die Ausnahme. Zeitlich abzugrenzen bleibt darüber hinaus ein migräneartiger Kopfschmerz im Rahmen eines prämenstruellen Syndroms jeweils 2-7 Tage vor der Monatsblutung.
Die rein menstruelle Migräne gilt hinsichtlich Attacken-Dauer und -Intensität als die am schwersten zu therapierende Variante. Ursächlich scheint der natürliche prämenstruelle Abfall der Serum-Östrogen- und Serum-Gestagen-Spiegel als Trigger zu fungieren. Initial hohe Östrogenspiegel sind vermutlich eine Voraussetzung für die Entstehung der Migräneattacken.
Mögliche Ursachen für Migräne am Morgen
Tatsächlich kann es viele verschiedene Gründe geben, warum man bereits mit Kopfschmerzen in den Tag startet. Morgendlicher Kopfschmerz kann viele Ursachen haben - von muskulären Verspannungen über Durchblutungsstörungen bis hin zu komplexeren neurologischen Prozessen.
Migräne
Diese Art der Kopfschmerzen zählt zu den am häufigsten auftretenden Arten - und ist zusätzlich typisch am Morgen. Während dieser Tageszeit - vor allem zwischen 4 und 9 Uhr morgens - neigt der Körper dazu, weniger Endorphine und Enkephaline zu produzieren. Diese funktionieren als natürliche Schmerzmittel im Körper, erklärt Jennifer Kriegler, Ärztin im Zentrum für Kopfschmerzen und Schmerzen der Cleveland Clinic.
Zusätzlich wird in den frühen Morgenstunden eine erhöhte Menge an Adrenalin freigesetzt. Dies erhöht den Blutdruck, der dann die Migräne auslösen kann.
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Schlafapnoe-Syndrom
Mit dem Schlafapnoe-Syndrom (SAS) ist nicht zu spaßen - es führt dazu, dass Betroffene im Schlaf wiederholt die Atmung unterbrechen. Durch den Sauerstoffmangel und erhöhten Druck über Nacht können Kopfschmerzen ausgelöst werden.
Leider ist es schwer, selbst herauszufinden, ob man an dieser Erkrankung leidet. Betroffene fühlen sich, trotz vermeintlich viel Schlaf, oft nicht erholt - und leiden an Kopfschmerzen in der Früh.
Zähneknirschen
Zähneknirschen kann zu Verspannungen in Kiefergelenken führen, die den Unterkiefer mit dem Schädel vor dem Ohr verbinden. Oft bleibt auch diese Angewohnheit unbemerkt, obwohl sie viele negative gesundheitliche Auswirkungen haben kann. So kann es beispielweise zu Veränderungen bei der Positionierung des Kiefers führen.
All dies führt zu Spannungen, die Kopfschmerzen auslösen können. Wenn der Verdacht besteht, dass morgendliche Kopfschmerzen auf Zähneknirschen zurückzuführen sind oder der Zahnarzt das vielleicht sogar schon diagnostiziert hat, wird es Zeit, mit diesem über die nächsten Schritte zu sprechen - ein Bissschutz oder eine Schiene können Abhilfe schaffen.
Alkoholkonsum
Tatsächlich könnten hochprozentige Getränke am Vortag die Kopfschmerzen am Morgen triggern. Es gibt Verbindungen in Alkohol, die negativ mit Neurotransmittern im Gehirn interagieren und Kopfschmerzen oder sogar Migräne bei gefährdeten Personen auslösen können, sagt Jennifer Wider, Expertin für Frauengesundheit.
Alkohol ist ein sogenanntes Diuretikum - es sorgt dafür, dass man öfter zur Toilette muss. Viele Menschen wachen nach dem Trinken deswegen dehydriert auf, was Katerkopfschmerzen verschlimmern oder die Bildung der Beschwerden begünstigen kann. Falls festgestellt wird, dass bestimmte Arten von Alkohol mehr Kopfschmerzen bereiten als andere, sollten diese beim nächsten Anstoßen besser vermieden werden - auch ausreichend Wasser vor dem Schlafen gehen kann wahre Wunder wirken.
Schlafstörungen
Neben Haltung und Durchblutung spielt auch die Qualität des Schlafs eine entscheidende Rolle. Schlafstörungen, Schlafapnoe, häufiges nächtliches Erwachen oder eine zu kurze Tiefschlafphase sind ebenfalls bekannte Trigger für morgendliche Kopfschmerzen. Besonders Menschen mit Migräne reagieren empfindlich auf Schlafmangel oder Veränderungen im Schlafrhythmus.
Ungeeignetes Kopfkissen
Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, sind ergonomisch geformte Kissen in aller Munde. Und das zu Recht. Durch sinnvoll konstruierte, ergonomische Kissen kann verhindert werden, dass die Halswirbelsäule komprimiert wird oder in ein sogenanntes Überstreckungsmuster verfällt. Gerade die Nackenmuskulatur wird geschont, die bei Überstreckungsmustern durch hohe Anspannung die Fehlstatik zu kompensieren versucht. Durch die richtige Positionierung der Halswirbelsäule können wir vermeiden, dass Nerven oder Gefäße abgedrückt werden.
Durchblutungsstörungen
Was tun wir nachts? Schlafen! Gewöhnlich in der Horizontalen: Wir liegen auf dem Rücken, auf der Seite oder auf dem Bauch. In einer aufrechten Position hat es unser Körper durch die Schwerkraft sehr leicht, das verbrauchte venöse Blut aus dem Schädel bis zum Herz zu leiten. Dies geschieht durch die große Vena vertebralis. Im Liegen funktioniert dies jedoch nicht. Genau hier kommt eine ganz bestimmte Vene ins Spiel, die es wirklich in sich hat: die Vena jugularis. Sie übernimmt für genau diesen Fall diese Funktion und schafft es, ca. Unser Alltag wird gerade durch unseren Beruf sehr stark bestimmt und beeinflusst. Häufiges Sitzen, monotone Haltungen, Bewegungsmangel - das alles setzt unserem Körper zu.
Die Folge: Stress, muskuläre Dysbalancen, Schutzreflexe, Kompensationsmuster und letztlich Gelenkblockaden. Die Folge: Die Formanen jugulare, beziehungsweise das sie umgebende fasziale Gewebe, steht unter Druck. Dadurch kann die Vena jugularis nicht mehr vollständig das venöse Blut aus dem Schädel ableiten - es kommt zum Stau, das Blut „versackt“ in der hinteren Schädelgrube. Stehen wir morgens nun auf und gehen ein paar Schritte, übernimmt schlagartig die Vena vertebralis die Funktion des Blutabflusses. Das Blut wird aus dem Kopf abgeleitet, und die Schmerzen lassen häufig nach.
Ernsthafte Erkrankung
In seltenen Fällen besteht die Möglichkeit, dass sich hinter den Kopfschmerzen etwas potenziell Schwerwiegendes verbirgt - ein erhöhter Druck könnte auf einen Gehirntumor hinweisen. Menschen mit Hirntumoren wachen oft früh mit Kopfschmerzen auf, weil der zerebrospinale Flüssigkeitsdruck am frühen Morgen am höchsten ist, sagt Dr. Kreigler.
Sie ergänzt: „Wenn der Tumor eine Schwellung verursacht, wird dies die Hirnbedeckung dehnen und Kopfschmerzen verursachen." Dies ist aber wirklich selten und nicht die wahrscheinlichste Ursache. Gelegentlich mit Kopfschmerzen aufzuwachen, ist noch kein Grund für Sorge.
Migräne-Trigger
Auslöser von Migräne können Nahrungsmittel, Stress u.a. Bestimmte innere und äußere Faktoren, so genannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen.
Etwa drei Viertel aller Migräne-Patienten beschreiben einen Zusammenhang zwischen bestimmten Trigger-Faktoren wie Stress, Halswirbelsäule-Blockaden oder dem Genuss von Lebensmitteln und ihren Kopfschmerzattacken. Aber Vorsicht: Bei diesen Auslösern handelt es sich nicht um die Ursache für Migräne, sondern um Faktoren, die eine Attacke „anstoßen“ können.
Jeder Migräne-Patient kann durch Selbstbeobachtung und konsequente Führung eines Kopfschmerz-Tagebuchs/Kalenders seine verschiedenen, persönlichen Auslöser ermitteln.
Häufig berichten Betroffene von folgenden Triggern:
- Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. zu viel oder zu wenig Schlaf)
- Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf - Unterzuckerung/Hungerzustand (z.B. aufgrund des Auslassens von Mahlzeiten)
- Hormonveränderungen, z.B. während des Zyklus (Eisprung oder Menstruation) bzw. aufgrund der Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. Anti-Baby-Pille, bei Beschwerden der Wechseljahre oder zur Osteoporose-Vorsorge)
- Stress in Form körperlicher oder seelischer Belastungen - Migräne tritt meist in der Entspannungsphase danach auf
- Verqualmte Räume
- Bestimmte Nahrungsmittel - z.B. Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol (Rotwein!)
- Äußere Reize wie (Flacker)Licht, Lärm oder Gerüche
- Wetter- und Höhenveränderungen (Föhn, Kälte etc.)
- Starke Emotionen, z.B. ausgeprägte Freude, tiefe Trauer, heftige Schreckreaktion, Angst
- Evtl. Medikamente
Stress
Migräne durch Stress kommt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen infrage.
Wetterumschwünge
Ebenso kann das Wetter bei Migräne eine Rolle spielen. Wetterfühlige Migräne-Patienten bemerken Veränderungen der Temperatur oder des Luftdrucks manchmal daran, dass sich eine Kopfschmerzattacke ankündigt.
Hormonschwankungen
Viele Patientinnen leiden während ihrer Periode an Kopfschmerzen. Auch eine Migräne in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren aufgrund von einschneidenden Veränderungen im Hormonhaushalt der Frau ist denkbar.
Veränderung des gewohnten Tagesrhythmus
Am Wochenende spät ins Bett? Und am nächsten Morgen Kopfschmerzen? Dann handelt es sich womöglich um Migräne wegen Schlafmangel. Wird der gewohnte Schlafrhythmus und Tagesablauf nicht beibehalten, reagieren manche Patienten mit starken Schmerzen.
Nahrungsmittel
Etwa 20 Prozent aller Migräne-Patienten machen bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser aus. Jedoch konnten Mediziner den Zusammenhang bisher nicht eindeutig nachweisen. Im Fall einer Migräne durch Lebensmittel ist zu berücksichtigen, dass auch die Tageszeit entscheidend ist. Einige Migräne-Patienten können abends ein Glas Sekt trinken, erst am nächsten Vormittag fängt ihr Kopf heftig an zu hämmern. Da viele Betroffene auf eine ganze Reihe von Lebensmitteln mit Migräne reagieren, werden zudem bestimmte Konservierungsstoffe als Auslöser vermutet. Der Beweis für einen direkten Zusammenhang fehlt jedoch bisher.
Körperliche Aktivität
Bei leichten Kopfschmerzen wirkt Bewegung manchmal wahre Wunder. Doch manche Patienten leiden infolge von körperlicher Aktivität unter einer Migräne nach Sport. Nach der Joggingrunde oder dem Krafttraining im Fitnessstudio setzen die quälenden Kopfschmerzen ein. Für Betroffene ist es deshalb wichtig zu wissen, was ihnen gut tut und auf welche Sportarten sie besser verzichten sollten. Geeignet ist etwa leichter Ausdauersport wie Nordic Walking, Radfahren und Schwimmen.
Reizüberflutung
Bei Migräne-Patienten ist die Verarbeitung mancher Sinnesreize im Gehirn verändert. Diese Reize sind deshalb nicht nur während einer Attacke unangenehm. Vielmehr ist auch eine Migräne durch Reizüberflutung möglich.
Diagnose
Umso wichtiger ist es, die verschiedenen Kopfschmerzarten (wie z. B. Spannungskopfschmerzen, Cluster-Kopfschmerzen, Migräne & Co.) richtig einzuordnen und den individuellen Auslösern auf den Grund zu gehen.
Zur Unterscheidung zwischen Migräne und Spannungskopfschmerzen eignet sich ein Kopfschmerztest des Portals "Kopfschmerzen.de".
Differentialdiagnose Spannungskopfschmerz
Der Kopfschmerz tritt im Bereich des gesamten Kopfes auf, ist drückend-ziehend, jedoch nicht pulsierend. Vegetative Begleitsymptome wie Lichtscheu und übermäßige Lärmempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen sowie Appetitlosigkeit treten in der Regel nicht und, wenn doch, nur sehr selten begleitend auf. Wenn Menschen über Kopfschmerzen klagen, handelt sich zu etwa 90 % um Spannungskopfschmerzen oder Migräne.
Differentialdiagnose Cluster-Kopfschmerz
Der Kopfschmerz ist streng einseitig und zeichnet sich durch in Attacken auftretende „extremste Kopfschmerzen“ im Bereich von Schläfe und Auge aus. Die Bezeichnung Cluster bezieht sich auf die Eigenart dieser Kopfschmerzform, periodisch stark gehäuft aufzutreten, während sich dann für Monate bis Jahre beschwerdefreie Intervalle anschließen können. Die heftigen und einseitigen Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten unvermittelt vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf. Die Kopfschmerzen sind bei 78 % der Patienten immer auf der gleichen Seite.
Der Cluster-Kopfschmerz zeigt eine ausgeprägte Tagesrhythmik, am häufigsten kommt es ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, in den frühen Morgenstunden und nach der Mittagszeit zu Anfällen. Der Kopfschmerzcharakter wird als unerträglich reißend, bohrend, manchmal als brennend geschildert. Besonders typisch ist ein während der Kopfschmerzattacken bestehender Bewegungsdrang, ebenfalls kommen Begleitsymptome wie einseitiges Tränen, Augenrötung oder Naselaufen auf der Schmerzseite häufig vor. Anders als Menschen mit Migräne neigen Patienten mit Cluster-Kopfschmerz nicht dazu, sich ins Bett zurückzuziehen, sondern wandern umher oder schaukeln mit dem Oberkörper.
Behandlung
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren.
Akutbehandlung
Bei leichter bis mittelschwerer Migräne können nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen (200-600 mg, z. B. Dolormin Migraene®), Naproxen (500-1000 mg) oder Diclofenac (50-100 mg, z. B. Sylmes 50 mg Pulver®) kombiniert mit einem Antiemetikum (z. B. 10-20 mg Metoclopramid) eingesetzt werden. In der nächsten Stufe kann ein Triptan-Präparat (z. B. Rizatriptan in Form von Maxalt Lingua 10 mg® oder 50-100 mg Sumatriptan) verwendet werden.
Kurzzeit-Prophylaxe
Bei menstrueller Migräne kann eine Kurzzeit-Prophylaxe mit Naproxen (2x 500 mg/Tag 3-4 Tage vor bis 3 Tage nach der Periode) oder mit einem Triptan (z. B. Frovatriptan 2,5 mg 2x tgl.) in Betracht gezogen werden. Auch kann bei Sumatriptan-Einnahme die gleichzeitige Gabe von Naproxen die Rate von Wiederkehr-Kopfschmerzen signifikant senken.
Hormonelle Behandlung
Die protektive Effizienz von oralen Kontrazeptiva (Antibabypillen) ist individuell auszutesten: Sie können die Migräne verbessern, verschlechtern oder auch unbeeinflusst lassen. Grundsätzlich ist die geringst mögliche Estradiol-Dosis anzustreben. Eine Kombinations-Mikropille als Langzeiteinnahme ohne jede Pillenpause kann dann bei einigen Migränevarianten zur Option der Wahl werden.
Weitere Therapieansätze
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) können helfen, Stress abzubauen und die Migränefrequenz zu reduzieren.
- Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, den Umgang mit Migräne zu erlernen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Physiotherapie: Bei Nackenverspannungen kann Physiotherapie helfen, die Muskeln zu lockern und die Schmerzen zu lindern.
Hilfreiche Tipps
- Kopfschmerztagebuch: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre persönlichen Trigger zu identifizieren und die Wirksamkeit Ihrer Behandlung zu überwachen.
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, um Schlafmangel oder Veränderungen im Schlafrhythmus zu vermeiden.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie Nahrungsmittel, die bei Ihnen Migräne auslösen können.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Stress abzubauen und die Migränefrequenz zu reduzieren.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Stressmanagement-Techniken, um Stress abzubauen und die Migränefrequenz zu reduzieren.
- Ergonomisches Kissen: Wir empfehlen dir bei morgendlichen Kopfschmerzen ein innovatives Kissen, das gezielt darauf ausgerichtet ist, die Halswirbelsäule während des Schlafs optimal zu stützen, muskuläre Spannungen zu reduzieren und die nächtliche Regeneration zu fördern.
Fachliche Unterstützung
- Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel: Bietet spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.