Auswirkungen des Fachkräftemangels: Schließung des Schlaflabors in Niebüll und neue neurologische Versorgung

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen macht sich zunehmend bemerkbar, auch im Klinikum Nordfriesland. Dies führt zu Einschränkungen in der medizinischen Versorgung und stellt die Region vor Herausforderungen. Ein aktuelles Beispiel ist die Schließung des Schlaflabors in Niebüll Ende Juli. Gleichzeitig gibt es aber auch positive Entwicklungen in der Region, wie die Etablierung neuer Facharztpraxen, die die medizinische Versorgung verbessern sollen.

Schließung des Schlaflabors in Niebüll

Das Schlaflabor der Klinik Niebüll musste Ende Juli geschlossen werden. Grund dafür ist die Niederlassung der bisherigen ärztlichen Leiterin, Dr. Anke Jary, als Neurologin in eigener Praxis in Hamburg. Trotz intensiver Suche konnte kein Nachfolger für die Leitung des Schlaflabors gefunden werden. Da das Klinikum nun über keinen Arzt mehr mit den notwendigen Fachweiterbildungen und erforderlichen Zertifikaten verfügt, kann es die Einrichtung derzeit nicht weiterbetreiben.

Das Klinikum Nordfriesland bedauert die Schließung außerordentlich, insbesondere da sie zu einem Zeitpunkt erfolgt, an dem mit Privatdozent Dr. Im Schlaflabor wurden in den letzten Jahren zahlreiche Patienten untersucht und behandelt, die an Schlafstörungen, insbesondere dem Schlafapnoe-Syndrom, leiden. Um gefährliche Atemaussetzer während des Schlafes feststellen zu können, werden die Betroffenen in das Schlaflabor eingewiesen. Dort werden sie an spezielle Geräte angeschlossen, die den Schlaf und die Atmung überwachen. Im Klinikum Nordfriesland können diese Patienten nun leider nicht mehr betreut werden. Die betroffenen Pflegekräfte werden innerhalb des Klinikums auf andere freie Stellen versetzt.

Fachkräftemangel als Ursache

Die Schließung des Schlaflabors ist ein Beispiel für die Auswirkungen des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen. Es wird immer schwieriger, qualifiziertes Personal für medizinische Einrichtungen zu finden, insbesondere in ländlichen Regionen. Dies führt dazu, dass Leistungen eingeschränkt oder sogar eingestellt werden müssen, was die medizinische Versorgung der Bevölkerung gefährdet.

Neue neurologische Versorgung in Niebüll

Trotz der Schließung des Schlaflabors gibt es auch positive Nachrichten aus Niebüll. Anfang Januar hat Dr. Anke Jary ihre fachärztliche Tätigkeit als Neurologin in Niebüll aufgenommen. Gemeinsam mit ihrem Team bildet sie die Praxis für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie an der Klinik Niebüll. Die Praxis gehört über ein sogenanntes „Medizinisches Versorgungszentrum“ zum Klinikum Nordfriesland.

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Psychiatrische Versorgung durch Peter Schuster

Seit Mitte März verstärkt Peter Schuster als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie das medizinische Angebot in Niebüll. Seine Praxis befindet sich an der Klinik Niebüll, wo er sich hauptsächlich mit der Behandlung seelischer Erkrankungen befasst. „Dabei geht es vor allem um die Behandlung seelischer Erkrankungen. Der erste Schritt ist, diese zu erkennen, dann mögliche körperliche Ursachen abzuklären und im Anschluss eine entsprechende Therapie, teils mit, teils ohne Medikamente in die Wege zu leiten.“ Hauptsächlich werden Depressionen behandelt, die mittlerweile zu einer „Volkskrankheit“ geworden sind. In Kooperation mit anderen Ärzten müssen allerdings erst andere mögliche Erkrankungen ausgeschlossen werden, bevor der Befund „Depression“ lauten kann. Peter Schuster ist natürlich aber auch Anlaufpunkt für andere psychiatrische Erkrankungen, wie z.B. Psychosen und Suchterkrankungen, Angst- und Panikerkrankungen, Belastungsstörungen und Persönlichkeitsauffälligkeiten. Um als Neupatient einen Behandlungstermin in der Praxis zu bekommen, sind zwischen drei und vier Wochen Wartefrist einzuplanen. Da beispielsweise Depressionen aber durchaus auch Kurzschlusshandlungen auslösen können, haben natürlich „Akutfälle“ Vorrang und werden so zügig wie möglich in den Terminplan eingeschoben. „Angenehm und hilfreich für die Einschätzung einer Patienten-Situation ist es oftmals, wenn Angehörige beim Termin mit anwesend sind“, so Schuster. Er strebt an, in absehbarer Zeit reguläre psychotherapeutische Behandlungen anzubieten. Aber auch Angebote im Bereich von Entspannungsverfahren, wie z.B. die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) oder autogenes Training sind geplant. Techniken, die der Patient anschließend auch zu Hause „für sich selbst“ vornehmen kann. Peter Schuster stammt aus der Region Bielefeld. Er hat an den Universitäten in Bochum, Essen und Aachen Medizin studiert und hat viele Jahre am Alexianer Krankenhaus, einer Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und psychosoziale Integration in Aachen gearbeitet. Die Triebfeder nach Norddeutschland zu kommen, war der Wunsch in der Nähe des Wassers zu leben. Nach einer beruflichen Tätigkeit in Flensburg ist er nun in Nordfriesland angekommen.

Das Klinikum Nordfriesland als Anbieter umfassender Versorgung

Das Klinikum Nordfriesland bietet mit seinen vier Kliniken in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk/Föhr den Einwohnern und Gästen des nördlichen Schleswig-Holstein eine wohnortnahe, hoch qualifizierte und breit gefächerte medizinische Versorgung an, die von einem engagierten, qualifizierten und freundlichen Team getragen wird. Jede der vier Kliniken ist darauf eingerichtet, rund um die Uhr akute Krankheitsgeschehen, wie z.B. Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Unfälle aller Art zu versorgen. Jede der Kliniken hat darüber hinaus eigene Schwerpunkte gesetzt. An der Klinik Husum ist z.B. das HERZZENTRUM NORDsee angesiedelt, dass gemeinsam mit dem Universitären Herzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis Dr. Geffert / Rack in Husum die Versorgung von Herz-/Kreislauferkrankten Patienten auf hohem Niveau sicherstellt. Darüber hinaus sind an der Klinik ein Gefäßzentrum, ein Bauchzentrum und ein Brustzentrum etabliert. Zwei niedergelassene Neurochirurgen führen zudem Operationen an den Bandscheiben und Wirbelkörpern in Husum durch. Die gesamte Klinik Husum ist seit kurzem nach den Kriterien der „Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitsweisen (KTQ)“ zertifiziert. In der Niebüller Klinik liegt der Schwerpunkt auf der Orthopädie und Unfallchirurgie: von der Hand- und Schulterchirurgie, über Eingriffe am Knie und Fuß bis hin zur Implantation von Hüftgelenken sind alle Eingriffe möglich. Die Klinik Niebüll ist Standort eines Rettungshubschraubers. Die Innere Medizin behandelt sowohl alle typischen Herz-/Kreislauferkrankungen (Kardiologie) wie auch die Erkrankungen im Bauchraum (Gastroenterologie). An der Klinik ist ein Dialysezentrum angesiedelt. In der geburtshilflichen Abteilung des Krankenhauses kommen seit einigen Jahren neben deutschen Kindern auch dänische Babys aus dem Bereich Tondern / Lögumkloster zur Welt. Die Klinik in Tönning ist ebenso in der Lage alle internistischen und chirurgischen Krankheitsbilder fundiert zu behandeln. Spezialisiert ist die Klinik auf die Behandlung von krankhaft veränderten Beinvenen („Krampfadern“). Die Klinik Tönning ist Standort des Adipositas Zentrum Nord, das mit einem interdisziplinären Konzept stark übergewichtigen Menschen hilft. Im Mittelpunkt dieses Therapieansatzes steht zumeist ein chirurgischer Eingriff: entweder können dem übergewichtigen Patienten ein Magenballon oder ein Magenband implantiert werden oder aber es wird ein sog. Magenbypass - eine direkte Verbindung zwischen Speiseröhre und Zwölffingerdarm unter Umgehung des Magens - gelegt. Alle Methoden dienen dazu, die Menge an aufnehmbarer Nahrung deutlich zu reduzieren. Die Tönninger Klinik ist für diesen Therapieansatz international bekannt. Seit Kurzem wird auch ein ambulantes, konventionelles und interdisziplinäres Gewichtsreduktionsprogramm (OPTIFAST®52) angeboten. Auch die Inselklinik Föhr-Amrum als viertes Krankenhaus des Klinikums Nordfriesland ist in der Lage alle akuten Krankheitsbilder zu versorgen. Die kleine Inselklinik ist - auch aufgrund eines sehr aktiven Fördervereins - technisch und baulich auf dem neuesten Stand. Neben den vier Kliniken gehört zum Klinikum auch ein Medizinisches Versorgungszentrum mit den Fachrichtungen Radiologie, Nuklearmedizin, Chirurgie, Neurochirurgie und Neuropsychiatrie an drei Standorten. Das Klinikum bildet auch sehr umfangreich medizinisches Fachpersonal aus: am Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen wird Gesundheits- und Krankenpflegepersonal und an der Therapie Schule Nord werden Physiotherapeuten ausgebildet. Mit 180 Ausbildungsplätzen zählt das Klinikum zu den größten Ausbildungsbetrieben im nördlichen Schleswig-Holstein.

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