Nervenzucken im Intimbereich: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Ein unkontrollierliches Zucken im Intimbereich kann für Betroffene sehr belastend sein und zu Verzweiflung führen. Es gibt verschiedene Ursachen für dieses Phänomen, von harmlosen Nervenirritationen bis hin zu komplexeren Syndromen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze für Nervenzucken im Intimbereich.

Mögliche Ursachen für Nervenzucken im Intimbereich

Stress und psychosomatische Ursachen

Langanhaltender Stress kann sich auf verschiedene Körperbereiche auswirken, einschließlich des Intimbereichs. Wenn man dauerhaft unter Stress steht, kann dies sogar als Normalzustand empfunden werden. Psychosomatischer Stress kann sich in Form von Muskelzucken äußern. Betroffene berichten von einem Gefühl, als würde ein einzelner Nerv in Beinen, Armen, Augenlid, Mundwinkel oder am Oberkörper zucken. Dieses Zucken kann an jeder Stelle des Körpers auftreten, wobei oft nur eine Region betroffen ist.

Magnesiummangel

Ein Mangel an Magnesium kann ebenfalls zu Muskelzuckungen führen, da Magnesium eine wichtige Rolle bei der Muskel- und Nervenfunktion spielt. Es wird oft als Vorstufe von Krämpfen beschrieben.

Restless Genital Syndrome (RGS)

Das Restless Genital Syndrome (RGS), auch bekannt als persistierende genitale Erregungsstörung, ist eine Störung des peripheren Nervensystems. Es handelt sich nicht um eine erhöhte Libido, sondern um eine ständige Erregung im Intimbereich, die durch winzige Reize ausgelöst wird. Diese Reize können beispielsweise der Kontakt mit der Unterwäsche, Vibrationen beim Autofahren oder langes Sitzen sein. Die Symptome können über Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate anhalten und entweder zyklisch wiederkehren oder konstant präsent sein.

Bei Frauen äußert sich RGS als Kribbeln, Ziehen, Pulsieren und Kitzeln im Genitalbereich. In extremen Fällen können Frauen plötzlich und unerwartet einen Orgasmus bekommen. Männer berichten von Samenergüssen ohne Erektion. Betroffene empfinden dabei ein unangenehmes Gefühl, in extremen Fällen sogar Schmerzen an Klitoris und Scheide (bzw. Penis), ausgelöst durch die Muskelkontraktionen während der Orgasmen.

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Medikamente

Bestimmte Arzneimittel können den Nerven im Beckenbereich falsche Signale senden und so das Gefühl auslösen, masturbieren zu müssen. Laut der Medizinischen Hochschule Hannover können folgende Arzneimittel das RGS auslösen:

  • Trazodon (u.a. zur Behandlung von Depressionen)
  • Bupropion (u.a. zur Rauchentwöhnung)
  • Bromocryptin (u.a. zur Behandlung von Parkinson)
  • Venlafaxin (u.a. zur Behandlung von Angsterkrankungen)
  • Fluoxetin (u.a. zur Behandlung von Depressionen)
  • Paroxetin (u.a. zur Behandlung von Depressionen)
  • Sertralin (u.a. zur Behandlung von Depressionen)
  • Escitalopram (u.a. zur Behandlung von Panikattacken, Sozialphobien, Zwangsstörungen)
  • Citalopram (u.a. zur Behandlung von Depressionen)
  • Nefazodon (u.a. zur Behandlung von Depressionen)
  • Olanzapin (u.a. zur Behandlung schizophrener Psychosen)

Auch das Absetzen bestimmter Medikamente, wie etwa Antidepressiva, kann die dauerhafte sexuelle Erregung hervorrufen.

Verletzungen und Nervenschädigungen

Eine Beschädigung des dorsalen Klitorisnervs oder eine Verletzung des Rückenmarks kann ebenfalls Nervenzucken im Intimbereich verursachen. Auch Krampfadern in der Beckengegend können eine Rolle spielen.

Hormonelle Veränderungen

Hormonelle Veränderungen, wie sie in den Wechseljahren, während der Schwangerschaft oder in bestimmten Zyklusphasen auftreten, können RGS kurzzeitig oder dauerhaft auslösen.

Pudendusneuralgie

Die Pudendusneuralgie ist eine seltene chronische Schmerzerkrankung im Bereich des Damms. Betroffen ist der Nervus pudendus, der Schamnerv, der für Schmerz- und Sinneseindrücke sowie für die Steuerung einiger Muskeln im Bereich des Afters und der äußeren Genitalien zuständig ist. Symptome sind heftige Schmerzen im Genital- und Dammbereich, die als brennend, stechend, einschießend, dumpf oder drückend beschrieben werden. Die Beschwerden nehmen im Sitzen zu und bessern sich beim Stehen oder Liegen.

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Andere mögliche Ursachen

Weitere mögliche Ursachen für Nervenzucken im Intimbereich sind:

  • Harnwegsinfektionen
  • Beckenbodeninsuffizienz
  • Nervenstörungen (z.B. Bandscheibenvorfall, Nervenengpasssyndrom)
  • Endometriose
  • Östrogenmangel der Scheidenschleimhaut
  • Harnsteine
  • Vaginismus (Scheidenkrampf)
  • Multiple Sklerose
  • Vulvakrebs

Symptome

Die Symptome von Nervenzucken im Intimbereich können vielfältig sein und hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Zucken, Kribbeln, Ziehen, Pulsieren oder Kitzeln im Genitalbereich
  • Unangenehmes Gefühl oder Schmerzen im Intimbereich
  • Spontane Orgasmen ohne sexuelle Lust
  • Samenergüsse ohne Erektion
  • Häufiger Harndrang
  • Druckgefühl im Intimbereich
  • Schmerzen beim Sitzen
  • Taubheitsgefühl im Intimbereich
  • Schmerzen beim Einführen von Tampons oder beim Geschlechtsverkehr
  • Angst vor sexueller Aktivität

Diagnose

Die Diagnose von Nervenzucken im Intimbereich kann schwierig sein, da es viele verschiedene Ursachen gibt. Ein Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B.:

  • Blutuntersuchung
  • Urinuntersuchung
  • Neurologische Untersuchung
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens und des Rückenmarks
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
  • Pudendusblockade
  • Blasenspiegelung

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Nervenzucken im Intimbereich richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen, die helfen können, die Beschwerden zu lindern, sind:

  • Stressreduktion: Entspannungsübungen, Meditation, Yoga oder eine Psychotherapie können helfen, Stress abzubauen.
  • Magnesium: Die Einnahme von Magnesium kann bei Muskelzuckungen helfen, die durch Magnesiummangel verursacht werden.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Wenn bestimmte Aktivitäten oder Substanzen die Symptome verschlimmern, sollten diese vermieden werden.
  • Beckenbodentraining: Beckenbodentraining kann helfen, die Muskeln im Intimbereich zu stärken und zu entspannen.
  • Schmerzmittel: Bei Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen. In einigen Fällen können auch stärkere Schmerzmittel erforderlich sein.
  • Medikamente: Je nach Ursache können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, wie z.B. Antidepressiva, Antikonvulsiva, Muskelrelaxantien oder Hormonpräparate.
  • Therapien: Eine Psychotherapie, Sexualtherapie oder Physiotherapie können helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, z.B. bei einer Pudendusneuralgie oder bei einer Verletzung des Rückenmarks.
  • Alternative Behandlungsformen: Einige Patienten berichten von einer Linderung der Beschwerden durch alternative Behandlungsformen wie Osteopathie, Akupunktur oder Homöopathie.

Spezifische Behandlungen für RGS

Da die Krankheit noch recht unerforscht ist, gibt es zur Zeit weder Medikamente noch Therapien, mit denen man das RGS heilen kann. In seltenen Fällen kann das RGS ebenso spontan von selbst wieder verschwinden, wie es aufgetreten ist.

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Bestimmte Arzneimittel können die RGS-Symptome ebenfalls lindern, etwa Beruhigungsmittel wie Oxazepam oder spezielle Gels zum Auftragen im Scheidenbereich. Auch eine Therapie mit gezielter elektrischer Nervenstimulation im Beckenbereich kann Abhilfe verschaffen. Dabei werden die fehlgesteuerten Nerven gehemmt.

Dem mit der Krankheit einhergehenden seelischen Leiden kann man mit einer Psychotherapie entgegenwirken.

Spezifische Behandlungen für Pudendusneuralgie

Laut Studien ist die beste Therapie der Pudendusneuralgie ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Nerv vom Druck entlastet wird oder aus einer Einklemmung befreit. Bei der als Neurolyse bezeichneten Operation wird der Nervus pudendus freigelegt. Auf diese Weise wird jeglicher Druck, der auf ihm lastet (zum Beispiel durch Narbengewebe) genommen. Der Nerv wird entweder von hinten durch die Gesäßmuskulatur (die besterprobte Möglichkeit) freipräpariert oder durch den Damm beziehungsweise durch die Scheide.

Vaginismus (Scheidenkrampf)

Vaginismus ist auch als Scheidenkrampf bekannt. Dabei zieht sich die Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur krampfartig zusammen. Das Eindringen in die Vagina (Penetration) ist mit großen Schmerzen verbunden oder überhaupt nicht möglich. Häufig verkrampft die Scheide schon bei der kleinsten Annäherung, sodass auch das Einführen eines Tampons oder eine reguläre gynäkologische Untersuchung nicht stattfinden können.

Behandlung von Vaginismus

Vaginismus sollte immer behandelt werden, da jeder weitere Krampf eine zusätzliche psychische Belastung darstellt und die Funktionsstörung verstärkt. Waren ursprünglich körperliche Ursachen für die Scheidenkrämpfe verantwortlich, kann es bei Nichtbehandlung schnell zu einem anhaltenden psychischen Problem werden. Die Behandlung zielt darauf ab, die reflexartige und schmerzhafte Verkrampfung der Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur zu verringern. Die Frau erhält damit die Freiheit über ihren Körper und ihre Sexualität zurück.

  • Psycho- und Sexualtherapie: Bei psychisch bedingtem Vaginismus ist häufig eine begleitende Psychotherapie sinnvoll. Besonders, wenn traumatische Ereignisse, eine Depression oder Probleme in der Partnerschaft der Auslöser sind.
  • Vaginaldilatoren: Im Zuge von Therapien und Trainings werden Vaginaldilatoren als Behandlungsmaßnahme eingesetzt. Dies sind in verschiedenen Größen erhältliche „Plastikstifte“. Den Vaginaldilator führst Du in zunehmender Größe in Deine Vagina ein. Dies bewirkt, dass Deine Vagina sich weitet und Deine Muskulatur sich an die Penetration gewöhnt.
  • Entspannungsübungen: Vaginismus kann durch emotionalen Stress ausgelöst oder verstärkt werden. Neben der Therapie helfen Entspannungsübungen, zu mehr innerer Ruhe zu gelangen.
  • Beckenbodentraining: Scheidenkrämpfe ziehen die Beckenbodenmuskulatur unbewusst zusammen, sodass das Eindringen in die Scheide kaum möglich ist. Durch Beckenbodentraining lernst Du das gezielte Anspannen und Entspannen der Beckenbodenmuskulatur.
  • Medikamente: Eine medikamentöse Behandlung durch die Einnahme eines verschreibungspflichtigen Muskelrelaxans ist ebenfalls möglich, um Verkrampfungen der Vagina entgegenzuwirken.
  • Botox: Eine weitere Maßnahme ist die Behandlung mit Botox. Gezielte Injektionen mit Botox können einzelne Muskeln daher deutlich entspannen, weshalb es auch im Scheidenbereich eingesetzt werden kann.

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