Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Kopfschmerzen treten in unregelmäßigen Abständen auf, meist einseitig und sind deutlich stärker als herkömmliche Kopfschmerzen. Schlafmangel oder eine schlechte Schlafqualität können das Entstehen von Kopfschmerzen oder Migräne begünstigen.
Der Zusammenhang zwischen Schlaf und Migräne
Schlaf und Kopfschmerzen, einschließlich Migräne, stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. Dies wird durch Beobachtungen an Patientinnen und Patienten mit chronischen Kopfschmerzen oder Migräne, sowie durch eine Vielzahl von Studien und Befragungen belegt.
Eine im Auftrag von Sanofi durchgeführte Umfrage unter 3.051 Personen in Deutschland, die unter Kopfschmerzen und/oder Migräne leiden, ergab, dass über die Hälfte der Befragten eine schlechte Schlafqualität als Ursache ihrer Beschwerden angab. Damit rangiert schlechter Schlaf nach Stress (63 Prozent) an zweiter Stelle der genannten Ursachen.
Schlafprobleme und erhöhtes Migränerisiko
Neuere Studien untermauern den wechselseitigen Zusammenhang zwischen (schlechtem) Schlaf und Kopfschmerzen bzw. Migräne. Eine japanische Studie im Fachmagazin „Frontiers in Neurology“ zeigte den „Zusammenhang zwischen migränebedingter Behinderung und der Belastung durch multiple Schlafprobleme“. Bei 87 Prozent von 215 Migränepatienten wurden verschiedene Schlafprobleme wie das Restless-Legs-Syndrom, Schlaflosigkeit, übermäßige Tagesmüdigkeit, Schlafapnoe und REM-Schlafstörungen festgestellt.
Eine chinesische Studie aus dem Jahr 2022 in „Frontiers in Neurology“ kam zu dem Ergebnis, dass „eine schlechte Schlafqualität signifikant mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Migräne und migränebedingten Belastungen verbunden“ ist. Die Forschenden untersuchten 131 Migränepatienten und 70 gesunde Personen mithilfe des Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI). Sie fanden eine signifikant höhere Prävalenz für schlechte Schlafqualität bei den Migränebetroffenen und kamen zu dem Schluss, dass „das Migräne-Risiko bei schlechter Schlafqualität 3,981-mal so hoch sei wie bei Personen mit guter Schlafqualität“.
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Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI)
Der Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen, der 1988 von Forschern an der Universität von Pittsburgh entwickelt wurde. Er dient als standardisiertes und einfach anzuwendendes Werkzeug zur Beurteilung der Schlafqualität. Der PSQI besteht aus 19 Fragen, die Faktoren wie die subjektive Schlafqualität, Einschlaflatenz, Schlafdauer, Schlafeffizienz, Schlafstörungen, den Gebrauch von Schlafmedikamenten und die Beeinträchtigung der Tagesaktivität abfragen.
Komorbiditäten: Schlaf und Kopfschmerz
Die Beziehung zwischen Kopfschmerz und Schlaf ist wechselseitig. Viele Betroffene können wegen Kopfschmerzen nicht schlafen, während in anderen Fällen Kopfschmerzen oder Migräneattacken durch schlechten Schlaf entstehen. Schlechter Schlaf und Kopfschmerz sind demnach bekannte Komorbiditäten. Dies gilt nicht nur für Migräne, sondern auch für Spannungskopfschmerzen. Eine Studie fand einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Spannungskopfschmerz und Schlaflosigkeit.
Eine indische Vergleichsstudie zeigte einen „Zusammenhang zwischen der Zunahme des Schweregrads der Behinderung und der schlechten Schlafqualität sowie der erhöhten Schmerzintensität der Kopfschmerzen“ - unabhängig von der Art der Kopfschmerzen.
Nachtschichten und Kopfschmerzen
Eine norwegische Studie untersuchte die gesundheitlichen Auswirkungen der Arbeit von Krankenschwestern und deren Arbeitszeiten. Es wurde ein direkter Zusammenhang zwischen Nachtschichten und Kopfschmerzen festgestellt. „Der Wechsel von der Nachtarbeit und die Verringerung der Anzahl der Nachtschichten … waren … mit weniger Kopfschmerzen verbunden“, so die Forschenden.
Mögliche Ursachen des Zusammenhangs
Einige mechanistische Zusammenhänge zwischen Schlaf und Kopfschmerzen sind bekannt. Bei Schlafapnoe, bei der bis zu 54 Prozent der Betroffenen unter Kopfschmerzen leiden, können diese durch den nächtlichen Sauerstoffmangel entstehen. Der Kohlendioxidgehalt des Bluts steigt durch die Atemaussetzer, was unter anderem einen Anstieg des intrakraniellen Drucks (Druck innerhalb der Schädelhöhle) bewirkt und Kopfschmerzen auslösen kann. Wenn eine Patientin oder ein Patient regelmäßig nachts mit moderaten bis starken Kopfschmerzen aufwacht, müssen sekundäre Ursachen ausgeschlossen werden. Möglich ist auch eine primäre Kopfschmerzerkrankung.
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Migräne: Definition, Formen und Symptome
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die in der Regel mit anfallsartigen Kopfschmerzen verbunden ist. Die Schmerzen treten meist nur auf einer Kopfseite auf und sind deutlich stärker als herkömmliche Kopfschmerzen. Die neurologische Krankheit Migräne tritt bei etwa zwölf bis 14 Prozent aller Frauen und sechs bis acht Prozent aller Männer in Deutschland auf. Doch auch vier bis fünf Prozent der Klein- und Schulkinder bis zu Pubertät leiden unter Migräneattacken.
Man kann zwischen mehreren Migräneformen unterscheiden:
- Einfache Migräne oder Migräne ohne Aura
- Klassische Migräne oder Migräne mit Aura
- Komplizierte Migräne oder Migraine accompagnée
Die zwei häufigsten Formen sind Migräne ohne und Migräne mit Aura. Zudem lassen sich folgende Unterformen unterscheiden:
- Migräne der Augen (auch okulare Migräne genannt): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
- Menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
- Abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
- Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
- Migräne mit Hirnstammaura (früher als basilaris Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
- Vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.
Zu den typischen Symptomen von einfacher Migräne zählen mäßige bis starke, einseitige Kopfschmerzen. Patientinnen und Patienten berichten von einem pulsierenden, pochenden oder hämmernden Schmerz, der sich bei körperlicher Aktivität verstärkt.
Symptome der verschiedenen Migräneformen
- Migräne ohne Aura: Die einfache Migräne zeichnet sich auch durch eine hohe Empfindlichkeit von Licht, Geräuschen und Gerüchen aus. Hinzukommen können Schwindel, das Sehen von Lichtblitzen und eigenartigen Formen.
- Migräne mit Aura: Bei der klassischen bzw. Migräne mit Aura kommen zu den Kopfschmerzen neurologische Defizite hinzu. Meist als Vorbote von einem Migräneanfall können sogenannte Gesichtsfeldausfälle auftreten. Diese äußern sich in Form von Sehstörungen wie Lichtblitzen und werden in der Neurologie als Aura oder Migräneaura bezeichnet. Der halbseitige Kopfschmerz geht mit Rötungen im Gesicht einher und kann durch eine temporäre Störung der Zirkulation in den Blutgefäßen erklärt werden.
- Komplizierte Migräne: Die komplizierte Migräne oder auch Migraine accompagnée ist gekennzeichnet durch lange neurologische Störungen im Vergleich zur Migräne mit Aura. Die Vorboten können den jeweiligen Migräneanfall auch überdauern. Zu der komplizierten Migräne zählen Unterformen wie die hemiplegische Migräne, die Basilaris-Migräne sowie die ophthalmoplegische Migräne. Die Symptome einer Migraine accompagnée reichen von leichten Lähmungserscheinungen über Gang- und Sehstörungen bis hin zu Sprachverlust oder Sprachstörungen.
Vor einer Attacke leiden Betroffene an ersten Anzeichen einer Migräne. Diese können wenige Stunden oder schon einen Tag zuvor auftreten. Symptome sind Hochstimmungen, das Gefühl, besonders leistungsfähig zu sein sowie Gereiztheit und depressive Verstimmungen.
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Die Aura geht den starken Kopfschmerzen einer Migräne direkt voraus und entwickelt sich in einem Zeitraum von fünf bis zehn Minuten. Dabei dauern die Symptome der Auraphase etwa 15 bis 30 Minuten an und äußern sich durch Sehstörungen wie etwa Lichtblitze, blinde Flecken im Sehfeld, Doppelbilder, Schwäche, Schwindel, Taubheit, Kribbeln in Gliedmaßen oder Gangunsicherheit. In der Regel setzen die Kopfschmerzen nach der Aura ein. Dennoch können sich Migräneaura und der Migräneanfall überschneiden oder der Kopfschmerz bleibt völlig aus.
Bei der eigentlichen Migräne treten die pochenden Schmerzen einseitig auf und verschlimmern sich durch körperliche Tätigkeiten. Je nach Migräneform und ihrer Schwere wird Migräne von vegetativen Störungen wie Schwindel oder Benommenheit oder neurologischen Störungen wie Sehstörungen, Taubheit oder Kribbeln begleitet. Die letzte Phase ähnelt in Bezug auf die Symptome der Prodromalphase.
Auslöser für Migräne
Für Migräne besteht generell eine genetische Veranlagung. Bei Menschen mit bestehender Veranlagung können folgende Auslöser für Migräne verantwortlich sein:
- Schlafüberschuss oder Schlafmangel
- Hunger oder Unterzuckerung
- Hormonumstellungen wie während des Zyklus oder bei Einnahme der Anti-Baby-Pille
- Körperlicher oder psychischer Stress
- Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol
- Licht, Geräusche oder Gerüche
- Wetterveränderungen
- Starke Emotionen
- Bestimmte Medikamente
- Räume, in denen geraucht wird
Ursachen von Migräne
Bei Migräne handelt es sich um eine Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und ihrer Blutgefäße. Während eines Migräneanfalls funktionieren die schmerzregulierenden Systeme fehlerhaft und machen Betroffene überempfindlich gegenüber Reizen. Zudem haben die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) Einfluss auf den Migränekopfschmerz. Welche Ursachen Anfälle von Migräne auslösen, ist letztendlich abhängig von der jeweiligen Person.
Behandlungsmöglichkeiten und Prophylaxe
Auch wenn Migräne eine nicht heilbare Krankheit ist, lässt sie sich mit Medikamenten gut behandeln. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Medikamenten für akute Migräne und zur Rückfallprophylaxe. Für eine erfolgreiche Medikation muss die Therapie zu Beginn der Migräne angewandt werden.
Laut deutscher Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist eine schrittweise und für den Bedarf gerechte Medikation vorgesehen. Dabei gibt es gegen Übelkeit und Erbrechen ein Antiemetikum, während bei Schmerzen Analgetika, Triptane oder Cortison eingesetzt werden können. Zudem empfiehlt die deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft die Medikation der jeweiligen Patientin bzw. Triptane und Ergotamine sollten bei mittelschweren Migräneanfällen oder Migraine accompagnée - allerdings nicht zusammen oder kurz hintereinander - eingesetzt werden. Die vielen unterschiedlichen Darreichungsformen bieten Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, die für sie passende zu finden. Allerdings sollten Triptane erst nach Abklingen der Aura und beim beginnenden Migränekopfschmerz angewandt werden.
Patientinnen und Patienten können anhand eines Anfallstagebuchs Schlüsse ziehen, wodurch ihre Migräne entsteht. Davon ausgehend können sie ggf. ihren Lebensstil verändern und dadurch langfristig Migräneanfälle senken. Zudem gibt es psychotherapeutische Verfahren, bei denen Betroffene lernen, mit ihrer Migräne besser umgehen zu können.
Neben einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akkupunktur können Medikamente einer Migräne vorbeugen. Zudem sollten Migräneauslöser möglichst vermieden werden. Eine medikamentöse Vorbeugung kann zwar die Erkrankung nicht völlig verhindern, doch sie kann die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern.
Diese Behandlung zur Prophylaxe ist für Patientinnen und Patienten sinnvoll, wenn:
- die bisherige Behandlung der migränösen Attacken zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hat,
- sie pro Monat unter mehr als drei Migräneanfällen leiden,
- keine oder kaum Verträglichkeit für die Medikamente gegen Migräne besteht,
- die Migräneanfälle häufiger auftreten,
- sie mehr als zehn Tage pro Monat Schmerz- oder Migränemittel einnehmen,
- die Migräne das alltägliche Leben stark einschränkt und
- es nach einer Migräne zu neurologischen Migränekomplikationen und Störungen kommt, die mehr als sieben Tage andauern.
Vorbeugend können Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat verwendet werden. Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht.
Verhaltenstherapeutische Verfahren und Entspannungsübungen können einzeln oder auch ergänzend zur medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.
Leiden Patientinnen und Patienten unter mehr als drei Migräneattacken im Monat, gibt es folgende Möglichkeiten der Migränetherapie und -prophylaxe:
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.
- Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Patientinnen und Patienten lernen, sich mit möglichen Stressfaktoren des Alltags und Berufs im Zusammenhang mit ihren kognitiven Prozessen auseinanderzusetzen und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.
- Biofeedback-Therapie: Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.
Ursachen der Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne und die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Man vermutet bei den Betroffenen eine genetische Veranlagung (Prädisposition) - nicht selten tritt Migräne familiär gehäuft auf. Auf Basis dieser genetischen Neigung scheint es im Zusammenspiel mit verschiedenen inneren oder äußeren Faktoren (Triggern) zu den Migräne-Attacken zu kommen.
Nach Expertenmeinung liegt Migräne eine polygenetische Veranlagung zugrunde: Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen erhöhen das Migränerisiko. Manche dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt. Andere Genveränderungen werden mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht. Über welche biologischen Mechanismen diese Genmutationen genau eine Migräne begünstigen, ist bislang aber noch nicht geklärt.
Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräne-Attacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall „triggern“, ist individuell verschieden. Einige Beispiele:
- Stress: Ein häufiger Auslöser ist Stress im privaten oder beruflichen Umfeld.
- Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffen sind oft Menschen, die im Schichtdienst arbeiten.
- Reizüberflutung: Wenn das Gehirn zu viele Eindrücke gleichzeitig verarbeiten muss, entsteht ebenfalls Stress.
- Wetter/Wetterwechsel: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf schwülwarme Gewitterluft, starken Sturm, Föhnwetter oder sehr helles Licht an einem wolkenlosen Tag. Bei manchen wiederum löst Kälte Migräne-Attacken aus.
- Tyraminhaltige Lebensmittel: Bei einigen Produkten wie Bananen oder bestimmten Käsesorten hat man Tyramin im Verdacht. Das ist ein Abbauprodukt von Eiweißbausteinen (Aminosäuren), das unter anderem die Ausschüttung des Botenstoffs Noradrenalin anregt. Dieser wirkt stark gefäßverengend - auch lokal im Gehirn.
- Unregelmäßige Mahlzeiten: Häufig setzen Migräne-Anfälle ein, wenn man zu wenig gegessen hat (Unterzuckerung).
- Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss auf Migräne. So sind im Kindesalter Mädchen und Jungen noch etwa gleich häufig betroffen. Mit der Pubertät verschiebt sich das Verhältnis: Frauen leiden deutlich häufiger an Migräne als Männer. Vielfach steht die Migräne in Zusammenhang mit der Menstruation. So löst der Abfall des Östrogenspiegels vor der Regelblutung bei manchen Frauen eine Migräne-Attacke aus. Darüber hinaus können hormonelle Verhütungsmittel („Pille“) ebenfalls Migräne verursachen.
Schlafgebundene Kopfschmerzen
Schlafgebundener Kopfschmerz ist eine seltene Erkrankung. Charakteristisch ist, dass die Schmerzattacken nur nachts im Schlaf auftreten. Es handelt sich weder um Migräne noch Spannungskopfschmerz.
Ärztinnen und Ärzte sprechen von schlafgebundenen Kopfschmerzen, wenn Betroffene mindestens zehn Mal pro Monat nachts von den Schmerzen geweckt werden. Die meisten Patientinnen und Patienten berichten von fast täglichen Attacken. Gefährlich sind die Schmerzen nicht, sie beeinträchtigen die Lebensqualität aber erheblich. Die Krankheit ist erst seit relativ kurzer Zeit bekannt und wurde 2003 in die offizielle Kopfschmerzklassifikation aufgenommen.
Betroffene beschreiben schlafgebundene Kopfschmerzen als leicht bis mittelstark, als drückend und auf beiden Seiten gleichermaßen unangenehm. Die Schmerzen treten häufig um dieselbe Uhrzeit auf, typischerweise zwischen zwei und vier Uhr nachts. Unbehandelt dauern sie zwischen 15 Minuten und vier Stunden.
Wie schlafgebundene Kopfschmerzen entstehen, ist noch nicht vollständig geklärt. Einige Forschungen deuten auf eine Fehlfunktion in Teilen des Gehirns hin, die Schlaf- und Schmerzverarbeitung steuern - womöglich im Bereich des Hypothalamus.
Die Krankheit ist sehr selten - man schätzt, dass sie nur zwei von 1000 Menschen betrifft. Sie tritt meist nach dem 50. Lebensjahr auf und etwas häufiger bei Frauen.
Entscheidend ist zunächst, andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen, die lebensbedrohlich sein können - zum Beispiel einen Tumor oder Gefäßveränderungen im Gehirn. Das passiert vor allem mittels Bildgebung, also einem MRT.
Gegen akute Schmerzen wird meist als erster Wirkstoff Koffein ausprobiert - als Tablette oder als starker Kaffee. Auch das verschreibungspflichtige Medikament Indometacin kann gegen akute Anfälle wirken. Das wichtigere Ziel der Behandlung ist allerdings, Schmerzattacken möglichst zu vermeiden. Beide Wirkstoffe werden auch zur Vorbeugung eingesetzt, indem sie vor dem Schlafen eingenommen werden.
Die Diagnose von schlafgebundenen Kopfschmerzen ist wichtig, da hinter solchen Schmerzattacken immer auch schwerwiegende Krankheiten stecken können.
Schwierig kann die Unterscheidung zwischen Clusterkopfschmerzen und schlafgebundenen Kopfschmerzen sein. Auch Clusterkopfschmerzen gehen mit oft nächtlichen Anfällen und einem deutlichen Bewegungsdrang einher. Beides ist in der Regel stärker ausgeprägt als beim schlafgebundenen Kopfschmerz. „Und beim Clusterkopfschmerz kommen typische Begleitsymptome wie Naselaufen und ein gerötetes Auge in einer Gesichtshälfte dazu“, erklärt Evers.
Schlafhygiene und weitere Tipps
Eine schlechte Schlafqualität kann Migräne begünstigen. Hier sind einige Tipps für eine bessere Schlafhygiene:
- Regelmäßiger Schlafrhythmus: Achten Sie auf regelmäßige Schlafens- und Aufwachzeiten, auch am Wochenende.
- Dunkle Schlafumgebung: Sorgen Sie für eine dunkle und ruhige Schlafumgebung. Verwenden Sie gegebenenfalls eine Schlafmaske.
- Angenehme Raumtemperatur: Die ideale Raumtemperatur zum Schlafen liegt bei 16-18 Grad Celsius.
- Vermeiden Sie Koffein und Alkohol: Koffein und Alkohol können den Schlaf stören. Vermeiden Sie diese Substanzen vor dem Schlafengehen.
- Entspannungsübungen: Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, vor dem Schlafengehen zur Ruhe zu kommen.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie tagsüber ausreichend Wasser, um nächtlichen Kopfschmerzen durch Dehydration vorzubeugen.
- Kopfteil hochstellen: Das Kopfteil des Bettes um 20-30 Grad hochzustellen, kann bei manchen Menschen die Migräne-Attacken lindern.
- Luftqualität verbessern: Lüften Sie regelmäßig das Schlafzimmer oder verwenden Sie einen Luftreiniger, um die Luftqualität zu verbessern.
- Allergien behandeln: Allergien können die Nasenschleimhaut anschwellen lassen und den Schlaf stören. Behandeln Sie Allergien, um eine freie Nasenatmung zu gewährleisten.
Die Migräne-Aura
Eine Migräne-Aura ist eine vorübergehende neurologische Funktionsstörung, die während eines Migräne-Anfalls, aber auch ohne Kopfschmerzen, auftreten kann. Bei der Entstehung einer Migräne-Aura sind vermutlich mehrere Mechanismen beteiligt, die während eines Migräne-Anfalls im Gehirn ablaufen. Über eine Aktivierung der schmerzleitenden Nervenfasern und Schmerzzentren im Gehirn werden verschiedene Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, ausgeschüttet. Diese sogenannte Schmerzkaskade löst wiederum eine Entzündung der Hirngefäße und damit eine vorübergehende Durchblutungsstörung der Hirnrinde aus. Die Symptome der Migräne-Aura entstehen vermutlich durch eine Erregungswelle, die über die Hirnrinde läuft und zu einer vorübergehenden Störung führt.
Typische Symptome einer Migräne-Aura sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, die von den Patientinnen als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen wahrgenommen werden und die sich meist langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Häufig kommt es auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes, das heißt Patientinnen sehen nur noch einen Teil der Umwelt oder einer Person. Weitere, seltenere Symptome sind vorübergehende Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen, sehr selten auch Lähmungen einer Körperhälfte.
Eine typische Migräne-Aura dauert 5 bis 60 Minuten, seltener auch mal etwas länger. Etwa 15 bis 25 Prozent der Patientinnen mit Migräne kennen Aura-Symptome. Die meisten Patientinnen mit einer Migräne mit Aura kennen Migräne-Anfälle mit und ohne Aura-Symptomen. Häufig tritt die Aura vor Beginn der Kopfschmerzen auf, sie kann aber auch währenddessen oder danach auftreten. Bei Vielen tritt die Aura manchmal auch ganz ohne Kopfschmerzen auf. Das nennt man dann eine „isolierte Aura“.
Zur Behandlung der Migräne mit Aura werden dieselben Medikamente wie bei einer Migräne ohne Aura eingesetzt. Leichte Migräne-Anfälle lassen sich häufig gut mit Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln behandeln. Bei Unwirksamkeit dieser Medikamente kann man spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane einsetzen. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.