Migräne und Muskelverspannungen: Ursachen, Zusammenhänge und Lösungsansätze

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit, von der etwa 10-15 % der Bevölkerung betroffen sind - Frauen häufiger als Männer. Die Beschwerden reichen von einseitigem, pulsierendem Kopfschmerz über Licht- und Geräuschempfindlichkeit bis hin zu Übelkeit und Sehstörungen. Viele Patientinnen und Patienten bemerken, dass sich Migräneanfälle nach einem langen Tag am Schreibtisch oder nach starker körperlicher Belastung häufen. Die Muskulatur rund um Nacken, Schultern und oberen Rücken spielt also eine zentrale Rolle.

Was ist Migräne? Unterschiede zu Spannungskopfschmerzen und anderen Formen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, meist einseitige pulsierende Kopfschmerzen auszeichnet. Häufig sind sie begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Sehstörungen (Aura). Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen, die dumpf-drückend und oft beidseitig sind, ist der Migräneschmerz intensiver, bewegungsabhängig verstärkt und führt bei vielen Betroffenen zu einem vollständigen Rückzug aus dem Alltag. Migräne ist meist einseitig, pulsierend, begleitet von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Spannungskopfschmerzen sind dumpf, oft beidseitig, meist ohne weitere Symptome.

Es gibt verschiedene Migräneformen:

  • Migräne mit Aura: Vorboten wie Flimmern, Gesichtsfeldausfälle, Kribbeln oder Sprachstörungen treten vor der eigentlichen Schmerzphase auf. Migräne mit Aura betrifft etwa 10-30 % der Betroffenen; es treten vor dem Kopfschmerz Sehstörungen, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen auf.
  • Migräne ohne Aura: Der häufigere Typ, bei dem der Schmerz direkt auftritt, meist einseitig und pulsierend. Migräne ohne Aura ist die verbreitetste Form. Sie äußert sich typischerweise durch pulsierende, meist einseitige Kopfschmerzen, oft mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit.
  • Chronische Migräne: Besteht, wenn an mehr als 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen auftreten, davon mindestens 8 mit Migränesymptomatik. Seltener sind komplexe Formen wie die hemiplegische oder vestibuläre Migräne.

Eine sorgfältige Differenzialdiagnose ist entscheidend für eine wirksame Behandlung - auch in der Physiotherapie. Die Diagnose einer Migräne erfolgt in der Regel durch erfahrene Ärzt*innen anhand einer ausführlichen Anamnese und international anerkannter Kriterien (z. B. ICHD-3). Im Gespräch werden Häufigkeit, Art und Begleitsymptome der Kopfschmerzattacken sowie mögliche Auslöser systematisch erfasst. Bildgebende Verfahren (z. B. MRT) sind nur bei untypischen Verläufen erforderlich, um andere Ursachen auszuschließen.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Migräne entsteht durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren. Die Ursachen von Migräne sind vielfältig. Oft wirken mehrere Trigger zusammen:

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Verschiedene Faktoren können Migräneattacken auslösen oder deren Häufigkeit erhöhen, darunter:

  • Muskuläre Dysbalancen und Verspannungen: Besonders Nackenverspannungen, aber auch Fehlhaltungen oder funktionelle Kieferstörungen (CMD) können Migräne verstärken. Viele Patientinnen und Patienten mit Migräne leiden auch unter muskulären Beschwerden im Nacken-, Schulter- oder Kieferbereich. Diese körperlichen Spannungen können Migräneattacken verstärken - besonders bei Migräne ohne Medikamente. Nackenschmerzen zählen zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer Migräne. Zugleich können die Verspannungen im Nacken auch Trigger (Auslöser) einer Migräneattacke sein. Basierend auf diesem Zusammenhang ist es nach Prof. Dr. Kerstin Lüdtke, Professorin für Physiotherapie der Universität zu Lübeck, „wichtig zu überprüfen, ob Störungen im Bereich der Halswirbelsäule bei Patienten mit Migräne vorliegen und wenn ja, diese zu behandeln, um einen möglichen Triggerfaktor zu reduzieren“. Mehr als jede zweite Kopfschmerzattacke wird durch Nackenverspannungen verursacht. Kopfschmerzen durch Nackenverspannungen gehören zu den häufigsten Formen von Kopfschmerzen überhaupt. Der Arzt spricht in diesem Zusammenhang auch vom sogenannten Halswirbelsäulen- oder kurz HWS-Syndrom.
  • Stress und psychische Belastung: Einer der häufigsten Migränetrigger. Psychische Verspannungen können über die Verspannung der Muskulatur hinaus weitere Symptome hervorrufen. Dazu gehören innere Unruhe, Unruhezustände, Nervosität und Reizbarkeit. Psychische Verspannungen äußern sich oft als Schmerzen in Rücken, Nacken oder Kopf. Diese Beschwerden haben keine körperlichen Ursachen, sondern entstehen durch Stress oder emotionale Belastungen.
  • Schlafmangel und Schlafrhythmus-Störungen
  • Ernährung und Flüssigkeitsmangel Koffein, Alkohol, Histamine oder Zusatzstoffe in Lebensmitteln können Migräne auslösen.
  • Hormonschwankungen (z. B. während der Menstruation)
  • Wetterumschwung und Umwelteinflüsse
  • Bewegungsmangel oder Überanstrengung
  • Nervenreizungen: Die Nerven, die die Kopfhaut versorgen, verlaufen zum Teil durch den oberen Bereich der Halswirbelsäule.
  • Stressbelastung: Chronische Rückenschmerzen führen oft zu Stress und sind somit Migräne-Trigger!

Gerade in der physiotherapeutischen Migränebehandlung ist es entscheidend, diese Faktoren zu erkennen und individuelle Strategien zur Prophylaxe zu entwickeln.

Der Zusammenhang zwischen Migräne und Muskelverspannungen

Die Verbindung zwischen Migräne und Rückenschmerzen, insbesondere im Bereich der Halswirbelsäule (HWS), wird in der Forschung zunehmend beachtet. Studien zeigen, dass PatientInnen mit Migräne überdurchschnittlich häufig auch an Nacken- und Rückenschmerzen leiden. Umgekehrt sind chronische RückenschmerzpatientInnen anfälliger für migräneartige Kopfschmerzen.

Verspannungen oder Fehlfunktionen in diesen Bereichen können Migräne auslösen oder verstärken. Viele Menschen sind sich der tiefgreifenden Verbindung zwischen muskulären Verspannungen und dem Auftreten von Migräne nicht bewusst. Diese scheinbar unterschiedlichen Zustände sind durch eine komplexe Kette von physiologischen Reaktionen miteinander verbunden.

  • Nackenverspannungen und HWS-Dysfunktionen: Verminderte Beweglichkeit der oberen Halswirbelsäule beeinflusst die Schmerzverarbeitung im Hirnstamm. Die meisten Menschen neigen zum Beispiel beim Telefonieren und Radfahren dazu, das Kinn nach vorne zu drücken. Diese unnatürliche Haltung des Kopfes ist oftmals Grund für Verspannungen im Nacken und begünstigt eine Migräne-Attacke. Schon wieder ist der Nacken am Morgen verspannt? Kopfschmerz-Patienten schieben häufig exzessiv ihr Kinn nach vorne. Das wiederum hat zur Folge, dass Strukturen im Nacken eingeengt und verspannt werden.
  • Kiefergelenksprobleme (CMD): Knirschen oder Pressen kann Migräne triggern. Kiefergelenk: Fehlbelastungen (Knirschen, Pressen, CMD) können Migräne triggern.
  • Haltung und Arbeitsplatzbelastung: Statische Belastung und myofasziale Triggerpunkte wirken als Mitverursacher. In Deutschland, aber auch in allen anderen westlichen Industrienationen, bewegen sich die meisten Menschen insgesamt viel zu wenig. Durchschnittlich 9 Stunden der wachen Zeit verbringen die meisten von uns täglich im Sitzen. Der menschliche Körper aber ist nicht zum Dauersitzen gemacht. Ständiges Sitzen macht krank. Ein schlecht eingerichteter Arbeitsplatz mit einem zu hoch oder zu niedrig eingestellten Bildschirm, einem fürs Home-Office zweckentfremdeten Küchenstuhl oder anderweitig unpassenden Bürostuhl, zu wenig Auflagefläche für die Arm zur Bedienung der Maus und ungenügender Ausleuchtung. Auf Dauer entstehen dadurch - neben Rückenschmerzen - auch ausgeprägte Hals-, Nacken- und Schulterverspannungen bzw. Ähnlich negativ auf die Halsmuskulatur wirkt sich auch die Dauerbenutzung des Smartphones oder Tablets aus. Denn beim Blick auf Handy oder Tablet wird der Kopf leicht nach vorne und unten gerichtet - und zwar oft über lange Zeit. Für die empfindliche Hals- und Nackenmuskulatur aber bedeutet diese Stellung Schwerstarbeit. Weitere Fehlhaltungen, die häufig Hals-, Nacken- und Schulterverspannungen mit anschließenden Kopfschmerzen verursachen können, sind z. B.
  • Stress: Führt zu erhöhter Muskelspannung im Nacken-Schulter-Kieferbereich. Denn in druck- und angstbelasteten Situationen werden ausgleichende und gesundheitsfördernde Verhaltensweisen wie Sport- und Bewegungsprogramme oft vernachlässigt. Außerdem ziehen wir in solchen Situationen meist unbewusst die Schultern hoch und den Kopf ein.
  • Funktionsketten: Haltungsabweichung, blockierte HWS oder gestörte Kaumuskulatur beeinflussen sich gegenseitig - Irritationen des vegetativen Nervensystems können Schmerzreaktionen verstärken.

Psychische Verspannungen:

Psychische Belastungen wie Traumata, Trauer, Angst, Wut sowie finanzielle Sorgen und persönliche Konflikte werden vom Körper als Stress wahrgenommen. Dies kann zu muskulären Verspannungen führen. Emotional belastende Faktoren können wiederum Depressionen begünstigen. Nehmen die Schmerzen bei beruflichem Stress oder emotionaler Belastung zu, deutet dies auf eine psychische Verspannung hin.

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Triggerpunkte:

Nicht nur Menschen, die häufig unter anderen Kopfschmerzformen leiden, sondern auch Migräne-Patienten haben oft sogenannte Triggerpunkte in der Nackenmuskulatur. Im Alltag nehmen wir oftmals eine nach vorne gebeugte Haltung ein, welche die Brustmuskulatur auf Dauer verkürzt und die Schultermuskulatur überstrapaziert. Die dadurch entstehenden Verspannungen können wiederum eine Migräne-Attacke begünstigen. In den Tiefen unserer Muskulatur lauern unsichtbare Störenfriede, die das Potenzial haben, unseren Alltag auf den Kopf zu stellen: Triggerpunkte sind winzige "Knoten", die so harmlos erscheinen und doch ein Geflecht von Schmerzen und Beschwerden weben können. Triggerpunkte sind faszinierende, aber oft "heimtückische" Gebilde innerhalb der Muskulatur. Sie manifestieren sich als empfindliche, verdichtete Bereiche innerhalb eines Muskels und werden oft mit dem Bild eines „muskulären Knotens“ verglichen. Die Entstehung dieser Triggerpunkte kann vielfältige Ursachen haben. Oftmals entwickeln sie sich durch wiederholte oder anhaltende muskuläre Überlastungen. Chronischer Stress, Angstzustände oder tiefliegende emotionale Konflikte können zu anhaltenden Muskelverspannungen führen. Der Körper neigt dazu, Stress „in den Muskeln zu speichern”, was wiederum eine ideale Umgebung für die Entstehung dieser empfindlichen Punkte schafft. Triggerpunkte und Verspannungen sind eng miteinander verwoben, und oft ist es schwierig zu entscheiden, was zuerst kam: der Triggerpunkt oder die Verspannung. Triggerpunkte sind im Wesentlichen verdichtete, hyperirritierbare Stellen innerhalb eines Muskels. Wenn diese Punkte aktiv sind, können sie sowohl lokale als auch übertragene Schmerzen verursachen. Diese Schmerzreaktion führt oft zu einer unwillkürlichen Anspannung des Muskels als Schutzreaktion des Körpers.

Veränderungen im Nervensystem:

Verspannungen, insbesondere im Bereich des Nackens und des oberen Rückens, können zu Veränderungen im Nervensystem führen. Diese anhaltenden Verspannungen irritieren die Nerven, die den betroffenen Muskelbereich versorgen. Dies kann wiederum eine übermäßige Nervenaktivität oder eine gestörte Nervenfunktion hervorrufen.

Durchblutungsstörungen:

Verspannte Muskeln können die Blutzirkulation in den betroffenen Bereichen beeinträchtigen. Eine verminderte Blutversorgung bedeutet, dass weniger Sauerstoff und Nährstoffe die Zellen erreichen, was zu einer Ansammlung von Stoffwechselabfallprodukten führt. Diese Abfallprodukte können die umliegenden Blutgefäße reizen und dazu führen, dass sie sich verengen oder erweitern.

Verbindung des Trigeminusnervs mit dem Hinterhauptsnerv:

Dieses Phänomen lässt sich durch eine Verbindung des Trigeminusnervs, der bei Migräne besonders aktiviert ist, mit dem großen Hinterhauptnerv erklären, der im Hinterkopf und Nacken verläuft und unter anderem für die Wahrnehmung von Schmerzen im Nacken zuständig ist. Ist der Trigeminusnerv bei Migräne besonders aktiv, kann das über die Verbindung im Gehirn wiederum auch zu Nackenschmerzen sowie Nackenverspannungen führen, was dann wiederum zu Spannungskopfschmerzen führen kann.

Physiotherapeutische Behandlungsansätze

Die Physiotherapie leistet einen zentralen Beitrag zur nachhaltigen Linderung von Migräne und zur Prävention neuer Attacken - sowohl als eigenständige Therapie („Migräne ohne Medikamente“) als auch als Ergänzung zu ärztlicher Behandlung.

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  • Manuelle Therapie: Durch gezielte Mobilisation der Halswirbelsäule lassen sich Bewegungseinschränkungen lösen, muskuläre Verspannungen abbauen und Schmerzreize deutlich reduzieren. Studien zeigen, dass dies die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken senken kann. In der Physiotherapie setzen wir gezielt an diesen Strukturen an: Manuelle Techniken, Haltungsschulung, funktionelles Training und ggf. Zusammenarbeit mit Zahnärztinnen und Zahnärzten. In der manuellen Therapie setzt der Physiotherapeut gezielte Techniken ein, um Muskeln zu lockern, Gelenke zu mobilisieren und verspannte Bereiche zu entlasten. Bei Migränepatienten liegt der Fokus oft auf dem Nacken und der oberen Wirbelsäule, um den Druck auf die betroffenen Nerven zu verringern.
  • Kräftigungsübungen: Spezielle Übungen für die Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur sorgen für eine bessere Stabilität und beugen erneuten Verspannungen vor. Gerade für Patientinnen und Patienten, die ihre Migräne ohne Medikamente behandeln möchten, sind solche aktiven Ansätze entscheidend. Kräftigungsübungen für den Rücken und Nackenbereich sind essenziell. Physiotherapie und gezielte Trainingspläne können dabei helfen, muskuläre Dysbalancen zu korrigieren. Ein wichtiger Teil der Physiotherapie ist die Stärkung und Dehnung bestimmter Muskelgruppen, um langfristig Verspannungen vorzubeugen. Durch gezielte Übungen für den Nacken-, Schulter- und Rückenbereich können Patienten lernen, ihre Muskulatur zu entlasten und die Belastung auf den Kopf- und Nackenbereich zu reduzieren.
  • Entspannungsverfahren: Methoden wie progressive Muskelentspannung, Atemtechniken oder Yoga senken nachweislich das Migränerisiko, reduzieren Stress und helfen, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Da Stress einer der Hauptauslöser für Migräne und Muskelverspannungen ist, spielen auch Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen eine wichtige Rolle in der Physiotherapie. Wohltuende Körpertherapien wie Massagen oder Physiotherapie, aber auch Akupunktur können die Durchblutung der Muskulatur verbessern und so Verspannungen lösen. Zu Hause können Betroffene u. a. durch regelmäßige Anwendung von Techniken wie Progressive Muskelentspannung, autogenes Training und Yoga körperliche Verspannungen lindern und Muskeln effektiv lockern.
  • Triggerpunktbehandlung: Viele Migränepatienten haben sogenannte Triggerpunkte - besonders schmerzhafte, verhärtete Muskelstellen, die Schmerzen in andere Bereiche ausstrahlen können. Ein Physiotherapeut kann diese Punkte gezielt behandeln, um die Spannung zu lösen und den Schmerz zu lindern.
  • Lebensstilberatung: Physiotherapeutinnen und -therapeuten beraten zu einem gesunden Schlafrhythmus, regelmäßiger Bewegung und alltagstauglichen Strategien zur Stressbewältigung - alles zentrale Säulen zur Vorbeugung von Migräneattacken.

Unser Ansatz:

Wir legen besonderen Wert auf die aktive Mitarbeit unserer Patientinnen und Patienten. Ein Kopfschmerztagebuch, individuelle Trainingspläne und regelmäßige Reflexion helfen dabei, die eigenen Auslöser zu erkennen und zu vermeiden - für langfristigen Erfolg und mehr Lebensqualität.

Weitere Behandlungsansätze und Tipps:

  • Wärmeanwendungen: Legen Sie sich dazu ein gewärmtes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche für einige Minuten auf den Nacken. Die Wärme wirkt durchblutungsfördernd und spannungslösend auf die verkrampfte Muskulatur, so dass auch die Kopfschmerzen meist schon nach kurzer Zeit nachlassen.
  • Massage: Auch eine sanfte Massage kann helfen, die verspannte Muskulatur im Nackenbereich zu lockern. Schließen Sie dazu, wenn möglich, die Augen und legen den Kopf auf einer Auflage ab, um die verkrampfte Hals-, Nacken- und Schultermuskulatur zu entlasten.
  • Dehnübungen: Kreisen Sie dazu z. B. Neigen Sie anschließend den Kopf sanft zur Seite Richtung Schulter. Wenn Sie möchten, können Sie diese Bewegung sanft mit der Hand unterstützen. Halten Sie die Dehnung für ca. 10 - 30 Sekunden, wie es Ihnen angenehm ist und kehren dann wieder in die Ausgangsposition zurück. Wiederhohlen Sie die Bewegung auch auf der anderen Seite. Um die Nackenrückseite zu dehnen, senken Sie den Kopf langsam Richtung Brust. Auch hier können Sie die Bewegung durch Auflegen beider Hände rechts und links am Nacken sanft unterstützen. Achten Sie auf fließende und ruckfreie Bewegungen und halten Sie die Dehnung für ca. 30 Sekunden bzw. solange es sich für Sie noch angenehm anfühlt. Kehren Sie anschließend wieder in die Ausgangsposition zurück.
  • Schmerzmittel: Hier stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung. Zu den beliebtesten Schmerzmitteln gehören Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac und Naproxen. Für die akute Behandlung von Spannungskopfschmerzen in Verbindung mit Hals-, Schulter- und Nackenbeschwerden hat sich Ibuprofen besonders gut bewährt. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) empfiehlt unter anderem eine Einzeldosis von 400 mg als Mittel der 1. In Kombination mit medizinischem Coffein kann die bereits gute Wirksamkeit von Ibuprofen noch weiter gesteigert werden, wie eine klinischen Studie1 aus dem Jahr 2018 erwies.
  • Mehr Bewegung: Versuchen Sie sich insgesamt mehr zu bewegen. Benutzen Sie öfters mal die Treppe statt des Aufzugs oder auch mal das Fahrrad statt des Autos. Gehen Sie kurze Strecken öfters mal zu Fuß und treiben Sie regelmäßig Sport. Günstig sind sämtliche Ausdauersportarten wie Walken, Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren, aber auch Tanzen, Wandern oder Kraftsport sind geeignet, um die Muskulatur nachhaltig zu trainieren und damit Nackenverspannungen vorzubeugen. Wichtig ist die Regelmäßigkeit. Gezieltes Ausdauertraining kann Stresshormone abbauen und Verspannungen mindern.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Richten Sie Ihren Arbeitsplatz rückenfreundlich ein. Achten Sie dabei auf geeignete Tisch- und Sitzmöbel, die richtigen Abstände zum Bildschirm und eine gute Beleuchtung. Denken Sie dabei auch an Alternativen, wie etwa einen Steharbeitsplatz und sprechen Sie dazu auch Ihren Arbeitgeber an. Für Menschen, die viel Zeit am Schreibtisch verbringen, ist es entscheidend, auf eine ergonomische Arbeitsumgebung zu achten.
  • Stressabbau: Versuchen Sie Stress abzubauen bzw. zu lernen, im Alltag besser mit belastenden Situationen umzugehen. Hier können Entspannungstechniken, wie Yoga, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder auch Thai Chi helfen. Lokale Anbieter, Sportvereine und Volkshochschulen bieten hier oft geeignete und wohnortnahe Kurse an. Daneben werden auch immer mehr Online-Kurse angeboten, die örtlich unabhängig und oft zeitlich besonders flexibel genutzt werden können. In vielen Fällen werden die Kosten oder zumindest ein Teil davon auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Fragen Sie einfach mal bei Ihrer Krankenkasse nach. Methoden zur Stressbewältigung helfen, psychische Verspannungen und deren Symptome langfristig zu reduzieren. Dazu gehört, mehr auf sich selbst zu achten und Dauerstress abzubauen. Der beste Weg, um psychische Spannungen im Körper zu vermeiden, ist, dauerhaften Stress zu vermeiden.
  • Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR-Reha): Wer unter anhaltenden muskulären Verspannungen leidet und den Eindruck hat, dass Stress, innere Anspannung oder psychische Belastungen eine Rolle spielen, sollte frühzeitig handeln - besonders dann, wenn sich die Beschwerden durch Bewegung, Entspannungstechniken oder Alltagsveränderungen nicht nachhaltig bessern. In solchen Fällen kann eine verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR-Reha) helfen. Diese spezielle Rehaform verbindet körperliche Behandlungsmethoden mit psychologischer Unterstützung. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche gezielt zu behandeln, ungünstige Verhaltensmuster zu erkennen und langfristige Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Medikamentöse Behandlung

Für die Akuttherapie existieren wirkungsvolle Medikamente. Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol. Bei schweren Migräne-Attacken können so genannte Triptane angewandt werden. Schmerzmittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Arzneien gegen Übelkeit kombiniert werden, um solche häufigen Begleiterscheinungen der Migräne zu lindern. Triptane sollten pro Monat nicht öfter als 10 Mal angewendet werden.

Falls mehr als drei Attacken im Monat auftreten oder die Attacken jeweils sehr lange dauern kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Etabliert für die medikamentöse Migräneprophylaxe sind u.a. Betablocker und das Epilepsiemedikament Topiramat. In Zukunft wird möglicherweise eine neue Generation von Substanzen, so genannte monoklonale Antikörper, für die Migränetherapie zur Verfügung stehen.

Prognose bei Migräne

Mit einer individuell angepassten Therapie, die sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze umfasst, kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken deutlich reduziert werden.

Fazit

Ein multidisziplinärer Ansatz, der physiotherapeutische Maßnahmen einschließt, bietet eine effektive Möglichkeit, Migräne ganzheitlich zu behandeln. Achtung! Migräne und Rückenschmerzen sollten nicht isoliert betrachtet werden. Verspannungen, Fehlhaltungen und Stress wirken als Verstärker oder sogar als Ursache für migräneartige Beschwerden.

Migräne im Griff - mit Bewegung, Balance und Bewusstsein

Die Verbindung zwischen Migräne und Muskelverspannungen ist komplex, aber unverkennbar. Moderne Physiotherapie bietet effektive Lösungen, um diesen Zusammenhang zu entschärfen. Durch gezielte manuelle Techniken, Triggerpunktbehandlungen, Kräftigungsübungen und Entspannungstechniken können Betroffene nicht nur ihre Verspannungen lösen, sondern auch langfristig die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken reduzieren.

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