Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, begleitet von Symptomen wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen. Die Therapie der Migräne ist ein komplexes Feld, das sowohl akut wirksame Medikamente als auch präventive Maßnahmen umfasst, um die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Therapieansätze, einschließlich medikamentöser und nicht-medikamentöser Behandlungen sowie innovativer Verfahren wie Botox-Injektionen und Biofeedback.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Bekannt ist, dass bestimmte Auslöser Migräneanfälle provozieren können. Zu diesen Auslösern zählen Stress, Veränderungen im Schlafrhythmus, bestimmte Nahrungsmittel und Getränke, hormonelle Schwankungen, Wetteränderungen und Sinnesreize wie helles Licht oder starke Gerüche. Die Vermeidung dieser Auslöser kann dazu beitragen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
Akuttherapie von Migräne
Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome während eines Migräneanfalls zu lindern. Hierzu werden in der Regel Schmerzmedikamente eingesetzt. Zu den gängigen Schmerzmitteln gehören nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen sowie Triptane, die speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Triptane wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren. Bei Übelkeit und Erbrechen können zusätzlich Antiemetika eingenommen werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass Schmerzmedikamente bei übermäßigem Gebrauch zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz führen können. Daher sollten sie nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden.
Präventive Behandlung von Migräne
Die präventive Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren. Sie kommt in Betracht, wenn die Anfälle häufig auftreten oder die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Es gibt verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Optionen für die Migräneprophylaxe.
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Medikamentöse Prophylaxe
Zu den Medikamenten, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, gehören:
- Beta-Blocker: Metoprolol und Propranolol
- Kalziumkanalblocker: Flunarizin
- Antiepileptika: Topiramat, Valproinsäure
- Trizklykische Antidepressiva: Amitriptyllin
- Serotonin-Antagonisten:
- CGRP-Antikörper: Erenumab (Handelsname: Aimovig)
Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und individuellen Bedürfnissen des Patienten.
Nicht-medikamentöse Prophylaxe
Neben Medikamenten gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die zur Migräneprophylaxe beitragen können:
- Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, autogenes Training
- Akupunktur
- Chirotherapie mit Triggerpunktbehandlungen
- Sportliche Betätigung: Ausdauertraining
- Biofeedback
- Verhaltenstherapie
- Therapeutische Lokalanästhesie
Innovative Therapieansätze
Neben den etablierten Behandlungsmethoden gibt es auch innovative Therapieansätze, die bei der Behandlung von Migräne eingesetzt werden können.
Migräne-Botox® (Botulinumtoxin A)
Botox®, auch Botulinumtoxin genannt, wird seit vielen Jahren erfolgreich in der ästhetischen Medizin eingesetzt, insbesondere zur Reduktion von Falten. Botox gegen Migräne und chronischen Kopfschmerzen wirkt durch die Blockierung bestimmter chemischer Signale wie Acetylcholin, die an der Übertragung von Schmerzsignalen beteiligt sind. Wenn Botox gegen Migräne in bestimmte Kopf- und Nackenmuskeln injiziert wird, verhindert es die Freisetzung dieser schmerzverursachenden Chemikalien und reduziert somit die Häufigkeit und Schwere der Migräneanfälle.
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Die Behandlung mit Migräne-Botox® erfolgt in Form von Injektionen an bestimmten Stellen des Kopfes, Gesichts und Nackens. Stirn, Zornesfalte, Krähenfüße, Schläfen/Temporalregion und Nacken sind typische Stellen, in denen das Botox® injiziert wird. Insgesamt werden etwa 31 Injektionen an 7 Hauptbereichen durchgeführt, um optimal die Dosierung von Botulinumtoxin A zu verteilen. Die Injektionen sind in der Regel gut verträglich und die meisten Patienten berichten nur von minimalem Unbehagen.
Die Wirkung von Migräne-Botox® kann von Person zu Person variieren. In der Regel kann die Wirkung von Migränebotulinum zwischen 3 und 12 Monate anhalten. Um die Wirkung aufrechtzuerhalten, sind regelmäßige Auffrischungstermine erforderlich. Die Botox-Behandlung gegen Migräne muss alle 12 Wochen wiederholt werden, um die besten Ergebnisse hinsichtlich der Vorbeugung von Migräneattacken zu erzielen.
Die Botox-Therapie zur Behandlung von chronischer Migräne ist für Patienten geeignet, die an mindestens 15 Tagen pro Monat unter Kopfschmerzen leiden, von denen mindestens acht Tage Migräneanfälle sind. Es ist wichtig, dass die Diagnose einer chronischen Migräne von einem Arzt gestellt wird, bevor eine Botox-Behandlung in Erwägung gezogen wird.
Wie bei jeder medizinischen Behandlung gibt es aber auch bei Migränebotulinum mögliche Risiken und Nebenwirkungen. Dazu zählen vorübergehende Rötungen, Schwellungen oder blaue Flecken an den Injektionsstellen sowie Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Die meisten Nebenwirkungen sind jedoch mild und verschwinden innerhalb weniger Tage nach der Behandlung. Langzeitfolgen sind nicht bekannt.
Die Übernahme der Kosten für die Botox Therapie gegen Migräne durch die Krankenkasse ist in Deutschland möglich, wenn bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sind. In allen Fällen ist eine Genehmigung vor Behandlungsbeginn notwendig.
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Biofeedback und Neurofeedback
Biofeedback und Neurofeedback sind innovative Verfahren, die uns helfen, körperliche und geistige Prozesse besser zu verstehen und zu kontrollieren. Durch den Einsatz modernster Technik können wir physiologische Signale wie Herzfrequenz, Hautleitfähigkeit und Muskelspannung in Echtzeit messen und visualisieren. Neurofeedback geht noch einen Schritt weiter, indem es die Gehirnaktivität überwacht und trainiert.
Als nebenwirkungsarme Verfahren in der vorbeugenden Behandlung der Migräne ist Biofeedback zu nennen.
Procain Basen Infusionen
Wenn schulmedizinische Verfahren keinen ausreichenden Erfolg zeigen oder diese Therapieverfahren nicht gewünscht sind, können Procain Basen Infusionen als off label Behandlung durchgeführt werden.
Antikörper gegen CGRP
Wenn alle die vorgenannten Verfahren keinen ausreichenden Erfolg zeigen, kann seit Ende 2019 auf die Option der Anwendung von Antikörpern gegen CGRP Z.B. Erenumab ( Handelsname: Aimovig ) bei Migräne, die bestimmte Kriterien erfüllen muß, zurückgegriffen werden, obwohl die Kosten für die Behandlung 1x monatlich sehr hoch sind.
Diagnostik von Migräne und anderen Kopfschmerzformen
Eine sorgfältige Diagnostik ist entscheidend, um die richtige Therapie für Migräne und andere Kopfschmerzformen festzulegen. Neben der Anamnese und der körperlichen Untersuchung können verschiedene apparative Verfahren zum Einsatz kommen:
- Elektroenzephalografie (EEG): Ableitung der Hirnströme, um abnormale Hirnaktivität festzustellen.
- Doppler- und Duplexsonographie: Untersuchung der Blutströmung in den zum Gehirn führenden Blutgefäßen, um Engstellen oder Verschlüsse zu erkennen.
- Evozierte Potentiale (SEP, VEP): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um Schädigungen der Nervenbahnen festzustellen.
- Lumbalpunktion: Gewinnung von Nervenwasser zur Untersuchung auf Entzündungen oder andere Erkrankungen des Nervensystems.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Schichtbildgebung des Gehirns, um strukturelle Veränderungen oder Tumore auszuschließen.
Spezialisierte Versorgung in Konstanz und Umgebung
Für Patienten in Konstanz und Umgebung stehen spezialisierte Einrichtungen zur Verfügung, die eine umfassende Diagnostik und Therapie von Migräne und anderen neurologischen Erkrankungen anbieten.
- Klinik in der Konstanzer Bucht: Behandlung neurologischer Patient:innen in den Phasen C und D/E, mit Schwerpunkt auf der Förderung der Alltagskompetenzen und der beruflichen Wiedereingliederung.
- Aesthetify by DR. RICK & DR. NICK: Experten auf dem Gebiet der ästhetischen Behandlungen mit Botox®, einschließlich der Migräne-Botox®-Therapie.
- Schmerztherapie Hochrhein: Regionales Schmerzzentrum in Kooperation mit der Universitätsklinik Freiburg, Ansprechpartner im südbadischen Raum zwischen Freiburg, Basel und Zürich, zuständig für die Landkreise Lörrach und Waldshut.
- MVZ: Zertifiziertes MS-Zentrum gemäß der Anerkennungskriterien der Deutschen Multiple Sklerose-Gesellschaft (DMSG).
- Klinikum Konstanz: Neurologische und psychiatrische Mitbetreuung im neurologischen Konsildienst, zertifizierte Stroke Unit zur Behandlung von Schlaganfällen.