Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen sind meist pulsierend oder pochend und können von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Migräneattacken können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und den Alltag stark einschränken.
Formen der Migräne
Mediziner unterscheiden zwei Hauptformen der Migräne:
- Migräne ohne Aura: Diese Form der Migräne beginnt häufig langsamer als die Migräne mit Aura, dauert länger an und beeinträchtigt die Patienten mehr.
- Migräne mit Aura: Bei dieser Form treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden.
Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten sind von der Migräne mit Aura betroffen.
Ursachen der Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Menschen mit Migräne haben wahrscheinlich eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde. Im Rahmen einer Attacke kommt es zu einer verstärkten Erregung von Nervenzellen, insbesondere des Trigeminusnervs, der für die Schmerzwahrnehmung im Gesicht hauptverantwortlich ist.
Mögliche Auslöser (Trigger)
Bestimmte Faktoren können Migräneattacken auslösen oder begünstigen. Diese sogenannten Trigger sind individuell verschieden. Zu den häufigsten Triggern gehören:
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- Stress: Sowohl akuter als auch chronischer Stress kann Migräneattacken auslösen.
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Schwankungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren Migräneattacken auslösen.
- Schlafstörungen: Unregelmäßiger Schlaf, Schlafmangel oder zu viel Schlaf können Migräneattacken begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke wie Alkohol, Käse, Schokolade oder Zitrusfrüchte können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen. Auch unregelmäßige Mahlzeiten oder Unterzuckerung können Trigger sein.
- Wetterumschwünge: Veränderungen des Luftdrucks, der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Gerüche: Starke oder ungewohnte Gerüche wie Parfüm, Rauch oder Chemikalien können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Reizüberflutung: Helles Licht, laute Geräusche oder starke visuelle Reize können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
Es ist hilfreich, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, um die individuellen Trigger zu identifizieren.
Genetische Veranlagung
Es gibt eine familiäre Veranlagung für Migräne. Das bedeutet, dass Menschen, deren Familienmitglieder an Migräne leiden, ein höheres Risiko haben, selbst an Migräne zu erkranken.
Symptome der Migräne
Die Symptome der Migräne können von Mensch zu Mensch variieren. Typische Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Die Kopfschmerzen sind meist einseitig, pulsierend oder pochend und von mittlerer bis starker Intensität. Sie können sich bei körperlicher Aktivität verstärken. Die Schmerzseite kann von Attacke zu Attacke wechseln.
- Übelkeit und Erbrechen: Viele Menschen mit Migräne leiden unter Übelkeit und Erbrechen.
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Während einer Migräneattacke sind viele Menschen sehr empfindlich gegenüber Licht und Geräuschen.
- Aura: Bei manchen Menschen treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Die Aura kann sich in Form von Sehstörungen (z. B. Flimmern, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle),Sensibilitätsstörungen (z. B. Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen äußern. Die Aura-Anzeichen entwickeln sich meist über einen Zeitraum von 5 bis 10 Minuten und halten typischerweise etwa 15 bis 30 Minuten an.
Phasen einer Migräneattacke
Eine Migräneattacke lässt sich meist in drei bis vier Phasen einteilen:
- Prodromalphase (Vorboten): Viele Patienten berichten über Anzeichen, die schon einen Tag zuvor die nächste Migräneattacke ankündigen können. Dem Schmerz gehen dann Hochstimmungen oder das Gefühl einer besonderen Leistungsfähigkeit voraus. Andere leiden unter einer vermehrten Gereiztheit oder unter depressiven Verstimmungen.
- Auraphase: Bei ca. 10 bis 15% der Patienten folgt auf die Prodromalphase eine Aura, bevor die eigentliche Kopfschmerzphase erreicht wird.
- Kopfschmerzphase: Der meist mittlere bis starke Kopfschmerz wird als pulsierend, pochend oder stechend empfunden. Er beginnt in der Regel auf einer Seite und breitet sich auf Stirn, Schläfe und Augenbereich aus. Er kann sich später auf die andere Kopfseite ausdehnen. Etwa jeder fünfte Patient hat Kopfschmerzen auf beiden Seiten. Die Schmerzen treten nicht immer auf der gleichen Seite auf, vielmehr kann die Schmerzseite von Attacke zu Attacke wechseln. Eine Migräneattacke dauert zwischen 4 bis 72 Stunden an. Typischerweise treten bei einer Migräne neben den Kopfschmerzen, fast immer Appetitlosigkeit sowie in vielen Fällen Übelkeit (80%) Erbrechen (40 bis 50%), Lichtempfindlichkeit (60%), Lärmempfindlichkeit (50%) bzw. Empfindlichkeiten gegen Gerüche (10%) auf.
- Postdromalphase (Erholungsphase): Am Ende der Kopfschmerzphase ändert sich der pulsierende Charakter oft zu einem gleichbleibenden Schmerz. Es folgt häufig eine Schlafphase, mit der die Migräneattacke abklingt. Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.
Nicht jeder Patient durchläuft alle diese Phasen.
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Diagnose der Migräne
Die Diagnose der Migräne wird in der Regel anhand der Anamnese (Krankengeschichte) und der Beschreibung der Symptome gestellt. Der Arzt wird Fragen zu den Kopfschmerzen, den Begleiterscheinungen, den möglichen Auslösern und der familiären Vorbelastung stellen. Eine körperliche Untersuchung und neurologische Tests können durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein.
Behandlung der Migräne
Die Behandlung der Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze:
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Symptome einer akuten Migräneattacke zu lindern. Dazu können folgende Medikamente eingesetzt werden:
- Schmerzmittel: Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen.
- Triptane: Triptane sind spezielle Migränemittel, die bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen hemmen.
- Mittel gegen Übelkeit: Antiemetika wie Metoclopramid oder Dimenhydrinat können bei Übelkeit und Erbrechen helfen.
Es ist wichtig, die Medikamente so früh wie möglich nach Beginn der Migräneattacke einzunehmen, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.
Vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)
Die vorbeugende Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Sie kommt infrage, wenn die Migräneattacken sehr häufig sind, die Lebensqualität stark beeinträchtigen oder die Akutbehandlung nicht ausreichend wirksam ist. Folgende Medikamente können zur Vorbeugung eingesetzt werden:
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- Betablocker: Betablocker wie Propranolol oder Metoprolol können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Kalziumkanalblocker: Kalziumkanalblocker wie Flunarizin können ebenfalls die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin oder Venlafaxin können bei der Vorbeugung von Migräne helfen.
- Antiepileptika: Antiepileptika wie Topiramat oder Valproinsäure können ebenfalls zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden.
- CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die speziell für die Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Sie blockieren die Wirkung von CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), einem Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Vorbeugung von Migräne beitragen:
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf regelmäßige Schlafzeiten und ausreichend Schlaf.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Vermeiden Sie unregelmäßige Mahlzeiten und Unterzuckerung.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga, um Stress abzubauen.
- Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Vermeidung von Triggern: Identifizieren Sie Ihre individuellen Trigger und versuchen Sie, diese zu vermeiden.
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der Sie lernen, Körperfunktionen wie Muskelspannung oder Herzfrequenz bewusst zu beeinflussen. Dies kann bei der Migräneprophylaxe helfen.
- Psychologische Schmerztherapie: Eine psychologische Schmerztherapie kann Ihnen helfen, besser mit Ihren Schmerzen umzugehen und Ihre Lebensqualität zu verbessern.
Alternative Behandlungsansätze
Einige Menschen mit Migräne profitieren von alternativen Behandlungsansätzen wie Akupunktur, Homöopathie oder pflanzlichen Arzneimitteln. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Spezielle Formen der Migräne
Es gibt einige spezielle Formen der Migräne, die besondere Behandlungsansätze erfordern:
- Menstruelle Migräne: Diese Form der Migräne tritt im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auf. Sie kann mit langwirksamen Schmerzmitteln wie Naproxen oder Triptanen behandelt werden. In manchen Fällen kann auch eine Hormontherapie sinnvoll sein.
- Vestibuläre Migräne: Bei dieser Form der Migräne stehen Schwindelattacken im Vordergrund. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Medikamenten gegen Schwindel und Übelkeit.
- Chronische Migräne: Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn die Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen pro Monat über mehr als drei Monate auftreten. Die Behandlung der chronischen Migräne ist komplex und erfordert oft eine Kombination aus Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen.
- Status migraenosus: Mit diesem Begriff bezeichnet man Migräneattacken, die aus welchen Gründen auch immer länger als 72 Stunden anhalten. Daher gilt die generelle Empfehlung, ab dem vierten Tage einer Migräne auf Schmerzmittel und Triptane zu verzichten. Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, die schnellste Art aus dem Status migraenosus herauszukommen, ist in dieser keine Akutmedikation wie Schmerzmittel oder Triptane mehr einzunehmen, die man bereits vorher eingenommen hat. Zielführender sind Medikamente gegen Übelkeit. Das rezeptfrei erhältliche Dimenhydrinat, u.a. unter dem Handelsnamen Vomex® A bekannt, bietet jetzt gegenüber MCP den Vorteil einer zusätzlich leicht müde machenden Wirkung. Diesen sogenannten sedierenden Effekt erreicht man auch mit schwach wirksamen Neuroleptika wie Promethazin oder Melperon, mit trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin, Doxepin oder Trimipramin. Im Ausnahmefall kann auch ein Beruhigungsmittel wie Diazepam erwogen werden, diese sollten jedoch wegen der möglichen Gewöhnungsproblematik sehr zurückhaltend eingesetzt werden.
Migräne mit Aura: Besonderheiten
Bei der Migräne mit Aura treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Die Aura kann sich in Form von Sehstörungen (z. B. Flimmern, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle), Sensibilitätsstörungen (z. B. Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen äußern. Die Aura-Anzeichen entwickeln sich meist über einen Zeitraum von 5 bis 10 Minuten und halten typischerweise etwa 15 bis 30 Minuten an.
Die Behandlung der Migräne mit Aura erfolgt in der Regel wie bei der Migräne ohne Aura. Allerdings sollten Triptane nicht während der Aura eingenommen werden, da einige Studien darauf hinweisen, dass sie in dieser Phase möglicherweise nicht optimal wirken. Zur Vorbeugung von Migräne mit Aura haben sich vor allem die Medikamente Lamotrigin, Flunarizin und Topiramat bewährt.
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, die individuellen Trigger zu identifizieren und eine geeignete Behandlung zu finden. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Arzt und anderen Fachleuten ist dabei entscheidend.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre individuellen Trigger zu identifizieren.
- Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und ausreichend Schlaf.
- Essen Sie regelmäßig und vermeiden Sie Unterzuckerung.
- Treiben Sie regelmäßig Ausdauersport.
- Erlernen Sie Entspannungstechniken, um Stress abzubauen.
- Vermeiden Sie Ihre individuellen Trigger.
- Sorgen Sie für eine gute Work-Life-Balance.
- Suchen Sie sich Unterstützung bei anderen Betroffenen oder in einer Selbsthilfegruppe.