Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, die durch wiederkehrende, meist einseitige und pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Migräne geht oft mit Begleitsymptomen wie Lichtempfindlichkeit (Photophobie), Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) und Geruchsempfindlichkeit (Osmophobie) einher. Übelkeit und Erbrechen können ebenfalls auftreten, und körperliche Aktivität verschlimmert die Beschwerden meist. Ein besonderes Merkmal ist die Migräne mit Aura, bei der neurologische Ausfälle vor oder während des Kopfschmerzes auftreten können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Migräne mit Aura, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere aus der Sicht eines Neurologen in Wiesbaden.
Häufigkeit und Ursachen
Migräne tritt besonders häufig bei Frauen auf: Sie sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. In Europa leiden etwa 3-4 % der Menschen an chronischer Migräne. Die Erkrankung entwickelt sich meist im jungen Erwachsenenalter und begleitet viele Betroffene über Jahre hinweg. Auch Kinder können unter Migräne leiden. Vor der Pubertät sind etwa 4-5 % der Kinder betroffen, Jungen und Mädchen gleichermaßen. In der Pubertät steigt die Häufigkeit an, besonders bei Mädchen. Bereits im Vorschulalter sind 20 % der Kinder betroffen, bis zum Ende der Grundschulzeit mehr als die Hälfte. Eine Untersuchung mit fast 7000 Schülern belegt, dass bis zum 12. Lebensjahr rund 90 % der Kinder Kopfschmerzerfahrung haben.
Die genauen Ursachen der Migräne sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch von einer genetischen Veranlagung und einer gestörten Reizverarbeitung im Gehirn aus. „Etwa zwei Drittel der Migränepatienten haben weitere betroffene Familienmitglieder, wobei die Genetik bei der Migräne mit Aura eine größere Rolle zu spielen scheint als bei der Migräne ohne Aura“, so Gaul weiter. Insgesamt handele es sich bei der Migräne um eine komplexe genetische Erkrankung. Bei der Migräne mit Aura gäbe es ganz spezielle Sonderformen wie die familiäre hemiplegische Migräne, bei der wir tatsächlich eindeutige Gene kennen, bei denen genetische und klinische Subtypen klassifiziert würden. Diese seien, so Gaul, aber sehr selten. Bei diesen Patienten hätten mehrere Familienmitglieder im Zusammenhang mit der Migräne Attacken einer halbseitigen Lähmung wie bei einem Schlaganfall, die sich vollständig wieder zurückbilde.
Weitere Faktoren, die Migräne auslösen können, sind:
- Hormonelle Schwankungen
- Bestimmte Nahrungsmittel, insbesondere tyraminhaltige. Tyramin entsteht bei der Zersetzung von Eiweißen und ist häufig natürlicher Begleitstoff von Nahrungsmitteln, zu deren Fertigung Schritte wie Gärung oder Fermentation gehören, so z. B. viele Käsesorten oder Schokolade.
- Reizüberflutung durch z.B. Psychische Belastung, z.
Symptome der Migräne mit Aura
Ein Migräneanfall dauert vier bis 72 Stunden, Kinder können allerdings auch Anfälle von nur zwei Stunden erleben. „Die meisten Anfälle haben die Patienten in Zeiten der höchsten privaten und beruflichen Belastung, also zwischen dem 20. und dem 45. Lebensjahr. Danach wird die Migräne langsam weniger und kann sogar ganz verschwinden“, so der Migränespezialist. In den Wechseljahren nimmt die Migräne bei Frauen häufig nochmal zu und wird erst danach deutlich besser.
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Die Aura ist ein neurologisches Phänomen, das der Migräneattacke vorausgehen oder sie begleiten kann. „Etwa 15 Prozent aller Migränepatienten berichten über Auren. Ausgelöst wird die Aura durch eine über die Hirnoberfläche wandernde Erregungswelle, die die Funktion der Nervenzellen stört“, so der Neurologe Dr. Gaul.
Typische Symptome einer Aura sind:
- Visuelle Störungen: Visuelle Störungen wie Gesichtsfeldausfälle (Skotome), die als sogenannte Fortifikationen bezeichnet werden, äußern sich im Verlust des räumlichen Sehens sowie in Unschärfe bis hin zu einem halbseitigen Sehverlust. Dazu gehören Flimmersehen oder Lichtblitze vor den Augen.
- Sensibilitätsstörungen: Sensibilitätsstörungen, wie der Verlust der Berührungsempfindung oder Kribbelempfindungen in den Armen, Beinen und im Gesicht („Wandern“ der Störung). Auch bei Kindern kann es kurz vor einer Attacke zu neurologischen Ausfällen, der so genannten Aura, kommen. Dazu gehören Gefühlsstörungen in Händen und Armen oder Sprachstörungen.
- Sprachstörungen: (aphasische Aura, Anm. d.
- Andere neurologische Ausfälle: Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen oder andere neurologische Ausfälle können ebenfalls auftreten.
Das dynamische Auftreten der Symptome ist neben dem langsamen Einsetzen und Abklingen das Unterscheidungskriterium zu anderen neurologischen Erkrankungen, insbesondere gegenüber dem Schlaganfall. Migränepatienten mit Aura haben ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko, insbesondere wenn weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Pille bestehen.
„In aller Regel tritt die Aura vor dem Migränekopfschmerz auf und dauert zwischen 15 und 60 Minuten an“, erklärt Dr. Gaul. Ein Sonderfall ist die isolierte Aura. Hierbei kommt es zu sogenannten „Auraphasen“, ohne dass nachfolgende Kopfschmerzen auftreten. Typisch für die Aura ist, dass die Symptome langsam entstehen: Zum Beispiel kann sich ein Flimmern in einer Ecke des Gesichtsfeldes dann über mehrere Minuten ausbreiten.
Migräne bei Kindern
Auch bei Kindern tritt Migräne auf, oft mit ähnlichen Symptomen wie bei Erwachsenen. Unter den chron. Bei den Migräne-typischen Begleiterscheinungen (Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit) stehen vor allem Übelkeit und Erbrechen bei Kindern häufig im Vordergrund. Schwindelattacken mit Übelkeit und Erbrechen, ohne Kopfschmerzen.
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Diagnose der Migräne mit Aura
Die Diagnose wird durch eine sorgfältige Befragung von Kind und Eltern, eine neurologische Untersuchung und des EEG gestellt. Ein Schlaganfall muss hier gegebenenfalls differentialdiagnostisch abgeklärt werden. Im Einzelfall kann es notwendig sein, zusätzliche Untersuchungen wie eine Kernspintomographie - wenn vorhanden in einer stroke-unit - durchzuführen, um die Symptomatik klar unterscheiden zu können. Bei einer typischen Schilderung einer Migräneaura seien spezielle Untersuchungen jedoch nicht notwendig, so Dr.
Wichtig ist die Abgrenzung von anderen Kopfschmerzarten wie dem Spannungskopfschmerz. Der Spannungskopfschmerz tritt eher langsam zunehmend im Laufe des Tages auf und hat keine Aura und auch nicht den plötzlichen Beginn einer Migräne. Dafür hält er oft länger an. Die Migräne-typischen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit fehlen.
Behandlungsmethoden
Migräne ist bislang nicht heilbar, kann jedoch durch gezielte Therapien gut behandelt und kontrolliert werden. Eine frühzeitige Diagnose und ein individuell abgestimmter Therapieplan helfen, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren. Die Behandlung von Kopf- und Gesichtsschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. In den medizinischen Einrichtungen von Asklepios werden verschiedene bewährte Therapiemethoden angeboten, um Patient:innen Linderung zu verschaffen.
„Eine Akutbehandlung einer Aura ist nicht möglich. Durch vorbeugende Maßnahmen, die die Migränehäufigkeit senken, lässt sich auch die Aura reduzieren. Vorbeugende Medikamente haben bei der Migräne auch Einfluss auf die Aura, wobei einige von ihnen besonders gut wirken.“
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung ist eine der häufigsten Methoden zur Linderung von Kopf- und Gesichtsschmerzen.
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- Akuttherapie: Bei stärkeren Kopfschmerzen vom Spannungstyp oder leichteren Migräneattacken können klassische Analgetika wie Ibuprofen oder ASS eingesetzt werden. Bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken werden oft Triptane eingesetzt, die spezifisch auf die Attacken wirken und Symptome wie Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit reduzieren können.
- Prophylaxe: Bei Migräne und Clusterkopfschmerz kommt der medikamentösen Prophylaxe eine wichtige Bedeutung zu. Einige pflanzliche Präparate (Phytotherapeutika wie Mutterkraut, Pestwurz), aber auch ein homöopathisches Komplex-Medikament sind bezüglich ihrer kopfschmerzprophylaktischen Wirkung in Studien untersucht worden und konnten ihre Wirkung belegen. Magnesium, Coenzym Q10 und Vitamin B2 (Riboflavin) spielen eine Rolle in der Energiebereitstellung der Zelle (mitochondrialer Stoffwechsel). Auch für diese Substanzen konnte die migräneprophylaktische Wirkung in Studien gezeigt werden.
Weitere Behandlungsmethoden
- Botulinumtoxin: Die Ursachen und Hintergründe der Migräne sind individuell sehr unterschiedlich und häufig noch nicht einmal explizit benennbar. Einer der Hauptgründe der Kopfschmerzen bei Migräne-Patienten ist der Spannungskopfschmerz. Durch einen Dauerkrampf der Gesichts-, Kopf- und Halsmuskulatur entstehen zunehmend starke Kopfschmerzen. Botulinumtoxin wirkt auf die Muskulatur entspannend, so dass diese Muskeln sich nicht mehr verkrampfen können, obwohl die Muskeln vom Körper die Signale erhalten zu verkrampfen und Kopfschmerzattacken hervorzurufen. Somit wirkt Botulinumtoxin auf die behandelte Muskulatur beruhigend und entkrampfend, so dass diese Muskeln sich nicht mehr so stark zusammenziehen können. Bereits seit vielen Jahrzehnten wird Botulinumtoxin unter verschiedensten Handelsnamen vor allem in der Neurologie verwendet. Im Besonderen werden Muskelverkrampfungen und -verspannungen mit Botulinumtoxin entspannt und reduziert, wie zum Beispiel beim Schiefhals. Je nach Hersteller wird das Arzneimittel Botulinumtoxin unter den Handelsnamen mit Markenrecht wie BOTOX, Vistabel, Bocouture, Dysport oder Azzalure vermarktet. Wie jedes Arzneimittel hat auch Botulinumtoxin Nebenwirkungen und Risiken, die in geübten und erfahrenen Händen selten Komplikationen hervorrufen. Die Anatomie, Muskelaktivität und die Vorstellung der Patienten haben die höchste Priorität, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Hierbei sollen gewebeschonend, langanhaltend und effektiv die lästigen Kopfschmerzen reduziert werden. Ihre Wünsche werden im Detail im persönlichen Gespräch mit Frau Dr. Die individuelle Behandlung der Migräne-Kopfschmerzen kann ambulant und ohne Betäubung durchgeführt werden. Hierzu wird die betroffene Haut desinfiziert und entsprechend Ihrer Muskelaktivität von der erfahrenen Spezialistin Dr. Tabar die erforderliche Botulinumtoxin-Unterspritzung mit sehr feinen und dünnen Nadeln durchgeführt. Botulinumtoxin wirkt individuell unterschiedlich. Den Wirkungseintritt sieht man nach wenigen Tagen. Nach ungefähr 10-14 Tagen ist bereits die volle Wirkung der Botulinumtoxin-Behandlung eingetreten. Folgebehandlungen können nach Abklingen der Botulinum-Wirkung unbedenklich fortgesetzt werden. Wie alle Arzneimittel weist auch Botulinumtoxin Nebenwirkungen und Risiken auf. Doch die häufigsten Komplikationen sind jene, welche durch eine unsachgemäße Behandlung hervorgerufen wird, wie z.B. Frau Dr. Mit besonderer Hingabe hat sich Frau Dr.
- Mikrovaskuläre Dekompression (MVD): Die mikrovaskuläre Dekompression (MVD) ist ein chirurgisches Verfahren, das bei Patient:innen mit Trigeminusneuralgie angewendet wird, wenn ein Gefäß-Nerven-Kontakt (neurovaskuläre Kompression) als Ursache identifiziert wurde. Bei diesem Eingriff werden Blutgefäße, die auf den Trigeminusnerv drücken, vorsichtig verlagert, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
- Perkutane Verfahren: Perkutane Verfahren wie die Thermokoagulation nach Sweet oder die Glyzerinrhizolyse sind minimalinvasive Behandlungsmethoden, die bei Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können.
- Stereotaktische Radiochirurgie: Die stereotaktische Radiochirurgie ist eine nicht-invasive Behandlungsoption, die insbesondere für Patient:innen in Frage kommt, die für eine Operation nicht geeignet sind oder diese ablehnen. Mithilfe von hochpräziser Strahlung wird der betroffene Bereich des Nervs behandelt, um die Schmerzsignale zu reduzieren.
- Supportive Therapien: Neben den genannten Behandlungsmethoden spielen supportive Therapien eine wichtige Rolle. Dazu gehören Physiotherapie, Entspannungsverfahren und psychologische Schmerztherapie.
Selbsthilfemaßnahmen
Zusätzlich zu den medizinischen Behandlungen können Betroffene auch selbst aktiv werden, um die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle zu reduzieren:
- Beobachten Sie sich selbst.
- Vermeiden Sie die Auslösefaktoren für Ihre Schmerzattacken.
- Erlernen Sie Methoden der Stressbewältigung.
- Machen Sie Entspannungsübungen. Hier bieten sich viele Praktiken wie zum Beispiel Progressive Muskeltiefenentspannung nach Jacobson, Biofeedback, Autogenes Training, fernöstliche Praktiken wie Qi-Gong und Meditation an.
- Bewegen Sie sich regelmäßig.
- Gönnen Sie sich etwas Gutes wie einen Theater-, Konzert-, Kinobesuch oder lassen Sie sich mit einem Wellness-Tag verwöhnen. Auch ein ausgiebiger Plausch mit der besten Freundin kann Ihnen Freude machen.
- Finden Sie die richtige Einstellung zu Ihrer Migräne.
Die Rolle der Neurologie in Wiesbaden
In Wiesbaden gibt es spezialisierte Neurologen, die eine umfassende Betreuung von Migränepatienten anbieten. Diese umfasst die Diagnosestellung, die Entwicklung eines individuellen Therapieplans und die Begleitung der Patienten während der Behandlung.
Auswirkungen der Migräne auf den Alltag
Migräne wirkt sich nicht nur auf die körperliche Gesundheit aus, sondern beeinträchtigt auch den Alltag der Betroffenen erheblich. Sie führt häufig zu einer verminderten Leistungsfähigkeit in Beruf und Schule, was die persönliche und berufliche Entwicklung einschränken kann. Zusätzlich verursacht die wiederkehrende Belastung psychische Probleme wie Depressionen und Angstzustände.