Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der jeder 15. Mann und jede fünfte Frau in Europa mehr oder weniger regelmäßig betroffen sind. Während akute Anfälle meist erfolgreich mit Medikamenten abgemildert werden können, stellt die Prävention von Migräneattacken weiterhin eine große medizinische Herausforderung dar. Hier kommt die Osteopathie ins Spiel, die - wie viele andere komplementärmedizinische Verfahren auch - gerade in der Prophylaxe ihre Stärke sieht. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten der Osteopathie bei Migräne mit Aura, die Studienlage und die verschiedenen Behandlungsansätze.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es ist eine neurologische Erkrankung, die in wiederkehrenden Anfällen auftritt und den Alltag stark beeinträchtigen kann. Für viele Betroffene bedeutet sie starke Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und Übelkeit. Die Attacken kommen oft plötzlich und halten stunden- oder sogar tagelang an. Der Schmerz ist meist einseitig, pulsierend oder stechend. Viele Betroffene müssen sich bei einem Anfall komplett zurückziehen.
Typische Symptome einer Migräne:
- Starke, meist einseitige Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Sehstörungen oder Flimmern vor den Augen (Aura)
- Schwindel
- Erschöpfung nach dem Anfall
Dauer und Intensität der Anfälle variieren stark von Person zu Person. Manche Betroffene haben nur selten Anfälle, andere kämpfen mehrmals im Monat damit.
Mögliche Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, hormonellen und äußeren Faktoren eine Rolle spielt. Viele Betroffene haben Angehörige in der Familie, die auch unter Migräne leiden. Die beste Methode, Migräne vorzubeugen, ist es, die persönlichen Auslöser (sogenannte Trigger) zu kennen und möglichst zu vermeiden. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich - viele Betroffene haben sogar mehrere Trigger.
Häufige Migräne-Auslöser:
- Stress: Stress zählt zu den häufigsten Auslösern. Rund 70 % der Betroffenen berichten, dass emotionale Anspannung Attacken begünstigt. Der ständige Kreislauf aus Anspannung und der Angst vor der nächsten Migräne kann zusätzlich belasten.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel können Migräne begünstigen. Dazu gehören vor allem salzige oder gereifte Produkte wie Käse oder Salami. Auch stark verarbeitete Lebensmittel und Zucker stehen im Verdacht, Auslöser zu sein. Ausgelassene Mahlzeiten oder längeres Fasten können den Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Alkohol und Koffein wirken bei jedem unterschiedlich. Während ein Espresso bei manchen Migräne lindert, ist er bei anderen ein Auslöser. Besonders Rotwein, aber auch andere alkoholische Getränke, gelten als häufige Trigger.
- Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlafrhythmus: Zu wenig oder zu viel Schlaf kann Migräne fördern.
- Hormonelle Schwankungen: Vor allem Frauen erleben Migräne während der Periode, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Schuld daran sind hormonelle Schwankungen, insbesondere beim Östrogen.
- Reizüberflutung: Z. B. durch grelles Licht oder laute Geräusche.
- Wetterveränderungen: Plötzliche Wetterveränderungen oder Schwankungen im Luftdruck können Migräne auslösen - besonders bei wetterfühligen Menschen.
- Verspannungen: Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich: Strukturelle Probleme im Körper können ebenfalls Migräne fördern. Dazu gehören Blockaden in der Wirbelsäule oder im Kiefer.
Osteopathie: Ein ganzheitlicher Ansatz bei Migräne
Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Form der Medizin, die sich auf die manuelle Behandlung des Körpers konzentriert. Osteopathen betrachten den Körper als Einheit, in der alle Systeme miteinander verbunden sind. Durch sanfte Manipulationen und Techniken zielt die Osteopathie darauf ab, die natürlichen Heilungsprozesse des Körpers zu unterstützen und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Osteopathie bei Migräne hilft nicht nur, die Symptome zu lindern, sondern auch, die tieferliegenden Ursachen im Körper zu erkennen und zu behandeln. Mit sanften manuellen Techniken ertasten und behandeln Osteopathen Spannungen und Blockaden. Die Behandlung erfolgt dabei nicht nur lokal, sondern immer im Kontext des gesamten Körpers.
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Wie kann Osteopathie bei Migräne helfen?
Osteopathie kann auf verschiedene Weise bei der Linderung von Migräne-Symptomen helfen. Die Behandlung zielt darauf ab, die zugrunde liegenden Ursachen der Migräne zu adressieren und den Körper ins Gleichgewicht zu bringen.
- Verbesserung der Durchblutung und des Lymphflusses: Eine gute Durchblutung ist wichtig, damit das Gehirn ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Blockierte Wirbel, verspannte Bereiche im Nacken oder verhärtete Schädelknochen können die Durchblutung im Kopf beeinträchtigen. Durch gezielte Techniken kann Osteopathie den Blutfluss und Lymphabfluss fördern. Dies führt oft zur Linderung des Druckgefühls und der Intensität von Migräneanfällen.
- Lösen von Muskelverspannungen: Bei vielen Betroffenen sitzen versteckte Verspannungen im Nacken, an den Schultern oder am Kiefer. Diese sogenannten Triggerpunkte können Schmerzen ausstrahlen und Migräne auslösen oder verschlimmern. Osteopathen ertasten solche Spannungsherde und lösen sie gezielt mit sanften Techniken. Das verbessert die Beweglichkeit und nimmt so Reizquellen aus dem System, was Erleichterung bringen kann.
- Korrektur von Haltungs- und Bewegungsmustern: Eine einseitige Belastung, z. B. durch Fehlhaltungen am Schreibtisch oder nach einer alten Verletzung, kann zu Kompensationen im gesamten Körper führen. Diese wirken sich oft indirekt auf den Kopf aus. Osteopathen sehen solche Haltungsprobleme und helfen, sie zu verbessern. So findet der Körper zu mehr Balance und Stabilität zurück.
- Beruhigung des Nervensystems und Stressabbau: Stress ist einer der häufigsten Migräne-Auslöser. Viele Patienten berichten, dass sie nach stressigen Tagen oder Phasen vermehrt unter Kopfschmerzen oder Migräne leiden. In der osteopathischen Behandlung werden spezielle Griffe verwendet, die das Nervensystem beruhigen. Sie helfen dem Körper, den "Ruhenerv" (Parasympathikus) zu aktivieren und sich tief zu entspannen. So können Körper und Geist wieder zur Ruhe kommen - und Migräneanfälle seltener werden.
Ablauf einer osteopathischen Behandlung
Bei Deinem ersten Termin wird der Osteopath eine ausführliche Anamnese durchführen, um Deine Krankengeschichte und aktuelle Beschwerden zu verstehen. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Osteopath nach Verspannungen, Fehlstellungen und anderen Auffälligkeiten sucht.
Ablauf einer typischen Behandlung:
- Anamnese: Detaillierte Erfassung Deiner Krankheitsgeschichte und aktueller Symptome.
- Untersuchung: Überprüfung der Körperhaltung, Beweglichkeit und Muskelspannung.
- Behandlung: Anwendung spezifischer Techniken zur Verbesserung der Körperfunktionen und Linderung der Symptome.
- Beratung: Empfehlungen für Übungen und Verhaltensweisen, die zur Prävention von Migräne beitragen können.
Osteopathische Techniken und Schwerpunkte
Aus osteopathischer Sicht sind oftmals bestimmte Körpersysteme beteiligt:
- Vaskuläres System: Die Behandlung kann sich auf die venösen und arteriellen Blutgefäße auswirken.
- Nervensystem: Der hintere Teil des Kopfes wird von sensiblen Nerven versorgt, die der oberen HWS entspringen.
- Muskulatur: Speziell die großen Kaumuskeln, wie der Musculus masseter und der Musculus temporalis können hier Spannungen auslösen. Die Craniomandibuläre Dysfunktion ist hier oftmals ursächlich. Die Muskeln im Mundboden können einen komprimierenden Effekt auf die Vena jugularis haben.
Bei der osteopathischen Behandlung wird nach Störungen des gesamten Körpers gesucht. Die Ursachen für Migräne können aber auch in der Wirbelsäule liegen. Unbewegliche Wirbel können mithilfe von Osteopathie sanft gelöst werden. Insbesondere bei Migräne, Patienten mit Kopfschmerzen, Schwindel ist es wichtig, dass die Behandlung möglichst ohne Schmerzen abläuft, da das Nervensystem bei diesen Patienten häufig schon überreizt ist. Das Nervensystem, hier das vegetative, ist häufig bei Migräne überreizt. Symptome von Migräne können auch von anderen Bereichen des Körpers kommen. So ist das Becken, bzw. das Kreuzbein funktionell mit dem Kopf verbunden. Daher kann gelegentlich auch eine Behandlung des Beckens den Patienten bei den Schmerzen von Migräne helfen.
Studienlage zur Wirksamkeit der Osteopathie bei Migräne
Mehrere Studien belegen die positive Wirkung osteopathischer Behandlungen bei Migräne. Eine Studie zeigte, dass Osteopathie bei Patienten eine Reduktion der Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen bewirkte. Eine weitere Studie zeigt, dass Osteopathie eine sinnvolle Ergänzung zur konventionellen Migränetherapie darstellen kann.
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Eine randomisierte, kontrollierte Studie von Dresdener Forschern untersuchte die Wirksamkeit von osteopathischer Behandlung bei Frauen mit Migräne mit und ohne Aura. 42 Frauen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt eine Routinebehandlung, die andere zusätzlich eine individualisierte osteopathische Therapie (5 Sitzungen à 50 Minuten über 10 Wochen). Sechs Monate nach Behandlungsbeginn ging die Zahl der Migränetage in der Osteopathiegruppe leicht von durchschnittlich 23 auf 19 zurück (es ist leider nicht angegeben auf welchen Zeitraum sich das bezieht), in der Kontrollgruppe blieb sie fast konstant bei etwa 19.
Eine andere Studie, an der Patienten mit chronischen Migräne teilnahmen, zeigte sich der positive Effekt einer osteopathischen Behandlung. Über einen Zeitraum von sechs Monaten erhielten die Patienten nach einer zufälligen Gruppenzuweisung entweder acht osteopathische Behandlungen, eine Placebo-Behandlung (Scheinosteopathie) oder gar keine zusätzliche Therapie zur ihrer regulären Medikation. Die Ergebnisse dieser Studie waren sehr aufschlussreich. Patienten, die die Kombination aus Migränemedikation und osteopathischer Behandlung erhielten, erlebten signifikante Verbesserungen. Nicht nur die Anzahl der Migräneattacken verringerte sich deutlich, auch die Intensität der Schmerzen während eines Anfalls wurde spürbar reduziert. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Vorteile einer integrativen Behandlungsstrategie, die sowohl auf pharmakologische als auch auf manuelle Therapiemethoden setzt.
Es gibt eine wachsende Anzahl von Studien, die die Wirksamkeit der Osteopathie bei Migräne untersuchen. Eine Studie, die im „Journal of Bodywork and Movement Therapies“ veröffentlicht wurde, zeigte, dass Patienten, die osteopathische Behandlungen erhielten, eine signifikante Reduktion der Migränehäufigkeit und -intensität erfuhren. Eine andere Studie, die im „European Journal of Pain“ veröffentlicht wurde, fand heraus, dass Osteopathie eine wirksame Ergänzung zur konventionellen Migränebehandlung sein kann. Zusätzlich wurde eine Studie im „Journal of Headache and Pain“ veröffentlicht, die ebenfalls positive Ergebnisse zur Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen bei Migräne zeigte.
Ein ganzheitliches Behandlungskonzept bei Migräne
Osteopathie kann eine wertvolle Ergänzung zu anderen Behandlungsansätzen sein, einschließlich medikamentöser Therapien und Lifestyle-Änderungen. Ein ganzheitlicher Behandlungsplan kann verschiedene Elemente umfassen:
- Medikamentöse Therapie: Viele Migränepatienten benötigen Medikamente zur akuten Schmerzbehandlung oder zur Vorbeugung von Anfällen. Dazu gehören einige typische Schmerzmittel, wie Aspirin und Ibuprofen. Sogenannte Triptane helfen speziell (fast) nur bei Migräne.
- Ernährung: Die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Migräne. Bestimmte Lebensmittel wie Alkohol, Koffein oder stark verarbeitete Produkte gelten als mögliche Auslöser. Eine individuelle Ernährungsberatung kann helfen, persönliche Trigger zu erkennen und gezielt zu vermeiden.
- Bewegung und Entspannung: Regelmäßige Bewegung sowie Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können Stress abbauen und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Wir können Ihnen gezielte Übungen zur Verbesserung der Körperhaltung und zur Lockerung verspannter Muskulatur zeigen.
- Gesunder Schlaf: Ein erholsamer und regelmäßiger Schlaf ist entscheidend für die Vorbeugung von Migräneattacken. Feste Schlafzeiten, eine angenehme Schlafumgebung und eine ruhige Abendroutine können die Schlafqualität verbessern.
- Stressmanagement: Stress gilt als einer der häufigsten Auslöser für Migräne. Neben osteopathischen Behandlungen helfen auch Methoden wie progressive Muskelentspannung, Achtsamkeit und Atemtechniken. Sie unterstützen dabei, innere Ruhe zu finden und das Stressniveau langfristig zu senken.
- Hydration: Viele unterschätzen, wie wichtig ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist. Dehydration kann Kopfschmerzen verstärken und Migräne auslösen. Wer regelmäßig Wasser trinkt, kann so aktiv zur Vorbeugung beitragen.
- Vermeidung von Triggerfaktoren: Jeder Migränepatient hat individuelle Auslöser, die Migräneanfälle begünstigen können. Diese können von Lebensmitteln über Umweltfaktoren bis hin zu bestimmten Verhaltensweisen reichen. Ein Tagebuch zu Migräneattacken und Gewohnheiten kann helfen, diese Trigger zu erkennen und zukünftig gezielt zu meiden.
- Regelmäßige osteopathische Behandlungen: Regelmäßige osteopathische Behandlungen können helfen, das körperliche Gleichgewicht zu halten. Sie lösen Verspannungen frühzeitig und verbessern die Belastbarkeit des Körpers gegen Migräneauslöser.
- Ergonomie am Arbeitsplatz: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes kann helfen, Fehlhaltungen und Verspannungen zu vermeiden, die Migräne auslösen können. Achte darauf, dass Dein Stuhl und Schreibtisch richtig eingestellt sind, und nimm regelmäßig Pausen, um Dich zu dehnen und zu bewegen.
- Achtsamkeit und Meditation: Achtsamkeitsübungen und Meditation können helfen, Stress abzubauen und die mentale Gesundheit zu fördern.
- Physiotherapie und Bewegung: Physiotherapie kann ergänzend zur Osteopathie eingesetzt werden, um die Muskulatur zu stärken und die Körperhaltung zu verbessern. Regelmäßige Bewegung, wie Spazierengehen, Schwimmen oder sanftes Yoga, kann ebenfalls helfen, Spannungen zu lösen und die allgemeine Fitness zu verbessern.
- Atemtechniken: Atemtechniken sind eine einfache und effektive Methode, um Stress zu reduzieren und das Nervensystem zu beruhigen. Tiefes Atmen kann helfen, den Parasympathikus zu aktivieren, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist.
- Akupunktur: Akupunktur, eine Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin, kann ebenfalls zur Linderung von Migräne beitragen. Durch das Einführen dünner Nadeln an spezifischen Punkten des Körpers kann die Energieflüsse ausgeglichen und Schmerzen gelindert werden.
- Regelmäßige Pausen: In unserem hektischen Alltag neigen wir dazu, uns zu überlasten und zu wenig Pausen einzulegen. Regelmäßige Pausen sind jedoch wichtig, um den Körper und Geist zu entspannen und Überlastung zu vermeiden.
- Soziale Unterstützung: Eine starke soziale Unterstützung kann helfen, mit den Herausforderungen des Lebens besser umzugehen und Stress abzubauen. Verbringe Zeit mit Freunden und Familie, teile Deine Sorgen und Erlebnisse und suche nach Aktivitäten, die Dir Freude bereiten. Ein starkes soziales Netzwerk kann Dir helfen, emotional ausgeglichen zu bleiben und Migräneanfälle zu reduzieren.
Weitere Tipps zur Selbsthilfe bei Migräne
- Kühle Kompressen verwenden: Legen Sie eine kalte Kompresse oder ein Eispack auf Ihre Stirn oder den Nacken.
- Ausreichend trinken: Dehydration kann Migräne auslösen oder verschlimmern.
- Koffein in Maßen: Für manche Menschen kann eine moderate Menge Koffein die Migräneschmerzen lindern.
- Pfefferminzöl: Bei einer Migräneattacke kann das Auftragen von Pfefferminzöl auf die Stirn oder Schläfen helfen. Der enthaltene Menthol-Wirkstoff fördert die Durchblutung und aktiviert die Kältesensoren der Haut, was zu einer Entspannung der Muskeln und der Kopfhaut führt.
- Dunkelheit und Ruhe suchen: Licht und Lärm können Migränesymptome verschlimmern. Suchen Sie einen dunklen, ruhigen Raum auf, um sich zu entspannen.
- Ein wenig Bewegung: Leichte bis moderate Bewegung kann bei einigen Menschen die Migränesymptome verbessern.
Fallbeispiel aus der osteopathischen Praxis
Das folgende Beispiel stellt einen recht typischen Behandlungsverlauf für eine Migräne dar. Eine Reduktion der Attackenfrequenz und -stärke um die Hälfte kann durchaus erreicht werden. Bei leichteren Verlaufsformen der Migräne kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung in Einzelfällen sogar von einer mehrmonatigen Attackenfreiheit berichten.
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Fallbericht: Renate S., zweifache Mutter, verheiratet und berufstätig, stellte sich in meiner Praxis mit einer episodischen linksseitigen Migräne mit Aura vor, die von Sehstörungen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet ist. Sie habe derzeit beruflich und privat sehr viel Stress, darum sei die Attackenzahl von sonst viermal im Jahr auf ca. einmal im Monat angestiegen und das nun seit gut sechs Monaten. Außerdem leide sie nun an chronischer Verstopfung mit Blähungen. In der Untersuchung ergab sich eine massive linksseitige Kontraktion der suboccipitalen Muskulatur, die zu einer Lageveränderung des ersten Halswirbels geführt hatte. Ein Craniopuls war in Folge der chronischen Überbelastung kaum tastbar. Während der Behandlung brach sie häufiger in Tränen aus. Ich behandelte Frau S. über ein halbes Jahr in größer werdenden Abständen und fokussierte mich dabei zunächst auf das Lösen der Kopfgelenkssituation. Außerdem empfahl ich die Einnahme eines Kombipräparates aus hochdosiertem Magnesium, Vitamin B2 und Q10 und riet, die Dosis langsam zu steigern, um keine Durchfälle zu provozieren, was auch die Obstipation normalisierte. Anfänglich traten reaktive Attacken am Folgetag der Behandlung auf, die aber in Dauer und Intensität im Verlauf der Therapie schwächer wurden und schließlich ganz ausblieben. Weiter konzentrierte ich mich besonders auf die linksseitigen Schädelforamina, die Sinus des gesamten Kraniums, sowie die entsprechenden Suturen und band in jede Behandlung eine Vagusstimulation zum Abschluss mit ein, was sich als projektiv hinsichtlich der reaktiven Attacken erwies. Nach sechs Monaten, als keine Attacken mehr auftraten, beschlossen wir, die Behandlung zu beenden, um sie bei Bedarf wieder aufzunehmen.
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