Migräne mit Aura und Sport: Ein umfassender Leitfaden für Betroffene

Migräne mit Aura ist eine neurologische Erkrankung, die durch vorübergehende Funktionsstörungen des Nervensystems gekennzeichnet ist und oft von visuellen, sensorischen oder sprachlichen Symptomen begleitet wird. Sport kann sowohl Auslöser als auch Therapie bei Migräne sein. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Migräne mit Aura und sportlicher Betätigung und gibt Betroffenen praktische Ratschläge, wie sie Sport in ihren Alltag integrieren können, um die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.

Was ist Migräne mit Aura?

Eine Migräne-Aura ist eine vorübergehende neurologische Funktionsstörung, die während eines Migräne-Anfalls, aber auch ohne Kopfschmerzen, auftreten kann. Typische Symptome sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, die als Blitze, Punkte oder Zacken wahrgenommen werden. Es kann auch zu Gesichtsfeldausfällen, Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen kommen. Die Symptome dauern meist 5 bis 60 Minuten. Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten erleben Aura-Symptome. Die Ursachen der Aura liegen vermutlich in einer Erregungswelle, die über die Hirnrinde läuft und zu einer vorübergehenden Störung führt.

Trigger für Migräne mit Aura

Viele Patienten kennen Auslöser, die bei ihnen zu einem Migräne-Anfall führen können. Dazu gehören:

  • Unregelmäßiger Schlaf
  • Längere Phasen ohne ausreichend Essen und Trinken
  • Stress
  • Starke psychische oder körperliche Belastungen
  • Bestimmte Reize wie Flackerlicht oder schlechte Luft
  • Alkohol oder bestimmte Nahrungsmittel

Es lohnt sich, die individuellen Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.

Sport als Therapie und Trigger

Regelmäßiger Sport wird oft als probates Mittel zur Beeinflussung von Anfallshäufigkeit und -stärke genannt. Allerdings kann Sport auch ein Auslöser für Migräneattacken sein. Studien zeigen, dass bis zu 38 % der Patienten Migräneattacken innerhalb von 48 Stunden nach sportlicher Aktivität erleben.

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Sportarten, die Migräne auslösen können

Sportarten mit schnellen, wechselnden und ruckartigen Bewegungsabläufen können sich negativ auf die Migräne auswirken. Dazu gehören:

  • Krafttraining
  • Tennis oder Squash
  • Kampfsportarten
  • Ballsportarten wie Fußball oder Handball
  • Reiten

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Betroffene auf diese Sportarten mit einer Attacke reagiert.

Sportarten, die bei Migräne hilfreich sein können

Vor allem in den schmerzfreien Phasen kann Sport dazu beitragen, dass die nächste Attacke milder verläuft oder ganz ausbleibt. Ideal sind Ausdauersportarten wie:

  • Joggen
  • Nordic Walking
  • Radfahren
  • Ski-Langlauf
  • Schwimmen

Wichtig ist, dass der gewählte Sport Spaß macht und moderat betrieben wird. Zusätzlich können entspannende Sportarten wie Yoga, Qigong oder Tai-Chi helfen.

Die Rolle von Sport bei der Migräneprophylaxe

Sport kann eine wichtige Stütze sein, um dem Alltag die notwendige Struktur zu geben. Neue Studien zeigen, dass neben moderatem Ausdauertraining auch Krafttraining oder hochintensives Ausdauertraining (HIT) die Häufigkeit von Migränetagen senken können. Durch moderates Ausdauertraining konnte die Migränehäufigkeit um 2,2 Tage im Monat gesenkt werden. Durch HIT-Training sank die Frequenz um 3,1 Tage und durch Krafttraining sogar um 3,5 Tage im Monat.

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Die Effekte verschiedener Sportarten

Die Wissenschaftler erklären die Effekte der unterschiedlichen Sportformen durch verschiedene körperliche Prozesse:

  • Krafttraining: Trainiert die häufig bei Migräne verspannten Nackenmuskeln, was seltener Migräneattacken triggert. Muskelzuwachs führt zu einer besseren Energieversorgung des Gehirns.
  • HIT-Training: Steigert die Endorphin-Ausschüttung, welche dem Gehirn bei der Unterdrückung von Schmerzen hilft.
  • Moderater Ausdauersport: Endocannabinoide tragen zu Entspannung im Körper und Geist bei.

Empfehlungen für Sport bei Migräne

Gemäß Studiendaten sollten Menschen mit Migräne 3x in der Woche ein Krafttraining durchführen und zusätzlich Ausdauertraining, entweder 150 Minuten in moderater Form oder 75 Minuten in der HIT-Version pro Woche praktizieren. Es ist wichtig, die Trainingsformen und -einheiten an die eigenen sportlichen Vorlieben und die jeweilige Kopfschmerzbelastung anzupassen.

Weitere Aspekte bei Sport und Migräne

Histamin-Intoleranz

Migränepatienten mit Histamin-Intoleranz sollten vorsichtig sein, da Sport die Histaminausschüttung erhöht. Zu Beginn sollten ruhige Aktivitäten wie Spazierengehen ausprobiert werden.

Menstruation und Schwangerschaft

Während der Periode gelten zunächst die allgemeinen Tipps bei Migräne und Sport. Bei starken Beeinträchtigungen sollte auf Sport verzichtet werden. Schwangere sollten intensive sportliche Betätigungen vermeiden. Bei einer Risikoschwangerschaft sollte meist ganz auf Sport verzichtet werden.

Medikamentenübergebrauch

Zu häufig eingenommene Schmerztabletten können auch Kopfschmerzen auslösen. Wichtig ist, durch andere Maßnahmen Kopfschmerzhäufigkeit und -stärke so zu senken, dass eine Tabletteneinnahme an allerhöchstens zehn Tagen im Monat notwendig ist.

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Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Neben Sport können auch Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training oder Biofeedback-Techniken helfen. Auch psychologische Verfahren können hilfreich sein.

Tipps für den Sport bei Migräne

  • Höre auf deinen Körper: Achte auf Warnzeichen und pausiere bei einer Migräneattacke.
  • Wähle die richtige Sportart: Ausdauersportarten sind oft besser geeignet als intensive Belastungen.
  • Vermeide Trigger: Identifiziere und vermeide individuelle Auslöser.
  • Sorge für Regelmäßigkeit: Regelmäßiger Sport kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
  • Integriere Bewegung in den Alltag: Nutze jede Gelegenheit für Bewegung an der frischen Luft.
  • Achte auf Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Vermeide Unterzuckerung und trinke ausreichend.
  • Wärme dich gut auf: Vor dem Sport ist ein gutes Aufwärmen wichtig.
  • Entspanne dich nach dem Sport: Entspannungsübungen können helfen, Stress abzubauen.
  • Vermeide Pressatmung: Achte auf eine kontrollierte Ausführung und gleichmäßige Atmung.
  • Informiere deinen Trainer: Informiere deinen Personal Trainer über deine Migräne.

Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne mit Aura

Zur Behandlung der Migräne mit Aura werden dieselben Medikamente wie bei einer Migräne ohne Aura eingesetzt. Leichte Anfälle lassen sich oft mit Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin behandeln. Bei Unwirksamkeit können Triptane eingesetzt werden. Wichtig ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.

Außerdem kann man die Migräne mit Aura auch vorbeugend behandeln. Wenn nicht-medikamentöse Alternativen keine Wirkung zeigen, gibt es dafür auch Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie. Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit Antikörpern gegen den Botenstoff CGRP.

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