Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der viele Menschen betroffen sind. Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Migränepatienten kündigt sich eine Kopfschmerzattacke durch eine sogenannte Aura an. Diese Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne mit Aura, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu Behandlungsmöglichkeiten und vorbeugenden Maßnahmen.
Was ist Migräne mit Aura?
Migräne mit Aura ist eine Form der Migräne, die von bestimmten neurologischen Symptomen begleitet wird, die in der Regel vor dem eigentlichen Kopfschmerz auftreten. Diese Vorboten, die sogenannte Aura, können bis zu 60 Minuten andauern und die Aktivitäten der Betroffenen einschränken. Die Aura-Symptome können vielfältig sein und sich einzeln, in Kombination oder nacheinander zeigen.
Ursachen und Auslöser
Die Ursachen von Migräne mit Aura sind vielschichtig und werden durch eine Kombination von genetischen, persönlichen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst.
Genetische Faktoren
Studien haben gezeigt, dass genetische Faktoren eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Das Risiko, an Migräne zu erkranken, ist bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht. Bestimmte Genvarianten wurden mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht.
Neurologische und biochemische Mechanismen
Es wird angenommen, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit eine Rolle spielt. Die genauen Ursachen der kurzzeitigen Veränderung in der Gehirnaktivität sind noch nicht vollständig verstanden, aber moderne bildgebende Untersuchungsmöglichkeiten haben unser Verständnis in den letzten Jahren deutlich erweitert. Die Symptome der Migräne-Aura entstehen vermutlich durch eine Erregungswelle, die über die Hirnrinde läuft und zu einer vorübergehenden Störung führt. Über eine Aktivierung der schmerzleitenden Nervenfasern und Schmerzzentren im Gehirn werden verschiedene Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, ausgeschüttet. Diese sogenannte Schmerzkaskade löst wiederum eine Entzündung der Hirngefäße und damit eine vorübergehende Durchblutungsstörung der Hirnrinde aus.
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Triggerfaktoren
Bestimmte Triggerfaktoren können bei Betroffenen, die an Migräne mit Aura leiden, Anfälle auslösen. Zu den häufigsten Triggern gehören:
- Stress: Chronischer Stress oder stressige Situationen können zu Migräneanfällen führen.
- Hormonelle Veränderungen: Viele Frauen erleben Migräneattacken in Verbindung mit ihrem Menstruationszyklus.
- Schlafmangel: Zu viel oder zu wenig Schlaf kann sowohl Migräneattacken als auch Aura-Symptome auslösen.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel wie Käse, Schokolade, Rotwein und koffeinhaltige Getränke können bei manchen Menschen Migräne mit Aura auslösen. Auch unregelmäßiges Essen oder Fasten kann Migräne fördern.
- Sinnesreize: Starke Sonneneinstrahlung, blendendes Licht, bestimmte Lichtmuster, starke Gerüche oder Lärm können empfindliche Personen belasten und Migräne verursachen.
- Wetter: Plötzliche Temperaturwechsel können eine Attacke auslösen.
- Abweichungen von gewohnten Tagesabläufen: Wochenend-Migräne kann durch Abweichungen vom gewohnten Schlafrhythmus entstehen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Auslöser von Migräne mit Aura individuell variieren können. Was bei einer Person zu einer Attacke führt, muss nicht zwangsläufig bei einer anderen Person ebenfalls Migräne auslösen.
Symptome der Migräne mit Aura
Die Symptome einer Migräne mit Aura können vielfältig sein und hängen von der jeweiligen Migräneform ab. Typische Symptome sind:
- Sehstörungen: Dies ist das häufigste Aura-Symptom. Betroffene sehen flimmernde Lichter, Zickzacklinien, Flimmerskotome (flimmernde oder funkelnde Gesichtsfeldausfälle), blendende Kreise oder Vierecke, Lichtblitze oder Farben. Die Sehstörungen beginnen häufig in der Mitte des Gesichtsfelds und breiten sich dann langsam darüber aus. Auch ein kurzzeitiger Sehverlust ist möglich. Manche Betroffene sehen Objekte verzerrt, unscharf, vergrößert oder verkleinert (Metamorphopsie).
- Gefühlsstörungen: Kribbeln oder Taubheit kann im Gesicht, den Händen oder Beinen einer Körperseite auftreten. Das Kribbeln breitet sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf aus.
- Sprachstörungen: Wortfindungsschwierigkeiten oder Probleme beim Sprechen und Verstehen von Wörtern können auftreten.
- Hörstörungen: Tinnitus oder andere Ohrgeräusche treten seltener auf.
- Schwindel: Drehschwindel kann auftreten.
- Koordinationsstörungen: Gangunsicherheit kann vorkommen.
- Motorische Störungen: Muskelschwäche oder Schwäche in den Extremitäten kommen selten vor. In einigen Fällen kann es zu einer halbseitigen Lähmung (hemiplegische Migräne) kommen.
- Veränderung des Geruchssinns.
Neben den typischen Aura-Symptomen ist es auch möglich, eine atypische Aura vor einem Migräneanfall zu bekommen. Hierzu zählt zum Beispiel die Migräne mit Hirnstammaura (Basilarismigräne), bei der zusätzlich zu den klassischen Beschwerden Schwindel, Ohrgeräusche, das Sehen von Doppelbildern, Bewusstseinsstörungen und Koordinationsstörungen auftreten können.
Es ist wichtig zu beachten, dass die genannten Symptome nicht zwangsläufig bei jedem Migränepatienten auftreten und dass Dauer und Intensität variieren können.
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Diagnose
Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte von einem Arzt oder einer Ärztin gestellt werden. Dieser wird eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen und gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie CT oder MRT einsetzen, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Häufigkeit und Dauer der Anfälle sowie mögliche Auslöser zu dokumentieren.
Behandlungsmöglichkeiten
Obwohl Migräne mit Aura nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.
Akutbehandlung
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelgradigen Migräneanfällen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) helfen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) empfiehlt zur Selbstmedikation akuter Migräne-Attacken eine fixe Kombination aus ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg).
- Triptane: Bei stärkeren Attacken können Triptane eingesetzt werden. Diese Medikamente wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von entzündungsfördernden Stoffen hemmen. Triptane sollten erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden, da sie während der Aura das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen könnten.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon helfen.
- Ditane: Ditane sind eine weitere Option für die Akutbehandlung von Migräne.
- Gepante: Gepante sind eine neue Wirkstoffgruppe, die eingesetzt werden kann, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.
- Remote Electrical Neuromodulation (REN): REN ist eine weitere Möglichkeit zur Behandlung von Migräne. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert, wodurch das Gehirn Botenstoffe ausschüttet, die den Migränekopfschmerz unterdrücken.
Vorbeugende Maßnahmen
- Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden. Dazu gehören Betablocker (z.B. Metoprolol oder Propranolol), Antidepressiva (z.B. Amitriptylin), Antiepileptika (z.B. Topiramat) und Kalziumkanalblocker (z.B. Flunarizin).
- CGRP-Antikörper: Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit Antikörpern gegen den Botenstoff CGRP, der während der Migräneattacke ausgeschüttet wird. Diese Antikörper können den Botenstoff abfangen oder dessen Wirkung an den Nervenzellen und Hirngefäßen vermindern.
- Lifestyle-Anpassungen: Ein regelmäßiger Lebensstil mit festen Schlafenszeiten, regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und das Risiko von stressbedingten Migräneattacken zu reduzieren.
- Vermeidung von Triggern: Das Identifizieren und Vermeiden von individuellen Triggern kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, die Auslöser zu erkennen.
- Regelmäßiger Ausdauersport: Sportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren können die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
- Akupunktur: Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.
- Biofeedback-Techniken: Diese Techniken können helfen, die Körperfunktionen besser zu kontrollieren und Stress abzubauen.
Hausmittel und alternative Behandlungen
Zusätzlich zu den medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungen gibt es einige Hausmittel und alternative Behandlungen, die bei Migräne mit Aura helfen können:
- Tees: Bestimmte Teesorten wie Kamillentee, Ingwertee, Weidenrindentee oder Mutterkrauttee können beruhigend und schmerzlindernd wirken.
- Aromatherapie: Ätherische Öle wie Pfefferminzöl, Lavendelöl oder Eukalyptusöl können auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen werden, um Schmerzen zu lindern und Entspannung zu fördern.
- Kälteanwendungen: Eine kalte Kompresse auf der Stirn oder eine Salz-Eis-Packung auf den Schläfen kann den Schmerz betäuben.
- Wärmeanwendungen: Ein ansteigendes Fußbad kann beruhigend wirken und die Blutgefäße erweitern.
- Kaffee mit Zitrone: Koffein kann die Blutgefäße erweitern und so bei Migräne helfen.
- Basilikum: Das Kauen von frischen Basilikumblättern kann aufgrund der enthaltenen ätherischen Öle helfen.
- Vanille: Ein Teelöffel geriebene Vanille in einem Glas Wasser aufgelöst kann helfen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Hausmittel und alternative Behandlungen die ärztliche Behandlung nicht ersetzen können, sondern diese lediglich ergänzen sollten.
Was tun im Akutfall?
Wenn eine Migräneattacke mit Aura beginnt, sollten Betroffene folgende Maßnahmen ergreifen:
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- Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück und legen Sie sich hin.
- Entspannung: Versuchen Sie, sich zu entspannen. Entspannungsübungen oder autogenes Training können helfen.
- Kälteanwendung: Legen Sie eine kalte Kompresse auf die Stirn oder den Nacken.
- Medikamente: Nehmen Sie frühzeitig Schmerzmittel oder Triptane ein, falls diese vom Arzt verschrieben wurden. Triptane sollten jedoch erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden.
- Vermeiden Sie Autofahren: Aufgrund der möglichen Sehstörungen und anderer neurologischer Symptome sollten Sie nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Suchen Sie die nächste Haltemöglichkeit auf und warten Sie, bis die Symptome abgeklungen sind.
Migräne mit Aura und Schlaganfallrisiko
Studienergebnisse zeigen, dass Menschen mit Migräne mit Aura ein leicht erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall haben. Die Migräne-Aura ist jedoch nicht die Ursache für einen Schlaganfall. Fachleute vermuten genetische Faktoren hinter dem Zusammenhang. Es ist wichtig, die Symptome eines Schlaganfalls zu kennen und bei Verdacht sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Symptome eines Schlaganfalls können sein:
- Plötzliche Taubheit oder Schwäche im Gesicht, Arm oder Bein, meist auf einer Körperseite
- Plötzliche Sehprobleme
- Plötzliche Sprachschwierigkeiten
- Plötzlicher starker Kopfschmerz
- Plötzlicher Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen