Physiotherapie ist eine weit verbreitete Therapieform, die zur Behandlung von Schmerzen, zur Rehabilitation nach Verletzungen und zur Verbesserung der Beweglichkeit eingesetzt wird. Dabei kommen unterschiedliche Techniken wie Krankengymnastik, manuelle Therapie, Massagen oder physikalische Anwendungen zum Einsatz. Obwohl Physiotherapie in den meisten Fällen eine sichere und wirksame Methode zur Schmerzlinderung und Rehabilitation ist, können in einigen Fällen unerwünschte Reaktionen wie Migräne auftreten. Viele Patienten berichten über Schmerzen nach Physiotherapie im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) oder Halswirbelsäule (HWS), stechende Schmerzen oder sogar eine starke Schmerzverstärkung nach der Therapie.
Kann Physiotherapie schaden?
In den meisten Fällen sind Reaktionen wie Muskelkater, Stechen oder unangenehme Empfindungen nach einer physiotherapeutischen Behandlung zwar unangenehm, aber nicht besorgniserregend. Dennoch gibt es Situationen, in denen eine Behandlung möglicherweise nicht optimal verläuft oder sogar kontraproduktiv sein kann.
Ursachen für Beschwerden nach Physiotherapie
- Überlastungsreaktion: Eine physiotherapeutische Behandlung setzt gezielt Reize, um Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke zu aktivieren. Dies kann zu einer Art „Überlastungsreaktion“ führen, ähnlich wie beim Muskelkater nach dem Sport. Der Körper benötigt Zeit, um sich an diese neuen Belastungen anzupassen.
- Erstverschlimmerung: Eine Erstverschlimmerung nach Physiotherapie bedeutet, dass sich die Beschwerden vorübergehend verstärken, bevor eine Besserung eintritt. Besonders bei chronischen Schmerzen oder eingeschränkter Beweglichkeit kann es vorkommen, dass der Körper intensiver auf die Behandlung reagiert. Ein typisches Beispiel ist die Erstverschlimmerung nach Physiotherapie HWS oder LWS. Patienten mit Verspannungen oder Blockaden in der Hals- oder Lendenwirbelsäule erleben manchmal verstärkte Beschwerden, weil sich die Strukturen erst neu ausrichten müssen.
- Individuelle Reaktion: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf therapeutische Reize. Während manche Patienten nach der Physiotherapie direkt eine Besserung verspüren, erleben andere zunächst eine Verschlimmerung der Symptome. Begleitende Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel können besonders bei Behandlungen an der HWS auftreten.
- Manuelle Techniken: Starke Schmerzen nach Massage oder manueller Therapie können durch manuelle Techniken wie Triggerpunktbehandlungen oder intensive Mobilisationen hervorgerufen werden, die empfindliche Reaktionen hervorrufen können.
- Fehlerhafte Behandlung: In seltenen Fällen kann eine physiotherapeutische Behandlung zu nachhaltigen Beschwerden führen, wenn Physiotherapeuten nicht nach anerkannten Standards arbeiten.
Die Dauer einer Erstverschlimmerung nach Physiotherapie ist individuell unterschiedlich. In der Regel sollten sich die Beschwerden innerhalb von 24 bis 72 Stunden verbessern. Falls die Schmerzen länger anhalten oder intensiver werden, sollte man mit seinem Physiotherapeuten sprechen. In den meisten Fällen ist es ratsam, die Therapie fortzusetzen, da der Körper sich mit der Zeit an die neuen Bewegungsmuster gewöhnt.
Migräne und Physiotherapie
Da ein Großteil der Migränepatienten über zusätzliche Nackenschmerzen klagt, ist eine Untersuchung des Nackens und ggfs. Behandlung durch Physiotherapeuten hilfreich.
Ablauf einer Studie zur Physiotherapie bei Migräne
Im Rahmen einer Studie werden zunächst mehrere Fragebögen ausgefüllt. Die Fragen beziehen sich auf:
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- Kopfschmerzen
- Nacken
- Begleitsymptome wie Berührungsempfindlichkeit der Kopf- und Gesichtshaut, Licht- und Lärmüberempfindlichkeit
- Medikamenteneinnahme
- Kopfschmerzbedingte Einschränkungen der Arbeits- und Alltagsaktivitäten und der Lebensqualität
Im Anschluss werden von einer erfahrenen Physiotherapeutin manuelle Tests zur Beweglichkeit der Gelenke in der oberen Halswirbelsäule und der Brustwirbelsäule durchgeführt, die Kraft der tiefen Nackenmuskeln und Triggerpunkte in der Muskulatur überprüft und die Koordination des Nackens getestet. Die Dauer der Testung beträgt 20-30 Minuten. Die Tests dienen als Grundlage der ggfs. Anschließend erfolgt per Losverfahren die Zuordnung zu einer der zwei Interventionsgruppen.
Es werden sechs Behandlungen durchgeführt. Sie finden jeweils 1-2x/Woche statt und dauern 30 bis 40 Minuten. Beide Gruppen erhalten Physiotherapie/Manuelle Therapie, eine Gruppe erhält zusätzlich neurowissenschaftlich Edukation.
Ergebnisse einer Studie zur Physiotherapie bei Migräne
Eine Studie untersuchte die zusätzliche Wirkung der PNE (Pain Neuroscience Education) auf die Kopfschmerzhäufigkeit, die Migränehäufigkeit und die kopfschmerzbedingte Beeinträchtigung, wenn sie als Ergänzung zur Physiotherapie angeboten wird.
In dieser zweiarmigen randomisierten nicht verblindeten Studie erhielten Migränepatienten 6x PT+PNE oder 6x PT allein. Eine dreimonatige Wartezeit ging voraus. Primäre Endpunkte waren die Häufigkeit von Kopfschmerzen, die Häufigkeit der Migräne (Kopfschmerz mit Migränecharakter) und die damit verbundene Beeinträchtigung. Die Daten wurden mit einem linearen gemischten Modell (LMM) analysiert.
Ergebnisse:
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- Beide Gruppen zeigen einen Rückgang der Kopfschmerzhäufigkeit.
- Der Effekt der Zeit insgesamt war sowohl für die PT-Gruppe signifikant (p=0.0356) als auch für die PT+PNE-Gruppe (p=0.000).
- Die Unterschiede zwischen den Gruppen zu den einzelnen Zeitpunkten und auch insgesamt (Interaktion Gruppe#Zeit) waren signifikant (F1,231=4.07, P>F=0.0076*).
- Die Gruppe PT verbessert sich im Mittelwert um 22%, die Gruppe PT+PNE um 30%.
- Die migränebedingte Beeinträchtigung nimmt in beiden Gruppen signifikant ab, wobei es keinen Unterschied zwischen den Gruppen gibt (p=0,583).
Schlussfolgerung: Physiotherapie in Kombination mit einer schmerzneurowissenschaftlichen Schulung ist bei der Verringerung der Migränehäufigkeit deutlich wirksamer als Physiotherapie allein.
Ursachen von Kopfschmerzen
Kopfschmerzen sind ein Symptom, ein Warnsignal, dass im Körper irgendetwas nicht in Ordnung ist. Es wird nicht nur zwischen mehr als 100 verschiedenen Formen unterschieden, sondern zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.
- Primäre Kopfschmerzen: Fehlinterpretation von Schmerzinformationen im Gehirn, bestimmte Nervenfasern werden fälschlich aktiviert. Hierzu zählen Migräne mit und ohne Aura (z.B. Sehstörungen), Spannungskopfschmerzen oder Clusterkopfschmerzen.
- Sekundäre Kopfschmerzen: Die Schmerzen treten als Symptom einer anderen Grunderkrankung auf. Das können zum Beispiel Erkältung, Kopfverletzungen, Periode, Nervenschmerzen oder der Schmerzmittel-Kopfschmerz sein.
Weiterhin wird zwischen akuten und chronischen Kopfschmerzen unterschieden. Ursachen für chronische Kopfschmerzen sind Mittelohrentzündung, Fehlsichtigkeit (z.B. falsche Brille), Medikamente (z.B. Medikamentenintoxikation v.a. durch Einnahme von Schmerzmitteln über einen längeren Zeitraum), Schleudertrauma oder schwangerschaftsinduzierte Hypertonie sein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Aufmerksam sollte man werden, wenn ohne erkennbare Ursache ungewohnte Kopfschmerzen, Dauerkopfschmerzen oder schlagartig starke Kopfschmerzen auftreten und der Schmerz streng lokalisiert und seitenkonstant ist. Wenn dann auch noch neurologische Begleitsymptome wie Seh-, Hör- oder Sprachstörungen vorliegen, können das Zeichen für eine Hirnblutung, einen Hirntumor, ein Hirnödem oder einen anderen bösartigen Prozess sein und müssen schnellstmöglich durch einen Arzt abgeklärt werden. Das wichtigste Alarmzeichen allerdings ist der schlagartige Kopfschmerz mit Erbrechen, Bewusstseinstrübung beziehungsweise sogar Bewusstlosigkeit. Das ist ein absoluter Notfall, der durch eine akute Hirnblutung, z.B. durch ein Aneurysma, ausgelöst werden kann.
Der Arzt sollte nach Lokalisation, Schmerzcharakter, Verlauf, Auslöser, Begleitsymptomen, familiärer Häufung, Medikamenteneinnahme, bisheriger Diagnostik und Therapie fragen.
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Migräne
Eine besonders tückische, häufige und zudem sehr belastende Variante ist die Migräne: Klopfende, pochende Schmerzen, die meistens auf einer Seite des Kopfes anfallsartig auftreten und bei Anstrengung an Intensität zunehmen, machen Betroffenen das Leben mehr als schwer. Oft werden die Symptome von Übelkeit und Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Müdigkeit, Gereiztheit und neurologischen Störungen, wie einem Flimmern vor den Augen, begleitet. Selbst Lähmungen und Sprachstörungen sind möglich, die sich jedoch allesamt zurückbilden. Die Dauer einer Attacke kann Stunden bis Tage dauern. Vorboten, wie beispielsweise das Gefühl der Erschöpfung, kündigen den Anfall häufig schon an.
Migräneattacken können durch bestimmte Nahrungsmittel, Alkohol oder Medikamente, Unterzuckerung, psychische Faktoren (z.B. Belastung, aber auch Entlastung, etwa am Wochenende), physikalische Einflüsse (z.B. Lärm, Flackerlicht) oder die Menstruation ausgelöst werden.
Unterschieden wird zwischen Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura. Bei der Migräne ohne Aura bestehen lediglich vegetative Begleitsymptome, z.B. Übelkeit und Erbrechen, sowie Licht- und Geräuschüberempfindlichkeit. Bei der Migräne mit Aura kommt es vor der Kopfschmerzattacke zu kurzzeitigen neurologischen Funktionsstörungen, z.B. Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen oder seltener zu Lähmungen.
Therapie von Kopfschmerzen und Migräne
Um die Kopfschmerzen zu lindern, werden oft Beta-Blocker oder Schmerzmittel eingesetzt. Hier sei allerdings zu beachten, dass Schmerzmittel nur die Beschwerden kurzfristig lindern und den Magen angreifen können. Als Alternative zu den gängigen Schmerzmitteln werden pflanzliche Mittel, wie zum Beispiel Pestwurz und Mutterkraut, empfohlen. Diese müssen allerdings prophylaktisch angewendet werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Therapie ist es, die auslösenden Faktoren für Kopfschmerzen auszumachen. Das kann bedeuten, die schmerzauslösenden Nahrungs- und Genussmittel zu kennen und nach Möglichkeit zu meiden. Weitere Therapieansätze wären Heilfasten und Maßnahmen zur Stressbewältigung wie z.B. Yoga, Entspannungstraining oder Sport. Da Kopfschmerzen auch häufig ein Symptom für Störungen der Halswirbelsäule sind, kann auch mithilfe von Physiotherapie und Manueller Therapie Verbesserung erzielt werden.
Physiotherapie bei Kopf- und Nackenschmerzen
Bei vielen Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich kann Physiotherapie helfen und ein wichtiger Teil der Behandlung sein. Je nachdem, welche Schmerzen der Patient hat, gibt es ganz unterschiedliche Herangehensweisen in der Therapie. Die Therapeuten wissen, wie Patienten mit Kopf- und Nackenschmerzen am besten zu behandeln sind.
Die Ursachen für Funktionsstörungen im Kopf- und Nackenbereich können sehr vielfältig sein. So können beispielsweise eine ungünstige Haltung bei der Arbeit am Computer oder Überkopfarbeiten Kopf- und Nackenschmerzen auslösen. Auch Stress kann ein Auslöser sein. Außerdem kann durch das Alter bedingter Verschleiß Beschwerden in der Halswirbelsäule begünstigen.
Die Symptome bei Funktionsstörungen im Kopf- und Nackenbereich können verschieden ausgeprägt sein. Häufig treten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auf, die unterschiedlich stark sein können. Physiotherapie kann helfen, die Beschwerden zu lindern oder vollständig zu beseitigen. Vor jeder physiotherapeutischen Behandlung findet eine Befundung und Diagnostik durch den Therapeuten statt. Auf dieser Grundlage wird die Therapie geplant.
Kopfschmerzen nach Massage vermeiden
Massage wird oft mit Entspannung und Linderung von Beschwerden assoziiert, doch manchmal kann sie ein unerwartetes Phänomen hervorrufen: Kopfschmerzen.
Ursachen für Kopfschmerzen nach Massage
- Spannungsveränderungen: Die Reaktion des Körpers auf die geänderten Spannungsverhältnisse nach einer Massage. Vor allem die kurze Nackenmuskulatur unterhalb des Schädels, reagiert besonders sensible auf Spannungsveränderungen der Körpermuskulatur. Spannungskopfschmerzen, die häufig nach einer Massage auftreten, sind in der Regel durch einen dumpfen, drückenden Schmerz gekennzeichnet, der sich über den Kopf verteilt.
- Dehydration: Während einer Massage werden durch die Stimulation der Muskeln und des Gewebes Schlacke und Toxine freigesetzt, die sich im Körper angesammelt haben. Der Körper versucht, diese Toxine über das Blut- und Lymphsystem auszuscheiden. Wenn man jedoch nicht genügend Flüssigkeit zu sich nimmt, kann der Körper diese Toxine nicht effektiv ausscheiden. Lokaler Lymphstau und anschwellen der Interzellularräume sind die Folge.
- Falsche Ausführung der Massage: Die Art und Weise, wie eine Massage ausgeführt wird, kann eine entscheidende Rolle bei der Entstehung oder Vermeidung von Kopfschmerzen nach der Behandlung spielen. Übermäßiger Druck, besonders im Bereich des Nackens und des Kopfes, kann zu Spannungen und folglich zu Kopfschmerzen führen. Die Anwendung unangemessener Massagetechniken kann ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.
- Mangelnde Entspannung nach der Massage: Die Zeit direkt nach einer Massage ist entscheidend für die Maximierung der Entspannungseffekte und das Minimieren von unerwünschten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen.
Tipps zur Vermeidung von Kopfschmerzen nach Massage
- Hydratation: Stellen Sie sicher, dass Sie vor Ihrer Massage ausreichend Wasser trinken. Trinken Sie direkt nach der Massage und auch im weiteren Verlauf des Tages viel Wasser. Vermeiden Sie alkoholische und koffeinhaltige Getränke, da diese zur Dehydration beitragen können.
- Korrekte Massagetechnik: Sofern man anfällig für Kopfschmerzen nach einer Massage ist, versuche die Streich- und Knettechniken der Massage immer vom Kopf zum Herzen hin zu führen. Ein offener Dialog mit dem Massagetherapeuten über die Präferenzen und Schmerzgrenzen ist entscheidend.
- Ruhe und Entspannung: Gönnen Sie sich unmittelbar nach der Massage eine Ruhephase. Atmen Sie tief und langsam, um die Entspannung zu fördern und die Sauerstoffversorgung zu verbessern, was Kopfschmerzen vorbeugen kann.
Wann sollte man medizinischen Rat einholen?
Während leichte Kopfschmerzen nach einer Massage häufig harmlos und kurzlebig sind, gibt es Situationen, in denen es ratsam ist, medizinischen Rat einzuholen. Indem man auf seinen Körper hört und bei Bedenken medizinischen Rat einholt, kann man sicherstellen, dass die Massageerfahrung sowohl sicher als auch entspannend ist.
Langfristige Strategien zur Linderung und Vorbeugung von Kopfschmerzen
- Kontinuierliche Entspannung: Regelmäßige Massagen können dazu beitragen, Muskeln zu entspannen und Spannungskopfschmerzen zu vermeiden.
- Hydratation und Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind wesentlich, um Kopfschmerzen vorzubeugen. Achten Sie darauf, pro Kilogramm Körpergewicht täglich mindestes 30ml Wasser zuzuführen.
- Stressmanagement: Lernen Sie effektive Techniken zur Stressbewältigung, wie Meditation, Yoga oder leichte Übungen.
- Vermeiden Sie lange Anstrengung für die Augen: Die Augenmuskulatur ist mit der größte Spannungsgeber unseres duralen Systems (Hirnhäute). Lange, montone Augenbeanspruchung (wie z.B.
Migräne und Muskelverspannungen
Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und betrifft Millionen von Menschen weltweit. Die intensive und oft lähmende Kopfschmerzattacke kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene berichten jedoch nicht nur von Schmerzen im Kopf, sondern auch von Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich.
Der Zusammenhang zwischen Migräne und Muskelverspannungen
Migräne ist eine komplexe neurologische Störung, deren genaue Ursache bis heute nicht vollständig geklärt ist. Verspannte Muskeln, besonders im Nacken- und oberen Rücken, sind oft die Folge von Stress, schlechter Körperhaltung oder langem Sitzen am Schreibtisch. Diese Verspannungen können Nerven und Blutgefäße beeinträchtigen, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Durch die Muskelanspannung werden Durchblutung und Sauerstoffversorgung gestört, was den Druck auf umliegende Nerven erhöht - ein möglicher Auslöser für Migräneanfälle.
Physiotherapeutische Ansätze zur Behandlung von Migräne und Muskelverspannungen
Moderne Physiotherapie bietet eine Vielzahl von Ansätzen, um verspannte Muskeln zu lockern, die Durchblutung zu verbessern und Migräneattacken vorzubeugen.
- Manuelle Therapie: In der manuellen Therapie setzt der Physiotherapeut gezielte Techniken ein, um Muskeln zu lockern, Gelenke zu mobilisieren und verspannte Bereiche zu entlasten. Bei Migränepatienten liegt der Fokus oft auf dem Nacken und der oberen Wirbelsäule, um den Druck auf die betroffenen Nerven zu verringern.
- Triggerpunktbehandlung: Viele Migränepatienten haben sogenannte Triggerpunkte - besonders schmerzhafte, verhärtete Muskelstellen, die Schmerzen in andere Bereiche ausstrahlen können. Ein Physiotherapeut kann diese Punkte gezielt behandeln, um die Spannung zu lösen und den Schmerz zu lindern.
- Kräftigung und Dehnung: Ein wichtiger Teil der Physiotherapie ist die Stärkung und Dehnung bestimmter Muskelgruppen, um langfristig Verspannungen vorzubeugen. Durch gezielte Übungen für den Nacken-, Schulter- und Rückenbereich können Patienten lernen, ihre Muskulatur zu entlasten und die Belastung auf den Kopf- und Nackenbereich zu reduzieren.
- Entspannungstechniken: Da Stress einer der Hauptauslöser für Migräne und Muskelverspannungen ist, spielen auch Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen eine wichtige Rolle in der Physiotherapie.
Neben der physiotherapeutischen Behandlung ist es entscheidend, dass Patienten lernen, ihren Alltag so zu gestalten, dass Verspannungen gar nicht erst entstehen. Ein ergonomischer Arbeitsplatz, regelmäßige Pausen und eine korrekte Körperhaltung sind hier die Schlüssel.
Die Bedeutung der Halswirbelsäule bei Migräne
Nackenschmerzen zählen zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer Migräne. Zugleich können die Verspannungen im Nacken auch Trigger (Auslöser) einer Migräneattacke sein. Es ist wichtig zu überprüfen, ob Störungen im Bereich der Halswirbelsäule bei Patienten mit Migräne vorliegen und wenn ja, diese zu behandeln, um einen möglichen Triggerfaktor zu reduzieren.
Viele Menschen neigen zum Beispiel beim Telefonieren und Radfahren dazu, das Kinn nach vorne zu drücken. Diese unnatürliche Haltung des Kopfes ist oftmals Grund für Verspannungen im Nacken und begünstigt eine Migräne-Attacke. Kopfschmerz-Patienten schieben häufig exzessiv ihr Kinn nach vorne. Das wiederum hat zur Folge, dass Strukturen im Nacken eingeengt und verspannt werden. Nicht nur Menschen, die häufig unter anderen Kopfschmerzformen leiden, sondern auch Migräne-Patienten haben oft sogenannte Triggerpunkte in der Nackenmuskulatur.
Im Alltag nehmen wir oftmals eine nach vorne gebeugte Haltung ein, welche die Brustmuskulatur auf Dauer verkürzt und die Schultermuskulatur überstrapaziert. Die dadurch entstehenden Verspannungen können wiederum eine Migräne-Attacke begünstigen.
Physiotherapie bei Migräne und Spannungskopfschmerzen
In vielen Fällen kann die Physiotherapie - je nach Ursache und Begleitsymptomen - zur Linderung der Beschwerden bei Migräne und Spannungskopfschmerzen beitragen. Welche Behandlung hier am besten geeignet ist und wie häufig und intensiv die Behandlung erfolgen sollte, hängt von dem Schmerzverhalten der Patienten ab und kann individuell stark variieren.
Die Physiotherapie kann vor allem dann helfen, wenn die Kopfschmerzen die Folge von Blockaden, Verspannungen, Fehlstellungen oder Störungen des Bewegungsapparates sind. Die Manuelle Therapie zielt darauf ab, die Funktion von Muskeln und Gelenken wiederherzustellen oder zu optimieren. Dazu kommen spezielle Handgriffe und Techniken zum Einsatz, die der Mobilisation der Strukturen dienen und die Beweglichkeit erhöhen und Schmerzen verringern sollen. Gerade Verspannungen der Hals-, Brust-, Nacken- und Schultermuskulatur können Schmerzen verursachen, die bis in den Kopf ausstrahlen. Aber auch Probleme mit dem Kiefergelenk haben nicht selten Kopfschmerzen zur Folge.
Manuelle Therapie und Triggerpunkttherapie
Studien haben bestätigt, dass die Manuelle Therapie bei Kopfschmerzpatienten zu signifikant besseren Ergebnissen führt als eine medikamentöse Behandlung oder Placebo. Eine Variante ist die Triggerpunkttherapie. Triggerpunkte sind lokal begrenzte Muskelverkrampfungen, die Schmerzen verursachen. Dabei muss der Schmerz jedoch nicht unbedingt direkt am Triggerpunkt liegen, sondern kann ausstrahlen und an einem weiter entfernten Ort (z. B. Auch diese Behandlung zielt darauf ab, Verhärtungen in der Muskulatur und dem umliegenden Bindegewebe zu lockern und dadurch die Durchblutung zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
Entspannungstechniken und Stressbewältigung
Stress gehört zu den häufigsten Auslösern von Migräne. Die Vermeidung von Stress gilt daher als eine der wichtigsten Maßnahmen, um Migräneanfälle zu verhindern. Es gibt verschiedene Entspannungstechniken, mit denen sich die Muskulatur effektiv lockern lässt. Dabei werden verschiedene Muskelgruppen in einer bestimmten Reihenfolge beansprucht. Positiver Nebeneffekt: Die gezielte Anspannung fördert die Durchblutung, was viele als sehr angenehmes Gefühl beschreiben.
Als besonders hilfreich gilt die tiefe Bauchatmung, die Schulterbrücke oder der herabschauende Hund. Darüber hinaus können auch andere Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Tai-Chi oder Biofeedback die Symptome lindern.
Übungen zur Vorbeugung von Kopfschmerzen
Migränepatienten oder Personen mit Spannungskopfschmerzen leiden häufig unter Muskelverspannungen. Mit den folgenden Übungen können Sie die Muskulatur dehnen und lockern und damit möglicherweise die Entstehung der Kopfschmerzen verhindern.
- Dehnung der seitlichen Nackenmuskulatur: Setzen Sie sich entspannt, aber mit aufrechtem Oberkörper auf einen Stuhl. Drehen Sie den Kopf um ca. 45° nach rechts und ziehen Sie die rechte Schulter herunter. Legen Sie Ihre linke Hand leicht schräg auf den Hinterkopf über dem rechten Ohr und bewegen Sie Ihr Kinn etwas nach unten in Richtung Kehlkopf. Ziehen Sie Ihren Kopf mit der linken Hand leicht schräg nach links vorne und halten Sie diese Dehnung für etwa 2 Minuten. Atmen Sie dabei ruhig und tief.
- Dehnung der vorderen Nackenmuskulatur: Stellen Sie sich in aufrechter Position hin und falten Sie die Hände hinter Ihrem Rücken. Schieben Sie den Kopf nach hinten, als würden Sie ein Doppelkinn machen möchten, und ziehen Sie beide Schultern dann zurück - so weit es möglich ist. Diese Position halten Sie für einige Sekunden, dann entspannen Sie sich.
- Kieferübung: Setzen oder stellen Sie sich entspannt hin. Legen Sie eine Hand an die Stirn, die andere an den Unterkiefer. Öffnen Sie den Mund und drücken den Kiefer sanft nach rechts, während Sie die Hand an der Stirn in die andere Richtung (links) drücken. Halten Sie die Übung einige Sekunden, dann lassen Sie los.
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