Migräne nach Schulterübungen: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Menschen erleben nach körperlicher Anstrengung, insbesondere nach Schulterübungen, Kopfschmerzen oder sogar Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für dieses Phänomen, die Symptome, die auftreten können, und die verschiedenen Behandlungs- und Präventionsstrategien.

Einführung

Körperliche Aktivität wird oft als eine nicht-medikamentöse Methode zur Vorbeugung von Kopfschmerzen empfohlen. Es gibt jedoch Fälle, in denen Sport selbst Kopfschmerzen auslösen kann. Wenn nach Aktivitäten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren plötzlich Kopfschmerzen auftreten, könnte dies auf Belastungskopfschmerzen zurückzuführen sein. Es ist wichtig zu verstehen, dass es verschiedene Arten von Kopfschmerzen gibt, die unterschiedliche Behandlungen erfordern.

Arten von Kopfschmerzen nach dem Sport

Kopfschmerzen, die nach dem Sport auftreten, können verschiedene Ursachen haben und sich in ihren Symptomen unterscheiden. Es ist wichtig, die Art des Kopfschmerzes zu identifizieren, um die richtige Behandlung zu wählen.

Anstrengungskopfschmerzen

Anstrengungskopfschmerzen sind durch pochende (pulsierende) Kopfschmerzen gekennzeichnet, die meist beidseitig auftreten. Der Schmerz kann auch vom Hinterkopf ausgehen. Die Schmerzen sind in der Regel stark und ähneln in ihrer Heftigkeit einer Migräneattacke. Anstrengungskopfschmerzen können mehrere Stunden anhalten, sich aber auch nach wenigen Minuten zurückbilden.

Belastungskopfschmerzen

Belastungskopfschmerzen machen sich eher im Hinterkopf bemerkbar und scheinen vom Nacken auszugehen. Die Schmerzen fühlen sich eher diffus an und bleiben normalerweise über mehrere Stunden bestehen.

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Mögliche Ursachen für Kopfschmerzen nach Schulterübungen

Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Kopfschmerzen nach Schulterübungen beitragen können. Einige der häufigsten Ursachen sind:

Muskelverspannungen

Muskuläre Ungleichgewichte sind eine häufige Ursache für Kopfschmerzen. Anhaltende Fehlhaltungen können zu einer Zunahme der Muskelspannung führen, wodurch die Durchblutung und der Stoffwechsel beeinträchtigt werden. Eine falsche Haltung am Arbeitsplatz, bei der Kopf und Schultern nach vorne gerichtet sind, kann ebenfalls zu Verspannungen führen. Das Hochziehen der Schultern kann ebenfalls Verspannungen im Nacken verursachen. Wenn diese Position über einen längeren Zeitraum gehalten wird, verkürzt sich die Muskulatur und die Dynamik der Muskulatur nimmt ab. Dies kann zu einer Verschlechterung der Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) führen.

Belastungskopfschmerzen

Der Internationalen Kopfschmerz Gesellschaft zufolge löst vermutlich eine Überdehnung der Venen oder Arterien den Schmerz aus. Bei körperlicher Anstrengung pumpt das Herz das Blut schneller durch den Körper, um die Muskeln besser mit Sauerstoff zu versorgen. Dafür weiten sich die Blutgefäße, was die Beschaffenheit der Gefäßwände verändert. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse haben außerdem gezeigt, dass Patienten mit Belastungskopfschmerzen häufiger eine Klappeninsuffizienz der inneren Jugularvenen aufweisen (Klappen der Venen in der Halsregion schließen nicht vollständig).

Dehydration

Flüssigkeitsmangel kann ebenfalls zu Kopfschmerzen führen. Das Risiko einer Dehydration steigt, wenn Sie beim Sport viel schwitzen und zu wenig trinken. Dies lässt sich durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr während des Trainings vermeiden.

Triggerpunkte

Triggerpunkte sind winzige "Knoten" in der Muskulatur, die Schmerzen und Beschwerden verursachen können. Sie entstehen oft durch wiederholte oder anhaltende muskuläre Überlastungen. Triggerpunkte können Schmerzen in andere Bereiche des Körpers projizieren und so Kopfschmerzen und Migräne auslösen.

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Zervikogene Kopfschmerzen

Zervikogene Kopfschmerzen werden durch eine Störung im Bereich der oberen Halswirbelsäule hervorgerufen. Der Schmerz zieht vom Hinterkopf nach vorn. Die Reizung kann hervorgerufen werden durch Entwicklungsstörungen am Übergang zwischen Wirbelsäule und Schädel, Tumoren, rheumatische Arthritis, Verschleißerscheinungen, Knochenbrüche, Schleudertraumata oder bakterielle Infektionen.

Migräne

Bei Migränepatienten können Sportarten mit schnellen, wechselnden und ruckartigen Bewegungsabläufen Trigger sein, die eine Migräneattacke auslösen können.

Risikofaktoren für Kopfschmerzen nach dem Sport

Es gibt einige Risikofaktoren, die das Auftreten von Anstrengungskopfschmerzen fördern. So kann die Gefäßbelastung steigen, wenn Sie ohne ausreichende Vorbereitung intensiv trainieren oder sich bei hohen Temperaturen verausgaben. Auch Bergtouren in großer Höhe fordern dem Körper viel ab und können leicht Kopfschmerzen zur Folge haben. Zudem kann eine unregelmäßige Atmung dazu beitragen, dass sich die Gefäßspannung erhöht, und damit Kopfschmerzen begünstigen.

Vorbeugung von Kopfschmerzen nach dem Sport

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Kopfschmerzen nach dem Sport vorzubeugen:

  • Aufwärmen: Wärmen Sie sich vor dem Training gründlich auf.
  • Nicht überlasten: Überlasten Sie sich beim Training nicht.
  • Trinken: Achten Sie darauf, genug zu trinken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt Erwachsenen, täglich 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Bei großer Hitze oder sportlichen Aktivitäten können ein halber bis ein Liter Wasser pro Sportstunde zusätzlich nötig sein.
  • Körperhaltung: Achten Sie auf eine korrekte Körperhaltung, insbesondere bei Übungen an Fitnessgeräten.
  • Regelmäßige Bewegung: Fachleute empfehlen regelmäßige körperliche Aktivität als wichtige vorbeugende Maßnahme. Vor allem Ausdauersportarten sind hilfreich. Dabei steigt die Menge an Botenstoffen im Gehirn wie Serotonin, Endorphine und Enkephaline, die die Schmerzschwelle erhöhen.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf einen ergonomischen Arbeitsplatz, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
  • Stressmanagement: Bauen Sie Stress ab, da Stress zu Muskelverspannungen führen kann.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
  • Kohlenhydratreiche Ernährung: Essen Sie etwa drei Stunden vor dem Training kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Nudeln oder Kartoffeln, um eine Unterzuckerung zu vermeiden.
  • Sportart wählen: Wählen Sie Sportarten, die die Ausdauer sanft trainieren, wie Joggen, Nordic-Walking, Radfahren, Ski-Langlauf oder Schwimmen.

Behandlung von Kopfschmerzen nach dem Sport

Akute Belastungskopfschmerzen nach dem Sport lassen sich am schnellsten mit Schmerzmitteln in den Griff bekommen. Bei Kopfschmerzen werden vor allem die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol empfohlen. Außerdem ist es sinnvoll, das sportliche Training bei Eintreten der Schmerzen sofort zu beenden.

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Wenn die Anstregungskopfschmerzen auf diese Weise nicht in den Griff zu bekommen sind, kann eine Sportpause über eine Wochen sinnvoll sein. Danach steigen Sie langsam wieder in das Training ein und steigern sich moderat.

Physiotherapie bei Kopfschmerzen und Muskelverspannungen

Moderne Physiotherapie bietet eine Vielzahl von Ansätzen, um verspannte Muskeln zu lockern, die Durchblutung zu verbessern und Migräneattacken vorzubeugen.

Manuelle Therapie

In der manuellen Therapie setzt der Physiotherapeut gezielte Techniken ein, um Muskeln zu lockern, Gelenke zu mobilisieren und verspannte Bereiche zu entlasten. Bei Migränepatienten liegt der Fokus oft auf dem Nacken und der oberen Wirbelsäule, um den Druck auf die betroffenen Nerven zu verringern.

Triggerpunktbehandlung

Viele Migränepatienten haben sogenannte Triggerpunkte - besonders schmerzhafte, verhärtete Muskelstellen, die Schmerzen in andere Bereiche ausstrahlen können. Ein Physiotherapeut kann diese Punkte gezielt behandeln, um die Spannung zu lösen und den Schmerz zu lindern.

Kräftigungs- und Dehnübungen

Ein wichtiger Teil der Physiotherapie ist die Stärkung und Dehnung bestimmter Muskelgruppen, um langfristig Verspannungen vorzubeugen. Durch gezielte Übungen für den Nacken-, Schulter- und Rückenbereich können Patienten lernen, ihre Muskulatur zu entlasten und die Belastung auf den Kopf- und Nackenbereich zu reduzieren.

Entspannungstechniken

Da Stress einer der Hauptauslöser für Migräne und Muskelverspannungen ist, spielen auch Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen eine wichtige Rolle in der Physiotherapie.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Plötzliche starke Kopfschmerzen sollten stets ärztlich abgeklärt werden, um eine mögliche Grunderkrankung auszuschließen. Wichtig ist daher, neu aufgetretene Kopfschmerzen ärztlich abklären zu lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Kopfschmerzen nur bei körperlicher Anstrengung oder Belastung auftreten oder der Schmerz ausstrahlt, etwa in den Kiefer.

Treten die Schmerzen häufiger auf oder lassen sie sich durch gängige Maßnahmen nicht beseitigen, sollte man den Arzt aufsuchen. Eine langfristige Einnahme von Schmerzmitteln kann schwere Folgen für die Gesundheit haben.

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