Migräne nach Sport: Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Kopfschmerzen nach dem Sport sind ein weit verbreitetes Phänomen. Sie können verschiedene Ursachen haben und sowohl harmlose als auch behandlungsbedürftige Auslöser haben. Oftmals werden Anstrengungskopfschmerz und Belastungskopfschmerz synonym verwendet, obwohl unterschiedliche Auslöser zugrunde liegen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und präventiven Maßnahmen bei Migräne und Kopfschmerzen nach dem Sport.

Arten von Kopfschmerzen nach dem Sport

Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die nach dem Sport auftreten können. Es ist wichtig, diese zu unterscheiden, um die richtige Behandlung zu finden.

Anstrengungskopfschmerz

Der anstrengungsbedingte Kopfschmerz tritt häufig bei Sportarten auf, die mit einer größeren Anstrengung für den Kreislauf verbunden sind.

Symptome:

  • Pochende (pulsierende) Kopfschmerzen
  • Meist beide Seiten des Kopfes betroffen
  • Schmerz kann vom Hinterkopf ausgehen
  • Starke Schmerzen, die einer Migräneattacke ähneln
  • Dauer: wenige Minuten bis mehrere Stunden

Ursachen: Bei körperlicher Anstrengung pumpt das Herz das Blut schneller durch den Körper, um die Muskeln mit zusätzlichem Sauerstoff zu versorgen. Daher dehnen sich die Venen und Arterien aus. In der Folge verändert sich die Spannung der Gefäße. Da die Gefäßstrukturen im Bereich des Kopfes besonders schmerzempfindlich sind, ist dies vermutlich die Ursache für die Kopfschmerzen. Ob es nach dem Sport zu Kopfschmerzen kommt, hängt vor allem davon ab, wie gut Sie an die Anstrengung gewöhnt sind und wie intensiv Sie den Sport ausüben.

Belastungskopfschmerz

Der belastungsbedingte Kopfschmerz tritt seltener auf und steht vor allem im Zusammenhang mit hohen Gewichtsbelastungen, wie etwa beim Gewichtheben oder beim Ringkampf. Der Belastungskopfschmerz tritt aber nicht nur beim Sport auf, sondern auch in beruflichem Zusammenhang oder bei anderen Aktivitäten wie einem Umzug auf.

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Symptome:

  • Eher im Hinterkopf bemerkbar, scheinen vom Nacken auszugehen
  • Eher diffuse Schmerzen
  • Dauer: mehrere Stunden
  • Die genaue Ursache ist unbekannt.

Migräne

Bei Migränepatienten kann Bewegung eine Migräneattacke auslösen. Migräneattacken können über einen Zeitraum von vier bis 72 Stunden anhalten. Sie äußern sich durch pulsierende und pochende Kopfschmerzen, die durch körperliche Aktivität zunehmen. Dabei äußern sich die Kopfschmerzen einseitig. Viele Menschen leiden zudem unter einer Migräne mit Aura. Dabei nehmen Betroffene Lichtblitze oder etwa gezackte Linien wahr.

Weitere Ursachen

Neben den genannten Kopfschmerzarten können auch andere Faktoren Kopfschmerzen nach dem Sport verursachen oder verstärken:

  • Dehydration: Flüssigkeitsmangel kann Kopfschmerzen auslösen. Wenn Sie beim Sport viel schwitzen und zu wenig trinken, ist das Risiko für Beschwerden besonders hoch.
  • Verspannungen: Übungen an Fitnessgeräten mit einer ungünstigen Haltung können Verspannungen im Muskelbereich verstärken oder neu entstehen lassen.
  • Sekundäre Kopfschmerzen: In seltenen Fällen können Kopfschmerzen ein Symptom für eine andere Erkrankung sein, wie z.B. Schilddrüsenprobleme, Diabetes mellitus, Hirnblutung, Tumor oder eine Herzgefäßerkrankung.

Risikofaktoren

Es gibt einige Risikofaktoren, die das Auftreten von Anstrengungskopfschmerzen fördern:

  • Intensives Training ohne ausreichende Vorbereitung
  • Überanstrengung bei hohen Temperaturen
  • Bergtouren in großer Höhe
  • Unregelmäßige Atmung

Diagnose

Wichtig ist, neu aufgetretene Kopfschmerzen ärztlich abklären zu lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Kopfschmerzen nur bei körperlicher Anstrengung oder Belastung auftreten oder der Schmerz ausstrahlt, etwa in den Kiefer. Bei der Diagnose von Belastungskopfschmerzen wird der Arzt oder die Ärztin den Patienten oder die Patienten gründlich untersuchen, um eine mögliche Grunderkrankung auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung von Kopfschmerzen nach dem Sport richtet sich nach der Art des Kopfschmerzes und der zugrunde liegenden Ursache.

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Akutbehandlung

  • Schmerzmittel: Bei akuten Belastungskopfschmerzen nach dem Sport lassen sich am schnellsten mit Schmerzmitteln in den Griff bekommen. Bei Kopfschmerzen werden vor allem die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol empfohlen.
  • Training beenden: Als Akutmaßnahme ist es zudem sinnvoll, das Training sofort zu beenden, sobald Schmerzen einsetzen. Das kann die Dauer der Kopfschmerzen verkürzen.

Vorbeugung

  • Nicht überlasten: Wichtig ist, dass Sie sich beim Training nicht überlasten. Wärmen Sie sich auf, und verzichten Sie auf Sport bei hohen Temperaturen. Außerdem sollten Sie darauf achten, genug zu trinken.
  • Sportpause: Wenn die Anstregungskopfschmerzen auf diese Weise nicht in den Griff zu bekommen sind, kann eine Sportpause über eine Wochen sinnvoll sein. Danach steigen Sie langsam wieder in das Training ein und steigern sich moderat.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Fachleute empfehlen regelmäßige körperliche Aktivität als wichtige vorbeugende Maßnahme. Vor allem Ausdauersportarten sind hilfreich. Dabei steigt die Menge an Botenstoffen im Gehirn wie Serotonin, Endorphine und Enkephaline, die die Schmerzschwelle erhöhen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Achten Sie darauf, genügend zu trinken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt Erwachsenen, täglich 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Bei großer Hitze oder sportlichen Aktivitäten können ein halber bis ein Liter Wasser pro Sportstunde zusätzlich nötig sein.
  • Kohlenhydratreiche Ernährung: Etwa drei Stunden vor dem Training kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Nudeln oder Kartoffeln essen. So kann man eine Unterzuckerung sowie Beschwerden einer Migräne und Aura-Symptomen wie Augenflimmern oder Lichtblitze nach dem Sport vermeiden.
  • Magnesiumzufuhr: Ein Magnesiummangel verursacht Kopfschmerzen. Durch das Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe wie Calcium und insbesondere Magnesium. Wenn Sie viel schwitzen, müssen Sie viel trinken und gegebenenfalls magnesiumhaltige Nahrungsmittel zu sich nehmen.

Medikamentöse Prophylaxe

  • Indometacin: Bei häufigem Auftreten von Anstrengungskopfschmerzen kann eine Kurzzeitprophylaxe von 25 bis 50 mg Indometacin - eine Stunde vor dem Training - hilfreich sein.
  • Propanolol: Bei wiederkehrenden Attacken von Sexualkopfschmerzen kann eine Prophylaxe mit Propanolol Mittel der Wahl sein. Alternativ kommen Metoprolol und Atenolol, Topiramat oder der CGRP-Antikörper Erenumab infrage.

Alternative Therapien

  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Qigong oder Tai-Chi können helfen, Verspannungen zu lösen und Stress abzubauen, was wiederum Kopfschmerzen vorbeugen kann.
  • Sportarten mit sanften Bewegungsabläufen: Für Betroffene sind besonders moderate Bewegungsarten geeignet, unter anderem zählen dazu: Joggen, Nordic-Walking, Radfahren, Ski-Langlauf und Schwimmen.

Sport und Migräne

Sport kann sowohl Auslöser als auch Therapie bei Migräne sein.

Sport als Auslöser

Sportarten mit schnellen, wechselnden und ruckartigen Bewegungsabläufen können Migräne auslösen. Dazu gehören:

  • Krafttraining
  • Tennis oder Squash
  • Kampfsportarten
  • Ballsportarten wie Fußball oder Handball
  • Reiten

Sport als Therapie

Ausdauersport kann eine wichtige Maßnahme zur Migräne-Vorbeugung sein. Durch die regelmäßige Bewegung produziert der Köper mehr Endorphine, die sich positiv auf die Stimmung auswirken und Migräne durch Stress reduzieren. Ein weiterer positiver Effekt bei Migräne könnte auch dadurch erklärt werden, dass Sport zur Gewichtsreduktion beiträgt. Denn ausgeprägtes Übergewicht stellt einen Risikofaktor für chronische Migräne dar. Eine brasilianische Arbeitsgruppe verglich im Jahr 2014 bei Patienten mit chronischer Migräne die alleinige Behandlung mit dem trizyklischen Antidepressivum Amitriptylin mit einer Kombination aus Amitriptylin plus einem aeroben Sportprogramm. Das Ergebnis war erstaunlich. Amitriptylin 25 mg allein reduzierte die Migränehäufigkeit nach 3 Monaten von ursprünglich durchschnittlich 25 Tagen/Monat auf 13 Tage/Monat. Wurde zusätzlich „schnell gegangen“ sank die Migränehäufigkeit im Monat von 23 Tagen auf 5 Tage. Noch deutlicher war die Abnahme der Einnahme von Schmerzmitteln.

Tipps zur Vorbeugung von Migräne nach dem Sport

  • Migränetagebuch führen: Um herauszufinden, wann du nach dem Sport Migräne bekommen und welche Sportart dir dagegen gut tut, kannst das Training in deinem Migränetagebuch festhalten.
  • Trainingsplan mit Sportmediziner besprechen.
  • Vor dem Sport die Glykogenspeicher (Glucose-Vorräte) des Körpers füllen.
  • Auf ausreichend Flüssigkeit achten.
  • Ausreichende Pausen einhalten.

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