Migräneattacken können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Wenn Naratriptan, ein häufig verwendetes Medikament zur Akutbehandlung von Migräne, nicht mehr die gewünschte Wirkung zeigt, ist es wichtig, verschiedene Optionen zu kennen und zu verstehen, wie man am besten vorgeht.
Migräne und ihre Behandlung
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Diese Attacken können von verschiedenen Symptomen begleitet sein, darunter Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) und Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie). Die Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass der körpereigene Botenstoff Serotonin eine Rolle spielt.
Triptane, wie Naratriptan, sind spezifische Medikamente zur Behandlung von Migräne und Clusterkopfschmerzen. Sie wirken, indem sie an Serotonin-Rezeptoren im Gehirn binden und so die Blutgefäße verengen und Entzündungen reduzieren. Naratriptan wird bevorzugt bei Migränepatienten eingesetzt, die besonders empfindlich für Nebenwirkungen sind, da es kaum mehr Nebenwirkungen als ein Placebo erzeugt. Es wird in einer Dosis von 2,5 mg als Tablette verabreicht. Bei unzureichender Wirkung können auch 5 mg eingenommen werden.
Mögliche Gründe für die fehlende Wirkung von Naratriptan
Es gibt verschiedene Gründe, warum Naratriptan bei der Behandlung von Migräneattacken möglicherweise nicht mehr wirkt:
- Falsche Einnahme: Triptane sollten möglichst früh nach Auftreten der Kopfschmerzen eingenommen werden. Viele Patienten warten jedoch ab, ob sich die Beschwerden tatsächlich zu einer Migräneattacke entwickeln, was die Wirksamkeit der Medikation herabsetzen kann.
- Unzureichende Dosierung: Die klinische Wirksamkeit von Naratriptan bei einer Dosis von 2,5 mg ist etwas niedriger im Vergleich zu anderen Triptanen wie Sumatriptan. Durch eine Dosiserhöhung auf 5 mg kann jedoch auch bei Patienten, die auf 2,5 mg nicht ausreichend ansprechen, eine gute Wirksamkeit erzielt werden.
- Wiederkehrkopfschmerz: Bei etwa 30 Prozent der Patienten treten erneut Migräne-Symptome auf, sobald die Triptanwirkung nachlässt. Dies wird als Wiederkehrkopfschmerz bezeichnet.
- Übergebrauch von Medikamenten: Die regelmäßige und übermäßige Einnahme von Triptanen kann zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz führen. Die 10-20-Regel besagt, dass Triptane nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat eingenommen werden sollten.
- Individuelle Unterschiede: Triptane wirken nicht bei allen Patienten mit Migräne. Etwa 13 Prozent der Patienten sprechen nicht auf Triptane an.
- Resorptionsprobleme: Erbrechen und Übelkeit, die bei einer Migräneattacke auftreten können, können die Wirkung der Akuttherapie reduzieren, wenn die Medikation erbrochen wird.
Was tun, wenn Naratriptan nicht mehr wirkt?
Wenn Naratriptan nicht mehr die gewünschte Wirkung zeigt, gibt es verschiedene Strategien, die in Absprache mit einem Arzt ausprobiert werden können:
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Optimierung der Einnahme:
- Frühzeitige Einnahme: Nehmen Sie Naratriptan so früh wie möglich nach Auftreten der Kopfschmerzen ein.
- Ausreichende Dosierung: Erwägen Sie eine Dosiserhöhung auf 5 mg, falls die 2,5 mg Dosis nicht ausreichend wirksam ist.
Kombinationstherapie:
- Analgetika: Um den Wiederkehrkopfschmerz zu vermeiden, kann Naratriptan gleichzeitig mit einem Analgetikum wie Naproxen (500 mg) eingenommen werden, da diese Substanz lang anhaltend wirkt.
Wechsel des Triptans oder der Applikationsform:
- Anderes Triptan: Versuchen Sie ein anderes Triptan, da sich die verschiedenen Triptane hinsichtlich ihrer Wirklatenz, Wirkstärke und Wirkdauer unterscheiden. Spricht ein Patient auf ein bestimmtes Triptan nicht an, so sollte ein anderes versucht werden.
- Nasales oder subkutanes Triptan: Bei Übelkeit und Erbrechen kann ein nasales oder subkutanes Triptan eine Option sein, um die Resorption zu verbessern.
Neue Wirkstoffe:
- Ditane (Lasmiditan): Für Patienten, bei denen Triptane nicht wirken oder kontraindiziert sind (z.B. bei Schlaganfall oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte), können neue Wirkstoffe wie Ditane infrage kommen. Lasmiditan ist ein Agonist am 5-HT1F-Rezeptor und hat keinen vasokonstriktorischen Effekt.
Behandlung des Status migraenosus:
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- Medikamentenpause: Ab dem vierten Tag einer Migräneattacke sollte auf Schmerzmittel und Triptane verzichtet werden, da diese die Attacke verlängern können.
- Medikamente gegen Übelkeit: Medikamente wie Dimenhydrinat (Vomex® A) oder schwach wirksame Neuroleptika wie Promethazin oder Melperon können helfen, den Schmerz bewusstseinsfern zu halten.
- Kortison: In der Notfallsituation kann Kortison (Prednisolon) intravenös oder als Tablette verabreicht werden, um die Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute zu blockieren.
Vorbeugende Maßnahmen:
- Migräneprophylaxe: Bei einer hohen Frequenz von Migräneattacken ist eine prophylaktische Therapie sinnvoll.
- Vermeidung von Triggern: Identifizieren und vermeiden Sie mögliche Auslöser von Migräneattacken.
- Hormonelle Behandlung bei menstrueller Migräne: Bei menstruationsassoziierter Migräne kann versucht werden, den Hormonabfall durch eine Hormongabe auszugleichen oder ein langwirksames Triptan wie Naratriptan oder Frovatriptan vorbeugend einzunehmen.
Die Rolle der Schmerzklinik Kiel
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie für Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen an. Die Klinik behandelt Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch und Clusterkopfschmerz.
Die Klinik bietet sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungen an. Für die Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:
- Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe und Röntgenbilder werden an die Klinik gesendet.
Die Klinik hat mit zahlreichen Krankenkassen eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten vertraglich geregelt.
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