Migräne Ursachen: Nerven, Nacken und ihre komplexe Verbindung

Lange Zeit wurde die Halswirbelsäule (HWS) bei der Betrachtung von Migräneursachen vernachlässigt. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Zusammenhänge komplexer sind und der Nackenbereich eine wichtige Rolle spielen kann. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Migräne, wobei ein besonderer Fokus auf dem Zusammenhang zwischen Nerven, Nacken und der Entstehung von Migräneattacken liegt.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Anders als bei Spannungskopfschmerzen beschränkt sich Migräne nicht nur auf den Kopf. Die Symptome sind vielfältig, betreffen den ganzen Körper und können Betroffene stark einschränken. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen zählen Übelkeit und Erbrechen, wobei fast alle Migräniker über Übelkeit während oder sogar vor einer Attacke berichten. Appetitlosigkeit tritt ebenfalls oft auf.

Auch Hypersensibilität gegenüber äußeren Reizen ist ein häufiges Symptom. Betroffene reagieren empfindlich auf Licht, laute Geräusche oder Gerüche und ziehen sich daher oft in dunkle, stille Räume zurück.

Die Kopfschmerzen selbst sind bei Migräne charakteristisch. Oft beginnen sie im Nacken und wandern über die Schläfen bis zu den Augen. Meist ist nur eine Kopfseite betroffen, aber auch beidseitige Migräne kann auftreten. Die Schmerzen werden als pulsierend, hämmernd oder pochend beschrieben und verstärken sich bereits bei leichter körperlicher Aktivität.

Die Aura als Vorbote

Nicht immer tritt Migräne plötzlich auf. Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen erleben eine sogenannte Aura, die eine Migräneattacke ankündigt. Auch hier gibt es verschiedene Symptome, die klassisch für eine solche Aura sind. Eine Migräne mit Aura läuft meist in fünf Phasen ab:

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  1. Vorbotenphase: Stunden oder Tage vor der Attacke treten Müdigkeit und manchmal Blässe auf, oft in Verbindung mit Heißhunger, Übelkeit und Konzentrationsstörungen.
  2. Auraphase: Kurz vor Beginn der Kopfschmerzen kommen die bewusst wahrgenommenen Aura-Symptome hinzu, wie Sehstörungen (Flimmern, verschwommenes Sehen, Lichtblitze, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen (Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen) und seltener Sprachstörungen.
  3. Kopfschmerzphase: Dies ist der Teil der Migräneattacke, den auch Betroffene ohne Aura durchleben.
  4. Auflösungsphase: Nach den Kopfschmerzen zeigen sich oft Symptome, die der Anfangsphase entgegengesetzt sind. Während die Kopfschmerzen abnehmen, setzt beispielsweise Appetitlosigkeit ein.
  5. Erholungsphase: In dieser Phase sind keine Symptome mehr vorhanden, aber die Betroffenen brauchen Zeit, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren.

Dauer und Häufigkeit von Migräne

Die Einteilung in verschiedene Phasen gibt Aufschluss darüber, wie lange Migräne dauern kann. Während die ersten Vorbotensymptome bereits Tage vor der Attacke auftreten können, dauert die Aura etwa fünf bis 30 Minuten, in Ausnahmefällen bis zu einer Stunde. Die Schmerzphase kann deutlich länger sein und variiert stark. Ohne Behandlung halten die heftigen Kopfschmerzen mindestens vier Stunden an und können bis zu drei Tage andauern. Die Erholungsphase kann zusätzlich bis zu zwei Tage dauern. Insgesamt kann ein Migräneanfall also maximal eine Woche dauern, wobei nur drei Tage davon mit Schmerzen einhergehen.

Die Häufigkeit von Migräneattacken ist von Person zu Person verschieden. In den meisten Fällen haben Betroffene mehr schmerzfreie Tage als Tage mit Migräne. In vereinzelten Fällen kann die Erkrankung allerdings chronisch werden, wobei die Betroffenen dann für mindestens zwei Wochen pro Monat Schmerzen haben, und zwar über mehrere Monate hinweg.

Der Nacken als möglicher Auslöser und Verstärker

Mehr als die Hälfte der Kopfschmerzattacken werden durch Nackenverspannungen verursacht. Der Nackenbereich ist ein komplexes Zusammenspiel von Wirbeln, Muskeln, Sehnen, Bändern und Nerven, das täglich hohen Belastungen ausgesetzt ist. Die Halswirbelsäule muss den Kopf tragen, was oft unterschätzt wird.

Nackenschmerzen und Migräne: Eine Verbindung

Nackenschmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung von Migräne und können gleichzeitig auch ein Auslöser für Migräneattacken sein. Prof. Dr. Kerstin Lüdtke betont, wie wichtig es ist, Störungen im Bereich der Halswirbelsäule bei Migränepatienten zu untersuchen und zu behandeln, um mögliche Triggerfaktoren zu reduzieren. Viele Menschen neigen dazu, beim Telefonieren oder Radfahren das Kinn nach vorne zu drücken, was zu Verspannungen im Nacken führen und Migräne begünstigen kann. Auch Triggerpunkte in der Nackenmuskulatur können bei Migränepatienten häufig gefunden werden.

Eine nach vorne gebeugte Haltung, die im Alltag oft eingenommen wird, kann die Brustmuskulatur verkürzen und die Schultermuskulatur überstrapazieren, was ebenfalls Verspannungen und Migräneattacken begünstigen kann.

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Ursachen von Nackenverspannungen

Nackenverspannungen können verschiedene Ursachen haben:

  • Bewegungsmangel: Langes Sitzen, insbesondere bei der Arbeit, ist eine häufige Ursache.
  • Fehlhaltungen: Ein schlecht eingerichteter Arbeitsplatz oder die Nutzung von Smartphones und Tablets, bei der der Kopf nach vorne geneigt wird, können zu Verspannungen führen.
  • Psychischer Stress: Stress und Angst können zu unbewusstem Anspannen der Schultern und des Nackens führen.
  • Schiefhals: Eine plötzliche, schmerzhafte Verspannung der Nackenmuskulatur, die oft nach dem Aufwachen auftritt.
  • Degenerative Erkrankungen: Verschleißbedingte Erkrankungen der Halswirbel, wie Arthrose oder Bandscheibenvorfälle, können ebenfalls Nackenschmerzen verursachen.
  • Verletzungen: Stürze, Unfälle oder Schleudertraumata können den Nackenbereich verletzen und zu Verspannungen führen.

Der Trigeminusnerv und seine Rolle

Ein wichtiger Faktor bei der Verbindung zwischen Nacken und Migräne ist der Trigeminusnerv. Dieser Nerv ist für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, im vorderen Kopfbereich und in den Hirnhäuten zuständig. Er ist mit dem großen Hinterhauptsnerv verbunden, der im Hinterkopf und Nacken verläuft. Bei Migräne kann eine verstärkte Aktivität des Trigeminusnervs über diese Verbindung auch zu Schmerzen im Nacken und Hinterkopf führen.

Zervikogene Kopfschmerzen

Zervikogene Kopfschmerzen werden durch eine Störung im Bereich der oberen Halswirbelsäule hervorgerufen. Der Schmerz zieht vom Hinterkopf nach vorne und kann durch Druck auf die Nackenmuskulatur oder bestimmte Kopfbewegungen ausgelöst werden. Begleitende Symptome können Nackenschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie diffuse Schmerzen in Schulter oder Arm sein. Ursachen können Entwicklungsstörungen, Tumoren, rheumatische Erkrankungen, Verschleißerscheinungen, Knochenbrüche, Schleudertraumata oder bakterielle Infektionen sein.

Was tun bei Migräne und Nackenschmerzen?

Die Behandlung von Migräne und Nackenschmerzen sollte ganzheitlich erfolgen und verschiedene Therapieansätze berücksichtigen.

Akutbehandlung der Migräne

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelgradigen Schmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol helfen. Auch Präparate, die neben schmerzstillenden Wirkstoffen auch Koffein enthalten, können wirksam sein.
  • Triptane: Bei schweren Migräneattacken können Triptane eingesetzt werden. Diese Medikamente wirken schmerzlindernd und können bei Bedarf mit anderen Arzneimitteln kombiniert werden. Triptane sollten jedoch nicht öfter als zehnmal pro Monat eingenommen werden, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittelübergebrauch verursachen können.
  • Medikamente gegen Übelkeit: Da Übelkeit eine häufige Begleiterscheinung von Migräne ist, können auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen.
  • Ruhe und Dunkelheit: Viele Betroffene leiden während eines Anfalls unter Überempfindlichkeit. Ein abgedunkelter, stiller Raum kann helfen.
  • Kühlung: Ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage kann ebenfalls Linderung verschaffen.
  • Stimulation des Nervus trigeminus: Spezielle Geräte, die auf die Stirn geklebt werden, können den für Schmerz verantwortlichen Nerv des Gesichts stimulieren und die Schmerzen lindern.

Vorbeugung von Migräne

  • Regelmäßiger Schlafrhythmus: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
  • Stress vermeiden: Vermeiden Sie Stress und lernen Sie, im Alltag besser mit belastenden Situationen umzugehen. Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training können helfen.
  • Regelmäßig essen: Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten und vermeiden Sie Flüssigkeitsmangel.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, die Muskulatur zu trainieren und Nackenverspannungen vorzubeugen. Geeignet sind Ausdauersportarten wie Walken, Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Richten Sie Ihren Arbeitsplatz rückenfreundlich ein und achten Sie auf geeignete Tisch- und Sitzmöbel, die richtigen Abstände zum Bildschirm und eine gute Beleuchtung.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Bei chronischen Beschwerden mit mehr als drei Migräneanfällen pro Monat kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Häufig angewendete Mittel sind Betablocker oder bestimmte Antidepressiva.

Behandlung von Nackenverspannungen

  • Wärmeanwendungen: Ein gewärmtes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche kann die Durchblutung fördern und die verspannte Muskulatur lockern.
  • Massage: Eine sanfte Massage kann helfen, die verspannte Muskulatur im Nackenbereich zu lockern.
  • Dehnübungen: Sanfte Dehnübungen können helfen, die Nackenmuskulatur zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Schmerzmittel: Für die akute Behandlung von Spannungskopfschmerzen in Verbindung mit Nackenbeschwerden hat sich Ibuprofen besonders gut bewährt. In Kombination mit medizinischem Coffein kann die Wirksamkeit von Ibuprofen noch weiter gesteigert werden.
  • Stoßwellentherapie: Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich bei HWS-Beschwerden als sehr erfolgversprechend erwiesen. Mit einer Stoßwellentherapie können Triggerpunkte für Schmerzempfindungen gezielt aufgelöst sowie Verspannungen und eventuelle Entzündungen reduziert werden.
  • Physiotherapie und Osteopathie: Eine manuelle Therapie als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung besteht in erster Linie aus Massagen, die Blockaden mithilfe von Druck und Dehnung auflösen sollen. Verspannte Muskeln und Sehnen können so gedehnt und entspannt werden.

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