Leios: Umfassender Leitfaden zur Anwendung und Sicherheit

Leios ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das zur hormonellen Empfängnisverhütung eingesetzt wird. Es handelt sich um eine sogenannte Kombinationspille, auch Mikropille genannt, da sie zwei Hormone enthält: ein Östrogen und ein Gestagen. Die Wirkstoffe in Leios sind Levonorgestrel und Ethinylestradiol.

Wirkungsweise von Leios

Die Kombination aus Levonorgestrel und Ethinylestradiol in Leios wirkt auf verschiedene Weisen, um eine Schwangerschaft zu verhindern:

  • Hemmung des Eisprungs: Die Hormone unterdrücken die Freisetzung einer Eizelle aus den Eierstöcken.
  • Veränderung des Zervixschleims: Der Schleim im Gebärmutterhals wird verdickt, was das Eindringen von Spermien erschwert.
  • Beeinflussung der Gebärmutterschleimhaut: Die Schleimhaut wird weniger aufnahmefähig für ein befruchtetes Ei.

Bei korrekter Anwendung zählt die Antibabypille zu den zuverlässigsten Verhütungsmethoden.

Dosierung und Anwendung von Leios

Die Einnahme von Leios sollte möglichst zur gleichen Zeit erfolgen.

Allgemeine Dosierempfehlung

  • Einnahme: Täglich 1 Tablette.
  • Zeitpunkt: Zum gleichen Zeitpunkt, unabhängig von der Mahlzeit.
  • Dauer: 21 aufeinanderfolgende Tage, anschließend 7 Tage Einnahmepause.
  • Zyklus: Dieser Einnahmezyklus wird wiederholt, solange eine hormonale Behandlung oder Empfängnisverhütung erwünscht ist.

Prinzipiell ist die Dauer der Anwendung zeitlich nicht begrenzt, das Arzneimittel kann daher längerfristig angewendet werden.

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Beginn der Einnahme

  • Erste Einnahme: Am 1. Tag des Zyklus (1. Tag der Monatsblutung) beginnen. Sofortiger Empfängnisschutz besteht.
  • Alternativer Beginn: Zwischen Tag 2 und 5 des Zyklus beginnen, aber während der ersten 7 Tage eine zusätzliche nicht-hormonale Verhütungsmethode (z.B. Kondom) verwenden.
  • Wechsel von anderer Pille: Vorzugsweise am Tag nach der letzten wirkstoffhaltigen Tablette der vorherigen Pille beginnen.
  • Wechsel von Minipille, Injektion, Implantat oder Hormonspirale: Anweisungen in der Packungsbeilage beachten und ggf. zusätzliche Verhütungsmethode verwenden.
  • Nach Fehlgeburt/Schwangerschaftsabbruch: Arzt konsultieren.
  • Nach Geburt: Nicht früher als 28 Tage nach der Geburt beginnen und zusätzliche Verhütungsmethode für 7 Tage verwenden.

Was tun bei vergessener Einnahme?

  • Weniger als 12 Stunden: Vergessene Tablette so schnell wie möglich einnehmen und die nächsten Tabletten zur gewohnten Zeit.
  • Mehr als 12 Stunden: Empfängnisverhütende Wirkung ist nicht mehr gewährleistet. Zusätzliche Verhütungsmethode (z.B. Kondom) für die nächsten 7 Tage anwenden.
    • Erste Woche (Tag 1-7): Vergessene Tablette so schnell wie möglich einnehmen und zusätzliche Verhütungsmethode für 7 Tage anwenden. Bei Geschlechtsverkehr in der Woche vor der vergessenen Einnahme besteht das Risiko einer Schwangerschaft.
    • Zweite Woche (Tag 8-14): Vergessene Tablette so schnell wie möglich einnehmen. Wenn die Tabletten in den 7 Tagen vor der vergessenen Tablette korrekt eingenommen wurden, sind keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen nötig.
    • Dritte Woche (Tag 15-21): Je näher die vergessene Einnahme an der Einnahmepause liegt, desto höher ist das Risiko einer Schwangerschaft. Es gibt zwei Optionen:
      • Vergessene Tablette so schnell wie möglich einnehmen und mit der nächsten Blisterpackung ohne Einnahmepause fortfahren.
      • Einnahme sofort abbrechen und eine einnahmefreie Pause von maximal 7 Tagen einlegen, bevor mit der nächsten Blisterpackung begonnen wird.

Zusätzliche Hinweise zur Einnahme

  • Erbrechen/Durchfall: Bei Erbrechen oder schwerem Durchfall innerhalb von 3-4 Stunden nach der Einnahme, kann die Wirkung beeinträchtigt sein. Zusätzliche Verhütungsmethode verwenden.
  • Durchnehmen: Es ist zwar nicht empfohlen, aber Du kannst Deine Monatsblutung hinauszögern, indem Du die 7-tägige Einnahmepause auslässt und direkt mit der Einnahme aus der nächsten Blisterpackung fortfährst, bis diese aufgebraucht ist. Du solltest Deinen Arzt um Rat fragen, bevor Du Dich entscheidest, die Blutung zu verschieben.
  • Wochentag ändern: Wenn Du den Wochentag ändern möchtest, an dem Deine Periode beginnt, kannst Du die Einnahmepause um beliebig viele Tage verkürzen. Die Einnahmepause sollte niemals länger als 7 Tage betragen.

Gegenanzeigen: Wann darf Leios nicht eingenommen werden?

Leios darf nicht eingenommen werden in folgenden Fällen:

  • Bestehende oder vermutete Schwangerschaft
  • Blutgerinnsel in einem Blutgefäß (z.B. in den Beinen, der Lunge oder einem anderen Organ) oder wenn Du in der Vergangenheit welche hattest
  • Bekannte Störung der Blutgerinnung, wie z.B. Protein-C-Mangel oder Antithrombin-III-Mangel
  • Bevorstehende Operation oder wenn Du längere Zeit bettlägerig bist
  • Mehrere Risikofaktoren, die das Risiko für ein Blutgerinnsel stark erhöhen
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vergangenheit
  • Angina pectoris (Brustschmerzen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten können) oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA, vorübergehende Schlaganfallsymptome) in der Gegenwart oder Vergangenheit
  • Bestimmte Krankheiten, die das Risiko für ein Blutgerinnsel in einer Arterie erhöhen, dazu gehören: schwerer Diabetes mellitus mit Gefäßschädigung, sehr hoher Bluthochdruck (ständig über 140/90mmHg), sehr hohe Blutfettspiegel (Cholesterin oder Triglyceride) oder Hyperhomocysteinämie
  • Rauchen
  • Einer bestimmten Form von Migräne („Migräne mit Aura“) in der Gegenwart oder Vergangenheit
  • Ungewohnt häufigen, anhaltenden oder starken Kopfschmerzen, plötzlichen Empfindungs-, Wahrnehmungs- (Seh-, Hörstörungen) oder Bewegungsstörungen, insbesondere Lähmungen
  • Bestehender oder vorausgegangener Entzündung der Bauchspeicheldrüse, wenn diese mit einer schweren Fettstoffwechselstörung verbunden ist
  • Schweren bestehenden oder vorausgegangenen Lebererkrankungen, solange sich Deine Leberwerte im Blut nicht wieder normalisiert haben, oder wenn ein erhöhter Blutgehalt an gelbbraunem Gallenfarbstoff (Bilirubin) durch eine Ausscheidungsstörung in die Galle (Dubin-Johnson- oder Rotor-Syndrom) festgestellt wurde
  • Gelbfärbung der Haut oder des Augenweißes, braunem Urin und sehr hellem Stuhlgang (Gelbsucht)
  • Bestehenden oder vorausgegangenen Lebergeschwülsten (gutartig oder bösartig)
  • Bestehendem oder vorausgegangenem Brustkrebs oder Krebs der Gebärmutterschleimhaut oder des Gebärmutterhalses bzw. Verdacht darauf
  • Jeglichen ungeklärten Blutungen aus der Scheide
  • Ausbleibender Monatsblutung, die möglicherweise durch Ernährung oder körperliche Betätigung bedingt ist
  • Hepatitis C und gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, die Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir, Dasabuvir, Glecaprevir/Pibrentasvir und Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir enthalten
  • Allergie gegen Levonorgestrel, Ethinylestradiol oder einen der sonstigen Bestandteile der Leios Pille

Wann ist besondere Vorsicht geboten?

In bestimmten Situationen ist besondere Vorsicht bei der Einnahme von Leios erforderlich. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft:

  • Leber- oder Gallenblasenerkrankung
  • Herzerkrankung
  • Nierenerkrankung
  • Durchblutungsstörungen an Händen/Füßen
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Rauchen
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Migräne
  • Depressionen
  • Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Hämolytisches urämisches Syndrom (HUS)
  • Sichelzellanämie
  • Erhöhte Blutfettspiegel (Hypertriglyceridämie)
  • Epilepsie
  • Bevorstehende Operation oder längere Zeit bettlägerig
  • Entbindung vor Kurzem
  • Entzündung der Venen unter der Haut (oberflächliche Thrombophlebitis)
  • Krampfadern (Varizen)
  • Vergrößerte Gebärmutter aufgrund gutartiger Geschwulste (Uterus myomatosus)
  • Otosklerose, Porphyrie, Herpes gestationis, Chorea Sydenham in der Vergangenheit
  • Gelblich-braune Pigmentflecken (Chloasma)

Mögliche Nebenwirkungen von Leios

Wie alle Arzneimittel kann auch die Leios Pille Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.

Alle Frauen, die kombinierte hormonale Kontrazeptiva wie Leios anwenden, haben ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel in den Venen (venöse Thromboembolie) oder Arterien (arterielle Thromboembolie). Zudem können gutartige Lebertumoren, zelluläre Veränderungen des Gebärmutterhalses, Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs auftreten.

Bei Symptomen eines Angioödems (Schwellungen von Gesicht, Zunge und/oder Rachen, Schluckbeschwerden oder Hautausschlag, möglicherweise mit Atembeschwerden) solltest Du umgehend ärztliche Hilfe suchen.

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Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 10 Anwenderinnen kann betroffen sein):

  • Kopfschmerzen (einschließlich Migräne)

Häufige Nebenwirkungen (bis zu 1 von 10 Anwenderinnen kann betroffen sein):

  • Stimmungsschwankungen, depressive Stimmungslage
  • Änderung des Geschlechtstriebs
  • Nervosität, Benommenheit, Schwindel
  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Akne
  • Brustschmerzen, Empfindlichkeit der Brust, Brustdrüsensekretion, schmerzhafte Monatsblutungen, Änderungen der Stärke der Monatsblutung, vermehrter Ausfluss aus der Scheide, Ausbleiben der Monatsblutung
  • Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe
  • Gewichtsveränderungen (Zunahme oder Abnahme)
  • Entzündungen der Scheide, einschließlich Pilzbefall (Candidiasis)

Gelegentliche Nebenwirkungen (bis zu 1 von 100 Anwenderinnen kann betroffen sein):

  • Änderung des Appetits (Zunahme oder Abnahme)
  • Verminderte Fähigkeit zum Abbau von Traubenzucker (Glucoseintoleranz)
  • Bauchkrämpfe, Blähungen, Durchfall
  • Hautausschlag, gelblich braune Flecken auf der Haut (Chloasma), möglicherweise bleibend, vermehrte Körper- und Gesichtsbehaarung, Haarausfall
  • Nesselsucht
  • Brustvergrößerung
  • Blutdruckerhöhung, Veränderungen der Blutfettspiegel

Seltene Nebenwirkungen (bis zu 1 von 1.000 Anwenderinnen kann betroffen sein):

  • Allergische Reaktionen, auch sehr schwere mit Atem- und Kreislaufsymptomen, schmerzhafte Haut- und Schleimhautschwellungen (Angioödem)
  • Kontaktlinsenunverträglichkeit
  • Gesundheitsschädliche Blutgerinnsel in einer Vene oder Arterie

Blutgerinnsel und Leios

Bei der Anwendung eines kombinierten hormonalen Kontrazeptivums wie Leios ist Ihr Risiko für die Ausbildung eines Blutgerinnsels höher als wenn Sie keines anwenden. In seltenen Fällen kann ein Blutgerinnsel Blutgefäße verstopfen und schwerwiegende Probleme verursachen.

Symptome eines Blutgerinnsels

Suchen Sie dringend ärztliche Hilfe auf, wenn Sie eines der folgenden Anzeichen oder Symptome bemerken:

  • Schwellung eines Beins oder längs einer Vene im Bein oder Fuß
  • Schmerz oder Druckschmerz im Bein
  • Erwärmung des betroffenen Beins
  • Änderung der Hautfarbe des Beins (Blässe, Rot- oder Blaufärbung)
  • Plötzliche unerklärliche Atemlosigkeit oder schnelle Atmung
  • Plötzlicher Husten ohne offensichtliche Ursache, bei dem Blut ausgehustet werden kann
  • Stechender Brustschmerz, der bei tiefem Einatmen zunimmt
  • Starke Benommenheit oder Schwindelgefühl
  • Schneller oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Starke Magenschmerzen
  • Sofortiger Verlust des Sehvermögens oder schmerzloses verschwommenes Sehen
  • Brustschmerz, Unwohlsein, Druck, Schweregefühl
  • Enge- oder Völlegefühl in Brust, Arm oder unterhalb des Brustbeins
  • Völlegefühl, Verdauungsstörungen oder Erstickungsgefühl
  • In den Rücken, Kiefer, Hals, Arm und Magen ausstrahlende Beschwerden im Oberkörper
  • Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindelgefühl
  • Extreme Schwäche, Angst oder Kurzatmigkeit
  • Schnelle oder unregelmäßige Herzschläge
  • Plötzliche Schwäche oder Taubheitsgefühl des Gesichtes, Arms oder Beins
  • Plötzliche Verwirrtheit, Sprech- oder Verständnisschwierigkeiten
  • Plötzliche Sehstörungen in einem oder beiden Auge(n)
  • Plötzliche Gehschwierigkeiten, Schwindelgefühl, Gleichgewichtsverlust oder Koordinationsstörungen
  • Plötzliche schwere oder länger anhaltende Kopfschmerzen unbekannter Ursache
  • Verlust des Bewusstseins oder Ohnmacht mit oder ohne Krampfanfall

Risikofaktoren für Blutgerinnsel

Das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels ist im ersten Jahr der erstmaligen Anwendung eines kombinierten hormonalen Kontrazeptivums am größten. Das Risiko kann außerdem erhöht sein, wenn Sie die Anwendung eines kombinierten hormonalen Kontrazeptivums (gleiches oder anderes Arzneimittel) nach einer Unterbrechung von 4 oder mehr Wochen wieder aufnehmen.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Alter
  • Übergewicht
  • Familiäre Vorbelastung
  • Rauchen
  • Längere Immobilisierung
  • Operationen
  • Bestimmte Erkrankungen (z.B. Herzerkrankungen, Blutgerinnungsstörungen)

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Wenden Sie mehrere Arzneimittel gleichzeitig an, kann es zu Wechselwirkungen zwischen diesen kommen. Das kann Wirkungen und Nebenwirkungen der Arzneimittel verändern. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, auch über solche, die Sie selbst gekauft haben.

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Zusätzliche Informationen

Die Inhalte dieses Artikels dienen lediglich der Information und ersetzen nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Lesen Sie die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie Fragen haben.

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