Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und hormonelle Veränderungen spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Migräneattacken. Insbesondere die Wechseljahre, die durch schwankende Hormonspiegel gekennzeichnet sind, können Migräne beeinflussen. In diesem Artikel werden wir den Zusammenhang zwischen Migräne, Progesteron und Hormonersatztherapie untersuchen und die Verwendung von Progesteroncreme bei der Behandlung von Migräne beleuchten.
Migräne und Hypertonie in den Wechseljahren
Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass Migräne bei Frauen in den Wechseljahren mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck (Hypertonie) verbunden ist. An der Studie nahmen 56.202 Frauen teil, die zu Beginn der Menopause keine Hypertonie oder Herz-Kreislauf-Erkrankung aufwiesen. Im Laufe von 826.419 Personenjahren traten 12.501 Fälle von Hypertonie auf, darunter 3.100 bei Frauen mit Migräne und 9.401 bei Frauen ohne Migräne.
Die Migräne war mit einem erhöhten Hypertonierisiko verbunden (Risikoquotient [HR] 1,29; 95%-Konfidenzintervall 1,24-1,35), was auch in Bezug auf gängige Migränemedikamente konsistent war. Die Assoziationen waren mit und ohne Aura ähnlich. Der Zusammenhang war etwas stärker bei Frauen, die bereits eine Hormonersatztherapie (HRT) erhalten hatten.
Der Einfluss der Hormonersatztherapie (HRT) auf Migräne
Nach den Wechseljahren nimmt die Prävalenz der Migräne ab, ist aber in der Perimenopause erhöht. Migräne wird durch schwankende Östrogenspiegel beeinflusst. So löst ein Östrogenentzug Migräneattacken ohne Aura aus, während hohe Östrogenspiegel eine Migräne mit Aura auslösen.
Eine HRT kann helfen, die Östrogenspiegel zu stabilisieren und so die Migräne im Zusammenhang mit dem Östrogenentzug zu beeinflussen. Sie kann auch vasomotorische Symptome lindern. Physiologische Dosen von natürlichem Östrogen können bei Migräne mit Aura angewendet werden, jedoch nicht Ethinylestradiol in kontrazeptiver Dosierung.
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Ein aktuelles systematisches Review zeigte, dass verschiedene HRT-Schemata die Frequenz und Dauer der Migräne sowie den Verbrauch von Analgetika verschlechterten, aber die klimakterische Symptomatik verbesserten. Die Parameter wurden am wenigsten durch eine kontinuierlich-kombinierte HRT verstärkt und am meisten durch das sequenziell-zyklische Schema. Querschnittstudien zeigten auch, dass jede Art von HRT mit Migräne assoziiert war. Laufende systemische Hormonbehandlungen waren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Migräne assoziiert als vorhergehende und lokale Therapien.
Eine randomisierte, kontrollierte Studie zeigte auch, dass Tibolon, ein synthetisches Steroid, die Kopfschmerztage im Vergleich zur Basislinie nicht erhöhte und die Intensität sowie den Analgetikaverbrauch reduzierte. Im Gegensatz dazu erhöhte konventionelles Östrogen/Progesteron die Anzahl der Migränetage und den Arzneimittelverbrauch, wobei die Intensität nicht abnahm.
Leitlinienempfehlungen zur Behandlung von Migräne in der Perimenopause
Die S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen gibt Empfehlungen zur Behandlung von Migräne in dieser Lebensphase.
Progesteron und Migräne: Ein komplexes Zusammenspiel
Der Zusammenhang zwischen Progesteron und Migräne ist komplex und nicht vollständig geklärt. Einerseits wird Progesteron eine schützende Wirkung gegen Migräne zugeschrieben, da es den aktivierenden Effekt von Östrogen auf bestimmte Neuropeptide hemmen kann, die an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt sind. Andererseits berichten einige Frauen, dass Progesteron ihre Migräne verschlimmert.
Progesteroncreme: Anwendung und Dosierung
Progesteroncreme ist eine topische Form von Progesteron, die auf die Haut aufgetragen wird. Sie wird häufig zur Behandlung von Symptomen des prämenstruellen Syndroms (PMS) und der Menopause eingesetzt, einschließlich Migräne. Dr. Lee empfiehlt, dass eine gute Progesteroncreme 20-30 mg Progesteron täglich liefern sollte, was der Menge entspricht, die gesunde Eierstöcke während der Lutealphase (der zweiten Zyklushälfte) produzieren.
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Die empfohlene Anwendung von Progesteroncreme variiert je nach Alter und individuellen Bedürfnissen. Im Allgemeinen wird empfohlen, bis zum 45. Lebensjahr ein- bis zweimal täglich 10-20 mg Progesteron auf eine Körperstelle mit weicher Haut aufzutragen. Die Anwendung sollte am 12. Tag nach Beginn der Periode (der 1. Tag der Periode ist Tag 1) begonnen und 14 Tage lang täglich fortgesetzt werden, bevor die Anwendung unterbrochen wird. Bei Migräne sollte die Creme entsprechend dem Alter wie oben beschrieben angewendet werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass jede Frau einzigartig ist und die optimale Dosierung und Anwendung von Progesteroncreme individuell angepasst werden sollte. Es wird empfohlen, vor der Anwendung von Progesteroncreme einen Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren, um die richtige Dosierung und Anwendung zu bestimmen.
Mögliche Nebenwirkungen von Progesteroncreme
Obwohl Progesteroncreme im Allgemeinen als sicher gilt, können bei einigen Frauen Nebenwirkungen auftreten. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Brustspannen
- Stimmungsveränderungen
- Zwischenblutungen
In seltenen Fällen kann Progesteroncreme auch zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen wie Blutgerinnseln oder Schlaganfall führen. Es ist wichtig, bei Auftreten von Nebenwirkungen einen Arzt aufzusuchen.
Weitere therapeutische Optionen bei Migräne
Neben der Verwendung von Progesteroncreme gibt es eine Reihe anderer therapeutischer Optionen zur Behandlung von Migräne. Dazu gehören:
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- Medikamentöse Therapie: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von akuten Migräneattacken und zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören Triptane, NSAR, CGRP-Antikörper und Betablocker.
- Nicht-medikamentöse Therapie: Es gibt auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Therapien, die bei Migräne hilfreich sein können. Dazu gehören Entspannungstechniken, Akupunktur, Biofeedback und Physiotherapie.
- Hormonelle Kontrazeptiva: Bei Frauen mit menstrueller Migräne können hormonelle Kontrazeptiva helfen, die Östrogenspiegel zu stabilisieren und so die Migräneanfälle zu reduzieren. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass hormonelle Kontrazeptiva das Schlaganfallrisiko erhöhen können, insbesondere bei Migräne mit Aura.
- Pregnenolon: Pregnenolon ist eine Vorläufersubstanz für verschiedene Steroidhormone, einschließlich Progesteron und Östrogen. Einige Studien haben gezeigt, dass Pregnenolon bei der Behandlung von Migräne hilfreich sein kann, insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren.
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