Migräne und Prüfungsunfähigkeit an der Universität: Ein umfassender Leitfaden

Einführung

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Für Studierende kann eine Migräneattacke während einer Prüfungssituation besonders belastend sein und die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Migräne im Kontext von Universitätsprüfungen, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den Rechten und Pflichten der Studierenden im Falle einer Prüfungsunfähigkeit.

Migräne: Eine Volkskrankheit mit vielfältigen Auswirkungen

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zählt Migräne zu den zehn häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Weltweit ist etwa jeder siebte Mensch von regelmäßigen Migräneattacken betroffen. Neben den individuellen Beschwerden hat die Migräne auch eine große gesellschaftliche Bedeutung.

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine Migräneattacke auslösen können, sogenannte Trigger. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress: Sowohl physischer als auch psychischer Stress kann Migräneattacken auslösen.
  • Schlafmangel: Unregelmäßiger Schlaf oder Schlafmangel können Migräneattacken begünstigen.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke, wie z. B. Alkohol, Käse, Schokolade und Zitrusfrüchte, können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
  • Wetterveränderungen: Veränderungen des Luftdrucks, der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit können Migräneattacken auslösen.
  • Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren Migräneattacken auslösen.
  • Sinnesreize: Helle oder flackernde Lichter, laute Geräusche oder starke Gerüche können Migräneattacken auslösen.

Symptome

Die Symptome einer Migräneattacke können von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Starke Kopfschmerzen: Die Kopfschmerzen sind oft einseitig, pulsierend und pochend.
  • Übelkeit und Erbrechen: Viele Menschen mit Migräne leiden unter Übelkeit und Erbrechen.
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Während einer Migräneattacke sind viele Menschen empfindlich gegenüber Licht und Geräuschen.
  • Sehstörungen: Einige Menschen erleben vor oder während einer Migräneattacke Sehstörungen, wie z. B. Blitze, Flecken oder Tunnelblick.
  • Konzentrationsschwierigkeiten: Migräneattacken können die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.

Migräne im Studium: Eine besondere Herausforderung

Für Studierende stellt Migräne eine besondere Herausforderung dar. Die hohen Anforderungen des Studiums, der Stress, der Schlafmangel und die unregelmäßigen Mahlzeiten können Migräneattacken begünstigen. Eine Migräneattacke während einer Prüfung kann die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen und im schlimmsten Fall zur Prüfungsunfähigkeit führen.

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Prüfungsunfähigkeit aufgrund von Migräne

Wenn ein Studierender aufgrund einer Migräneattacke nicht in der Lage ist, an einer Prüfung teilzunehmen, muss er oder sie dies dem Prüfungsausschuss unverzüglich mitteilen und ein ärztliches Attest vorlegen. Das Attest muss die Symptome der Migräneattacke und die daraus resultierende Prüfungsunfähigkeit detailliert beschreiben.

Rechtliche Aspekte

Das Prüfungsrecht ist in Deutschland Ländersache, daher können die Regelungen zur Prüfungsunfähigkeit je nach Bundesland und Hochschule variieren. Grundsätzlich gilt jedoch, dass ein Studierender, der aufgrund einer Krankheit prüfungsunfähig ist, das Recht hat, die Prüfung zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen.

Pflichten des Studierenden

  • Unverzügliche Mitteilung: Der Studierende muss die Prüfungsunfähigkeit dem Prüfungsausschuss unverzüglich mitteilen.
  • Ärztliches Attest: Der Studierende muss ein ärztliches Attest vorlegen, das die Symptome der Migräneattacke und die daraus resultierende Prüfungsunfähigkeit detailliert beschreibt.
  • Einhaltung der Fristen: Der Studierende muss die Fristen für die Einreichung des Attests und den Antrag auf Prüfungsrücktritt einhalten.

Rechte des Studierenden

  • Recht auf Wiederholung der Prüfung: Der Studierende hat das Recht, die Prüfung zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen.
  • Anspruch auf faire Behandlung: Der Studierende hat Anspruch auf eine faire Behandlung durch den Prüfungsausschuss.
  • Recht auf Widerspruch: Wenn der Antrag auf Prüfungsrücktritt abgelehnt wird, hat der Studierende das Recht, Widerspruch einzulegen.

Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Migräne als Prüfungsunfähigkeit

In der Vergangenheit gab es Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Migräne als Grund für Prüfungsunfähigkeit. Einige Prüfungsausschüsse zweifelten an der Glaubwürdigkeit der Symptome oder verlangten eine detaillierte Dokumentation der Erkrankung. Es ist daher wichtig, dass Studierende, die unter Migräne leiden, sich gut auf eine mögliche Prüfungsunfähigkeit vorbereiten und alle erforderlichen Unterlagen bereithalten.

Aktuelle Entwicklungen

In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein für Migräne als ernstzunehmende Erkrankung erhöht. Viele Hochschulen haben ihre Regelungen zur Prüfungsunfähigkeit überarbeitet und berücksichtigen nun auch die besonderen Bedürfnisse von Studierenden mit Migräne.

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts

In einer Verwaltungsstreitsache hatte das Bundesverwaltungsgericht über die Frage zu entscheiden, ob ein Studierender aufgrund einer Migräneattacke am dritten Tag der ärztlichen Prüfung zu Recht vom Prüfung zurückgetreten ist. Das Gericht entschied, dass der Rücktritt zu genehmigen sei, da die Klägerin aufgrund ihrer Migräne am dritten Prüfungstag prüfungsunfähig gewesen sei. Das Gericht betonte, dass es sich bei Migräne weder generell noch in ihrem Fall um ein Dauerleiden handele, da nur bei Einsetzen des Migräneanfalls die Leistungsfähigkeit betroffen sei.

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Strategien zur Bewältigung von Migräne im Studium

Es gibt eine Reihe von Strategien, die Studierenden mit Migräne helfen können, ihre Erkrankung zu bewältigen und die Auswirkungen auf ihr Studium zu minimieren.

Präventive Maßnahmen

  • Stressmanagement: Erlernen und Anwenden von Stressbewältigungstechniken wie Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga.
  • Regelmäßiger Schlaf: Einhaltung eines regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
  • Gesunde Ernährung: Vermeidung von Triggernahrungsmitteln und -getränken, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, wie z. B. Sport, Spaziergänge oder Yoga.
  • Vermeidung von Triggern: Identifizierung und Vermeidung von individuellen Triggern.

Akutbehandlung

  • Schmerzmittel: Einnahme von Schmerzmitteln bei den ersten Anzeichen einer Migräneattacke.
  • Triptane: Bei Bedarf Einnahme von Triptanen, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden.
  • Ruhe und Entspannung: Rückzug in einen ruhigen, dunklen Raum und Entspannung.
  • Kühle Kompressen: Auflegen von kühlen Kompressen auf Stirn und Nacken.

Unterstützung und Beratung

  • Ärztliche Beratung: Regelmäßige ärztliche Kontrollen und Anpassung der Therapie.
  • Psychologische Beratung: Bei Bedarf Inanspruchnahme von psychologischer Beratung zur Stressbewältigung und Krankheitsverarbeitung.
  • Selbsthilfegruppen: Teilnahme an Selbsthilfegruppen für Menschen mit Migräne.
  • Beratungsstellen der Hochschule: Inanspruchnahme der Beratungsangebote der Hochschule, z. B. der Zentralen Studienberatung oder der Beauftragten für Studierende mit Behinderung/chronischer Krankheit.

Die Migräne-App: Ein digitales Werkzeug zur Unterstützung

Die Migräne-App ist ein digitales Werkzeug, das Studierende mit Migräne bei der Dokumentation und Behandlung ihrer Erkrankung unterstützen kann. Die App ermöglicht die aktive Dateneingabe zum Verlauf von Migräne und Kopfschmerzen und meldet zusammengefassten Informationen aus dem Datensatz zurück. Sie unterstützt sowohl Patientinnen und Patienten als auch betreuende Ärztinnen und Ärzte in der Verlaufs- und Erfolgskontrolle, bei der Einhaltung von Therapieregeln sowie bei der Therapieanpassung. Die Migräne-App enthält umfangreiche Report-, Informations- und Selbsthilfe-Tools auf aktuellem Forschungsstand.

Funktionen der Migräne-App

  • Dokumentation des Migräneverlaufs: Die App ermöglicht die detaillierte Dokumentation von Migräneattacken, einschließlich Symptomen, Auslösern, Medikamenteneinnahme und Behandlungserfolgen.
  • Verlaufs- und Erfolgskontrolle: Anhand der dokumentierten Daten können Studierende und ihre Ärzte den Verlauf der Migräneattacken verfolgen und die Wirksamkeit der Behandlung beurteilen.
  • Einhaltung von Therapieregeln: Die App erinnert an die Einnahme von Medikamenten und die Einhaltung von Therapieregeln.
  • Identifizierung von Triggern: Die App hilft bei der Identifizierung von individuellen Triggern, die Migräneattacken auslösen können.
  • Informationen und Selbsthilfe-Tools: Die App bietet umfangreiche Informationen zu Migräne und Selbsthilfe-Tools, die Studierenden helfen können, ihre Erkrankung besser zu bewältigen.

Entwicklung und wissenschaftliche Validierung

Die Migräne-App wurde in der Zusammenarbeit von Kopfschmerzwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, Kopfschmerzspezialistinnen und Kopfschmerzspezialisten, Versorgungsexpertinnen und -experten sowie von Selbsthilfegruppen entwickelt. Umfangreiche wissenschaftliche Analysen bestätigen den Nutzen und die Wirksamkeit der App.

Schulung und Weiterbildung

Um das umfangreiche interaktive Potential der Migräne-App voll in der praktischen Versorgung nutzen zu können, ist eine Schulung der Patientinnen und Patienten sowie der Therapeutinnen und Therapeuten erforderlich. Weiter- und Fortbildung sind daher von großer Relevanz.

Der Masterstudiengang "Migraine and Headache Medicine" an der Universität Kiel

Die Universität Kiel bietet den bundesweit ersten akademischen Masterstudiengang „Master of Migraine and Headache Medicine“ an. Der Studiengang vermittelt fachübergreifend die aktuellen wissenschaftlichen Ergebnisse, Versorgungsgrundlagen und Rahmenbedingungen, die für eine zeitgemäße interdisziplinäre Erforschung, Diagnostik und Therapie von Migräne- und Kopfschmerzerkrankungen relevant sind.

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Inhalte des Studiengangs

Der Ein-Fach-Masterstudiengang Migraine and Headache Medicine gliedert sich in vier Semester:

  • Erstes Semester: Grundlagen der Kopfschmerzerkrankungen, Epidemiologie, Pathophysiologie und Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen.
  • Zweites Semester: Methoden und Kriterien zur Diagnose der unterschiedlichen Kopfschmerzerkrankungen, fachübergreifender Ansatz mit modernen Methoden, spezifische Behandlungsmethoden für Kopf- und Gesichtsschmerzen.
  • Drittes Semester: Organisation und Strukturen der Kopfschmerzpräventation und Behandlung, Überblick über das Gesundheitssystem und die verschiedenen Organisationsformen der Kopfschmerzbehandlung, Public Awareness, Selbsthilfearbeit und Edukation der Patienten.
  • Viertes Semester: Masterarbeit.

Zielgruppe

Der Studiengang richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowie andere Gesundheitsberufe, die sich auf die Behandlung von Migräne- und Kopfschmerzerkrankungen spezialisieren möchten.

Leitung

Der Studiengang wird von Prof. Dr. Hartmut Göbel geleitet, einem renommierten Experten auf dem Gebiet der Kopfschmerzforschung und -behandlung. Prof. Göbel hat an den Universitäten Bamberg, München, Regensburg, Bridgetown und Würzburg Humanmedizin und Diplom-Psychologie studiert. Er initiierte und gründete 1997 die neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel als wissenschaftliches Modellprojekt.

Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel: Ein Kompetenzzentrum für Kopfschmerztherapie

Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel ist ein wissenschaftliches Modellprojekt, das sich auf die Behandlung von neurologischen Schmerzerkrankungen wie Migräne, chronische Kopfschmerzen und andere Schmerzerkrankungen bei Erkrankungen des Nervensystems konzentriert. Die Klinik bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

Behandlungskonzept

Das Behandlungskonzept der Schmerzklinik Kiel basiert auf einem interdisziplinären Ansatz, der neurologische, psychologische und verhaltensmedizinische Aspekte berücksichtigt. Ziel ist es, die Schmerzen der Patientinnen und Patienten zu lindern, ihre Lebensqualität zu verbessern und ihnen zu helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Aufnahmeformalitäten

Für die Aufnahme in die Schmerzklinik Kiel sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift gesendet.

Tipps zur Vorbeugung von Kopfschmerzen in der Prüfungsphase

Die Technische Universität Dresden hat im Rahmen des Universitären Gesundheitsmanagements einen Aktionstag zum Thema Kopfschmerz und Migräne durchgeführt. Im Rahmen des Pilotprojekts „KopfHoch - Kopfschmerz & Migräne an der Hochschule kompetent vorbeugen“ wurden praxistaugliche Maßnahmen und Materialien entwickelt, die Studierenden sowie Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeitern dabei helfen sollen, Kopfschmerz und Migräne wirksam vorzubeugen.

Die 10-20-Regel

Halte dich auch in Prüfungsphasen an die 10-20-Regel. Überfordere dich nicht! Setz dir realistische Etappenziele, teile dir deine Tage gut ein und mach einen Schritt nach dem anderen.

Weitere Tipps

  • Regelmäßige Pausen: Plane regelmäßig Pausen ein, um deinen Kopf zu entlasten.
  • Bewegung: Bewege dich regelmäßig, um Stress abzubauen und die Durchblutung zu fördern.
  • Ausreichend Schlaf: Schlafe ausreichend und regelmäßig, um deinen Körper und Geist zu regenerieren.
  • Gesunde Ernährung: Achte auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
  • Trinken: Trinke ausreichend Wasser, um deinen Körper hydriert zu halten.

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