Migräne mit Aura und Schlaganfall: Symptome, Unterschiede und Risikofaktoren

Migräne und Schlaganfall sind zwei unterschiedliche neurologische Erkrankungen, die jedoch ähnliche Symptome aufweisen können, was zu Verwechslungen führen kann. Insbesondere bei Migräne mit Aura, einer Form der Migräne, die von neurologischen Symptomen wie Sehstörungen begleitet wird, ist es wichtig, die Unterschiede zu erkennen, um im Notfall schnell und richtig handeln zu können.

Einführung

Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Unterschiede und Risikofaktoren von Migräne mit Aura und Schlaganfall, um Betroffenen und Angehörigen eine bessere Unterscheidung der beiden Erkrankungen zu ermöglichen und im Verdachtsfall angemessen reagieren zu können.

Symptome im Vergleich

Sowohl Migräne mit Aura als auch Schlaganfall können mit neurologischen Symptomen einhergehen. Es ist entscheidend, die feinen Unterschiede zu kennen, um eine korrekte Einschätzung der Situation vornehmen zu können.

Migräne mit Aura

Eine Aura umfasst neurologische Symptome, die typischerweise etwa 30 Minuten vor den eigentlichen Migräne-Kopfschmerzen auftreten. Diese Symptome entwickeln sich allmählich und klingen langsam wieder ab. In der Regel bilden sie sich innerhalb einer Stunde vollständig zurück.

Häufige Symptome einer Migräne mit Aura sind:

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  • Sehstörungen: Lichtblitze, gezackte Linien, Gesichtsfeldausfälle (einseitig links oder rechts)
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen
  • Sprachstörungen: Wortfindungsstörungen
  • Seltenere Symptome: Doppelbilder, Hörstörungen, Tinnitus, lallende Sprache

Schlaganfall

Im Gegensatz zur Migräne-Aura treten die Symptome eines Schlaganfalls abrupt auf.

Typische Schlaganfall-Symptome sind:

  • Plötzliche Taubheit, Schwäche oder Lähmungserscheinungen: Betreffen meist eine Körperseite
  • Plötzliche Sprachstörungen: Schwierigkeiten, einen einfachen Satz nachzusprechen, verwaschene Sprache
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Verzerrtes Gesicht: Einseitig verzogenes Gesicht beim Lächeln deutet auf eine halbseitige Lähmung hin.
  • Armschwäche: Unfähigkeit, beide Arme gehoben zu halten oder Drehung der Handflächen nach oben

Frauen zeigen beim Schlaganfall häufig zusätzliche Beschwerden, die die typischen Anzeichen wie Lähmung oder Sprachstörungen verdecken können. „Vor allem Neglect und Blickabweichung sind bei Frauen starke Hinweise - wenn sie auftreten, muss unbedingt ein Schlaganfall ausgeschlossen werden“, sagt Fachbeirat Thomalla.

Der FAST-Test

Auch medizinische Laien können einen Verdacht auf Schlaganfall mit dem sogenannten FAST-Test überprüfen:

  • F (Face): Gesicht - Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen?
  • A (Arms): Arme - Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Sinken die Arme wieder herunter oder drehen sie sich?
  • S (Speech): Sprache - Kann die Person einen einfachen Satz nachsprechen oder klingt die Stimme verwaschen?
  • T (Time): Zeit - Wählen Sie sofort den Notruf 112, wenn eines dieser Symptome auftritt.

Unterschiede in der Entstehung

Migräne und Schlaganfall unterscheiden sich grundlegend in ihrer Entstehung.

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Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine angeborene Besonderheit der Reizverarbeitung im Gehirn gekennzeichnet ist. Das Nervensystem von Migränepatienten steht unter Hochspannung und reagiert empfindlicher auf Reize. Bei Überlastung kann es zu einer Entladung von Nervenzellen kommen, was die typischen Symptome einer Migräneattacke auslöst.

Die genauen Mechanismen, die zu einer Migräne mit Aura führen, sind noch nicht vollständig verstanden. Es wird jedoch angenommen, dass eine sogenannte Cortical Spreading Depression (CSD), eine sich langsam ausbreitende Welle elektrischer Aktivität im Gehirn, eine wichtige Rolle spielt.

Schlaganfall

Ein Schlaganfall wird durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns verursacht. Dies kann entweder durch ein Blutgerinnsel (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) geschehen. Durch die mangelnde Sauerstoffversorgung sterben Gehirnzellen ab, was zu neurologischen Ausfällen führt.

Risikofaktoren

Einige Risikofaktoren können sowohl das Auftreten von Migräne als auch das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen.

Migräne mit Aura

Migräne-Patienten, bei denen dem Kopfschmerz eine Aura vorausgeht, haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Insbesondere Frauen unter 45 Jahren mit Migräne mit Aura haben ein doppelt so hohes Risiko für einen Schlaganfall im Vergleich zur restlichen Bevölkerung.

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Weitere Risikofaktoren für Schlaganfall

  • Traditionelle Risikofaktoren: Bluthochdruck, Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte), Diabetes, Rauchen
  • Nicht-traditionelle Risikofaktoren: Migräne (insbesondere mit Aura), Thrombophilie (erhöhte Neigung zu Blutgerinnseln), Einnahme oraler Verhütungsmittel (insbesondere bei Frauen mit Migräne mit Aura)
  • Herzrhythmusstörungen: Insbesondere Vorhofflimmern kann das Risiko für einen kardioembolischen Schlaganfall erhöhen, bei dem sich ein Blutgerinnsel im Herzen bildet und ins Gehirn gelangt.

Migränöser Infarkt

In seltenen Fällen kann es während eines schweren, lang andauernden Migräneanfalls zu einem Schlaganfall kommen. Mediziner sprechen dann von einem migränösen Infarkt. Die genauen Ursachen hierfür sind noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass eine erhöhte Blutgerinnungsneigung, krampfhafte Verengungen von Blutgefäßen oder ein örtlich verminderter Blutfluss in bestimmten Hirnregionen eine Rolle spielen können.

Was tun im Notfall?

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall zählt jede Minute. Zögern Sie nicht und wählen Sie sofort den Notruf 112. Je schneller die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, bleibende Schäden zu vermeiden.

Checkliste: Migräne mit Aura oder Schlaganfall?

Die folgende Checkliste kann Ihnen helfen, die Symptome besser einzuordnen:

Eher für einen Schlaganfall sprechen:

  • Alle Symptome treten innerhalb von unter einer Minute mit maximaler Intensität auf und breiten sich nicht allmählich aus.
  • Es bestehen mehrere Symptome, die gleichzeitig auftreten.
  • Alle Symptome sind Defizite wie Sehverlust, Taubheit, Lähmungen. Es bestehen keine sogenannten positiven Symptome wie Zickzacklinien, Kribbeln oder Farbsehen.
  • Die Symptome werden nicht von Kopfschmerz begleitet, es folgt ihnen innerhalb einer Stunde auch kein Kopfschmerz nach.

Eher für eine Migräne-Aura sprechen:

  • Die Symptome treten langsam über 15 bis 30 Minuten zunehmend auf.
  • Wenn mehrere Symptome auftreten, treten sie sukzessive, also eines nach dem anderen, auf.
  • Es bestehen sogenannte positive Symptome wie Zickzacklinien, Kribbeln, Farbsehen.
  • Nach spätestens einer Stunde folgen diesen Symptomen Kopfschmerzen.

Wichtig: Diese Checkliste dient lediglich als Orientierungshilfe und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei Unsicherheit sollte immer ein Arzt konsultiert werden.

Vorbeugung und Behandlung

Migräne-Prophylaxe

Patienten, die häufig Migräne-Attacken oder anhaltende Auren haben, können sich über eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe informieren. Diese kann der Arzt bei entsprechenden Voraussetzungen verschreiben.

Risikofaktoren reduzieren

Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle zu senken. Dazu gehören:

  • Nichtrauchen
  • Ausgewogene Ernährung
  • Regelmäßige Bewegung
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerten

Frauen mit Migräne mit Aura sollten auf die Einnahme östrogenhaltiger Verhütungsmittel verzichten.

Behandlung von Migräneattacken

Triptane gelten als geeignete Therapie bei Migräne. Sie sollten allerdings erst nach Abklingen der Aura eingenommen werden.

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