Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen auszeichnet. Zentrales Symptom ist häufig ein einseitiger, pulsierend-pochender Kopfschmerz, der von heftiger Übelkeit mit Erbrechen und extremer Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit begleitet wird. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, während bei Kindern die Kopfschmerzen oft im ganzen Kopf auftreten, zusammen mit den genannten Begleitsymptomen. Eine Attacke kann zwischen vier und 72 Stunden dauern, was es den Betroffenen fast unmöglich macht, ihren Alltag zu bestreiten. Jede Bewegung verstärkt die Kopfschmerzen.
Symptome und Verlauf einer Migräneattacke
"Diese Schmerzen im Kopf sind stechend. Einfach nur stechend. Es ist, als würde einer mit dem Messer reinstechen. Dann kann ich mich auch kaum bewegen, weil jede Bewegung tut weh, jedes … Bücken oder so was, da platzt einem fast der Kopf. Also da kann ich tatsächlich auch nur liegen." Diese Aussage eines Betroffenen verdeutlicht die Intensität der Schmerzen. Viele Migräniker berichten von wöchentlichen Attacken, die mehrere Tage andauern und ohne Medikamente kaum zu ertragen sind.
Wann und warum eine Migräneattacke entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt, ebenso wenig wie die genauen Ursachen der Schmerzen. Fest steht, dass sich die Gefäße in der Hirnhaut weiten und entzünden. Dahinter steckt eine komplexe Kaskade von Abläufen im Gehirn, bei der verschiedene Botenstoffe und Neurotransmitter eine Rolle spielen. Verspannungen in der Schulter- und Nackenmuskulatur scheinen ebenfalls als Auslöser und/oder Treiber bei den Attacken ausschlaggebend zu sein.
Diagnose und Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzarten
Die Diagnose einer Migräne basiert im Wesentlichen auf einer ausführlichen Anamnese. Ergänzend kann eine neurologische Untersuchung Gewissheit bringen sowie der Ausschluss anderer Ursachen, wie etwa einem Tumor. Es ist wichtig, die Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden, da sich die Behandlungsansätze unterscheiden können.
Spannungskopfschmerzen beispielsweise äußern sich als dumpf-drückende, beidseitige Kopfschmerzen, die auch den Hinterkopf, die Schläfen, die Stirn und den Bereich um die Augen betreffen können. Im Unterschied zur Migräne verstärken sich Spannungskopfschmerzen nicht bei normaler körperlicher Aktivität.
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Aura-Symptome
Neben der "normalen" Migräne leiden etwa 10 Prozent der Migräniker auch an Aura-Symptomen. Diese gehen der eigentlichen Attacke voraus und sind oft mit Seh- und anderen Wahrnehmungsstörungen verbunden. "Da war ich im Mathe-Unterricht und dachte auf einmal, ich höre nur noch meinen Mathe- Lehrer sprechen. Ich fragte mich, wo ist der jetzt eigentlich." Alexander Schön hatte seine erste Migräne-Attacke mit 12 Jahren und erlebte in der Phase der Aura, die bei ihm immer eine halbe Stunde dauerte, starke Beeinträchtigungen. Auf jede Aura folgten sehr starke Kopfschmerzen.
Auslöser und Triggerfaktoren
Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Migräneattacke auslösen oder begünstigen können. Dazu gehören:
- Stress: Sowohl Aufregung als auch Entspannungsphasen nach Stresssituationen können Migräne triggern.
- Schlaf: Schlafmangel oder ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus können Attacken auslösen.
- Körperliche Anstrengung: Sport, Freizeitaktivitäten oder Arbeit können bei manchen Menschen Migräne begünstigen.
- Hormone: Hormonelle Veränderungen durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre können eine Rolle spielen.
- Ernährung: Auslassen von Mahlzeiten oder bestimmte Lebensmittel wie Käse, Alkohol, Kaffee, Schokolade oder Cola können Trigger sein.
- Wetter: Wetterumschwünge und Klimawechsel, insbesondere Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen und Föhnwetter, können Migräne auslösen.
- Gerüche: Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbäume im Auto oder Raumsprays können bei manchen Menschen Attacken triggern.
- Licht: Blendende Scheinwerfer, helles oder flackerndes Licht und Neonlicht können Auslöser sein.
- Verspannungen: Dauersitzen am Computer und Bewegungsmangel führen zu Fehlbelastungen. Dadurch verspannen sich zum Beispiel die Nackenmuskeln. Wenn Sie sich dann nach vorne beugen, kann das Kopfschmerzen auslösen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die individuellen Trigger sehr unterschiedlich sein können. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die persönlichen Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.
Migräne bei Kindern und Jugendlichen
Auch Kinder und Jugendliche können unter Migräne leiden. Studien zeigen, dass Migräne bei dieser Altersgruppe immer häufiger auftritt. Als mögliche Ursachen werden Stress in der Schule, mit Freunden oder in der Familie sowie der Umgang mit Smartphones genannt. Der Hirnstamm, der bei Migräne eine Rolle spielt, steht auch mit der Schulter- und Nackenmuskulatur in Verbindung. Wenn diese dauerhaft verspannt ist, fördert das Migräneattacken.
Gesellschaftliche Wahrnehmung und Existenzbedrohung
Migräniker ziehen sich oft aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, da ihre Kopfschmerzen von Außenstehenden kaum als neurologische Erkrankung ernst genommen werden. Freizeit zu planen und sich mit Freunden regelmäßig zu verabreden, ist den Betroffenen oft nicht möglich. Im Berufsleben kann die Erkrankung existenzbedrohend werden, wie der Fall von Alexander Schön zeigt: "Mein Teamleiter kam irgendwann zu mir und sagte: Pass auf, du hast so viele Krankheitstage, das fällt auf. …Einmal wurde mir gesagt, dass ich hier die Migräne vorschiebe, um eben nach Hause gehen zu können. Und dann hatte man mir angedroht, dass das disziplinarische Maßnahmen nach sich zieht."
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Behandlungsmöglichkeiten
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und vorzubeugen. Die Therapie kann sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze umfassen.
Akutbehandlung
Bei einer akuten Migräneattacke können Standardschmerzmittel in milden Fällen helfen. Allerdings bergen Schmerzmittel bei zu häufiger Einnahme die Gefahr eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes. Triptane sind spezielle Medikamente, die bei Migräneattacken eingesetzt werden können. "Ich erinnere mich an den Zeitpunkt, wo ich beruflich in im Hotel Berlin war. Und ich hate auf dem Flug schon so wahnsinnige Kopfschmerzen und mir war übel. Es war so schlimm, dass ich an der Rezeption nach einem Arzt fragte. Der kam dann, hat gesagt: Sie haben Migräne, ich habe hier ein tolles Medikament, ein Triptan, das nehmen Sie mal… Und das war so ein Aha-Erlebnis."
Prophylaktische Behandlung
Eine chronische Migräne liegt vor, wenn die Betroffenen mehr Kopfschmerztage im Monat haben als schmerzfreie Tage. In solchen Fällen kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Dabei kommen Medikamente zum Einsatz, die ursprünglich für andere Erkrankungen entwickelt wurden, wie zum Beispiel Betablocker, Anti-Epileptika oder Psychopharmaka. "Entscheidend ist, dass man sowohl medikamentös, als auch nicht medikamentös behandeln kann und dass die Kombination wahrscheinlich das Effektivste ist."
Seit 2018 gibt es in Deutschland auch Präparate auf dem Markt, die Antikörper enthalten, die gegen das Protein CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) gerichtet sind. Diese Medikamente stellen die ersten spezifischen Medikamente gegen Migräne dar. "Man kann dieses CGRP in der Attacke im Blut von Patienten nachweisen, und zwar auf der Seite, wo der Schmerz ist. Wir können auch, wenn man das jemandem spritzt im Experiment, damit Attacken auslösen. Und bei Leuten, die mehr Migränetage haben als migränefreie Tage, bei denen ist es sogar dauerhaft im Blut erhöht. Und deswegen hat man gedacht, das ist ein super Angriffspunkt für eine neue Therapie. Und man hat Medikamente entwickelt, die das CGRP und die Wirkung von CGRP blockieren."
Nicht-medikamentöse Therapien
Neben Medikamenten gibt es eine Reihe von nicht-medikamentösen Werkzeugen, um Migräneattacken vorzubeugen, sie seltener und erträglicher zu machen. Dazu gehören:
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- Physiotherapie: Um Muskelverspannungen zu lösen und die Körperhaltung zu verbessern.
- Verhaltenstherapie: Um Stress abzubauen, den Umgang mit Schmerzen zu trainieren und die eigenen Bedürfnisse und Gefühle besser wahrzunehmen.
- Entspannungsverfahren: Wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga.
- Biofeedback: Mit dieser Methode kann der Migräniker erlernen, seine unbewusst ablaufenden Prozesse, wie Anspannung im Körper oder die Weite der Gefäße im Kopf zu beeinflussen.
Multimodale Therapie
Einige spezialisierte Zentren in Deutschland bieten multimodale Therapien an, stationär oder ambulant. Diese kombinieren verschiedene Therapieansätze, wie Physiotherapie, Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren und Biofeedback.
Kopfschmerzen beim Bücken
Viele Menschen, die sich vorbeugen, bekommen Kopfschmerzen und sind überrascht über den plötzlichen Schmerz. Die gute Nachricht: Es ist nur selten etwas Besorgniserregendes.
Mögliche Ursachen
- Verspannungen: Dauersitzen am Computer und Bewegungsmangel führen zu Fehlbelastungen. Dadurch verspannen sich zum Beispiel die Nackenmuskeln. Wenn Sie sich dann nach vorne beugen, kann das Kopfschmerzen auslösen.
- Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis): Wenn die Nasennebenhöhlen entzündet sind, spüren Sie beim Bücken nach vorne starke Kopfschmerzen hinter der Stirn oder unter dem Nasenrücken.
- Hustenkopfschmerz: Hustenkopfschmerzen können beim Bücken und Husten auftreten, aber auch beim Niesen oder beim Pressen auf der Toilette.
- Migräne: Für einige Migräne-Patienten ist das Bücken ein Auslöser für eine Attacke.
- Flüssigkeitsmangel: Auch er kann Kopfschmerzen verursachen. Sie verschlimmern sich, wenn Sie sich bücken, gehen oder den Kopf bewegen.
- Blutdruck: Kopfschmerzen, die hauptsächlich morgens auftreten und überwiegend den Hinterkopf betreffen, sollten Sie beim Arzt einmal Ihren Blutdruck überprüfen lassen.
Was tun?
- Inhalieren: Kamillentee, ätherische Öle wie Pfefferminz und Lavendel oder Salzlösungen können die Beschwerden lindern.
- Abschwellende Nasensprays: Wenn die Beschwerden mit einer akuten Sinusitis in Verbindung stehen, können abschwellende Nasensprays Linderung bringen.
- Schmerzmittel: Schnelle Hilfe bei Kopfschmerzen bringen Schmerzmittel, die Sie rezeptfrei in der Apotheke bekommen. Sehr wirkungsvoll ist z.B. die Kombination mit Koffein.
- Arztbesuch: Unbedingt zum Arzt gehen sollten Sie, wenn die Kopfschmerzen ganz plötzlich auftreten, sehr stark oder mit hohem Fieber, einem steifen Nacken und Schmerzen beim Vorbeugen des Kopfes verbunden sind.
Leben mit Migräne
"Entweder kontrollierst du die Migräne oder sie kontrolliert dich. Und ich kontrolliere die Migräne, auch wenn sie natürlich immer kommt. Die schlägt ein wie ein Blitz, man weiß nicht wann und wo. Aber ich lass mich davon nicht beeinflussen. Ich weiß ganz genau, was ich tun muss." Diese Aussage von Alexander Schön verdeutlicht, dass ein aktiver Umgang mit der Erkrankung möglich ist.
Wichtig ist, sich nicht von der Migräne einschränken zu lassen, sondern Strategien zu entwickeln, um den Alltag trotz der Erkrankung zu gestalten. Dazu gehört, die eigenen Trigger zu kennen und zu vermeiden, regelmäßige Entspannungsübungen durchzuführen, sich ausreichend zu bewegen und eine gesunde Lebensweise zu pflegen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein, um sich verstanden zu fühlen und neue Strategien kennenzulernen.