Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die mit heftigen Kopfschmerzen und Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit einhergeht. Für Studierende kann Migräne eine erhebliche Belastung darstellen, insbesondere wenn Attacken während wichtiger Prüfungen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet, wie man mit Migräne im Studium umgehen kann, welche Nachteilsausgleiche möglich sind und welche präventiven Maßnahmen helfen können.
Migräneattacken während der Prüfung: Was tun?
Eine der größten Sorgen von Studierenden mit Migräne ist das Auftreten einer Attacke während einer Prüfung. Viele Betroffene befürchten, dass sie die Prüfung in diesem Fall nicht wiederholen können. Es gibt jedoch Strategien, um mit dieser Situation umzugehen.
Akutbehandlung während der Prüfung
Wenn sich eine Migräneattacke während der Prüfung ankündigt, können bestimmte Medikamente helfen, die Symptome zu lindern oder die Attacke sogar abzuwenden. Dazu gehören:
- Triptane: Diese Medikamente, wie Sumatriptan (verschreibungspflichtig) oder Formigran (rezeptfrei), sind speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt worden. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und Entzündungen reduzieren. Es ist wichtig zu beachten, dass Triptane Nebenwirkungen haben können, wie z.B. Augenflimmern oder Benommenheit. Daher sollte man sie nicht zum ersten Mal während einer Prüfung einnehmen. Viele Anwender berichten, dass sie sich nach der Einnahme von Triptanen nicht in der Lage fühlen, eine Klausur zu schreiben.
- Schmerzmittel: Hochdosiertes Aspirin oder Thomapyrin können bei leichteren Attacken helfen, sind aber bei einer echten Migräne oft nur bedingt wirksam.
Wenn man die Anzeichen einer Aura (Sehstörungen, sensorische Ausfälle) bemerkt, kann man kurz vor deren Ende ein Triptanpräparat einnehmen, um die Kopfschmerzen einzudämmen. Dies kann zwar einen gewissen Zeitraum während der Prüfung kosten, ermöglicht aber möglicherweise, danach weiterzuschreiben, solange die Zeit noch läuft. Die Sehstörung ist normalerweise zeitlich begrenzt. Bei manchen Betroffenen dauert die Phase, in der sie nicht lesen oder schreiben können, etwa 20 Minuten.
Attest vom Arzt
Sollte die Migräneattacke so stark sein, dass ein Weiterschreiben unmöglich ist, ist es wichtig, sich von einem Arzt ein Attest ausstellen zu lassen. Dieses Attest kann beim Prüfungsamt eingereicht werden, um die Prüfung gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können. Viele Betroffene sind jedoch unsicher, ob das Prüfungsamt ein solches Attest akzeptiert, insbesondere wenn es sich um eine Wiederholungsprüfung handelt.
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
Es ist ratsam, sich im Vorfeld bei der Hochschule oder dem Prüfungsamt über die genauen Regelungen und Anforderungen zu informieren. In der Regel wird ein Attest akzeptiert, das die Prüfungsunfähigkeit aufgrund von Migräne bestätigt. Wichtig ist, dass das Attest von einem Arzt ausgestellt wurde und die Symptome sowie den Zeitraum der Prüfungsunfähigkeit klar dokumentiert.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Migräne kann verschiedene Ursachen und Auslöser haben. Zu den häufigsten zählen:
- Stress: Stress und Aufregung können Migräne auslösen. Oft tritt die Migräne jedoch erst nach der Stressphase in der Entspannungsphase auf.
- Nahrungsmittel: Bestimmte Nahrungsmittel, insbesondere solche mit Geschmacksverstärkern wie Glutamat, können Migräneattacken provozieren. Diese Geschmacksverstärker sind häufig in Fertigprodukten wie Tütensuppen, Chips, Fertiggerichten und Gewürzmischungen enthalten.
- Schlafstörungen: Ein unregelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus und Schlafmangel können ebenfalls Migräne begünstigen.
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Schwankungen, beispielsweise während des Menstruationszyklus, Migräneattacken auslösen.
Präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Migräneattacken
Um Migräneattacken während des Studiums und insbesondere während Prüfungen vorzubeugen, gibt es verschiedene präventive Maßnahmen:
- Stressmanagement: Die Vermeidung von Stress ist ein wichtiger Faktor. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
- Regelmäßiger Tagesrhythmus: Ein geregelter Tagesrhythmus mit regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Schlaf ist von Vorteil.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ohne stark verarbeitete Lebensmittel und Geschmacksverstärker kann helfen, Migräneauslöser zu vermeiden.
- Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.
- Vermeidung bekannter Trigger: Wer seine persönlichen Migräne-Trigger kennt, sollte versuchen, diese so gut wie möglich zu vermeiden.
Eine Studie der Universitätsmedizin Würzburg hat gezeigt, dass es sinnvoll sein kann, sich den Triggern bewusst auszusetzen, anstatt sie komplett zu vermeiden. Diese sogenannte Trigger-Bewältigung kann langfristig zu einer Desensibilisierung des Gehirns führen.
Nachteilsausgleiche für Studierende mit Migräne
Studierende mit Migräne haben unter Umständen Anspruch auf Nachteilsausgleiche, um ihre Beeinträchtigungen im Studium zu kompensieren. Diese Nachteilsausgleiche sollen sicherstellen, dass sie ihre Leistungen unter fairen Bedingungen erbringen können. Mögliche Nachteilsausgleiche sind:
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
- Schreibzeitverlängerung: Verlängerung der Prüfungszeit, um tatsächlich anfallende Pausen zu ermöglichen.
- Prüfungen in separaten Räumen: Ermöglichung der Prüfung in einem separaten Raum mit eigener Aufsicht, um Ablenkungen zu minimieren.
- Fristverlängerungen: Verlängerung von Fristen für Haus- und Abschlussarbeiten, insbesondere bei chronischen Erkrankungen, die regelmäßige Pausen erfordern.
- Änderung der Prüfungsform: In Ausnahmefällen kann die Prüfungsform geändert werden, beispielsweise von einer Klausur zu einer Hausarbeit.
- Nutzung von Hilfsmitteln: Erlaubnis zur Nutzung von Hilfsmitteln wie Notebooks mit Spezialsoftware oder Vorlesekräften.
- Nichtberücksichtigung von Rechtschreibfehlern: Bei Studierenden mit Legasthenie oder sehr starker Sehbeeinträchtigung können Rechtschreibfehler in Klausuren unberücksichtigt bleiben.
- Verschieben von Prüfungsterminen: Ermöglichung des Verschiebens von Prüfungsterminen, wenn diese mit Zeiten zusammenfallen, in denen die Studierenden aufgrund ihrer Erkrankung stark beeinträchtigt sind.
- Nichtberücksichtigung von Prüfungsrücktritten: Ausnahmeregelungen für Prüfungsrücktritte aufgrund von Migräne.
Die Notwendigkeit und Gestaltung von Nachteilsausgleichen müssen immer individuell und situationsbezogen verabredet werden. Es ist ratsam, sich frühzeitig mit der Beauftragten für Studierende mit Behinderung/chronischer Krankheit der jeweiligen Hochschule in Verbindung zu setzen, um die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten zu besprechen.
Die Migräne-App als Unterstützung im Alltag
Eine weitere Möglichkeit, mit Migräne im Studium umzugehen, ist die Nutzung einer Migräne-App. Diese Apps ermöglichen es, den Verlauf von Migräne und Kopfschmerzen zu dokumentieren und liefern wertvolle Informationen für die Therapieplanung und -anpassung. Die Migräne-App der Universitätsmedizin Kiel beispielsweise enthält umfangreiche Report-, Informations- und Selbsthilfe-Tools auf aktuellem Forschungsstand. Sie unterstützt sowohl Patientinnen und Patienten als auch betreuende Ärztinnen und Ärzte in der Verlaufs- und Erfolgskontrolle, bei der Einhaltung von Therapieregeln sowie bei der Therapieanpassung.
Masterstudiengang "Migraine and Headache Medicine"
Für Ärztinnen und Ärzte sowie andere medizinische Fachkräfte, die sich auf die Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen spezialisieren möchten, bietet die Universität Kiel den Masterstudiengang "Migraine and Headache Medicine" an. Dieser Studiengang vermittelt fachübergreifend die aktuellen wissenschaftlichen Ergebnisse, Versorgungsgrundlagen und Rahmenbedingungen, die für eine zeitgemäße interdisziplinäre Erforschung, Diagnostik und Therapie von Migräne- und Kopfschmerzerkrankungen relevant sind.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?