Migräne-Tabletten: Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendung

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, von der Millionen Menschen betroffen sind. Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie zur Linderung der Beschwerden während einer Attacke als auch die Intervallprophylaxe zur Vorbeugung neuer Anfälle. Es gibt verschiedene Arten von Migräne-Medikamenten, die sich in ihrer Wirkungsweise, ihren Anwendungsgebieten und ihren Inhaltsstoffen unterscheiden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Migräne-Medikamente, ihre Inhaltsstoffe, Wirkungen, Anwendungsgebiete, Einnahmehinweise, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen.

Arten von Migräne-Medikamenten

Grundsätzlich lassen sich Migräne-Medikamente in drei Kategorien einteilen:

  • Medikamente zur Vorbeugung von Migräne-Attacken (Prophylaxe): Diese Medikamente werden regelmäßig eingenommen, um die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen zu reduzieren.
  • Medikamente zur Akutbehandlung von Migräne-Kopfschmerzen: Diese Medikamente werden bei Bedarf eingenommen, um die akuten Kopfschmerzen während einer Migräneattacke zu lindern.
  • Medikamente, die sowohl akut als auch vorbeugend wirken: Diese Medikamente können sowohl zur Linderung akuter Kopfschmerzen als auch zur Vorbeugung neuer Attacken eingesetzt werden.

Einige Migräne-Medikamente sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, während andere rezeptpflichtig sind. Zudem gibt es verschiedene Darreichungsformen wie Tabletten, Kapseln, Lösungen, Pulver, Säfte, Zäpfchen, Spritzen und Nasensprays. Die Wahl des geeigneten Medikaments und der Darreichungsform hängt von der Art und Schwere der Migräne, den individuellen Vorlieben des Patienten und möglichen Begleiterkrankungen ab.

Migräne-Medikamente zur Akutbehandlung

Migräne-Medikamente zur Behandlung akuter Migräne-Attacken helfen nur, wenn Sie bereits Kopfschmerzen haben. Sie helfen also nicht vorbeugend. Folgende Wirkstoffe gegen Migräne-Kopfschmerzen sind zum Beispiel als Tabletten rezeptfrei in der Apotheke erhältlich (Ausnahmen gibt es für bestimmte Dosierungen beziehungsweise Darreichungsformen):

  • Acetylsalicylsäure
  • Almotriptan
  • Dexketoprofen
  • Diclofenac
  • Ibuprofen
  • Ketoprofen
  • Naproxen
  • Naratriptan
  • Paracetamol
  • Phenazon
  • Sumatriptan

Wirksam bei akuten Anfällen von Migräne sind auch Tabletten mit Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein kombiniert.

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Verschreibungspflichtig (rezeptpflichtig) sind folgende Wirkstoffe zur Behandlung akuter Migräne-Kopfschmerzen:

  • Dexibuprofen
  • Eletriptan
  • Ergotamin
  • Frovatriptan
  • Lasmiditan
  • Metamizol
  • Propyphenazon
  • Rizatriptan
  • Zolmitriptan

Nichtopioid-Analgetika

Analgetika greifen über unterschiedliche biochemische Mechanismen in die Schmerzentstehung, Schmerzweiterleitung oder Schmerzverarbeitung ein und führen zur Analgesie, Abschwächung oder Modifikation des Schmerzes. Analgetika lassen sich hinsichtlich der Chemie, des Wirkungsorts, der Wirkungsdauer, der Wirkungsstärke und des Wirkungsspektrums einteilen. Sie greifen über unterschiedliche biochemische Mechanismen in die Schmerzentstehung, -weiterleitung oder -verarbeitung ein. Bei Verwendung therapeutischer Dosen wird eine Analgesie erreicht, ohne die sensorische Wahrnehmung und andere wichtige Funktionen des ZNS zu beeinflussen.

Acetylsalicylsäure (ASS): Acetylsalicylsäure (ASS) wird bei leichten Migräneanfällen eingesetzt. Die aktuelle S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ empfiehlt die Einnahme von Acetylsalicylsäure, auch kombiniert mit Coffein. Acetylsalicylsäure (ASS 1000 mg oder ASS 900 mg + MCP 10 mg p.o.) ist als Analgetika empfohlen. Gemäß der Leitlinie sind Analgetika und NSAR bei der Behandlung von akuten Migräneattacken wirksam. Die Wirkung für Acetylsalicylsäure ist am besten belegt.

Ibuprofen: Ibuprofen ist ein schmerzstillendes, fiebersenkendes und entzündungshemmendes Arzneimittel (nicht-steroidales Antiphlogistikum/Analgetikum). In Dolormin® Migräne ist der Wirkstoff Ibuprofen enthalten. Ibuprofen ist ein Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika und eignet sich zur Behandlung der akuten Kopfschmerzphase bei Migräneattacken mit oder ohne Aura. Der Wirkstoff wird aber auch bei leichten bis mäßig starken Schmerzen, wie Spannungskopfschmerzen eingesetzt. Ibuprofen (200/400/600 mg p.o.) ist als Analgetika empfohlen. Gemäß der Leitlinie sind Analgetika und NSAR bei der Behandlung von akuten Migräneattacken wirksam. Die Wirkung für Ibuprofen ist am besten belegt.

Paracetamol: Bei Kontraindikation von NSAR: Paracetamol 1000 mg oder Metamizol 1000 mg p.o.

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Metamizol: Metamizol 1000 mg p.o. oder i.v.

Diclofenac-Kalium: Diclofenac-Kalium 50 mg/100 mg p.o.

Triptane

Triptane stimulieren Serotonin (5-Hydroxytryptamin)-Rezeptoren, die bei der Entstehung einer Migräne eine wichtige Rolle einnehmen. Nach heutigem Kenntnisstand sind bei einer Migräneattacke die Blutgefäße im Gehirn aufgrund eines Serotonin-Ungleichgewichts erweitert. Die Aktivierung von 5-HT1B-Rezeptoren durch ein Triptan veranlasst eine Verengung der erweiterten Blutgefäße in der Hirnhaut. Darüber hinaus werden 5-HT1D-Rezeptoren aktiviert, die dann die Freisetzung von entzündungsfördernden Neuropeptiden aus sensorischen Nervenendigungen in Blutgefäßen der Hirnhaut und die Schmerzweiterleitung im trigeminalen System inhibieren.

Da auch Koronararterien 5-HT1B-Rezeptoren besitzen, die nach Stimulation eine Kontraktion der entsprechenden Gefäße verursachen, sind Triptane bei koronarer Herzkrankheit kontraindiziert. Die einzelnen Substanzen dieser Gruppe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirkstärke und des Zeitpunktes ihres Wirkeintritts. Die längste Halbwertzeit hat Frovatriptan (26 Stunden), das durch eine besonders lange klinische Wirkdauer ausgezeichnet ist.

Die 5-HT1B/1D-Agonisten (in alphabetischer Reihenfolge) Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan sind die Wirkstoffe mit der besten Wirksamkeit bei akuten Migräneattacken und sollten bei starken Kopfschmerzen und bei Migräneanfällen, die nicht auf Analgetika oder NSAR ansprechen, eingesetzt werden. Die Sumatriptan-subkutan-Injektion (6 mg) ist die wirksamste Therapie bei akuten Migräneattacken. Eletriptan und Rizatriptan sind nach den Ergebnissen von Meta-Analysen die wirksamsten oralen Triptane. Almotriptan und Eletriptan weisen das beste Nebenwirkungsprofil auf. Naratriptan und Frovatriptan haben die längste Halbwertzeit.

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Triptane werden heute häufig in der Akuttherapie von Migräneattacken eingesetzt. Aufgrund ihrer vasokonstriktorischen Wirkung sollen sie nicht in der Aura-Phase, sondern erst bei Einsetzen des Kopfschmerzes gegeben werden.

Almotriptan: Almotriptan - der Wirkstoff in Dolortriptan bei Migräne - bindet sich gut an die Bindungsstellen (Rezeptoren) in den Blutgefäßen der Hirnhaut, durch die die spezifische Wirkung bei Migräne erzielt wird. Almotriptan gehört zu den schnellsten rezeptfreien Triptanen und wird nahrungsunabhängig gut vom Körper aufgenommen und gelangt rasch ins Gehirn, so dass die Wirkung bereits 30 Minuten nach der Einnahme einsetzen kann. Die Gefahr, später unter Wiederkehrkopfschmerz zu leiden, ist bei Almotriptan gering.

Sumatriptan: Sumatriptan ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Triptane. Der Wirkstoff wird hauptsächlich in der Akutbehandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen angewendet. Durch seine verengende Wirkung auf Herzkranzgefäße sind besondere Warnhinweise bzw. Der vaskuläre 5-HT1D Rezeptor wird überwiegend in kranialen Blutgefäßen gefunden und vermittelt Vasokonstriktion. Darüber hinaus hemmt Sumatriptan die Aktivität des Trigeminusnervs. Es wird empfohlen, die Behandlung beim ersten Anzeichen von Migränekopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz (nur subkutan!) oder damit in Zusammenhang stehenden Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit zu beginnen und nicht prophylaktisch einzusetzen. Sumatriptan ist aber auch bei Anwendung zu einem anderen Zeitpunkt der Attacke gleichermaßen wirksam.

Naratriptan: NARATRIPTAN ADGC® bei Migräne wird zur Behandlung von akuten Migränekopfschmerzen bei Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren eingesetzt. Der enthaltene Wirkstoff Naratriptan wirkt verengend auf die Blutgefäße und behandelt so gezielt die Symptome der Migräne, welche durch die vorübergehende schmerzhafte Erweiterung der Blutgefäße im Kopf verursacht sein kann. Dies wiederum hilft nicht nur dabei die akuten Kopfschmerzen zu lindern, sondern auch die Begleiterscheinungen einer Migräneattacke, wie z. B. Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Mutterkornalkaloide

Mutterkornalkaloide sind partielle Agonisten an α-Adrenorezeptoren und an Serotoninrezeptoren, sie aktivieren Dopaminrezeptoren (Ausschüttung von Prolaktin und Somatotropin wird gehemmt) und führen zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur von Gefässen und der Gebärmutter. Ergotamin ist zwar in der Akuttherapie der Migräne wirksam, die Wirksamkeit ist in prospektiven Studien jedoch schlecht belegt. Darüber hinaus sind die Nebenwirkungen im Vergleich zu Triptanen und anderen Akuttherapeutika erhöht. Ergotamin-haltige Arzneimittel zählen deshalb nicht mehr als Therapeutika der 1. Wahl. Triptane sind Mutterkornalkaloiden bezüglich der Wirksamkeit überlegen. Deshalb sollten letztere nur in Ausnahmefällen zur Behandlung akuter Migräneattacken eingesetzt werden.

Antiemetika

Antiemetika wirken sich in der Migräneattacke positiv auf Übelkeit und Erbrechen aus. Bei Übelkeit und Erbrechen empfehlen die Leitlinienexperten 10 mg Metoclopramid p.o. (ggf. supp.) oder 10 mg Domperidon p.o.

Migräne-Medikamente zur Vorbeugung

Diese Medikamente helfen nicht bei akuten Migräne-Kopfschmerzen, sondern wirken nur vorbeugend. Dafür muss man sie aber regelmäßig anwenden. In Betracht kommen sie bei häufiger oder starker Migräne (etwa in Form von Tabletten oder Spritzen). Welches prophylaktische Mittel gegen Migräne im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt vor allem davon ab, wie häufig jemand Migräne-Attacken hat und welche Begleiterkrankungen gegebenenfalls vorliegen.

In der Regel sind Medikamente zur Vorbeugung (Prophylaxe) von Migräne rezeptpflichtig. Dazu zählen Präparate mit Wirkstoffen wie:

  • Amitriptylin
  • Atogepant
  • Bisoprolol
  • Botulinumtoxin A (Onabotulinumtoxin A)
  • Eptinezumab
  • Erenumab
  • Flunarizin
  • Fremanezumab
  • Galcanezumab
  • Metoprolol
  • Propranolol
  • Topiramat
  • Valproinsäure

Daneben gibt es rezeptfreie pflanzliche Tabletten (auf Basis von Mutterkraut), die aufgrund langjähriger Erfahrung zur Vorbeugung von migräneartigen Kopfschmerzen angewendet werden können. Die Wirkstoffe Eptinezumab, Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab sind als „Migräne-Spritze“ verfügbar.

Bisher etablierte medikamentöse Prophylaktika: Am besten durch kontrollierte Studien belegt ist die prophylaktische Wirkung der Betablocker Propranolol und Metoprolol, des Kalziumantagonisten Flunarizin, der Antikonvulsiva Valproinsäure und Topiramat sowie des trizyklischen Antidepressivums Amitriptylin.

CGRP-Inhibitoren

Die CGRP-Inhibitoren verhindern die Effekte des inflammatorischen Neuropeptids Calcitonin gene-related peptide (CGRP) bei einem Migräneanfall. Der Entzündungsmediator CGRP wird unter anderem in den Nervenfasern des Trigeminus gebildet und während der Migräneattacke freigesetzt. Das Neuropeptid bindet an entsprechende G-Protein-gekoppelte Rezeptoren der glatten Muskulatur intrakranieller Gefäße. Die folgende Signaltransduktion resultiert in der Phosphorylierung verschiedener Effektorproteine wie nozizeptive NMDA-Rezeptoren, was zur Schmerzsensibilisierung führen kann. Über eine Senkung der Calciumkonzentration kommt es weiterhin zur Gefäßdilatation. Diese beiden Wirkungen tragen maßgeblich zum Migränekopfschmerz bei.

Die CGRP-Inhibitoren verhindern die Effekte des Neuropeptids durch hoch spezifische und affine Antikörperbindung an ihr jeweiliges Target. Der Antikörper Erenumab bindet an den CGRP-Rezeptor, er weist dabei keine signifikante Aktivität gegen andere Calcitonin-Rezeptoren auf. Der IgG2-Antikörper Fremanezumab und der IgG4-Antikörper Galcanezumab fangen stattdessen den Liganden CGRP direkt ab.

Im Juli 2018 hat Erenumab (Aimovig) als erster monoklonaler Antikörper (monoclonal antibodies = MOAB oder mAbs) die EU-Zulassung zur Migräneprophylaxe erhalten. Im November 2018 folgte Galcanezumab (Emgality), im März 2019 Fremanezumab (Ajovy). Seit Januar besitzt Eptinezumab (Vyepti) als vierter Antikörper zur Migräneprophylaxe die Zulassung in der EU. Anders als die drei bisher zugelassenen s.c.-Präparate muss Vyepti intravenös verabreicht werden. Erenumab ist der einzige vollhumane MOAB und zudem als einziger gegen den CGRP-Rezeptor gerichtet. Galcanezumab, Fremanezumab und Eptinezumab richten sich gegen den Liganden CGRP selbst. Alle mAbs sind zur Migräneprophylaxe bei erwachsenen Patienten mit mehr als vier Migränetagen pro Monat (MMT) geeignet. Als sogenannte „large molecules“ von um die 150 kDa können sie eine intakte Blut-Hirn-Schranke faktisch nicht überwinden. Daher gelten die Therapieeffekte als hauptsächlich peripher vermittelt.

Die CGRP(Rezeptor)Antikörper konnten in jeder Zulassungsstudie überzeugen und gegenüber Placebo die monatlichen Kopfschmerztage signifikant reduzieren. Ebenso kam es bei Patienten, die zugleich die Kriterien für einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch erfüllten, sowie bei Patienten mit therapierefraktärer Migräne zu einer signifikanten Abnahme der monatlichen Kopfschmerztage.

Migräne-Medikamente, die akut und vorbeugend wirken

Rimegepant ist bislang der einzige zugelassene Wirkstoff, der sowohl gegen akute Migräne-Kopfschmerzen hilft als auch neuen Attacken vorbeugt.

Abgabevorschriften

In Deutschland sind herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac rezeptfrei erhältlich. Dabei gelten teils Ausnahmen für höhere Dosierungen beziehungsweise bestimmte Darreichungsformen. Bei Migräne-Medikamenten mit Triptanen ist es ebenfalls unterschiedlich: Sumatriptan, Almotriptan oder Naratriptan sind teils rezeptfrei, teils rezeptpflichtig. Alle anderen Triptane sind immer rezeptpflichtig. Migräne-Medikamente zur Vorbeugung akuter Attacken sind - mit Ausnahme von Mutterkraut-Tabletten (traditionelles pflanzliches Arzneimittel) - verschreibungspflichtig. Ebenfalls nur auf Rezept gibt es den Wirkstoff Rimegepant, der sich sowohl zur Vorbeugung als auch Akutbehandlung von Migräne-Attacken eignet.

Darreichungsformen

Medikamente gegen Migräne gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen. Dazu zählen:

  • Tabletten
  • Kapseln
  • Lösungen
  • Pulver
  • Säfte
  • Zäpfchen
  • Spritzen
  • Nasensprays
  • Infusionen

Welche Tabletten bei Ihrer Migräne helfen oder ob eine andere Darreichungsform für Sie besser geeignet ist, wählt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand der Schmerzart und Schmerzdauer sowie nach Ihren persönlichen Vorlieben aus.

Wirkungsweise

Viele Medikamente bei Migräne wirken, indem sie die Effekte von körpereigenen Botenstoffen unterdrücken. Klassische Schmerzmittel blockieren dafür ein Enzym namens Cyclooxygenase. Spezifische Migräne-Mittel hemmen Bindungsstellen im zentralen Nervensystem oder Eiweiße, die mit Migräne in Verbindung stehen.

Wie wirken Triptane?

Triptane ähneln dem körpereigenen Botenstoff Serotonin, der bei der Migräne-Entstehung eine entscheidende Rolle einnimmt. Bei einer Migräneattacke ist der Serotonin-Haushalt im Gehirn gestört - Blutgefäße erweitern und entzünden sich und es werden Schmerzsignale über die Nerven weitergeleitet. Triptane verengen gezielt diese erweiterten Blutgefäße der Hirnhaut und die Entzündung um die Blutgefäße der Hirnhaut kann sich zurückbilden. Darüber hinaus wird die Weiterleitung des Schmerzsignals an das Schmerzzentrum unterdrückt. Durch ihre Wirkung können auch die Begleiterscheinungen, die eine Migräne besonders unangenehm machen, verringert werden.

Anwendungsgebiete

Medikamente gegen Migräne verwendet man, um akute Migräne-Kopfschmerzen zu lindern und/oder um neuen Attacken vorzubeugen.

Einnahme und Anwendung

Weil es so viele unterschiedliche Medikamente gegen Migräne gibt, gibt es keine allgemeingültige Einnahmeempfehlung. Die folgenden generellen Hinweise treffen aber häufig zu:

  • Herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen können Sie bis zu dreimal täglich einnehmen. Davon ausgenommen ist Naproxen, das im Körper besonders lange wirkt. Hier ist eine zweimal tägliche Gabe ausreichend.
  • Wenden Sie spezifische Medikamente wie Triptane und Ergotamine höchstens zweimal pro Tag an. Zwischen der ersten und zweiten Gabe müssen mindestens zwei Stunden liegen (manchmal auch vier). Hat Ihnen die erste Dosis nicht geholfen, verzichten Sie auf die zweite.
  • Wer unter Migräne mit Aura leidet, sollte Triptane (z.B. Sumatriptan) erst dann einnehmen, wenn die Kopfschmerz-Phase beginnt. Triptane wirken nämlich nicht vorbeugend. Zudem folgt nicht auf jede Aura-Phase auch eine Kopfschmerz-Phase.
  • Orale Medikamente zur Vorbeugung von Migräne (wie Tabletten) werden normalerweise einmal täglich eingenommen. Vorbeugende Migräne-Medikamente zum Spritzen („Migräne-Spritze“) werden - je nach Präparat - entweder einmal monatlich oder sogar nur alle drei Monate unter die Haut injiziert oder als Infusion verabreicht.

Von den hier genannten generellen Hinweisen zur Einnahme und Anwendung von Migräne-Mitteln gibt es viele Ausnahmen. Informieren Sie sich immer in der Packungsbeilage, bevor Sie ein Medikament verwenden. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Nebenwirkungen

Wenn Sie bei Migräne herkömmliche Schmerzmittel (wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen) nehmen, müssen Sie am ehesten mit Magen-Darm-Problemen wie Bauchschmerzen, Sodbrennen und Übelkeit rechnen. Bei Triptanen berichten Betroffene oft von Schwindel, Müdigkeit sowie spürbarem und beschleunigtem Herzschlag. Patienten und Patientinnen mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten vor der Einnahme von Triptanen immer ärztliche Rücksprache halten. Migräne-Spritzen sind in der Regel sehr gut verträglich. Zudem können sie bei übermäßigem Gebrauch selbst Kopfschmerzen verursachen. Mediziner sprechen dann von einem sogenannten Medikamenten-induzierten Kopfschmerz.

Um diesen zu vermeiden, wurde die 10-20-Regel entwickelt: Nehmen Sie Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen-Tabletten) gegen Migräne oder andere Schmerzen an maximal zehn Tagen pro Monat ein. An den übrigen 20 Tagen sollten Sie eine Einnahme vermeiden.

Wichtige Informationen zu den möglichen Nebenwirkungen Ihres Migräne-Medikaments finden Sie in der Packungsbeilage. Wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, wenn Sie Nebenwirkungen vermuten.

Gegenanzeigen

Migräne-Medikamente darf man im Allgemeinen nicht anwenden, wenn man überempfindlich oder allergisch auf den enthaltenen Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikaments reagiert. Fast alle herkömmlichen Schmerzmittel eignen sich nicht bei akuten Magen-Darm-Blutungen oder eingeschränkter Herz-, Leber- und Nierenfunktion. Weil viele Migräne-Medikamente gefäßverengend wirken, dürfen sie nicht bei Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit (KHK), ischämischen Herzerkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Angina pectoris), Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen eingenommen werden. Gab es in der Vorgeschichte Erkrankungen der Hirngefäße (z.B. Schlaganfall) oder liegen periphere Gefäßerkrankungen (wie Raucherbein = pAVK) vor, dürfen manche Migräne-Mittel ebenfalls nicht zum Einsatz kommen.

Mehr Informationen zu möglichen Gegenanzeigen finden Sie in der Packungsbeilage Ihres Migräne-Medikaments.

Wechselwirkungen

Wenn Sie wegen anderer Erkrankungen noch weitere Arzneimittel einnehmen, sind Wechselwirkungen mit Ihrem Migräne-Medikament möglich. Die Präparate können sich gegenseitig in ihrer Wirkung und/oder ihren Nebenwirkungen beeinflussen. Besonders oft kommt es zu Wechselwirkungen bei herkömmlichen Schmerzmitteln oder bei vorbeugenden Migräne-Medikamenten, die als Tabletten eingenommen werden. Informieren Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin über alle Medikamente, die Sie einnehmen. So lassen sich mögliche Wechselwirkungen im Vorfeld besser abschätzen.

Migräne-Medikamente bei Kindern

Viele Medikamente, die Erwachsene gegen Migräne anwenden, sind nicht für Kinder geeignet. Lassen Sie Schmerzen bei Ihrem Kind immer kinderärztlich abklären. Migräne bei Kindern äußert sich oft anders als bei Erwachsenen. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin kann Ihnen sagen, welche Medikamenten Sie Ihrem Kind bei Migräne-Schmerzen geben können.

Migräneattacken bei Kindern werden mit 10 mg Ibuprofen pro Kilogramm Körpergewicht, 500 mg Acetylsalicylsäure (ab dem 12. Lebensjahr) oder 15 mg Paracetamol pro Kilogramm Körpergewicht (2. Wahl) behandelt. Bei Paracetamol sind die kritischen kumulativen Dosierungen zu beachten. Bei erforderlicher antiemetischer Intervention ist Domperidon (Zulassung für Kinder ab zwölf Jahren) das Mittel der Wahl. Metoclopramid sollte wegen des erhöhten Risikos für akute extrapyramidale Bewegungsstörungen und Spätdyskinesien nicht verwendet werden.

Bei Kindern und Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr sind zur Behandlung von Migräne 10 mg Sumatriptan und 5 mg Zolmitriptan als Nasenspray zugelassen. Mittlerweile liegen ausreichende Daten vor, die für einen Einsatz von Triptanen sprechen, wenn Kinder und Jugendliche nur unzureichend auf eine Akuttherapie mit Analgetika ansprechen. Nach entsprechender Aufklärung sind 10-20 mg Sumatriptan als Nasenspray, 2,5-5 mg Zolmitriptan als Tabletten, 5-10 mg Rizatriptan als Tabletten und 12,5 mg Almotriptan als Tabletten zu rechtfertigen [1].

Migräne-Medikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit

Informieren Sie sich vor der Anwendung von Migräne-Medikamenten bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie schwanger sind oder stillen. Die Experten des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin raten, akute Attacken von Migräne in der Schwangerschaft bis zur 28. Woche vorzugsweise mit Paracetamol oder Ibuprofen zu behandeln. Im späteren Schwangerschaftsverlauf ist Paracetamol das Mittel der Wahl. Bei besonders schweren Attacken können Ärzte und Ärztinnen das gut untersuchte Sumatriptan verordnen.

In den seltenen Fällen, wenn eine Migräne-Prophylaxe mit Medikamenten notwendig ist, sind Metoprolol und Amitriptylin zu bevorzugen. Topiramat darf seit Herbst 2023 nicht mehr zur Migräne-Vorbeugung bei Schwangeren eingesetzt werden (außer es steht keine andere geeignete Behandlung zur Verfügung). Der Grund ist, dass Migräne-Medikamente mit diesem Wirkstoff schwere Fehlbildungen beim Kind verursachen können.

Während der Schwangerschaft sollte eine akute Migräneattacke zunächst mit Analgetika wie Paracetamol und NSAR (Ibuprofen, Naproxen) behandelt werden. NSAR dürfen jedoch nicht nach der 28. SSW eingenommen werden. Es wurde gezeigt, dass Sumatriptan nach subkutaner Anwendung in die Muttermilch übergeht. Die Exposition des Säuglings kann minimiert werden, indem das Stillen für 12 Stunden nach der Anwendung vermieden wird. Einige stillende Frauen berichten nach der Anwendung von Sumatriptan über Brustschmerz und/oder Brustwarzenschmerz. Der Schmerz ist in der Regel vorübergehend und verschwindet innerhalb von 3 bis 12 Stunden.

Medikamentenübergebrauch

Die Schwelle für die Entstehung von Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz nach ICHD-3 liegt für Triptane bei ≥ 10 Einnahmetagen/Monat. Die Schwelle für die Entstehung von Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz nach ICHD-3 für Kombinationsanalgetika bei ≥ 10 Einnahmetagen/Monat, für Monoanalgetika bei ≥ 15 Einnahmetagen/Monat.

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