Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch heftige, anfallartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft einseitig und pulsierend. In manchen Fällen kündigt sich eine Migräne mit einer sogenannten Aura an - typische Vorboten sind Sehstörungen, Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl in Gesicht, Armen und Beinen. Die Ursachen für Migräne sind noch nicht abschließend geklärt, aber Fachleute vermuten, dass spezielle Botenstoffe im Gehirn, sogenannte Neurotransmitter, eine Rolle spielen. Diese können zu Entzündungen und einer Erweiterung der Blutgefäße führen, was eine Migräneattacke auslöst.
Diagnose und Ursachenforschung
Um eine effektive Behandlung zu gewährleisten, ist es wichtig, zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne zu unterscheiden. Bei häufigen und starken Kopfschmerzen sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden, um die genaue Ursache abzuklären. Ein Migränetagebuch kann helfen, individuelle Auslöser zu identifizieren. Notieren Sie, in welchen Situationen und wie lange die Schmerzen auftreten, wo der Schmerz sitzt, wie er sich anfühlt und ob Sie weitere Beschwerden haben. Auch spezielle Nahrungsmittel oder Getränke, die vor Beginn der Kopfschmerzen konsumiert wurden, sollten notiert werden.
Lebensstil und Prävention
Mit einem gesunden Lebensstil können Sie selbst dazu beitragen, dass Migräne möglichst selten auftritt. Dazu zählt bei vielen mehr Regelmäßigkeit im Alltag, zum Beispiel bei den Essens- und Schlafenszeiten. Ebenso wichtig ist ausreichend Bewegung und Entspannung einzuplanen. Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Yoga können die Schmerzen deutlich reduzieren. Manche Betroffene haben mit Akupunktur gute Erfahrungen gemacht. Auch eine ausgewogene Ernährung kann einen positiven Einfluss auf die Migräne haben.
Medikamentöse Behandlung von Migräne
Akutbehandlung
Verschiedene rezeptfreie Schmerzmittel können helfen, die Migräne zu lindern. Dazu zählen die gängigen Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen. In Form von Kau- oder Brausetabletten werden diese schneller vom Körper aufgenommen. Bei Übelkeit empfiehlt sich die Anwendung von Zäpfchen.
Spezifischer wirken die sogenannten Triptane. Vor einer Selbstmedikation ist es immer wichtig, dass eine Migräne ärztlich diagnostiziert ist. Reichen gängige Schmerzmittel zur Linderung nicht aus, kommen Triptane infrage. Sie verengen die Gefäße im Gehirn und hemmen die Entzündung. Welches Triptan im Einzelfall geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, ob eher kurze oder länger anhaltende Schmerzattacken auftreten. Manche Triptane wirken schneller und dafür länger. Triptane gibt es in verschiedenen Darreichungsformen wie Tabletten, Zäpfchen, Schmelztabletten oder als Nasenspray. Einige Triptane erhalten Sie sowohl auf Rezept als auch in einer kleinen Packung ohne Rezept in Ihrer Apotheke. Bei Bluthochdruck, koronarer Herzerkrankung, nach einem Herzinfarkt oder bei einer Durchblutungsstörung der Arme oder Beine, sind Triptane nicht geeignet. Auch Patienten über 60 Jahre sollten diese Wirkstoffe nicht einnehmen.
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Als wirksamste Medikamente zur Akutbehandlung gelten weiterhin Triptane. Eine neue Wirkstoffkombination mit einem Triptan und einem langwirksamen Schmerzmittel hat sich nach der aktualisierten Einschätzung der Fachgesellschaften als wirksam gezeigt. Seit Anfang April 2025 in Deutschland verfügbar ist das verschreibungspflichtige Medikament Suvexx, das das Triptan Sumatriptan mit dem langwirksamen Schmerzmittel Naproxen kombiniert. In Studien wirkte es besser als die einzelnen Substanzen. Neun Tabletten kosten knapp 33 Euro. Einige Menschen sollten keine Triptane einnehmen: zum Beispiel jene mit Herz- und Gefäß-Erkrankung, einem bereits erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen. Beide Substanzen zeigten sich in Studien bei akuten Migräneattacken wirksamer als ein Placebo. Sie können daher zum Einsatz kommen, wenn medizinische Einwände gegen den Einsatz von Triptanen bestehen oder diese nicht wirksam sind.
Bei mäßigen Schmerzen kann ein rezeptfreies Schmerzmittel aus der Apotheke genügen. Bei einer heftigen Migräne sind manchmal stärkere Medikamente nötig. Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR können Migräneschmerzen lindern. Die in Deutschland am häufigsten eingesetzten Schmerzmittel sind Acetylsalicylsäure (ASS wie in "Aspirin"), Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol.
Studien zu Sumatriptan (50 mg), dem am häufigsten verschriebenen Mittel, zeigten zum Beispiel:
- Ohne das Medikament verschwanden Migräneschmerzen innerhalb von zwei Stunden bei etwa 10 von 100 Personen.
- Mit Sumatriptan verschwanden die Beschwerden in dieser Zeit bei 20 bis 30 von 100 Personen.
Zwei Stunden nach Einnahme des Medikaments waren also zusätzlich etwa 10 bis 20 von 100 Personen schmerzfrei. Bei weiteren 25 von 100 Personen, die das Mittel nahmen, bewirkte es zumindest eine Linderung.
Die folgende Tabelle zeigt, in welchen Dosierungen diese Medikamente bei Erwachsenen mit Migräne üblicherweise eingesetzt werden:
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| Wirkstoff | Dosierung bei einem Migräneanfall | Tägliche Höchstdosis für Erwachsene |
|---|---|---|
| ASS | 1000 mg | 3000 mg |
| Diclofenac | 50 mg | 150 mg |
| Ibuprofen | 400 mg | 2400 mg |
| Paracetamol | 1000 mg | 4000 mg |
Da Schmerzmittel zur Behandlung eines Migräneanfalls meist nur kurz eingenommen werden, sind Nebenwirkungen selten. In Studien verursachte Ibuprofen bei weniger als 1 von 100 Personen Magenschmerzen. Bei anderen Mitteln zeigten sich keine Nebenwirkungen. Für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie etwa Nierenschäden kann die Einnahme von Schmerzmitteln jedoch problematisch sein. NSAR können die Funktion der Magenschleimhaut beeinträchtigen. Für Menschen mit Magengeschwüren sind sie daher nicht geeignet. ASS hemmt zudem die Blutgerinnung und erhöht das Risiko für Blutungen. Diese sind meist leicht, wie Nasen- oder Zahnfleischbluten. Selten treten schwerwiegendere Blutungen auf, etwa im Magen-Darm-Trakt. Bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung können hoch dosierte NSAR zudem das Risiko für Komplikationen erhöhen. Paracetamol ist für Menschen mit einer eingeschränkten Leberfunktion nicht geeignet, weil es über die Leber abgebaut wird. In hohen Dosierungen kann es auch bei Gesunden die Leber schädigen. Daher ist es wichtig, die empfohlene Höchstdosis nicht zu überschreiten.
Wenn eine Migräneattacke von Übelkeit begleitet wird, kann die Schmerzbehandlung mit Domperidon oder Metoclopramid ergänzt werden. Diese Wirkstoffe können Übelkeit und Erbrechen bei schätzungsweise 40 von 100 Personen lindern. Es gibt auch Kombinationsmedikamente, die gegen Schmerzen und Übelkeit wirken und zum Beispiel Metoclopramid und das Schmerzmittel Paracetamol enthalten.
Triptane wurden speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt. Alle Wirkstoffe dieser Medikamentengruppe verengen die Hirngefäße und hemmen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe. Triptane können Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit lindern. Derzeit sind sieben verschiedene Triptane erhältlich: Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan. Einige dieser Mittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen: als Tabletten, Kapseln, Nasenspray, Zäpfchen, Lösung zum Spritzen oder als Schmelztablette, die unter die Zunge gelegt wird. Das Spritzen ist mit einem Fertigpen möglich, den man sich verschreiben lassen kann. Die meisten Triptane sind verschreibungspflichtig. Almotriptan und Naratriptan sind auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.
Wegen chemischer Unterschiede sind Triptane zum Teil verschieden dosiert: So enthalten Sumatriptan-Tabletten 50 oder 100 mg Wirkstoff, Zolmitriptan-Tabletten dagegen 2,5 oder 5 mg. Triptane unterscheiden sich auch in ihrer Wirkdauer: Einige wirken schneller als andere, dafür hält deren Wirkung kürzer an. Wenn also ein Triptan die Migräne nicht so lindert wie erhofft, kann es sich lohnen, ein anderes auszuprobieren.
Mögliche Nebenwirkungen von Triptanen sind Benommenheit, Missempfindungen wie Kribbeln, Schwäche-, Wärme- oder Kältegefühl, manchmal auch leichte Übelkeit. Gegen Übelkeit könnte es helfen, ein Triptan als Zäpfchen oder Spritze anzuwenden. Für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sind Triptane nicht geeignet, weil sie in seltenen Fällen die Blutgefäße verengen und den Blutdruck erhöhen können.
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Rezeptpflichtige Migränemedikamente können auch Ergotamine enthalten. Diese Substanzen aus dem Mutterkorn - einem Getreidepilz - waren fast ein Jahrhundert lang die einzige spezifische Behandlung bei Migräne. Weil Ergotamine mehr Nebenwirkungen haben als Triptane, werden sie heute nicht mehr so häufig zur Behandlung von Migräneanfällen eingesetzt. Zur Vorbeugung von Migräneanfällen sind diese Präparate seit 2014 nicht mehr zugelassen.
Prophylaxe
Wenn eine Migräne stärker ausgeprägt ist oder mehr als 3 Attacken pro Monat auftreten, können bestimmte Medikamente vorbeugend verschrieben werden. Dazu zählen Betablocker, krampflösende Wirkstoffe, bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin, Botox (bei schwerer chronischer Migräne) oder monoklonale Antikörper. Auch eine fertige Kombination von Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 wird als Migräneprophylaxe empfohlen. Es gibt sie als Kapseln ohne Rezept in Ihrer Apotheke.
Leiden Betroffene häufig und stark an Migräne, sodass die Lebensqualität eingeschränkt ist und das Risiko eines Medikamentenübergebrauchs besteht, kann laut der Leitlinie die Entscheidung für eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten getroffen werden. Infrage kommen mehrere, gut erprobte Mittel aus der Behandlung von Bluthochdruck, Epilepsie und Depressionen. Die Leitlinie nennt auch zwei neuartige Wirkstoffe aus der Gruppe der Gepante - eine Klasse von Medikamenten mit neuartigem Wirkansatz -, die zur Prophylaxe zugelassen und wirksam sind: Rimegepant zur Vorbeugung episodischer Migräne sowie das seit März 2025 auf dem deutschen Markt verfügbare Atogepant zur Vorbeugung episodischer und chronischer Migräne.
Viele Menschen mit schwerer Migräne erhielten erst spät moderne Migränemittel, beklagt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) Dabei sei insbesondere die Migräne-Spritze, sogenannte monoklonale Antikörper, zur Vorbeugung (Migräneprophylaxe) der episodischen und chronischen Migräne effektiv und gut verträglich, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) erklärt.
Die monoklonale Antikörper-Therapie soll als vorbeugendes Medikament die Häufigkeit der Migräneattacken reduzieren. Die Wirkstoffe setzen an einem Botenstoff an, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle zu spielen scheint: dem sogenannten Calcitonin-Gene-Related-Peptide, kurz CGRP. Das CGRP spielt bei Entzündungsvorgängen im Körper eine Rolle. Bei Migräne ist es wesentlich an der Entstehung und Erhaltung der Attacke beteiligt und wird vermehrt ausgeschüttet. Bei Menschen, die regelmäßig Migräneanfälle haben, ist der CGRP-Spiegel dauerhaft erhöht.
Die Dosierung von Migräne-Spritzen hängt vom jeweiligen Medikament ab und wird von der Ärztin oder dem Arzt festgelegt. Auch wie häufig die Spritze gegen Migräne verwendet wird, ist abhängig vom Wirkstoff. Eine typische Häufigkeit ist beispielsweise einmal pro Monat über mehrere Monate hinweg. Injiziert wird die Spritze unter die Haut. Die drei Medikamente Galcanezumab, Fremanezumab und Erenumab kann man sich mithilfe spezieller und leicht anzuwendender Fertigpens und Fertigspritzen selbst verabreichen. Darin ist das Präparat schon für je eine einzelne Dosis vorportioniert. Eptinezumab wird üblicherweise alle zwölf Wochen intravenös verabreicht.
Nebenwirkungen der bisherigen migränevorbeugenden Mittel wie etwa Gewichtszunahme, Stimmungsveränderungen, Müdigkeit, Antriebsreduktion oder Benommenheit sind laut Schmerzklinik Kiel nicht zu erwarten.
Welche Alternativen gibt es zur Migräne-Spritze? Eine wirksame und kostengünstige Möglichkeit der Anfallsprophylaxe ist Ausdauersport. Auch Kraftsport, Entspannungsübungen, ein gesunder Takt bei Schlaf und Mahlzeiten sowie Methoden der Stressbewältigung könnten helfen, Migräneattacken zu vermeiden.
Medikamente für Kinder und Jugendliche
Bei Kindern und Jugendlichen wirken Medikamente manchmal anders als bei Erwachsenen. Sie benötigen andere Dosierungen, und teilweise zeigen sich bei ihnen auch andere Nebenwirkungen als bei Erwachsenen. Für die Behandlung von Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind in Europa folgende Mittel zugelassen: Ibuprofen, Paracetamol (für Kinder ab zwölf Jahren, auch in Kombination mit Metoclopramid) und Sumatriptan (als Nasenspray für Kinder ab zwölf Jahren).
Ob Paracetamol bei Kindern und Jugendlichen Migränebeschwerden lindern kann, ist unklar. Für Ibuprofen zeigen mehrere Studien, dass es bei Migräneanfällen helfen kann. Ernsthafte Nebenwirkungen traten in den Studien, an denen Kinder mit Migräne teilgenommen hatten, nicht auf. Leichte Nebenwirkungen wie Magenschmerzen waren selten. Auch das Nasenspray mit Sumatriptan half Kindern und Jugendlichen bei einem Migräneanfall. Es führte jedoch häufiger zu leichteren Nebenwirkungen wie unangenehmem Geschmack im Mund oder Übelkeit.
Ärztinnen und Ärzte können Heranwachsenden auch Medikamente verschreiben, die nicht für ihr Alter zugelassen sind - das wird Off-Label-Use genannt. Wenn eine Ärztin oder ein Arzt ein Medikament "off-label" verschreibt, sollte sie oder er die damit verbundenen Risiken und die Gründe für die Verschreibung erläutern.
Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch
Schmerzmittel oder Triptane können bei zu häufiger Einnahme selbst Kopfschmerzen verursachen. Man spricht dann von einem Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch. Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen sind dumpf und betreffen den gesamten Kopf. Migräneschmerzen sind eher pulsierend und noch von anderen Beschwerden begleitet. Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch sind chronisch, treten also über drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat auf. Migräneattacken können noch hinzukommen.
Bei dieser Art von Kopfschmerzen ist es sinnvoll, die Medikamente für eine Weile abzusetzen - auch wenn sich die Kopfschmerzen dann zunächst verstärken und von Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schlafstörungen oder Übelkeit begleitet werden.
Hausmittel und alternative Behandlungen
Hausmittel können in erster Linie Begleitsymptome eines leichteren Migräneanfalls lindern. Tee aus Ingwer oder Kamillenblüten wirkt gegen Übelkeit. Auch ein Tee mit Gewürznelken oder Weidenrinde kann zur Schmerzlinderung beitragen. Gleiches gilt für Coolpacks oder Pfefferminzöl, das auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen wird, zum Beispiel als fertiges Präparat mit einem watteähnlichen Tupfer.
Biofeedback kann der Leitlinie zufolge auch der Vorbeugung von Migräne dienen. Alternativ empfiehlt sie Entspannungsverfahren und kognitive Verhaltenstherapie und auch regelmäßigen Ausdauersport. Die Leitlinie nennt auch Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung von Migräne − etwa Magnesium oder Vitamin B2. Der Wissensstand dazu sei aber gering: Bei Magnesium sei die Studienlage nicht eindeutig, es eigne sich in der Dosierung zweimal 300 Milligramm pro Tag aber für Betroffene, die eine Therapie mit einem Medikament nicht wünschen.
Migräne und Schwangerschaft
Schwangere sollten besonders darauf achten, Migräneauslöser zu meiden. Sind Medikamente dennoch nötig, können nach ärztlicher Absprache Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen bis zur 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Triptane sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen, allerdings ist Sumatriptan hier im Off-Lable-Use - also auch ohne Zulassung bei Migräne - unter ärztlicher Aufsicht sehr gut erprobt. Eine Migräne lässt bei Schwangeren übrigens vor allem im 2. und 3. Trimenon nach.
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die DMKG beobachtet mit Sorge, dass Medikamente zur Akuttherapie und zur Prophylaxe der Migräne vom Betroffenen komplett oder als Zuzahlung selbst zu übernehmen seien. Die Erstattung der freiverkäuflichen Präparate Acetylsalicylsäure Ibuprofen 200mg und Paracetamol, aber auch von Kombinationspräparaten sind für Kassenpatienten ausgeschlossen. Auch für das freiverkäufliche Triptan Naratriptan mit dem Handelsnamen Formigran® erfolgt keine Erstattung der Medikamentenkosten durch die gesetzlichen Krankenkassen, bald soll auch Sumatriptan rezeptfrei erhältlich sein. Sollte ein anderes Triptan notwendig sein, erstattet die Krankenkasse nur einen sogenannten Festbetrag. Zudem ist die Verordnung der sieben unterschiedlichen Triptane streng reglementiert, die Kassenärzte sind vertraglich in Zielvereinbarungen verpflichtet in mindestens 50 Prozent den Wirkstoff Sumatriptan zu verordnen.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten von rund 400 Euro pro Spritze nur, wenn herkömmliche Therapien nicht geholfen haben. Ein Grund, warum die Krankenkassen so hohe Hürden vor Erstattung der Therapie eingebaut haben, sind die hohen Kosten der Migräne-Spritze. Zugelassen ist die Antikörpertherapie für Erwachsene mit Migräne ab vier Schmerztagen im Monat.
Für Fremanezumab (Ajovy®) und Galcanezumab (Emgality®) gilt die Praxisbesonderheit ebenfalls in der Patientengruppe mit Zusatznutzen, d. h. wenn die Therapie mit keinem der oben genannten Wirkstoffe erfolgreich war bzw. nicht vertragen wurde oder wenn keiner der genannten Wirkstoffe geeignet ist. Die Nichteignung ist zu dokumentieren.
In der Anlage II der AM-RL sind Medikamente aufgeführt, die vornehmlich eine Erhöhung der Lebensqualität zum Ziel haben. Deshalb ist eine Abrechnung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung nicht möglich. Da der Einsatz dieser Präparate meist durch die private Lebensführung bedingt wird, ist der Patient für die Finanzierung eigenständig verantwortlich. Generell erfolgt keine Erstattung durch die Krankenkasse - in gewissen Fällen ist ein Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse jedoch erfolgsversprechend.
Für die Indikation einer Botoxtherapie bei Migräne hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) vorerst Eckpunkte verfasst. So hieß es im vorläufigen Stellungnahmeverfahren von 2018: „Vor Anwendung von Botulinumtoxin A zur Migräneprophylaxe sind alle anderen für den individuellen Patienten infrage kommenden prophylaktischen Maßnahmen sorgfältig durchzuführen. Aufgrund des nicht belegten größeren Nutzens einer Anwendung von Botulinumtoxin A im Vergleich zu anderen Maßnahmen ist für die Entscheidung über die Wirtschaftlichkeit eines Einsatzes von Botulinumtoxin A (§ 12 SGB V) der Vergleich der Kosten der Behandlung ausschlaggebend.“ Dieses Verfahren zur Beurteilung einer Migränetherapie mittels Botulinumtoxin wurde jedoch eingestellt. Für den Patienten bedeutet das, dass Botox aktuell eine Variante darstellt, wenn zwei orale Therapien versagt haben. Laut Leitlinie soll Botox vor den CGRP-Antikörpern Anwendung finden. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist bei einem in der Indikation zugelassenem Präpart möglich.
Festbetragsregelungen bei Triptanen
Patienten, die ab dem 1. September 2010 ihre Triptanrezepte bei einer Apotheke einlösen wollten, erlebten zum Teil eine unangenehme Überraschung. So wurde für Packungen mit 6 Tabletten in den Apotheken bei einigen Triptanen eine Zuzahlung von bis zu € 33,- verlangt. Der Sinn der Festbetragsregelungen ist eine Kostenersparnis im Gesundheitswesen. Dabei sollen die eingesparten Kosten keineswegs dem Patienten aufgebürdet werden. Der Patient soll vielmehr von teuren Medikamenten hin zu preiswerteren Arzneimitteln geführt werden.
Festbetragsregelungen können immer nur dann eingeführt werden, wenn es in einer Arzneimittelgruppe mindestens drei Arzneimittel gibt, von denen keines eine therapeutische Verbesserung darstellt oder z.B. verringerte Nebenwirkungen aufweist. Der erste Vertreter der Substanzklasse der Triptane war das Sumatriptan. In den Folgejahren wurden sechs weitere Triptane zugelassen (Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Almotriptan, Eletriptan und Frovatriptan). 2006 endete der Patentschutz von Sumatriptan, das fortan von zahlreichen Herstellern als Generikum („Nachahmerpräparat“) angeboten wurde. Die hierdurch ausgelöste Preisreduktion des Sumatriptans führte zu einem deutlichen Preisgefälle zwischen Sumatriptan auf der einen und den übrigen Triptanen auf der anderen Seite. Der nächste Schritt war dann die Feststellung, dass alle anderen Triptane gegenüber dem Sumatriptan keinen therapeutischen Vorteil aufweisen.
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