Migräne und Clusterkopfschmerzen sind weit verbreitete Kopfschmerzerkrankungen, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Ein wichtiges Hilfsmittel zur Bewältigung dieser Erkrankungen ist das Führen eines Migräne- oder Kopfschmerztagebuchs. Dieses dient dazu, die individuellen Schmerzmuster zu erkennen, mögliche Auslöser zu identifizieren und die Wirksamkeit von Behandlungen zu dokumentieren. Die AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse) bietet hierfür Unterstützung und Informationen an.
Was sind Clusterkopfschmerzen und Migräne?
Clusterkopfschmerzen zeichnen sich durch anfallsartige, bohrende Kopfschmerzen im Bereich der Augen, der Stirn oder der Schläfe aus. Die Schmerzattacken dauern 15 bis 180 Minuten und treten mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Typische Symptome sind ein tränendes und rotes Auge, eine laufende Nase, ein herabhängendes Lid, eine verkleinerte Pupille, starke Unruhe, eine schwitzige und gerötete Gesichtshälfte sowie Überempfindlichkeit gegenüber Lärm und Licht.
Migräne ist ein anfallsartiger Kopfschmerz, der in unregelmäßigen Abständen wiederkehrt. Die krampfartigen Schmerzen entstehen meist einseitig und ziehen sich vom Auge in die Mitte des Kopfes. Begleiterscheinungen wie Sehstörungen, Wahrnehmungsstörungen und Schüttelfrost können auftreten. Betroffene reagieren empfindlicher auf Reize. Es gibt zwei Hauptformen der Migräne: Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura. Bei der Migräne mit Aura treten vor oder während des Kopfschmerzes Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen auf.
Warum ein Migräne-Tagebuch führen?
Ein Kopfschmerztagebuch ist ein wertvolles Instrument, um die eigenen Kopfschmerzen besser zu verstehen. Es hilft, Muster zu erkennen, mögliche Auslöser zu identifizieren und die Wirksamkeit von Behandlungen zu beurteilen. Durch das Führen eines Tagebuchs können Betroffene und Ärzte gemeinsam die bestmögliche Therapie entwickeln.
Erkennen von Mustern und Auslösern
Durch regelmäßige Eintragungen in das Tagebuch lassen sich Muster und Zusammenhänge zwischen bestimmten Ereignissen und dem Auftreten von Kopfschmerzen erkennen. Mögliche Auslöser (Triggerfaktoren) können Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel, Wetterveränderungen oder hormonelle Schwankungen sein. Das Wissen um diese Trigger kann helfen, zukünftige Attacken zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren.
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Dokumentation der Schmerzintensität und -dauer
Das Tagebuch ermöglicht es, die Schmerzintensität und -dauer objektiv zu dokumentieren. Dies ist wichtig, um den Verlauf der Erkrankung zu verfolgen und die Wirksamkeit von Medikamenten oder anderen Behandlungen zu beurteilen. Die Schmerzintensität kann beispielsweise auf einer Skala von 0 bis 10 eingetragen werden, wobei 0 für keine Schmerzen und 10 für unerträgliche Schmerzen steht.
Beurteilung der Wirksamkeit von Behandlungen
Das Tagebuch hilft, die Wirksamkeit von Medikamenten oder anderen Behandlungen zu beurteilen. Es kann dokumentiert werden, welche Medikamente eingenommen wurden, in welcher Dosierung und wie gut sie gewirkt haben. Auch alternative Behandlungsmethoden wie Entspannungsübungen, Akupunktur oder Physiotherapie können im Tagebuch erfasst werden.
Unterstützung der ärztlichen Diagnose und Therapie
Das Kopfschmerztagebuch liefert dem Arzt wichtige Informationen für die Diagnose und Therapieplanung. Anhand der Aufzeichnungen kann der Arzt die Art der Kopfschmerzen besser einordnen, mögliche Ursachen identifizieren und die geeignete Behandlung auswählen. Das Tagebuch dient somit als Grundlage für eine individuelle und effektive Therapie.
Was gehört in ein Migräne-Tagebuch?
Ein Kopfschmerztagebuch sollte folgende Informationen enthalten:
- Datum und Uhrzeit: Wann treten die Schmerzen auf?
- Dauer der Schmerzen: Wie lange halten die Schmerzen an?
- Schmerzintensität: Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10?
- Schmerzqualität: Wie fühlt sich der Schmerz an (z.B. pochend, stechend, drückend)?
- Lokalisation der Schmerzen: Wo treten die Schmerzen auf (z.B. Stirn, Schläfe, Nacken)?
- Begleitsymptome: Treten Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit oder Sehstörungen auf?
- Mögliche Auslöser: Gab es besondere Ereignisse oder Umstände vor dem Auftreten der Schmerzen (z.B. Stress, bestimmte Nahrungsmittel, Wetterveränderungen)?
- Einnahme von Medikamenten: Welche Medikamente wurden eingenommen und in welcher Dosierung?
- Wirksamkeit der Medikamente: Haben die Medikamente geholfen?
- Sonstige Maßnahmen: Welche anderen Maßnahmen wurden ergriffen, um die Schmerzen zu lindern (z.B. Ruhe, Entspannungsübungen, Kühlung)?
Wie führe ich ein Migräne-Tagebuch?
Am besten machen Sie sich täglich Notizen. Zumindest wenn Sie noch nicht sicher sind, auf welche Auslöser Sie mit Kopfschmerzen reagieren. Durch die regelmäßigen Eintragungen lassen sich Muster besser erkennen. Notieren Sie auch Dinge, die Ihnen vielleicht nicht so wichtig erscheinen.
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Regelmäßige Eintragungen
Um aussagekräftige Informationen zu erhalten, ist es wichtig, das Tagebuch regelmäßig zu führen. Am besten werden die Einträge täglich oder zumindest bei jedem Auftreten von Kopfschmerzen vorgenommen. Auch wenn die Schmerzen nur leicht sind, sollten sie im Tagebuch erfasst werden.
Detaillierte Beschreibungen
Je detaillierter die Beschreibungen im Tagebuch sind, desto besser können Muster und Zusammenhänge erkannt werden. Es ist hilfreich, nicht nur die Schmerzintensität und -dauer zu notieren, sondern auch die Art des Schmerzes, die Begleitsymptome und mögliche Auslöser.
Ehrlichkeit und Objektivität
Es ist wichtig, die Einträge im Tagebuch ehrlich und objektiv zu gestalten. Die Schmerzintensität sollte so genau wie möglich eingeschätzt werden, ohne sie zu über- oder untertreiben. Auch mögliche Auslöser sollten unvoreingenommen notiert werden, auch wenn sie einem vielleicht nicht plausibel erscheinen.
Nutzung von Apps und Vorlagen
Es gibt mittlerweile zahlreiche Apps und Vorlagen für Kopfschmerztagebücher, die das Führen des Tagebuchs erleichtern. Diese Apps bieten oft zusätzliche Funktionen wie die automatische Erstellung von Diagrammen und Auswertungen. Die AOK bietet ebenfalls Vorlagen für Kopfschmerztagebücher an.
Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne und Clusterkopfschmerzen
Neben dem Führen eines Kopfschmerztagebuchs gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Migräne und Clusterkopfschmerzen.
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Medikamentöse Behandlung
- Akutmedikation: Bei akuten Migräneattacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen. Bei stärkeren Attacken werden oft Triptane eingesetzt, die speziell gegen Migräne wirken. Bei Clusterkopfschmerzen können Triptane als Nasenspray oder Injektion verabreicht werden.
- Prophylaxe: Um die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren, können vorbeugende Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt werden. Bei chronischer Migräne kann auch eine Behandlung mit Botox in Erwägung gezogen werden.
Nicht-medikamentöse Behandlung
- Entspannungsübungen: Entspannungsübungen wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Sport und Bewegung: Regelmäßige sportliche Aktivität kann ebenfalls dazu beitragen, Stress abzubauen und die allgemeine Gesundheit zu verbessern. Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren sind besonders geeignet.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten kann helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Migräneattacken vorzubeugen. Bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Rotwein oder Schokolade können bei manchen Menschen Migräne auslösen und sollten vermieden werden.
- Verhaltenstherapie: Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, den Umgang mit Migräne zu erlernen und Strategien zur Schmerzbewältigung zu entwickeln.
Sauerstofftherapie
Die Therapie mit reinem Sauerstoff ist bei vielen von Clusterkopfschmerzen Betroffenen sehr erfolgreich - und dabei nebenwirkungsarm. Dazu wird direkt zu Beginn einer Attacke Sauerstoff aus einer Flasche über eine Atemmaske verabreicht. Fachleute empfehlen, dass pro Minute 8 bis 12 Liter reiner Sauerstoff durch die Atemmaske fließt.
Die AOK als Partner bei Migräne und Kopfschmerzen
Die AOK unterstützt ihre Versicherten bei der Bewältigung von Migräne und Kopfschmerzen mit verschiedenen Angeboten.
Informationen und Beratung
Die AOK bietet umfassende Informationen zu Migräne, Clusterkopfschmerzen und anderen Kopfschmerzerkrankungen. Über die AOK-Clarimedis können Versicherte medizinische Informationen am Telefon erhalten.
Gesundheitskurse
Die AOK bezuschusst die Teilnahme an Gesundheitskursen aus den Bereichen Ernährung, Bewegung, Stress und Suchtmittelkonsum. Diese Kurse können helfen, einen gesunden Lebensstil zu fördern und Migräneattacken vorzubeugen. Die kostenfreie AOK-Yogaschule ist eine gute Möglichkeit, um Entspannungstechniken zu lernen.
AOK-Laufschule
Die AOK bietet eine kostenfreie Laufschule an, in der die Teilnehmer lernen, richtig und gesund zu laufen und ihre Ausdauer zu steigern. Regelmäßiges Ausdauertraining kann helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
Gesundheitsuntersuchung Check-up
Der Check-up dient der Vorsorge und wird ab 35 Jahren alle drei Jahre empfohlen. Die AOK übernimmt die Kosten für diese Untersuchung.
Migräne-App
Die Migräne-App ist ein digitales Versorgungsangebot, das direkt in die professionelle ärztliche Versorgung eingebunden ist. Sowohl Patienten als auch die behandelnden Ärzte sollen unterstützt werden. Anhand von quantitativen Verlaufsparametern wird es Patient und Arzt möglich, die Therapieanpassung zu optimieren, den Verlauf zu kontrollieren und die Effektivität der Behandlungsmaßnahme zu steigern. Dafür wurde in die Migräne-App die Sprechstunden-Checkliste integriert. Die Migräne-App erfasst dabei progressiv den Grad der Auswirkung auf diese Tätigkeitsfelder. Eine Einschränkung der Tätigkeit um mehr als 50% wird für die Erfassung des Grades der Behinderung durch Kopfschmerzen dokumentiert. Ebenfalls erfasst die Migräne-App, ob die Aktivität durch Kopfschmerzen für den jeweiligen Bereich komplett unmöglich gemacht wird.