Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die durch intensive, pulsierende Schmerzen gekennzeichnet ist, die meist einseitig auftreten. Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit können den Alltag stark beeinträchtigen. Die Dauer eines Migräneanfalls variiert zwischen zwei Stunden und drei Tagen. Um eine wirksame Behandlung zu gewährleisten, ist eine genaue Diagnose von entscheidender Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, von den Symptomen und Ursachen bis hin zu Diagnoseverfahren und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen. Betroffene leiden unter starken Kopfschmerzen, die oft einseitig auftreten. Der Name leitet sich aus dem Altgriechischen ab: „hemi“ (halb) und „kranion“ (Hirnschale). Typische Begleitsymptome sind Licht- und/oder Lärmempfindlichkeit, Übelkeit mit/ohne Erbrechen, Ruhebedürfnis und eine Verstärkung des Schmerzes bei körperlicher Anstrengung. Die Erkrankung tritt meist attackenartig auf und kann mehrere Stunden bis Tage dauern. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann.
Symptome und Anzeichen einer Migräne
Die Anzeichen für Migräne sind vielfältig und können individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Migräne-Patienten beschreiben oft einen pulsierenden Schmerz, der vor allem im Bereich der Stirn, Schläfen und Augen auftritt. Bei Bewegung verstärken sich die Schmerzen, während Ruhe und Dunkelheit lindernd wirken.
Migräne-Phasen
Eine Migräne kann typischerweise in vier Phasen auftreten:
- Prodrom: Stunden bis Tage vor dem Kopfschmerz können bestimmte Anzeichen und Symptome auftreten.
- Aura: Sensorische Störungen, die vor oder während der Migräne auftreten können. Sie können visuelle Phänomene wie Lichtblitze oder Zickzacklinien beinhalten.
- Kopfschmerz: Der eigentliche Migräneanfall, der von mäßig bis sehr stark sein kann.
- Postdrom: Nach dem Kopfschmerz können sich Betroffene erschöpft oder verwirrt fühlen.
Ursachen und Auslöser
Die genaue Ursache von Migräne ist noch nicht vollständig geklärt, aber genetische und Umweltfaktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Es gibt eine Reihe von bekannten Auslösern, die eine Migräneattacke provozieren können:
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- Hormonelle Veränderungen: Insbesondere bei Frauen können Hormonschwankungen, wie sie während des Menstruationszyklus auftreten, Migräne auslösen.
- Stress: Sowohl akuter als auch chronischer Stress kann Migräneattacken begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke, wie z.B. Alkohol, Käse, Schokolade und Zitrusfrüchte, können bei manchen Menschen Migräne auslösen. Energiemangel des Gehirns in Fastenzeiten kann ebenfalls ein Auslöser sein.
- Schlafstörungen: Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus oder Schlafmangel können Migräneattacken provozieren.
- Umweltfaktoren: Wetterumschwünge, grelles Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können ebenfalls Auslöser sein.
- Arbeitsplatz: Am Arbeitsplatz kann es zahlreiche Auslöser einer Migräne geben.
Migräne vs. Spannungskopfschmerz
Auch Spannungskopfschmerzen sind eine häufige Kopfschmerzform. Diese Schmerzen sind meist beidseitig und nur leicht bis mittelstark ausgeprägt. In der Regel treten keine Begleitsymptome auf, dies ist aber möglich. Spannungskopfschmerzen führen deutlich seltener zu einer Einschränkung im Alltag oder der Lebensqualität.
Ist Migräne heilbar?
Nein, Migräne ist nicht heilbar. Sie ist aber durch verschiedene Maßnahmen gut behandel- bzw. beeinflussbar.
Ist Migräne erblich?
Migräne ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Es gibt aber kein sogenanntes „Migräne-Gen“, auf das man sich testen lassen könnte. Bestimmte genetische Komponenten führen dazu, dass das Gehirn zu Migräneattacken neigt. Die Ausprägung ist sehr unterschiedlich und nicht immer gibt es andere Familienmitglieder, die ebenfalls an der Erkrankung leiden.
Diagnose von Migräne
Bei der Diagnose einer Migräne ist der Arzt vorrangig auf die Angaben des Patienten angewiesen. Daher kommt dem Arztgespräch eine zentrale Bedeutung zu. Der Arzt wird sich nach folgenden Punkten erkundigen:
- Zeitlicher Ablauf: Wie häufig treten die Kopfschmerzen auf?
- Charakter und Lokalisation: Wo genau und wie stark treten die Schmerzattacken auf?
- Ursachen und Auslöser: Gibt es eine genetische Veranlagung?
- Verhalten des Patienten: Was verstärkt die Kopfschmerzen?
- Medikamente: Können Schmerzmittel die Beschwerden lindern?
Außerdem erkundigt sich der Arzt nach Begleit- und Vorerkrankungen sowie der beruflichen Tätigkeit, um mögliche Einflussfaktoren wie Stress zu erkennen. Zur Befundstellung dienen dem Mediziner die Migräne-Diagnosekriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS). Hinweise, die auf eine Migräne schließen lassen, sind beispielsweise, wenn der Betroffene die Kopfschmerzen als einseitig und pulsierend oder als pochend beschreibt. Außerdem können Ärzte eine Migräne daran erkennen, dass sich die Beschwerden bei Bewegung verschlimmern und meist von Symptomen wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit begleitet werden.
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Apparative Untersuchungen
In einigen Fällen können apparative Untersuchungen notwendig sein, um andere Ursachen der Kopfschmerzen auszuschließen oder die Diagnose zu festigen:
- MRT (Magnetresonanztomographie): Eine MRT vom Schädel kann dazu beitragen, andere mögliche Ursachen Ihrer Kopfschmerzen auszuschließen, wie z.B. Tumore, Blutungen oder Entzündungen. Ob ein Mensch Migräne-Patient ist oder nicht, kann der Mediziner mit einem MRT nicht direkt sehen. Zunächst gilt es, mittels der Diagnostik andere Störungen oder Erkrankungen auszuschließen.
- EEG (Elektroenzephalographie): Die EEG ist nicht Teil der Basisuntersuchungen einer Migräne. Manchmal ist sie jedoch sinnvoll, zum Beispiel wenn der Arzt mehr über die elektrische Aktivität des Gehirns wissen möchte. Die Mediziner messen die Hirnströme, wodurch eine mögliche erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems nachgewiesen werden kann - das ist bei einer Migräne im EEG oft auffällig.
- CT (Computertomographie): Da es zu einer Strahlenbelastung kommt, ist dieses Verfahren seltener das Mittel der Wahl, um eine Migräne zu diagnostizieren. Ob eine Migräne vorliegt, ist mit dem CT direkt nicht nachweisbar. Wenn der Arzt Hirnblutungen, Gefäßfehlbildungen oder -verschlüsse sowie Erkrankungen des Schädels und der Nebenhöhlen ausschließen will oder es sich um Akutfälle handelt, ist ein CT oft sinnvoll.
Kopfschmerztagebuch
Hilfreich für Diagnose und Therapie ist es, über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen ein Kopfschmerz-Tagebuch bzw. einen -Kalender zu führen. Betroffene sollten Zeitpunkt, Art, Stärke, Dauer, Begleiterscheinungen, mögliche Auslöser und eventuelle Medikation der Kopfschmerzen genauestens dokumentieren.
Behandlung von Migräne
Die Behandlung einer Migräneattacke zielt darauf ab, die Symptome so schnell wie möglich zu lindern. Die Behandlung der Migräne zielt darauf ab, Symptome zu lindern und zukünftige Anfälle zu verhindern.
Akutbehandlung
- Ruhe und Dunkelheit: Sich zurückziehen und Ruhe suchen. Alle unnötigen Reize wie Licht, Lärm, Gerüche, körperliche Bewegung usw. können die Attacke verstärken.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel, wie zum Beispiel Ibuprofen, können helfen, den Schmerz zu reduzieren.
- Antiemetika: Antiemetika können gegen Übelkeit und Erbrechen helfen.
- Triptane: Spezielle Migränemedikamente, wie Triptane oder Ergotamine, können ebenfalls eingesetzt werden.
Prophylaxe
- Medikamentöse Prophylaxe: Hierzu zählen verschiedenen Tabletten, die regelmäßig eingenommen werden müssen, oder die Migräne-Antikörper, die man im Abstand mehrerer Wochen unter die Haut spritzt.
- Nicht-medikamentöse Prophylaxe:
- Kopfschmerztagebuch: Führen eines Kopfschmerztagebuchs, um Zusammenhänge im Alltag festzustellen.
- Entspannungsmaßnahmen: Regelmäßige Entspannungsübungen können die Migräne verbessern. Insbesondere gibt es Untersuchungen zur progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR). Genauso können aber auch Traumreisen, autogenes Training oder Meditation / Yoga positiven Einfluss nehmen.
- Sport: Es wird ein regelmäßiges Ausdauertraining empfohlen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten werden empfohlen.
Wichtiger Hinweis
Alle Medikamente sollten unter Aufsicht eines Arztes eingenommen werden. Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt sprechen, bevor Sie irgendeine Art von Behandlung beginnen. Wie bei jeder Behandlung, gibt es auch bei der Behandlung von Migräne Risiken und Nebenwirkungen.
Migräne-Formen
Stellt der Arzt die Diagnose Migräne, analysiert er sie im weiteren Verlauf näher und ist in der Lage, eine bestimmte Migräneform festzustellen. Dadurch ist eine noch spezifischere Behandlung der Beschwerden durchführbar.
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- Vestibuläre Migräne: Jeder zweite bis dritte migränekranke Patient hat mindestens einmal Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen, die während oder nach einer Kopfschmerzattacke auftreten können.
- Menstruelle Migräne: Sie ist eng mit dem Menstruationszyklus verbunden. Die Migräneattacken kommen normalerweise während oder kurz vor der Periode.
- Hemiplegische Migräne: Neben den typischen Aura-Symptomen kann es zu Sprachstörungen, reversiblen motorischen Defiziten (z. B. Kraftverlust) und teils auch (halbseitigen) Lähmungserscheinungen kommen.
- Basilarismigräne: Diese spezielle Form findet sich vor allem unter jungen Erwachsenen.
Leben mit Migräne
Migräne ist eine chronische Erkrankung, das bedeutet, sie ist langfristig und oft lebenslang. Während es keine Heilung für Migräne gibt, kann sie mit der richtigen Behandlung und Lebensstiländerungen effektiv gemanagt werden. Einige Menschen bemerken, dass ihre Migräne im Laufe der Zeit weniger intensiv oder weniger häufig wird. Bei Frauen können Migränen nach den Wechseljahren abnehmen.
Probleme am Arbeitsplatz
Am Arbeitsplatz kann es zahlreiche Auslöser einer Migräne geben. Helfen kann ein sicherer, ergonomischer Arbeitsplatz. Außerdem kann helfen, offen darüber zu reden und in den Austausch zu gehen.
Wichtige Informationen und Anlaufstellen
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)
- MigräneLiga
- Schmerzklinik Kiel