Migräne und Testosteron-Spritzen: Ein möglicher Zusammenhang

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. Während Migräne traditionell eher mit Frauen in Verbindung gebracht wird, leiden auch Männer darunter. In den letzten Jahren hat die Forschung begonnen, die Rolle von Hormonen, insbesondere Testosteron, bei der Entstehung und dem Verlauf von Migräne bei Männern zu untersuchen.

Testosteron: Das männliche Geschlechtshormon

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon und anaboles Steroid. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale, der Förderung der Muskelmasse, der Knochendichte und der Produktion von roten Blutkörperchen. Testosteron wirkt, indem es an Androgenrezeptoren bindet, wodurch es die Genexpression beeinflusst und die Proteinsynthese fördert. Es wird hauptsächlich in den Hoden bei Männern und in geringeren Mengen in den Eierstöcken bei Frauen sowie in den Nebennierenrinden beider Geschlechter produziert.

Anwendung von Testosteron

Testosteron kommt bei einem Mangel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zum Einsatz. Ein solcher Mangel kann bei einer Unterfunktion der Hirnanhangdrüse (Hypopituitarismus) entstehen. Auch nach Kastration (beispielsweise um ein hormonabhängiges Krebswachstum zu unterdrücken) und bei angeborenem Fehlen der Hoden (Eunuchismus) fehlt es an Testosteron. Des Weiteren wird Testosteron bei Männern in fortgeschrittenem Alter eingesetzt, wenn sie unter mangelndem sexuellem Verlangen (Libidoverlust) und/oder Erektionsstörungen leiden und nachweislich einen Mangel an männlichem Hormon haben. Hier kommt das Hormon meist in Form eines Gels für die Aufnahme über die Haut zum Einsatz. Der Testosteron-Mangel darf in dieser Weise nur dann ausgleichend behandelt werden, wenn er durch eine ärztliche Untersuchung und Labortests bestätigt wurde. Darüber hinaus kann eine Testosterontherapie bei der Osteoporose des Mannes wirksam sein, wenn sie durch einen Mangel an männlichem Sexualhormon verursacht ist.

Testosteron kann in Form von Kapseln eingenommen, als Spritze gegeben oder in Form eines Gels oder einer Lösung täglich auf die Haut aufgetragen werden. Über die Haut gelangt der Wirkstoff in den Körperkreislauf und entfaltet dort die entsprechenden Wirkungen.

Mögliche Nebenwirkungen von Testosteron

Wie jedes Medikament hat auch (künstliches) Testosteron seine Nebenwirkungen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Akne und Schmerzen am Verabreichungsort (Depotspritze).

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Übermäßige Vermehrung von roten Blutzellen
  • Gewichtszunahme
  • Hitzewallungen
  • Allergische Reaktion
  • Vermehrung der roten Blutkörperchen und Anstieg des Hämoglobinwertes (Hb) im Blut
  • Appetitzunahme, Veränderungen der Ergebnisse von Blutuntersuchungen (z.B. Anstieg von Blutzucker und Fetten)
  • Depression, emotionale Störung, Schlaflosigkeit, Ruhelosigkeit, Aggression und Reizbarkeit
  • Kopfschmerzen, Migräne und Zittern
  • Störung des Herzkreislaufsystems, hoher Blutdruck und Schwindel
  • Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Husten, Atemnot, Schnarchen und Heiserkeit
  • Durchfall und Übelkeit
  • Veränderungen der Leberfunktionswerte im Blut
  • Haarausfall und verschiedene Hautreaktionen (z.B. Juckreiz. Rötung und trockene Haut)
  • Gelenkschmerzen, Schmerzen in den Gliedmaßen, Muskelstörungen (z.B. Muskelkrampf, Muskelschmerzen und Muskelsteifigkeit) und ein Anstieg der Kreatinphosphokinase im Blut
  • Harnwegstörungen (z.B. Abnahme des Harnflusses, Unfähigkeit Wasser zu lassen, nächtliches Wasserlassen)
  • Veränderungen des Geschlechtstriebs, schmerzhafte, verhärtete oder vergrößerte Brust, Anstieg maskuliner oder femininer Geschlechtshormone im Blut
  • Müdigkeit, Schwäche, übermäßiges Schwitzen und Nachtschweiß
  • Die ölige Flüssigkeit Nebido kann in die Lungen gelangen (pulmonale Mikroembolie durch ölige Lösungen), was in seltenen Fällen zu Zeichen und Symptomen wie Husten, Atemnot, allgemeines Unwohlsein, starkes Schwitzen, Schmerzen im Brustraum, Schwindel, „Ameisenlaufen“ und Ohnmacht führen kann. Diese Reaktionen können während oder unmittelbar nach der Injektion auftreten und sind reversibel.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei gleichzeitiger Anwendung von Testosteron und Blutgerinnungshemmern (Antikoagulanzien) wird die Wirkung dieser Wirkstoffe verstärkt. Die Blutgerinnung muss also ärztlich überprüft und die Dosierung gegebenenfalls vom Arzt niedriger gewählt werden.

Die gleichzeitige Gabe von Testosteron mit Glukokortikoiden kann die Bildung von Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) fördern. Daher sind diese Wirkstoffe, insbesondere bei Patienten mit Herz- oder Lebererkrankungen oder bei Patienten, die zu Ödemen neigen, vom Arzt nur mit Vorsicht einzusetzen.

Substanzen, die den Abbau von Testosteron im Körper beeinflussen (beispielsweise das Tuberkulose-Mittel Rifampicin), können eine Erhöhung der Testosteron-Konzentration im Blut bewirken. Hingegen senken Wirkstoffe wie das Antiepileptikum Phenobarbital oder Antipyrin (gegen Fieber) den Hormongehalt des Blutes. Deshalb kann eine ärztliche Dosisanpassung notwendig sein.

Die Behandlung mit Testosteron kann die Glukosetoleranz verbessern und somit bei Zuckerkrankheit den Bedarf an Insulin oder oralen Antidiabetika senken.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Der Zusammenhang zwischen Migräne und Hormonen

Hormonschwankungen zählen zu den häufigsten Auslösern (Triggerfaktoren) von Migräneattacken. Bei Frauen konnte beispielsweise ein Zusammenhang zwischen der Migräne und ihrer Periode entdeckt werden. Der Einfluss der Hormone zeigt sich auch daran, dass Mädchen und Jungen vor der Pubertät relativ gleich häufig von Migräne betroffen sind.

Verantwortlich für die Kopfschmerzattacken während der Monatsblutung ist wahrscheinlich das Hormon Östrogen. Die Produktion dieses Botenstoffs schwankt im Verlauf des monatlichen Zyklus. Mediziner vermuten, dass das plötzliche Absinken des Östrogenspiegels auch den Serotoninspiegel beeinflusst. Das Hormon Östrogen erhöht die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Wird weniger Östrogen produziert, nimmt in der Folge also auch die Menge des „Glückshormons“ Serotonin ab. Zudem schüttet der Körper während der Periode vermehrt Prostaglandin aus, einen Botenstoff, der für das Schmerzentstehen eine wichtige Rolle spielt.

Auch wenn Männer seltener an Migräne leiden, kann es bei ihnen trotzdem einen Zusammenhang zwischen Hormonen und den unangenehmen Kopfschmerzen geben. So wird bei Betroffenen vermutet, dass ein Mangel am männlichen Sexualhormon Testosteron vorliegt. Gleichzeitig besitzen sie oft eine erhöhte Menge des Hormons Östrogen. Die Ursache der Hormonschwankungen ist noch nicht geklärt.

Einige Forschungen haben gezeigt, dass bei Männern, die unter Migräne leiden, der Östrogenspiegel erhöht ist und das Testosteron reduziert. Die genauen Zusammenhänge müssen aber noch genauer erforscht werden.

Testosteron-Spritzen und Migräne

Die Auswirkungen von Testosteron-Spritzen auf Migräne sind komplex und nicht vollständig geklärt. Es gibt Hinweise darauf, dass sowohl ein Testosteronmangel als auch eine Testosteronersatztherapie Migräne beeinflussen können.

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

Testosteronmangel und Migräne

Einige Studien deuten darauf hin, dass Männer mit Migräne häufiger einen niedrigen Testosteronspiegel aufweisen als Männer ohne Migräne. Es wird vermutet, dass ein Testosteronmangel die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und die Entstehung von Migräneattacken fördern kann.

Testosteronersatztherapie und Migräne

Die Auswirkungen einer Testosteronersatztherapie auf Migräne sind unterschiedlich. Einige Männer berichten von einer Verbesserung ihrer Migräne nach Beginn einer Testosterontherapie, während andere keine Veränderung oder sogar eine Verschlechterung feststellen.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Testosteron-Pellet-Implantate bei einigen Frauen mit Migräne zu einer Reduktion der Kopfschmerzen führen können. Allerdings sind weitere Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Mögliche Mechanismen

Die genauen Mechanismen, durch die Testosteron Migräne beeinflusst, sind noch nicht vollständig verstanden. Es wird vermutet, dass Testosteron eine Rolle bei der Modulation der Schmerzverarbeitung im Gehirn spielt. Es kann auch die Freisetzung von Neurotransmittern wie Serotonin beeinflussen, die bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen.

Weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können

Neben Hormonen gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die Migräne beeinflussen können, darunter:

  • Stress: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräneattacken.
  • Schlaf: Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf können Migräneattacken auslösen.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke, wie z.B. Alkohol, Koffein und gereifte Käsesorten, können Migräneattacken auslösen.
  • Umweltfaktoren: Helle Lichter, laute Geräusche und starke Gerüche können Migräneattacken auslösen.
  • Genetische Faktoren: Migräne ist oft familiär gehäuft, was darauf hindeutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Behandlung von Migräne

Die Behandlung von Migräne umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen.
  • Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken eingesetzt werden.
  • Vorbeugende Medikamente: Vorbeugende Medikamente können helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Zu diesen Medikamenten gehören Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

  • Stressmanagement: Stressmanagement-Techniken wie Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Schlafhygiene: Regelmäßiger Schlaf und eine gute Schlafhygiene können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Ernährungsumstellung: Eine Ernährungsumstellung, bei der bestimmte Nahrungsmittel und Getränke vermieden werden, die Migräneattacken auslösen können, kann helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Biofeedback: Biofeedback ist eine Technik, bei der man lernt, Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung zu kontrollieren. Biofeedback kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Akupunktur: Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, bei der feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden. Akupunktur kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

Die neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel

Die neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel ist spezialisiert auf die Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z.B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen.

Aufnahmeformalitäten

Zur Planung eines Aufnahmetermins sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Ein behandelnder Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift gesendet.

Je nach Krankenkasse gelten unterschiedliche Regelungen für die Kostenübernahme. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt.

Clusterkopfschmerz

Clusterkopfschmerz ist eine seltene, aber sehr schmerzhafte Kopfschmerzform, die durch heftige, einseitige Kopfschmerzen, begleitet von Symptomen wie Augenrötung, Tränenfluss, verstopfter Nase und Schwitzen im Gesicht, gekennzeichnet ist.

Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes

Die vorbeugende Behandlung ist Schwerpunkt der Clusterkopfschmerztherapie. Es stehen eine Vielzahl verschiedener Strategien zur Verfügung.

Medikamente der ersten Wahl

  • Verapamil: Verapamil gehört zur Gruppe der Kalzium-Antagonisten und eignet sich aufgrund der guten Verträglichkeit insbesondere auch zur Dauertherapie bei chronischem Clusterkopfschmerz. Die Dosierung beginnt mit 2 × 120 mg pro Tag, eine mittlere Dosis ist 2 × 240 mg. In Abhängigkeit vom Therapieerfolg kann unter stationären Bedingungen in spezialisierten Zentren bis auf Dosierungen von 1.200 mg pro Tag erhöht werden.
  • Lithium: Lithium kann innerhalb der ersten Therapiewoche bereits dramatische Verbesserungen erzielen. In der Langzeittherapie…

Medikamente der zweiten Wahl

  • Ergotamintartrat: Als eine prophylaktische Behandlung der ersten Wahl bei episodischem Clusterkopfschmerz kann nach wie vor das Ergotamintartrat angesehen werden. Es können damit Erfolgsraten von über 70 % im Sinne eines Sistierens der aktiven Clusterperiode erwartet werden.

Kurzzeitprophylaktika

  • Kortikosteroide: Sind bei einem Patienten mit einem episodischen Clusterkopfschmerz die aktiven Clusterperioden in der Vergangenheit nur relativ kurz gewesen, d.h. Schnellwirksame Substanzen für zeitlich befristete Einnahme, (ggfs.
  • Triptane: Eine mögliche Alternative zu Ergotalkaloiden ist der Einsatz von Naratriptan 2 × 2,5 mg pro Tag oder anderer Triptane.

tags: #migrane #testosteron #spritzen