Migräne: Ursachen, Phasen, Behandlung und Prävention

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen im Alltag betrifft. Während einige Kopfschmerzen auf stressbedingte Verspannungen oder Begleiterscheinungen einer Krankheit zurückzuführen sind, leiden etwa 20 % der Weltbevölkerung zeitweise unter Migräne. Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer. Migräne zeichnet sich durch starke, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen aus, die oft einseitig auftreten und von Begleitsymptomen begleitet sein können. Eine neue Studie zeigt Unterschiede in der Gehirnfunktion von Migränepatienten.

Die Phasen einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke verläuft typischerweise in vier Phasen, wobei nicht jede Migräne alle Phasen durchläuft und die Ausprägung von Anfall zu Anfall variieren kann:

  1. Prodromalphase: Diese Phase kann bis zu 48 Stunden vor der eigentlichen Kopfschmerzattacke beginnen und dient als eine Art Frühwarnsystem. Sie äußert sich durch körperliche und emotionale Veränderungen wie Stimmungsschwankungen (Depression, Reizbarkeit oder Aufregung), Heißhunger (z. B. auf Schokolade), Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Einschlafen und häufiges Gähnen.
  2. Auraphase: Sie betrifft etwa ein Drittel der Migränepatienten und beginnt meist 20 bis 60 Minuten vor dem Kopfschmerz. Die Auraphase ist durch reversible neurologische Symptome gekennzeichnet, darunter Gesichtsfeldausfälle (z. B. Lichtblitze, Farben, Doppelbilder oder flimmernde Zickzacklinien), Kribbeln oder Taubheit, Hörstörungen (z. B. Tinnitus) und Sprachschwierigkeiten. Die Auren dauern in der Regel zwischen fünf Minuten und einer Stunde.
  3. Kopfschmerzphase: Dies ist die Hauptphase der Migräne, die typischerweise zwischen 4 und 72 Stunden (ohne Behandlung) andauert. Die Intensität der Schmerzen kann stark variieren. Die Schmerzen sind oft pulsierend oder pochend und treten überwiegend einseitig auf. Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Photophobie und Phonophobie) sind häufig.
  4. Postdromalphase: Nach dem Abklingen der Kopfschmerzen fühlen sich viele Migränepatienten erschöpft und "wie verkatert". Diese Phase kann noch ein bis zwei Tage andauern und ist durch Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwäche, Schwindel und Energielosigkeit gekennzeichnet.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen, darunter eine genetische Veranlagung und eine Störung im Gehirn. Im Hirnstamm gibt es ein sogenanntes Migränezentrum, das überempfindlich auf Reize reagiert. Die Migräneattacke beginnt, wenn diese Nervenzellen durch sogenannte Triggerfaktoren aktiviert werden. Möglicherweise entsteht die Migräne aber nicht nur im Gehirn, sondern im gesamten Nervensystem.

Häufige Triggerfaktoren sind:

  • Stress: Stress versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, was zu Muskelverspannungen und einer erhöhten Nervenaktivität führen kann. In Entspannungsphasen nach Stresssituationen kommt es ebenfalls häufig zu Migräneattacken.
  • Hormonschwankungen: Insbesondere bei Frauen können Schwankungen des Östrogenspiegels Migräneattacken auslösen.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke wie Rotwein, Schokolade, Käse und Zitrusfrüchte können bei manchen Menschen Migräneattacken provozieren. Das Auslassen von Mahlzeiten kann ebenfalls ein Trigger sein.
  • Umweltfaktoren: Wetterumschwünge, Lärm, Licht, Gerüche, verqualmte Räume und große Höhen können Migräneattacken auslösen.
  • Schlaf: Unregelmäßiger Schlaf, Schlafmangel oder zu viel Schlaf können Migräneattacken begünstigen.
  • Veränderungen des Tagesrhythmus: Jetlag oder Schichtarbeit können den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stören und Migräneattacken auslösen.
  • Überanstrengung und Erschöpfung: Sowohl körperliche als auch geistige Überanstrengung können Migräneattacken provozieren.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Kopfschmerzen oder Migräneattacken verursachen.

Diagnose von Migräne

Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Es gibt keine spezifischen Tests, um Migräne zu diagnostizieren. Der Arzt wird jedoch möglicherweise eine neurologische Untersuchung durchführen, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.

Kriterien für die Diagnose von Migräne ohne Aura (nach der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, ICHD-3):

  • Mindestens fünf Attacken, die folgende Kriterien erfüllen:
    • Kopfschmerzen, die 4 bis 72 Stunden andauern (unbehandelt oder erfolglos behandelt)
    • Kopfschmerzen, die mindestens zwei der folgenden Merkmale aufweisen:
      • Einseitige Lokalisation
      • Pulsierender Charakter
      • Mittlere oder starke Schmerzintensität
      • Verschlimmerung durch körperliche Aktivität oder Vermeidung von körperlicher Aktivität
    • Während der Kopfschmerzen tritt mindestens eines der folgenden Symptome auf:
      • Übelkeit und/oder Erbrechen
      • Licht- und Geräuschempfindlichkeit

Kriterien für die Diagnose von Migräne mit Aura (nach ICHD-3):

  • Mindestens zwei Attacken, die folgende Kriterien erfüllen:
    • Eine oder mehrere reversible Aura-Symptome, die sich allmählich über 5 Minuten oder länger entwickeln und/oder nacheinander auftreten.
    • Jedes Aura-Symptom dauert zwischen 5 und 60 Minuten.
    • Die Kopfschmerzen beginnen innerhalb von 60 Minuten nach dem Ende der Aura.

Behandlung von Migräne

Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne und den individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können:

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Schmerzen während einer Migräneattacke zu lindern. Folgende Medikamente können eingesetzt werden:

  • Schmerzmittel: Rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen. Es ist wichtig, die Medikamente so früh wie möglich einzunehmen, sobald sich die Migräne ankündigt.
  • Triptane: Triptane sind eine spezielle Medikamentengruppe, die bei stärkeren Migräneattacken eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren. Triptane sind rezeptpflichtig und sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.
  • Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingesetzt werden, um diese Symptome zu lindern.
  • Kombinationspräparate: Einige Medikamente enthalten eine Kombination aus Schmerzmitteln und Coffein. Coffein kann die Wirkung der Schmerzmittel verstärken und die Wirksamkeit des Medikaments beschleunigen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen als Mittel der 1. Wahl eine Kombination aus den Wirkstoffen ASS, Paracetamol und Coffein.

Prophylaktische Behandlung

Die prophylaktische Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Sie wird in der Regel bei Patienten mit häufigen oder schweren Migräneattacken eingesetzt. Folgende Medikamente können eingesetzt werden:

  • Betablocker: Betablocker wie Propranolol können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren, indem sie die Blutgefäße im Gehirn stabilisieren.
  • Kalziumkanalblocker: Flunarizin ist ein Kalziumkanalblocker, der ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden kann.
  • Antidepressiva: Amitriptylin ist ein Antidepressivum, das auch bei Migräne eingesetzt werden kann. Es wirkt, indem es die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflusst.
  • Antiepileptika: Valproinsäure und Topiramat sind Antiepileptika, die ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können.
  • Botulinumtoxin (Botox): Bei chronischer Migräne kann auch Botulinumtoxin (Botox) eingesetzt werden. Es wird in winzigen Dosen in die Muskeln im Kopf- und Nackenbereich injiziert und kann die Häufigkeit der Migräneattacken reduzieren.
  • CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die speziell zur Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Sie blockieren die Wirkung von Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), einem Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt.
  • Magnesium: Magnesium ist ein essenzieller Mineralstoff, der an über 300 enzymatischen Reaktionen im menschlichen Körper beteiligt ist - insbesondere im Energiestoffwechsel, bei der Nervenleitung und der Gefäßregulation. In klinischen Studien konnte die prophylaktische Einnahme von oralem Magnesium die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren. Ein Beispiel hierfür ist Migravent, das neben Magnesium auch Coenzym Q10, Riboflavin (Vitamin B2) und weitere synergistisch wirkende Substanzen enthält.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben Medikamenten gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Behandlungen, die bei Migräne helfen können:

  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson (PMR), Autogenes Training, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Biofeedback: Bei der Biofeedback-Therapie werden Körpermarker wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgesetzt. Der Betroffene lernt so leichter, wie er diese Signale verändern kann - also die Gefäßweite willkürlich zu beeinflussen.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei manchen Menschen die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, Stressoren zu identifizieren und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
  • Regelmäßiger Ausdauersport: Regelmäßiger, moderater Ausdauersport (Fahrradfahren, Schwimmen, Joggen) kann die Häufigkeit von Migräneattacken verringern.
  • Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Es kann auch hilfreich sein, bestimmte Nahrungsmittel und Getränke zu meiden, die als Trigger für Migräneattacken bekannt sind.
  • Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die individuellen Triggerfaktoren zu identifizieren und diese möglichst zu vermeiden. Ein Schmerztagebuch kann dabei helfen, die Triggerfaktoren zu erkennen.
  • Pfefferminzöl: Pfefferminzöl, das auf die Schläfen und die Stirn aufgetragen wird, kann bei Migräneattacken lindern.

Leben mit Migräne

Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren und sich professionelle Hilfe zu suchen. Eine individuelle Behandlung kann helfen, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Weitere Tipps für das Leben mit Migräne:

  • Ruhe und Dunkelheit: Während einer Migräneattacke ist es hilfreich, sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückzuziehen.
  • Kühlende Umschläge: Kühlende Umschläge auf Stirn und Nacken können die Schmerzen lindern.
  • Ausreichend Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und ausreichend Schlaf.
  • Stressmanagement: Finden Sie Strategien, um Stress abzubauen und zu bewältigen.
  • Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Freunden, Familie oder einer Selbsthilfegruppe über Ihre Migräne.
  • Migräne-App nutzen: Es gibt verschiedene Migräne-Apps, die helfen können, die Attacken zu dokumentieren und die Triggerfaktoren zu identifizieren. Auf www.headbook.de finden Sie eine digitale Selbst-Hilfe-Gruppe.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen verlaufen Kopfschmerzen harmlos, aber es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

  • Die Kopfschmerzen plötzlich und stark auftreten.
  • Die Kopfschmerzen sich von anderen Kopfschmerzen unterscheiden, die Sie zuvor hatten.
  • Die Kopfschmerzen von anderen Symptomen wie Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Sprachstörungen oder Schwäche begleitet werden.
  • Die Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung auftreten.
  • Die Kopfschmerzen häufiger oder stärker werden.
  • Die Kopfschmerzen nicht auf rezeptfreie Schmerzmittel ansprechen.

In seltenen Fällen können Kopfschmerzen ein Warnzeichen für sehr ernste oder sogar lebensbedrohliche Krankheiten sein.

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

tags: #migrane #treppe #hupfen