Migräne trotz Low Carb: Ursachen, Zusammenhänge und Ernährungsstrategien

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen kann. Etwa sechs Prozent aller Männer und 15 Prozent aller Frauen in Deutschland leiden laut Robert Koch-Institut unter Migräne. Die Attacken sind oft so intensiv, dass sie das tägliche Leben beeinträchtigen. Anders als beim Spannungskopfschmerz sind die Kopfschmerzen meist einseitig, pulsierend und werden durch Bewegung schlimmer. Reize wie Licht, Geräusche oder Gerüche sind unerträglich. Die Folgekosten, die jedes Jahr durch migränebedingte Arbeitsausfälle und Produktivitätseinschränkungen entstehen, gehen Schätzungen zufolge allein hierzulande in die Milliarden. Heilbar ist die Erkrankung bislang nicht. Noch sind die Ursachen von Migräne nicht völlig erforscht. Klar ist: Die Veranlagung zu dieser Krankheit ist genetisch bedingt. Offenbar funktioniert bei Migräne-Patientinnen und -Patienten die Reizverarbeitung im Gehirn anders - ein Migränegehirn steht quasi immer unter Hochspannung und verbraucht dadurch sehr viel Energie. Bestimmte Triggerfaktoren können dann eine Attacke auslösen.

Die Frage, ob und wie Ernährung, insbesondere Low-Carb-Diäten, Migräne beeinflussen kann, ist komplex und wird in diesem Artikel umfassend beleuchtet.

Migräne verstehen: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist mehr als nur ein Kopfschmerz; es ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen kann. Viele benutzen das Wort Migräne, wenn sie von ihren Kopfschmerzen sprechen. Fachleute unterscheiden bis zu 400 Arten von Kopfschmerzen. Am häufigsten sind Spannungskopfschmerzen, unter denen fast jeder Mensch irgendwann einmal leidet und die oft durch Stress oder muskuläre Verspannungen ausgelöst werden. Die zweithäufigste Kopfschmerzform ist die Migräne: Sie äußert sich in mittleren bis starken pulsierenden Schmerzen auf einer Kopfseite. Migräneattacken können zwischen vier Stunden und drei Tage andauern und werden teils von neurologischen Symptomen wie Sehstörungen eingeleitet. Migräne geht oft mit Übelkeit sowie Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit einher. Seltener sind Cluster-Kopfschmerzen: sehr starke, stechende Schmerzen auf einer Kopfseite im Bereich von Schläfe und Auge.

Triggerfaktoren und individuelle Reaktionen

Selten führt ein Trigger allein zu einer Attacke. Trigger sind zum Beispiel Stress, Lärm oder grelles Licht, hormonelle Schwankungen oder auch Wechsel im Tages- und Lebensrhythmus. „Oft ist bei Migräne die ‚Schwankung‘ das Problem und der Auslöser von Attacken“, sagt Dr. Myriam Schwickert-Nieswandt von der Migräne- und Kopfschmerzpraxis Wiesbaden. Auch bestimmte Nahrungsmittel können Kopfschmerzen mit auslösen - allerdings nicht bei allen Betroffenen und nicht immer. Als Beispiele nennt Dr. Hartmut Göbel, ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel, den sogenannten Hot-Dog-Kopfschmerz, ausgelöst durch zu hohe Nitratspiegel. Nitrat kommt etwa in Wurst und Fleischwaren vor. Ebenfalls Kopfschmerz auslösen kann ein zu hoher Glutamatspiegel im Blut etwa durch Geschmacksverstärker in Gewürzen: das sogenannte „China-Restaurant-Syndrom“. Solche Stoffe und alkoholische Getränke können auch bei Personen, die nicht zu Migräne neigen, Kopfschmerzen auslösen. Kopfschmerz-Expertin Dr. Myriam Schwickert-Nieswandt zufolge gehört Rotwein zu den wenigen Lebensmitteln, bei denen ein bewiesener Zusammenhang mit Migräne besteht. „Migräne-Betroffene sollten ihre individuellen Reaktionen auf Lebensmittel beobachten“, findet Schwickert-Nieswandt. Auch wenn es aus medizinischer Sicht keine pauschale Migräne-Diät für alle Betroffenen gibt. Eine ausgewogene Ernährung mit frischen, vollwertigen Produkten und wenig Fertiggerichten, Wasser, ungesüßtem Tee und wenig Zucker, wie es auch Gesunden empfohlen wird, scheint den Fachleuten zufolge für Migränekranke besonders zuträglich. Viele Argumente sprechen laut Schwickert-Nieswandt außerdem für eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist, die beispielsweise in Nüssen, Leinsamen, Chiasamen und Fisch zu finden sind.

Es ist wichtig, individuelle Trigger zu identifizieren und zu vermeiden. Ein wertvolles Hilfsmittel sind Kopfschmerztagebücher, wie der Kieler Kopfschmerzkalender oder das Kopfschmerztagebuch der DMKG. Auf keinen Fall ist es sinnvoll, bei Migräne ohne guten Grund auf eines oder mehrere Lebensmittel zu verzichten. Die DMKG verweist außerdem darauf, dass selbst als Trigger-identifizierte Nahrungs- und Genussmittel nicht immer Migräneanfälle auslösen.

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Die Rolle von Regelmäßigkeit und Routinen

Leichter zu beantworten als was man essen sollte, ist das Wie: nämlich regelmäßig. „Das Migräne-Gehirn liebt Regelmäßigkeit und Routinen“, weiß Dr. Myriam Schwickert-Nieswandt. Sie rät zu einer „Rhythmisierung des Alltags“ mit regelmäßigen Mahlzeiten. „Eine gute Balance zwischen Anspannung und Entspannung wirken vorbeugend“, ergänzt sie. Regelmäßiger Ausdauersport sowie Entspannungstraining in den schmerzfreien Phasen wirkt Studien zufolge ebenfalls vorbeugend. Insgesamt sollten Lebensmittel als Auslöser von Kopfschmerzattacken nicht überbewertet werden, da noch zahlreiche andere Faktoren abgesehen von der Ernährung eine Rolle spielen können. Dennoch lohnt es sich, genau zu beobachten, ob und welche Lebensmittel Schmerzattacken triggern. Eine Auslassdiät ist erst sinnvoll, wenn ein Nahrungsmittel eindeutig als persönlicher Trigger identifiziert ist. Und auch dann rät Dr.

Ernährung und Migräne: Ein komplexes Zusammenspiel

Der Einfluss von Ernährung bei Migräne ist mit einiger Sicherheit deutlich geringer als über viele Jahre angenommen. Nach aktuellem Stand der Forschung spielen Lebens- und Genussmittel nur selten eine entscheidende Rolle als Triggerfaktoren (Auslöser) von Migräneanfällen. Dennoch kann Ernährung dazu beitragen, Migräneattacken vorzubeugen.

Lebensmittelmythen und wissenschaftliche Erkenntnisse

Die Warnung vor bestimmten Lebens- und Genussmittel als mögliche Triggerfaktoren ist nach wie vor fester Bestandteil von sehr vielen Empfehlungen zur Migräne-Vorbeugung. Ob Publikationszeitschrift, Medizinportale oder Blogs: Fast immer findet sich die Warnung vor Migräne-Triggern wie Akohol, Käse, Kaffee, Schokolade und Zitrusfrüchten oder Histaminen und anderen Nahrungsbestandteilen oder Abbauprodukten. Die Wissenschaft sieht das zunehmend anders. Nach Einschätzung von Migräne-Experten und Fachgesellschaften wird die Rolle von Lebensmitteln als Migräne-Trigger in weiten Teilen der Öffentlichkeit übertrieben dargestellt. Demnach werden „Nahrungsmittel als Auslöser wohl eher über- als unterschätzt“, schreibt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft im Informationsblatt Ernährung und Migräne [2].

Der Migräne-Spezialist Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel beurteilt den Einfluss von vermeintlich migräneauslösenden Lebens- und Genussmitteln noch eindeutiger: „So wenig wie Hunger nach Rollmops und Himbeereis die Ursache der Schwangerschaft ist, so wenig ist der Hunger nach Schokolade die Ursache der Migräne, sondern ebenfalls ein Symptom. Leider ist das noch wenig bekannt und alte Mythen halten sich weiter.“ Laut Göbel ist ein bestimmtes Essverhalten vor einer Migräne-Attacke nicht der Grund für den Anfall, sondern nur ein erstes Anzeichen einer sich anbahnenden Migräne-Episode [1].

Energiemangel als Ursache von Migräneanfällen

Die Medizin weiß nach wie vor nicht, wie Migräne entsteht und was dabei im Detail geschieht. Dr. Göbel verweist aber auf neue Ergebnisse zu den Ursachen von Migräne. Demnach haben Menschen mit Migräne einen überdurchschnittlich hohen Energiebedarf im Gehirn, weil ihr Nervensystem Informationen besonders schnell verarbeitet. Triggerfaktor für Migräneanfälle sind demnach in der Regel nicht bestimmte Nahrungsmittel oder deren Bestandteile. Vielmehr kommt es laut aktuellem Wissensstand zu Migräneattacken, wenn dem Gehirn nicht ausreichend Energie aus der Nahrung zur Verfügung steht. Genau dieser Energiemangel aber lässt sich durch die richtige Ernährung bei Migräne vermeiden.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Regeln zur Ernährung bei Migräne

Einen konstanten Blutzuckerspiegel herbeizuführen, ist für ansonsten gesunde Menschen vergleichsweise einfach - mit diesen Regeln zur Ernährung bei Migräne:

  • Frisch und abwechslungsreich essen (möglichst selbst kochen, industriell verarbeitete Lebensmittel sparsam verwenden)
  • Mehr komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Kartoffeln, Obst und Gemüse statt aus Weißmehlprodukten oder Süßspeisen
  • Mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer
  • Keine Mahlzeit auslassen
  • Wenig tierische Fette und Zucker

Nocebo-Effekt bei Lebensmitteln als Migräne-Auslöser

Aufgrund eines überholten vermeintlichen Wissens über die Ursachen von Migräne halten nun viele Migränekranke Heißhunger für das untrügliche Anzeichen eines bevorstehenden Migräneanfalls. Da der Migräneanfall tatsächlich kommt, sehen Betroffene ihre Annahme bestätigt - und diese verfestigt sich immer weiter. So entsteht Schmerz durch eine negative Erwartungshaltung und wird sogar verstärkt. Mediziner sprechen von einem Nocebo-Effekt: Schmerzen entstehen, weil Menschen davon überzeugt sind, dass die Schmerzen auftreten werden.

Dr. Göbel hat die Wirkung des Nocebo-Effektes bei Migräne-Patienten getestet. Für seinen Versuch teilte er Probanden in zwei Gruppen auf. Beide Gruppen erhielten exakt die gleiche Schokolade in der gleichen Menge. Nur eine der beiden Gruppen erhielt die Information, die Schokolade enthalte schmerzfördernde Inhaltsstoffe. In dieser Gruppe kam es bei 30 Prozent der Probanden zu einer Kopfschmerzattacke. Die andere Gruppe blieb beschwerdefrei.

Migräne und Low Carb: Ein Widerspruch?

Ernährungskonzepten wie der ketogenen Diät, bei der die Zufuhr an Kohlenhydraten etwa aus Brot, Kartoffeln oder Nudeln stark reduziert wird, zugunsten von ausgewählten Fetten und Proteinen, stehen sowohl Göbel als auch Schwickert-Nieswandt skeptisch gegenüber. Dr. Caroline Jagella, Chefärztin in der Neurologie der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein im Taunus, geht hingegen davon aus, dass eine ketogene Ernährung auch bei Migräne helfen könnte. Die Annahme: Durch die hohen Fett- und Proteinanteile soll der Blutzuckerspiegel konstant bleiben. Jagella verweist auf mehrere aktuelle Studien, die eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf vermuten lassen. Es gelte herauszufinden, wer auf die ketogene Diät anspricht und welche Form des Ernährungskonzepts im Alltag praktikabel und erfolgreich sein kann, so Jagella. „Ich habe von Patienten bislang gute Rückmeldungen erhalten.

Das Gehirn braucht Energie: Kohlenhydrate versus Ketonkörper

Was liefert dem Gehirn Energie? Das Gehirn braucht vor allem Kohlenhydrate, die in Form von Zucker mit dem Blut ins Gehirn gelangen. Die richtige Ernährung bei Migräne sorgt also für einen ausreichenden und möglichst konstanten Blutzuckerspiegel. Dadurch lässt sich laut Dr. Göbel „Migräneanfällen nachweislich vorbeugen oder die Häufigkeit reduzieren".

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

Auf Fastenkuren und Low-Carb-Diäten verzichten. Kohlenhydratarme Ernährungskonzepte (Low-Carb-Diäten) und Fastenkuren wie das Teilzeitfasten liegen voll im Trend. Für Menschen mit Migräne sind diese Diäten nicht geeignet, weil das Gehirn aus Fetten und Eiweißen nur unzureichend Energie gewinnt. Es stimmt übrigens nicht, dass das Gehirn nur Zucker verstoffwechseln kann. Es kann auch Ketonkörper als Energie verwenden. Die ketogene Diät wurde bereits vor 100 Jahren recht erfolgreich bei Epilepsie angewandt.

Insulinresistenz und Blutzuckerschwankungen

Eine Untersuchung von 2005 [2] legt z.B. nahe, dass Migräniker:innen ein Problem mit (schnellen) Kohlenhydraten haben. Essen wir Kohlenhydrate, dann brauchen wir das Hormon Insulin. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es dafür sorgt, dass der Zucker bzw. die Glukose, also die in kleine Teilchen aufgespaltenen Kohlenhydrate, in die Zellen geschafft werden. Migränebetroffene verfügen oft über eine schlechtere Glukose-Toleranz bzw. über eine verringerte Insulinsensitivität. Eine verringerte Insulinsensitivität oder auch Insulinresistenz bedeutet, dass der Körper in Bezug auf Insulin abgestumpft ist und mehr Insulin notwendig ist, um eine bestimmte Menge an Kohlenhydraten zu verstoffwechseln. Eine erhöhte Insulinmenge führt in der Regel aber zu einem schnellen Absinken des Blutzuckers. Unterzuckerungen (Hypoglykämien) treten auf. Das Gehirn bekommt das Signal ‚zu wenig Zucker im Blut‘ und hat Angst zu verhungern. Es schickt also seinen Menschen auf die Suche nach Energie. Richtig!!! Eben! Wir essen also Kohlenhydrate und das Spiel fängt von vorne an. Auf wissenschaftlich heißt das: „Hyperinsulinismus führt bei kohlenhydratreicher Ernährung zu häufigen Hypoglykämien“. Das Insulin spielt eine Schlüsselrolle bei Blutzuckerschwankungen. Zahlreiche Untersuchungen [3] konnten nachweisen, dass Migräne-Betroffene verstärkt unter Unterzuckerungen leiden.

Moderate Low-Carb-Ansätze: LOGI und LCHF

Ein Ausweg aus dem Insulin-Teufelskreis mit all seinen Folgen besteht dann logischerweise darin, wenig(er) Kohlenhydrate zu essen. Eine moderate Form einer kohlenhydratreduzierten Ernährung ist die LOGI Ernährung. LOGI ist die Abkürzung von Low Glycemic and Insulinemic Index. Diese Ernährungsweise wurde von Dr. Nicolai Worm [5], einem Ernährungswissenschaftler, für Menschen mit Insulinresistenz entwickelt. Eine Insulinresistenz ist oftmals die Vorstufe zu Diabetes Typ 2. Diese Ernährungsform empfiehlt ausschließlich Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index. „Schnelle Kohlenhydrate“ sollen gemieden werden.

Die LCHF (low carb high fat) Diät ist eine Ernährung mit wenig Kohlenhydraten und reichlich gesunden Fetten. Zu den LCHF-Pionieren zählen die schwedische Ärztin Annika Dahlqvist und ihr Landsmann Sten Sture Skaldeman. Es ging ihnen vorrangig darum zu vermitteln, dass die weitverbreitete Angst vor natürlichem Fett unbegründet war. Darüberhinaus wollten sie die Menschen für eventuelle schädliche Folgen eines ständig erhöhten Kohlenhydratkonsums sensibilisieren [6]. Je nach täglich erlaubter Kohlenhydratmenge gibt es verschieden strenge Formen von LCHF. Die Vorteile der moderaten Formen sind in Hinblick auf Migräne analog zur LOGI Ernährung. Insulin- und BlutzuckerspiegeI bleiben niedrig. Blutzuckerschwankungen fallen gering aus und reduzieren Stress.

Ketogene Ernährung: Ein möglicher Therapieansatz bei Migräne?

Die ketogene Ernährung ist die strengste Form der Kohlenhydratrestriktion. Sie ist dadurch definiert, dass der Körper in der Leber vermehrt kleine Moleküle, die Ketonkörper, bildet. Ketonkörper werden aus Fettsäuren gebildet und dienen u.a. als (Ersatz-) Brennstoff.

Die ketogene Diät wurde bereits vor 100 Jahren recht erfolgreich bei Epilepsie angewandt. Die verschiedenen Low Carb Ernährungsformen wirken unterschiedlich auf die Migräne. Bei der Reduktion von (schnellen) Kohlenhydraten kommt die positive Wirkung auf die Migräne vor allem durch den stabilen Blutzuckerspiegel, der einerseits dafür sorgt, dass Unterzuckerungen und somit temporäre Energiedefizite nicht mehr auftreten und so dem Gehirn immer ausreichend Energie zur Verfügung steht. Und andererseits führen weniger Blutzuckerschwankungen zu einer Beruhigung des Hormonsystems.

Ein Riesenvorteil bei der ketogenen Ernährung ist, dass wir metabolisch flexibel werden. D.h. der Körper lernt bei einem sehr geringen Kohlenhydratangebot auf den Fettstoffwechsel zuzugreifen. Da unsere körpereigenen Kohlenhydratspeicher sehr begrenzt, unsere Fettspeicher hingegen mehrere Wochen reichen, steht immer ausreichend Energie zur Verfügung. Das Gehirn nutzt die Ketonkörper als alternative Energiequelle. Bei Migränebetroffenen konnte in Hirnscans eine verminderte Zuckerverwertung gezeigt werden. Wenn es ein Problem mit dem Glukosestoffwechsel gibt, dann können alternativ Ketonkörper verwendet werden. Ketonkörper wirken außerdem antientzündlich.

Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen

Allerdings gibt es Fallbeispiele, die davon berichten, dass eine ketogene Diät zu völliger Schmerzfreiheit geführt habe. Bericht von R. Der amerikanische Arzt Strahlman berichtet in der Fachzeitschrift Headache von seiner Frau, die seit Kindesalter an starker Migräne litt. Weder Medikamente noch Veränderungen in der Ernährung oder dem Lebensstil brachten einer Linderung der Beschwerden. Im Erwachsenenalter litt sie fast täglich unter Kopfschmerzen. Die entscheidende Veränderung trat nach ihrer zweiten Schwangerschaft ein: Aufgrund von Übergewicht durch die Schwangerschaft begann sie eine kohlenhydratarme, aber proteinreiche Diät unter ärztlicher Aufsicht. Die Ketose setzte trotzdem ein, da die Leber das körpereigene Fett umwandeln konnte. Strahlman berichtet, dass seine Frau bereits zu Beginn der Ketose vollkommen schmerzfrei war. Sie behielt diese Diät 7 Monate bei, bevor sie nach und nach wieder mehr Kohlenhydrate zu sich nahm (auch Trigger-Lebensmittel wie Schokolade oder Alkohol). Strahlman wollte mit seinem Beitrag dazu anregen, die Forschung hinsichtlich der Wirkung von einer ketogenen Diät bei Migräne weiter voranzutreiben, da er aufgrund seiner persönlichen Erfahrung überzeugt davon war, dass diese Ernährungsumstellung der Grund für die Beschwerdefreiheit seiner Frau war.

Antonia leidet seit ihrer Jugend unter starker Migräne. Die Medikamente, die ihr Arzt ihr verschrieben hat, wirken zwar schmerzlindernd, aber ganz beschwerdefrei ist sie nie. In einem Gespräch mit einer Arbeitskollegin erfuhr sie, dass es auch alternative Therapiemöglichkeiten gibt, die sehr vielversprechend sind. So berichtete ihre Arbeitskollegin, dass ihr Mann sich seit einem Jahr ketogen ernähre und seitdem erst einmal wieder eine Migräneattacke hatte. Das klang verlockend.

Vorsicht und ärztliche Beratung

Allerdings gibt es keine Studien, die diese Annahme hinreichend unterstützen, auch wenn es im Internet eine Reihe von Ratgebern und persönlichen Erfolgsberichten gibt. Die ketogene Diät gilt an sich als ungefährlich - die Vorteile scheinen die Nachteile zu überwiegen. Allerdings gilt hier wie bei jeder anderen Ernährungsumstellung auch, dass jeder Mensch anders auf diese Veränderungen reagiert und diese Diät nicht für jeden geeignet ist. Im Fall einer Migräneerkrankung sollte eine ketogene Diät unbedingt mit Ihrem Arzt abgesprochen werden. Dr. T. Die ketogene Diät ist eine langfristige Ernährungsumstellung. Um den Zustand der sogenannten Ketose zu erreichen braucht es bei Erwachsenen mehrere Tage. Kurzfristig werden die Wirkmechanismen dieser Diät also nicht funktionieren. Dr. T. Die genannte Gefahr eines Blucktzuckerabfalls ist grundsätzlich ungünstig, da er zu einem der Hauptfaktoren zählt, die eine Migräne überhaupt erst auslösen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten (z. B. Dr. T. Eine ketogene Diät sollten Sie im Falle einer Migräneerkrankung in jedem Fall mit ihrem Arzt absprechen.

Wie man beginnt

Am besten ganz behutsam. Nehmen wir dem Körper seine gewohnte Energiequelle weg, dann ist er not amused. Viele Betroffene reagieren auf einen rigiden Kohlenhydratentzug mit verstärkter Migräne und körperlicher Schwäche. Deshalb heißt es, langsam starten. Anfangs vielleicht nur die „schnellen Kohlenhydrate“ weglassen oder eine Mahlzeit kohlenhydratärmer gestalten. Ein Kohlenhydratjunkie braucht unter Umständen Wochen oder Monate bis er sich an eine kohlenhydratarme Ernährung angepasst hat. Wichtig! Falls du unter Migräne leidest und der Ernährung eine Chance geben möchtest, dir aber nicht sicher bist, ob das wirklich das Richtige für dich ist. Oder wenn du dich fragst, woher du die Energie nehmen sollst, dich nun auch noch um deine Ernährung zu kümmern. Oder du nicht weißt, worauf du bei einer kohlenhydratreduzierten Ernährung achten musst, dann findest du HIER mein Angebot.

Weitere Strategien zur Migräneprävention

Es gibt verschiedene Methoden, um Migräneanfälle zu lindern oder zu verhindern.

  • Ruhe & Dunkelheit: Legen Sie sich in einen ruhigen, dunklen Raum und versuchen Sie zu entspannen.
  • Kühlung: Eine Kühlkompresse oder ein kaltes Tuch auf der Stirn oder am Hinterkopf können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Massage & Akupressur: Eine sanfte Massage von Nacken und Kopf kann helfen, Spannungen und Schmerzen zu lindern. Auch eine Fußreflexzonenmassage kann die Durchblutung und den Energiefluss in Ihrem Körper verbessern.
  • Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, um Dehydration zu vermeiden - vor allem, wenn Sie unter Erbrechen leiden. Wasser ist hierbei sicher die beste Wahl, aber auch Tee (Kamille oder Pfefferminz) eignet sich gut.
  • Ingwer: Ingwer hat eine entzündungshemmende Wirkung und kann bei Übelkeit helfen. Sie können ihn, ganz nach persönlicher Vorliebe, in verschiedenen Formen einnehmen, z. B.
  • Pfefferminzöl: Pfefferminzöl hat eine beruhigende Wirkung auf den Magen und kann bei Übelkeit helfen. Tragen Sie dazu das Öl auf Ihren Schläfen und Ihren Nacken auf oder atmen Sie einfach den erfrischenden Duft ein. Achtung: Nicht aus Versehen das Öl in die Augen wischen! Für Migräne gibt es neben den klassischen Schmerzmitteln auch spezielle Präparate, die sogenannten Triptane.

Bewusster Alltag und Entspannungstechniken

Einige Veränderungen des Lebensstils können helfen, Migräne-Symptome zu lindern oder zu vermeiden. Auf die Frage "Was hilft gegen Migräne" ist das sicher die Top-Antwort - und sie stimmt auch.

Stress ist der häufigste Auslöser von Migräneanfällen. Expertentipp: Alltägliche Situationen wie bevorstehende Prüfungen, Überforderung bei der Arbeit oder Beziehungsprobleme erzeugen oft Stress. Körperliche Überlastung kann ebenfalls Migräneanfälle verursachen. Dies erklärt, warum einige Menschen nach dem Sport Migräne bekommen. Obwohl Sport und Bewegung grundsätzlich gut für Sie sind, benötigt Ihr Körper in diesen Phasen viel Energie. Dies kann zu einem Energiedefizit im Gehirn führen und somit Migräneanfälle auslösen. Hormone können auch eine Ursache für Migräne sein. Nach einer Schwangerschaft können Migräneanfälle häufiger auftreten. Auch in den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel und die Hormone geraten generell durcheinander. Starke Kopfschmerzen können auch durch äußere Einflüsse ausgelöst werden. Auch Licht kann Anfälle auslösen. Bestimmte Lichteffekte und Hell-Dunkel-Kontraste können ebenfalls Migräne verursachen. Lärm kann auch eine Reizüberflutung verursachen und ein Auslöser für Migräne sein.

tags: #migrane #trotz #low #carb