Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland und betrifft viele Menschen. Für die Behandlung und Vorbeugung von Migräneattacken steht eine Vielzahl von Arzneien zur Verfügung, doch ein erheblicher Anteil der Migränepatienten wird nicht oder nicht ausreichend behandelt. Jüngste Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Migräne und einem erhöhten Risiko für Gefäßerkrankungen hin, was die Notwendigkeit einer besseren Versorgung und Aufklärung von Migränepatienten unterstreicht.
Erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen bei Migränepatienten
Menschen mit Migräne haben ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen. Zwei große aktuelle Studien aus den USA und aus Dänemark zeigen, dass Migränepatienten etwas häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle und venöse Thrombosen erleiden. Es ist wichtig zu beachten, dass die Sterblichkeit von Menschen mit Migräne insgesamt nicht höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Ärzte, die Migränepatienten behandeln, sollten sich des Risikos aber bewusst sein.
Hinweise darauf hatten in den vergangenen Jahren mehrere Untersuchungen an ausgewählten Bevölkerungsgruppen ergeben, die nun gleich durch zwei große Studien bestätigt werden. Eingeschlossen wurden annähernd 400 000 Migränepatienten und ca. 750 000 nicht Betroffene als Kontrolle. Und während die Sterblichkeit an Krankheiten aller Art in der gesamten Gruppe nicht höher war als bei den Kontrollen, galt dies nicht für die Migräne mit Aura. Die Gesamtsterblichkeit dieser Patienten war um 20 Prozent erhöht.
Eine Gruppe von Patienten erfordere jedoch besondere Aufmerksamkeit, wie sich aus den Studiendaten ergibt: „Frauen mit häufigen Migräneattacken mit Aura sollten nach ihren vaskulären Risikofaktoren befragt und diese dann konsequent behandelt werden. Die Frage, ob durch eine wirksame Behandlung der Migräne auch das Risiko für vaskuläre Ereignisse gesenkt werden kann, ist noch nicht beantwortet.
Zusammenhang zwischen Migräne und kardiovaskulären Problemen
Wer unter Migräne leidet, hat ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Probleme wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Thrombosen und Herz-Rhythmus-Störungen. Eine Studie mit den Daten von mehr als einer halben Million Dänen, die im »British Medical Journal« erschienen ist, fand einen statistischen Zusammenhang. Pro 1000 Personen erlitten 25 der Migräne-Patienten einen Herzinfarkt im Vergleich zu 17 von 1000 Personen der Kontrollgruppe. Bei 45 von 1000 Migräne-Patienten traten Schlaganfälle auf im Vergleich zu 25 in der Vergleichsgruppe. Auch für Blutgerinnsel und Herz-Rhythmus-Störungen fanden die Forscher eine Assoziation. Bei Migräne mit Aura sowie bei Frauen war der Zusammenhang deutlicher als bei Migräne-Patienten ohne Aura oder bei Männern. Keinen Hinweis gab es dagegen für ein erhöhtes Risiko für Herzversagen und periphere arterielle Erkrankungen. Die Forscher weisen darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen Rückschluss auf die Ursachen zulässt.
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
Migräne mit Aura und erhöhtes Schlaganfallrisiko
Bei manchen Betroffenen kündigt sich die Migräne mit Sehstörungen wie Lichtblitzen oder Zickzacklinien, vorübergehenden blinden Flecken im Gesichtsfeld oder Taubheitsgefühlen an. Etwa jeder Dritte mit Migräne erlebt diese sogenannte Aura. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, liegt bei diesen Betroffenen um 56 Prozent höher als bei ihren Leidensgenossen, deren Migräne ohne Aura verläuft. Medizinische Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie raten dazu, vor allem bei Frauen mit häufigen Migräneattacken mit Aura weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen abzuklären. Dazu zählen besonders Rauchen und hormonelle Verhütung.
Blutgerinnungsstörungen im Überblick
Bei Gerinnungsstörungen läuft die Blutgerinnung im Körper nicht richtig ab. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Arten der Störung: Einerseits kann die Blutgerinnung verzögert sein und es kommt zu einer Blutungsneigung. Dann treten beispielsweise scheinbar grundlose Blutungen in der Haut oder den Schleimhäuten auf, bluten Wunden länger als üblich und haben Frauen eine besonders starke Regelblutung (Menstruation).Andererseits führen manche Gerinnungsstörungen dazu, dass sich Blutgerinnsel (Thrombosen) leichter und schneller bilden (Thromboseneigung).
Die Ursachen von Blutgerinnungsstörungen sind vielfältig. Ein Teil ist erblich bedingt wie die Bluterkrankheit (Hämophilie) - hier fehlen bestimmte Gerinnungsfaktoren im Blut. Bei Neugeborenen geht eine gestörte Gerinnung oft auf einen Vitamin-K-Mangel zurück. Außerdem können Medikamente, Immunreaktionen und verschiedene Erkrankungen - zum Beispiel Leberschädigungen - die Blutgerinnung beeinträchtigen.
Milde Gerinnungsstörungen haben im Alltag nur geringe Auswirkungen und bedürfen keiner speziellen Therapie. Kommt es zu deutlicheren Beschwerden, lässt sich eine Blutungsneigung oder ein erhöhtes Thromboserisiko häufig mit Arzneimitteln in den Griff bekommen.
Symptome von Blutgerinnungsstörungen
Die Symptome von Blutgerinnungsstörungen sind vielfältig. Zu den typischen Symptomen zählen:
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
- grundloses, schwer zu stoppendes Nasenbluten
- häufige Schleimhautblutungen, beispielsweise am Gaumen
- blaue Flecken, die bereits nach leichten Stößen auftreten
- stecknadelkopfgroße Blutungen (Petechien), zum Beispiel an Unterschenkeln und Knöcheln
- übermäßig lang blutende Hautwunden
- Nachblutungen bei kleinen chirurgischen Eingriffen wie beim Ziehen eines Zahnes
- starke, anhaltende Regelblutungen
- Blutergüsse in Muskeln oder Gelenken ohne vorherige Verletzung
Manche Gerinnungsstörungen führen nicht zu einer verringerten, sondern zu einer verstärkten Blutgerinnung. Die Folge sind häufigere Blutgerinnsel, Fachleute sprechen auch von Thrombophilie. Solche Störungen machen sich oft durch Venenthrombosen in den Beinen bemerkbar.
Ursachen von Blutgerinnungsstörungen
Bei der Blutgerinnung spielen zahlreiche Gerinnungsfaktoren mit den Blutplättchen (Thrombozyten) sowie den Wandzellen der Blutgefäße zusammen. Das fein abgestimmte Gerinnungssystem des Körpers ist notwendig, damit das Blut einerseits flüssig bleibt und gut fließen kann und andererseits bei Verletzungen rasch gerinnt und keine größeren Blutverluste entstehen. Bei Gerinnungsstörungen ist dieses Gleichgewicht beeinträchtigt.
- Erbliche Einflüsse: Ein Teil der Gerinnungsstörungen ist genetisch bedingt. Beispielsweise können bestimmte Gerinnungsfaktoren vermindert sein, die für den normalen Ablauf der Blutgerinnung wichtig sind.Darüber hinaus gibt es erbliche Gerinnungsstörungen, bei denen die Blutgerinnung verstärkt abläuft und das Risiko von Blutgerinnseln (Thrombosen) erhöht ist.
- Medikamente: Blutverdünnende Medikamente wie Heparin oder Phenprocoumon hemmen die Wirkung verschiedener Gerinnungsfaktoren oder blockieren ihre Bildung in der Leber. In der Folge steigt das Risiko für Blutungen.Auch ohne Rezept erhältliche Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) können eine Blutungsneigung nach sich ziehen, da sie die normale Funktion der Blutplättchen (Thrombozyten) beeinträchtigen.Daneben beeinflussen verschiedene weitere Medikamente die Blutgerinnung. Viele hormonelle Verhütungsmittel sind dafür bekannt, dass sie die Gerinnung verstärken und das Thromboserisiko erhöhen können.
- Immunreaktionen: Mitunter produziert das Immunsystem Autoantikörper, die beispielsweise die Thrombozyten schädigen oder ihre Bildung blockieren: Dadurch sinkt ihre Zahl, eine Blutungsneigung ist die Folge. Fachleute sprechen hier von einer Immunthrombozytopenie. Warum solche Autoantikörper entstehen, ist oft unklar.
- Andere Erkrankungen: Verschiedene Gerinnungsfaktoren werden in der Leber gebildet. Daher können beispielsweise chronische Leberschädigungen zu einer Blutungsneigung führen. Ebenso gehen unterschiedliche andere Erkrankungen wie Nierenleiden oder Krebs öfter mit vermehrten Blutungen einher, manchmal auch mit häufigeren Thrombosen.
- Vitamin-K-Mangel: Vitamin K ist für die Bildung mehrerer Gerinnungsfaktoren in der Leber wichtig. Da Neugeborene dieses Vitamin nur in geringen Mengen speichern können, besteht bei ihnen ein teils erheblich erhöhtes Blutungsrisiko. Deshalb erhalten Babys nach der Geburt routinemäßig Vitamin K zur Vorbeugung (Vitamin-K-Prophylaxe).
Diagnose und Behandlung von Gerinnungsstörungen
Um eine Gerinnungsstörung festzustellen, fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach der medizinischen Vorgeschichte und typischen Symptomen. Dadurch lässt sich einordnen, ob eine Gerinnungsstörung vorliegt und wenn ja, wie schwer sie ist.Zudem ist für eine genaue Diagnose eine Blutabnahme erforderlich. Im Labor prüft man mit verschiedenen Tests, wie lange das Blut zum Gerinnen benötigt. Außerdem wird die Zahl und Gestalt der Blutplättchen (Thrombozyten) untersucht.Je nach Ergebnis können weitere Laboruntersuchungen notwendig sein, beispielsweise um die Konzentration einzelner Gerinnungsfaktoren zu bestimmen oder die Funktionstüchtigkeit der Thrombozyten zu testen. Auch genetische Analysen sind bisweilen aufschlussreich.Die weitergehende Diagnostik wird oft von Fachärztinnen und Fachärzten der Hämatologie durchgeführt - sie sind spezialisiert auf Erkrankungen des Blutes und der blutbildenden Organe.
Manche Gerinnungsstörungen sind sehr mild ausgeprägt und haben im Alltag nur geringe Auswirkungen. Sie bedürfen keiner besonderen Therapie. Treten bei Gerinnungsstörungen dagegen stärkere Symptome auf, werden verschiedene Arzneimittel eingesetzt. Beispiele dafür sind:
- Gabe des Wirkstoffs Tranexamsäure: Er kann bei unterschiedlichen Gerinnungsstörungen Blutungen stoppen oder ihnen vorbeugen.
- Spritzen fehlender Gerinnungsfaktoren: zum Beispiel bei der erblich bedingten Bluterkrankheit (Hämophilie)
- Vitamin-K-Mangel: Neugeborene erhalten das Vitamin routinemäßig nach der Geburt. Gelegentlich können Vitamin-K-Präparate auch bei Erwachsenen sinnvoll sein.
- Anti-Thrombose-Strümpfe (Kompressionsstrümpfe) und blutverdünnende Medikamente: Sie kommen bei Gerinnungsstörungen mit Thromboseneigung zum Einsatz, um tiefen Venenthrombosen vorzubeugen.
Der Nutzen und das Risiko der jeweiligen Arzneimittel sollten im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?
Zerebrale Sinus- und Venenthrombose (CVST)
Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel. Das kann im Gehirn zu einem Schlaganfall führen. Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) im venösen System des Gehirns. Venenthrombosen im Gehirn entstehen durch unterschiedlichste Ursachen, z. B. durch Infektionen mit Bakterien (septische Thrombose) oder hormonelle oder andere Störungen (aseptische Thrombose).Fachleute bezeichnen die Erkrankung als zerebrale Sinus-/Venenthrombose, kurz CVST.Die meisten Thrombosen im Hirn sind Sinusthrombosen. Ein Sinus ist ein Hohlraum, der dieselbe Aufgabe hat wie eine Vene: Er leitet sauerstoffarmes Blut zum Herzen zurück. Er hat meist einen breiten und abgeflachten oder eckigen Querschnitt. Am häufigsten betroffen sind:
- Der Sinus sagittalis superior (verläuft direkt unter dem Schädelknochen von vorn nach hinten)
- Der Sinus transversus (verläuft waagerecht am Hinterkopf nach rechts und links)
- Der Sinus rectus (verläuft waagerecht von vorne nach hinten)
Venenthrombosen sind seltener als Sinusthrombosen. Sie betreffen oft die Galen-Vene (Vena cerebri magna). Sie befindet sich tief zwischen der rechten und der linken Hirnhälfte. Manchmal entstehen Thromben auch in Venen der Hirnrinde oder in Brückenvenen, die die Hirnhäute durchqueren.
Symptome der CVST
Das erste Symptom sind meist Kopfschmerzen. Fast alle betroffenen Personen leiden im Verlauf darunter. Manchmal setzt der Schmerz urplötzlich ein, aber es gibt auch alle anderen Formen von Kopfschmerzen. Viele Patient*innen leiden unter neurologischen Symptomen, z. B. Muskellähmungen, vollständigen oder unvollständigen Halbseitenlähmungen, Empfindungsstörungen oder Sprachstörungen. Oft kommt es zu epileptischen Anfällen. Auch Übelkeit und Erbrechen sind möglich. Einige betroffene Personen werden schläfrig bis ohnmächtig. Weitere mögliche Beschwerden sind Sehstörungen und eine schmerzhafte Nackensteifigkeit (Meningismus). Manchmal kommt es zu Verwirrtheit und Psychosen.Die Symptome hängen davon ab, wo genau sich der Thrombus befindet. Die Erkrankung kann akut bis chronisch verlaufen.
Ursachen der CVST
Das Gerinnungssystem hilft dem Körper dabei, Blutungen bei Verletzungen zu stoppen. Blut kann aber in bestimmten Situationen auch innerhalb eines Blutgefäßes gerinnen. Dadurch kann das Gefäß komplett verstopft werden. Wenn das im Gehirn passiert, kann Hirngewebe geschädigt werden, und es kann zu Kopfschmerzen oder Symptomen eines Schlaganfalls kommen. Außerdem kann Flüssigkeit oder Blut ins Hirngewebe übertreten und der Hirndruck gefährlich steigen.
- Die septische zerebrale Sinus-/Venenthrombose wird durch Infektionen verursacht. Mögliche Ursachen sind:
- Mittelohrentzündung (Otitis media)
- Entzündung des Warzenfortsatzes des Felsenbeines (Mastoiditis)
- Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis), der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder der Hirnhäute (Meningitis)
- Eiteransammlung an einem Zahn (Zahnabszess) oder im Hirn (Hirnabszess)
- Offenes Schädel-Hirn-Trauma
- Die aseptische zerebrale Sinus-/Venenthrombose hat unterschiedlichste Risikofaktoren:
- Rauchen
- Weibliches Geschlecht
- Hormonelle Empfängnisverhütung, „Pille” (bis zu 13-fach erhöhtes Risiko)
- Schwangerschaft (besonders letztes Schwangerschaftsdrittel und Wochenbett)
- Genetische Erkrankungen der Blutgerinnung wie z. B. Faktor-V-Leiden-Mutation
- Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
- Krebserkrankungen
- Tumor des Gehirns, der Hirnhäute, der Hirnnerven oder der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)
- Sichelzellanämie und andere Erkrankungen des blutbildenden Systems
In mindestens 10 % der Fälle lässt sich keine Ursache finden.
Diagnose und Therapie der CVST
Bei dem Verdacht auf eine Sinus- oder Venenthrombose im Gehirn erhält die Person eine notfallmäßige Krankenhauseinweisung. Am besten ist ein Krankenhaus mit einer Spezialstation für akute Schlaganfälle und/oder einer Intensivstation.
Im Krankenhaus geschieht in der Regel Folgendes:
- Blutentnahme
- Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) jeweils mit venöser Angiografie: MRT und CT sind gleichwertig. Eine MRT kommt ohne Strahlenbelastung aus. Sie wird oft bevorzugt eingesetzt in der Schwangerschaft und bei jüngeren Patient*innen.
- Digitale Subtraktionsangiografie (DSA; in Einzelfällen): Dabei werden Aufnahmen mit und ohne Kontrastmittel erstellt.
Die betroffene Person erhält sofort gerinnungshemmende Medikamente. Zur Akutbehandlung dient meist niedermolekulares Heparin (NMH).Auf die Akutbehandlung folgt die Erhaltungstherapie mit Tabletten, die die Blutgerinnung hemmen. Die Erhaltungstherapie dauert meist 3-12 Monate. Personen mit einem erhöhten Risiko für erneute Thrombosen müssen teils lebenslang behandelt werden.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten:
- Operation zur Ausräumung des Infektionsherdes (mit gleichzeitiger Antibiotikatherapie)
- Entfernung des Thrombus durch das Blutgefäß (endovaskuläre Thrombektomie)
- Offene Operation (bei erhöhtem Hirndruck müssen ggf. Teile des Schädelknochens entfernt werden)
Prävention und Prognose der CVST
- Verzicht auf hormonelle Empfängnisverhütung: Wenn Frauen bereits eine Sinus- oder Venenthrombose erlitten haben, die im Zusammenhang mit Hormonpräparaten oder einer Schwangerschaft stand, sollten sie auf Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Empfängnisverhütung verzichten.
- Schwangerschaft: Der Einfluss von Schwangerschaften auf das Risiko ist unklar. Das Risiko ist gering, wenn keine zusätzlichen Risikofaktoren vorliegen. Bei Frauen mit Risikofaktoren oder einer vorhergehenden Thrombose kann eine Vorbeugung mit niedermolekularem Heparin (NMH) während der Schwangerschaft sinnvoll sein. Sie sollte mindestens 6 Wochen nach der Geburt fortgeführt werden.
- Risikosituationen: Für Personen mit einem hohen Risiko aufgrund einer Grunderkrankungen oder vorhergehenden Thrombosen wird in Risikosituationen (z. B. lange Reisen, Krankheit mit langem Liegen, bestimmte Operationen …) eine Vorbeugung mit Medikamenten empfohlen.
Die Erkrankung kann akut bis chronisch verlaufen. Mögliche Komplikationen sind Blutungen innerhalb des Schädels, Schlaganfälle und erneute Thrombosen. Bei den meisten Personen öffnet sich die verschlossene Stelle wieder ganz oder teilweise (Rekanalisation). Es besteht aber oft kein Zusammenhang mit den Beschwerden, da diese mehr durch die Blutung, die Blutversorgung oder Hirndruck ausgelöst werden.Insgesamt ist die Prognose gut. Mehr als 75 % der Patient*innen erholen sich (nahezu) vollständig. In etwa 15 % der Fälle führt die Thrombose zu Pflegebedürftigkeit oder verläuft tödlich. Im ersten Jahr nach der Thrombose beträgt die Wahrscheinlichkeit für erneute Thrombosen etwa 2,5 %. Danach ist sie geringer.
Kopfschmerzen und vaskuläre Erkrankungen
Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom, das viele Ursachen haben kann. Im Zusammenhang mit vaskulären Erkrankungen, insbesondere Schlaganfällen und Sinusvenenthrombosen, können Kopfschmerzen ein wichtiges Warnsignal sein.
Kopfschmerzen bei Schlaganfall
Generell sind Kopfschmerzen bei ischämischen Schlaganfällen weniger häufig und auch von geringerer Intensität als bei ICB. Die Prävalenz liegt bei 16-36 % innerhalb der ersten acht Tage, wobei bei lakunären Infarkten die Prävalenz bei 9,3 % liegt. Die Kopfschmerzen sind eher unspezifisch und vom Spannungskopfschmerz-Typ und tendenziell häufiger bei Lokalisation in der Insel und dem somatosensorischen Kortex. Risikofaktoren für das Auftreten von Kopfschmerzen ist die Vorgeschichte eines primären Kopfschmerz-Syndroms und das weibliche Geschlecht. Intrazerebrale Blutungen sind häufiger von Kopfschmerzen (57 % ) begleitet, wobei Kleinhirn- bzw. lobuläre Blutungen häufiger zu Kopfschmerzen führen. Wenn der Kopfschmerz nach Blutungen persistiert, entspricht er klinisch eher einem Spannungskopfschmerz.
Kopfschmerzen bei Sinusvenenthrombose
Die SVT ist für etwa 0,5 % aller Schlaganfälle verantwortlich. Das Auftreten von Vernichtungskopfschmerzen ist auch im Rahmen einer Sinusvenenthrombose in 2-15 % der Fälle beschrieben. Bei 17 % der Patienten ist der Kopfschmerz das einzige Symptom der SVT (bei bis zu 45 % der isolierten Sinus-transversus-Thrombosen). In den meisten Fällen entwickelt er sich graduell über Tage und ist unspezifisch und nicht lokalisiert. Es gibt eine Korrelation des Kopfschmerzes mit der Ausprägung der SVT. Weitere Symptome sind epileptische Anfälle, fokale Ausfälle und Bewusstseinsstörungen. Primäre Diagnostik umfasst die venöse CT-Angiografie oder besser die Kernspintomografie mit Venendarstellung. D-Dimer-Werte können falsch negativ sein. Der Liquoreröffnungsdruck ist bei mehr als 80 % der Patienten erhöht (>25 cm H2O).
Donnerschlagkopfschmerz
Klassischerweise wird mit einem Vernichtungskopfschmerz eine Subarachnoidal-Blutung assoziiert. In den letzten Jahren konnten aber vermehrt auch andere Ursachen für einen perakut auftretenden heftigsten Kopfschmerz etabliert werden. So fand die Diagnose Donnerschlagkopfschmerz Eingang in die Internationale Headache-Klassifikation (IHS 3). Ursachen für einen Donnerschlagkopfschmerz können unter anderem eine Sinusvenen- Thrombose, eine Dissektion der hirnversorgenden Arterien, ein spontanes Liquorverlust- Syndrom und ein reversibles zerebrales Vasokonstriktions-Syndrom sein. Jede dieser Ursachen bedarf einer anderen spezifischen Diagnostik und Therapie, wobei immer eine SAB zuerst auszuschliessen ist.
Aktuelle Forschungsergebnisse zu Migräne und Schlaganfall
Schlaganfälle sind weltweit die zweithäufigste Todesursache. Seit einiger Zeit lässt sich ein auffälliger Anstieg an Schlaganfällen bei jungen Menschen beobachten. In der Forschung gerät zunehmend ein neuer Risikofaktor in den Blick: die Migräne. Dazu hat eine Studie aus dem Frühjahr 2024 einen wesentlichen Beitrag geleistet.
Es scheint damit erwiesen, dass bei Menschen mit Migräne die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu bekommen, erhöht ist. Fest steht, dass der festgestellte Zusammenhang beider Krankheiten bei Frauen in den jüngeren Gruppen (18-34 Jahre und 35-45 Jahre) besonders stark ist. Zugleich kommt Migräne bei weiblichen Patienten weit öfter vor als bei Männern.
Bei der Ursachensuche für die Häufung von Schlaganfällen bei Menschen unter 55 Jahren stehen unter anderem Veränderungen an den Blutgefäßen im Verdacht. Es konnte gezeigt werden, dass bei den Betroffenen sowohl die Anzahl als auch die Funktionstüchtigkeit von Zellen vermindert ist, die für eine intakte Blutgefäßwand unerlässlich sind. Das macht sie instabil, spröde und anfälliger für Risse. Dieses Risiko steigt, wenn - wie es bei Migränepatient:innen überdurchschnittlich häufig der Fall ist - ein hoher Blutdruck besteht. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Gefäße im Gehirn von Migränebetroffenen eine erhöhte Empfindlichkeit für Krampfereignisse, sogenannte Spasmen, haben. Spasmen in den Hirngefäßen gehen mit gefährlichen Verengungen der Blutbahnen einher.
Eine weitere Gefährdung geht von geschädigten Blutzellen aus, den sogenannten Blutplättchen. Diese sind normalerweise für eine ordnungsgemäße Blutgerinnung, zum Beispiel nach Verletzungen, verantwortlich. Bei diesen Zellen können Fehlfunktionen auftreten, in deren Folge es zu einer Gerinnsel-ähnlichen Verklumpung der Zellen kommt. Solche auch als Thromben bezeichneten Zellmassen können kleinste Blutgefäße verstopfen. Das umliegende Hirngewebe wird nicht mehr ausreichend versorgt, oder der entstehende Überdruck lässt die ohnehin schon geschädigten Gefäßwände reißen.
Außerdem muss man beachten, dass Migräneattacken große Strapazen für das Gehirn bedeuten. Im Rahmen einer Migräneattacke kommt es zu einer sogenannten „Streudepolarisierung“ im Gehirn. Diesen Vorgang kann man sich vorstellen als eine sich nach und nach ausbreitende Entladung unzähliger Nervenzellen. Sie bewegt sich wellenartig über die Großhirnrinde hinweg. Das ist nicht nur die Ursache für den Migräne-Kopfschmerz, sondern führt auch zu einer Minderdurchblutung der Areale, die von der Erregungswelle betroffen sind.
Für weibliche Migränepatientinnen gehören medikamentöse Mittel zur Empfängnisverhütung („Pille“) zu den Gefahrenquellen. Während das Risiko für Schlaganfälle bei Frauen ohnehin höher ist als bei Männern, steigt es weiter durch die Hormoneinnahme: Laut einer durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranlassten Untersuchung erhöhen hormonelle Verhütungsmittel die Gefahr um den Faktor 8 im Vergleich zu migränebetroffenen Frauen, die solche Präparate nicht einnehmen. In weiteren Erhebungen fand man ein erhöhtes Risiko auch bei sogenannten Hormon-Ersatztherapien zur Behandlung von Beschwerden während der Wechseljahre der Frau.
Prävention und Risikomanagement
Angesichts der komplexen Zusammenhänge zwischen Migräne, Blutgerinnungsstörungen und vaskulären Erkrankungen ist eine umfassende Prävention und ein individuelles Risikomanagement von entscheidender Bedeutung.
Herz-Kreislauf-Gesundheit und Labortests
Zu den Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören Fett- und Kalkablagerungen an den Innenwänden der Gefäße (Arteriosklerose). Dauerhaft zu hohe Blutfettwerte steigern die Gefahr für solche Engpässe in den Gefäßen. Labortests zum Beispiel im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung Check-up klären, wie es um die Blutfettwerte steht. Stimmt die Blutgerinnung nicht, kann es häufiger zu Gerinnseln (Thrombosen) kommen. Vor allem, wenn diese in der Familie bereits häufiger aufgetreten sind, lohnt sich ein Thrombophilie-Test.
Individuelle Migräneprävention
Unabhängig vom Zusammenhang der Migräne mit Schlaganfällen können Betroffene durch individuelle Migräne-Prävention eine erhebliche Besserung ihrer Beschwerden erzielen.
tags: #migrane #und #blutgerinnungsstorung